Doron Rabinovici

 4 Sterne bei 70 Bewertungen
Autor von Andernorts, Die Außerirdischen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Doron Rabinovici (©Lukas Becker / Quelle: Suhrkamp Verlag)

Lebenslauf

Doron Rabinovici wurde am 2. Dezember 1961 als Sohn rumänischer Eltern in Tel Aviv geboren. Als er drei Jahre alt war, zog seine Familie nach Wien. Er studierte an der dortigen Universität und promovierte als Historiker. Aufgrund der Geschichte seiner Eltern, die vor den Nazis aus Rumänien nach Israel flohen, ist er sehr engagiert in Vereinen gegen Antisemitismus und Rassismus. Heute lebt er nach wie vor in Wien.

Alle Bücher von Doron Rabinovici

Cover des Buches Andernorts (ISBN: 9783518463109)

Andernorts

 (28)
Erschienen am 22.01.2012
Cover des Buches Die Außerirdischen (ISBN: 9783518469354)

Die Außerirdischen

 (24)
Erschienen am 13.01.2019
Cover des Buches Ohnehin (ISBN: 9783518457368)

Ohnehin

 (7)
Erschienen am 28.08.2005
Cover des Buches Suche nach M (ISBN: 9783518394410)

Suche nach M

 (5)
Erschienen am 20.12.1998
Cover des Buches Die Einstellung (ISBN: 9783518430590)

Die Einstellung

 (2)
Erschienen am 13.02.2022
Cover des Buches Herzl reloaded (ISBN: 9783633542765)

Herzl reloaded

 (1)
Erschienen am 09.01.2016

Neue Rezensionen zu Doron Rabinovici

Cover des Buches Die Außerirdischen (ISBN: 9783518469354)
katzenminzes avatar

Rezension zu "Die Außerirdischen" von Doron Rabinovici

treffende Parabel
katzenminzevor 20 Tagen

Sol ist eigentlich Journalist bei einem Onlinemagazin für Feinschmecker. Doch als es heißt, dass über Nacht Außerirdische auf der Erde gelandet sind, wandelt sich das Magazin zum Nachrichtenmedium der Stunde. Sol und seine Kollegen versammeln alle möglichen Experten, Befürworter und Kritiker bei sich, diskutieren charmant die Pros und Contras einer solch angeblich friedlichen Invasion und gewinnen eine Popularität, mit der niemand gerechnet hätte. Als das Gerücht aufkommt, dass die Außerirdischen nichts weiter als Menschenopfer auf freiwilliger Basis fordern, nimmt die Diskussion nochmal gewaltig an Fahrt auf. Denn wer könnte etwas sagen gegen ein freiwilliges Opfer im Tausch gegen das Wissen des ganzen Universums?

Doron Rabinovivi ist mit „Die Außerirdischen“ eine unheimliche wie treffende Parabel gelungen. Er illustriert präzise eine Gesellschaft, die allzu leicht von Anarchie in Euphorie verfällt. Die kapitalistisch geprägt, leicht zu manipulieren und erstaunlich wankelmütig ist. Düster erinnert Rabinovivi daran, wie leicht wir in faschistoide Strukturen abrutschen, wie leicht Macht ausgenutzt werden kann und wie gerne der Mensch doch Bedenken ignoriert, wenn es ihm in dem Kram passt.

Wer hier eine Sci-Fi-Geschichte mit fremden Lebensformen, futuristischer Technik oder Ausflügen ins All erwartet, der wird enttäuscht. Die Außerirdischen sind schlicht ein Auslöser, ein interessanter Platzhalter für Ereignis X. Die eigentliche Geschichte ist das, was der Mensch daraus macht. Und natürlich macht er es falsch.

Ich fand es faszinierend, wie Rabinovici mit Gerüchten und Andeutungen spielt, wie er Strukturen offenlegt ohne erhobenen Zeigefinger und wie sein Gedankenexperiment Anfangs noch Spaß macht und dann immer düsterer und düsterer wird. Parallelen zur düstersten Zeit Deutschlands sind dabei wohl kein Zufall.

Mich hat die Geschichte fasziniert, unterhalten und überrascht. Von mir gibt es definitiv eine Empfehlung für diesen zeitlos aktuellen Roman!

Cover des Buches Die Außerirdischen (ISBN: 9783518469354)

Rezension zu "Die Außerirdischen" von Doron Rabinovici

Die Außerirdischen ist nicht nur eine grandiose Allegorie, eine brillante Gesellschaftskritik, sondern vor allem auch eine hervorragende Analyse der Gegenwartsgesellschaften.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten

„Sie kamen über Nacht.“ Ein Buchbeginn der Extraklasse. Doron Rabinovici zögert in seinem Die Außerirdischen nicht eine Zeile. Der erste Absatz richtet bereits über das Schicksal der Menschheit. In wenigen Worten schildert er den Ausgangspunkt des Romans. Die Außerirdischen landeten, niemand bekam etwas davon mit. Es gab keine kriegerischen Auseinandersetzungen. „Beklemmend bis heute, heimgesucht worden zu sein, ohne irgendetwas bemerkt zu haben. Als wir aufwachten, war über uns entschieden.“ Selten wurde das dystopische Endzeitszenario trockener serviert.

Dass Außerirdische gelandet sind, wird lediglich über die Medien verkündet. Der kurzen Schockstarre folgt, was folgen muss. Das Chaos bricht aus. Die Menschen flüchten aus den Städten.

„Wohin soll es gehen?“
„Nur weg!“
„Und dann?“
„Einfach raus aus der Stadt.“
„Spinnst du? Die wahren Außerirdischen leben immer schon auf dem Land.“
„Vor den Außerirdischen fürchte ich mich nicht.“

Und schon beginnen die Plünderungen, die Überfälle, die Raube, Morde und Vergewaltigungen. Gangs streifen durch die Straßen, Hooligans randalieren. Es gibt nichts wozu der Mensch im Angesicht der Konsequenz- und Verantwortungslosigkeit nicht im Stande wäre. Rabinovici weiß diesen Umstand gekonnt furchtbar in Szene zu setzen.

Die Welt der Massenmedien

Dabei beginnt hier gerade erst die Eskalationsspirale. Weil niemand so richtig weiß, was eigentlich gerade geschieht, greifen Verschwörungstheorien um sich. Dahinter müssen die Freimaurer stecken. Und Nato und Aliens haben sich verbündet. Es folgen Aufrufe zu Pogromen. Gerücht, Verschwörung, Verfolgungswahn. Die Heilige Dreifaltigkeit der Vernichtungsfantasien und die brutal reale Allegorie zum Hier und Jetzt. Besorgte Väter rüsten auf und bewaffnen sich, um den Gefahren der Anarchie begegnen zu können. Die Landung der Außerirdischen hat zahlreiche Tote zur Folge. Ausnahmslos alle wurden von den Menschen selber ermordet. Der Mensch braucht keine Aliens um sich selbst ins Endzeitszenario zu katapultieren.

Der Protagonist ist Redakteur bei einem kleinen Internetmagazin zur gehobenen Essenskultur. Und aus diesem Nischenprojekt wird über Nacht die Quelle für Informationen, aber vor allem für Klatsch und Tratsch rund um die Außerirdischen. Smack.com entwickelt dazu die Sendung „Brandheiß“, die nicht ungefähr an Sendungen der verrückten Verschwörungstheoretiker und Selbstdarsteller Alex Jones aus den USA oder Jürgen Elsässer in Deutschland erinnert. Angst ist deren Geschäft. Und dabei sind sie wiederum nur ein ins gefährlich absurde übersteigerte Format, ein Zerrspiegel des herkömmlichen Fernsehens.

Nach drei Wochen des Chaos, kehrt langsam wieder Ordnung ein. Die Menschen gewöhnen sich an die Außerirdischen. Der Alltag muss wieder funktionieren. Polizei und Militär haben das Gewaltmonopol wiederhergestellt.

„Viele der Plünderer und Hooligans waren festgenommen worden und mussten sich nun vor Gericht verantworten. Sie hatten sich in ruhige Bürger, brave Studenten, fleißige Lehrlinge zurückverwandelt.“

Und endlich wollen sich die Außerirdischen auch zeigen. Weltweit wird daraus ein riesiges Willkomensfest, mit riesigen Bühnen, Massenparties, Demonstrationen. Popstars und andere Celebrities treten auf, halten Reden. Dabei kann die Außerirdischen niemand so richtig sehen. Rabinovici spielt hier mit dem Aphorismus des Gesellschaftstheoretikers Niklas Luhmann: „„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Medien.“ (Luhmann, Niklas (1996): Die Realität der Massenmedien. Opladen: Westdeutscher Verlag.)

Ein Moderator platzte heraus:

„Sie sind es. Da sind sie! Die Außerirdischen.“
Ein Popstar, der hinter ihm stand, meinte: „Wovon redest du? Wo sind da Außerirdische? Ich sehe nur Menschen.“
„Es ist kaum zu glauben, aber sie sehen aus wie wir.“

Tribute von Panem meets Soylent Green

Nach einer kurzen Phase der intergalaktischen Freude und des kosmischen Größenwahns, wird die Absicht der Außerirdischen deutlich. Einerseits versprechen sie Frieden, Wohlstand und saubere Energien, andererseits benötigen sie auch eine Gegenleistung. Es soll eine weltweite Gameshow starten. Überall können sich die Menschen freiwillig melden. Der Gewinner wird in Ruhm und Reichtum leben. Die Verlierer hingegen werden eine Zeitlang auf einer wundervollen Insel leben, um dann von den Außerirdischen geschlachtet und gegessen zu werden. Die Hinterbliebenen werden dafür natürlich fürstlich entschädigt.

Die freiwilligen Teilnehmer, ob Gewinner oder Verlierer werden zu weltweiten Champs erklärt. Idole einer neuen Generation. Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, heißt sich dem Wettbewerb zu stellen. Wie könnte man denn auf die Vorteile der Außerirdischen verzichten wollen nur um sein eigenes Leben zu retten? Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst. Keine Gesellschaftskritik, die Rabinovici nicht gekonnt eingeflochten hätte.

Die Außerirdischen ist nicht nur eine grandiose Allegorie, eine brillante Gesellschaftskritik, sondern vor allem auch eine hervorragende Analyse der Gegenwartsgesellschaften. Nichts an der Geschichte ist übertrieben in dem Sinne, das Menschen dazu nicht fähig wären, es in der Geschichte bereits getan haben oder gerade dabei sind zu tun.

Verschwörungstheorien, Fremdenfeindlichkeit, Alternative Medien, Hass und Gewalt, autoritäre Gesellschaften mit Polizeistaatsstrukturen, die Militarisierung der Gesellschaft, Medien als Teil der Brot und Spiele Strategie, repressive gar faschistische Staatsstrukturen – in Doron Rabinovicis Roman fehlt es an nichts. An nichts, was die gegenwärtigen Entwicklungen in Europa oder den USA beschreiben würde.

Am Ende wird der Protagonist auch noch deportiert und landet in einem Konzentrationslager. Hier enden nicht nur die Champs, sondern unzählige andere Störer und Gefährder. Denn Protest gegen die menschenverachtenden Spiele oder die Außerirdischen wird mittlerweile als Terrorismus gewertet. Selbst der friedliche Widerstand, selbst die Meinungsäußerung können einen in das Lager bringen. Und von hier kehrt niemand zurück.

Als SciFi Dystopie wäre es lediglich eine Zusammenschau vieler anderer bekannter Geschichten. Sei es die Tribute von Panem, Running Man, Soylent Green, Die Insel, Battle Royal – von allem etwas. Was Rabinovici so außergewöhnlich macht, ist also nicht die innovative Geschichte, sondern die erschreckend realistische Beschreibung der Entwicklung von der eben noch normalen Gesellschaft wie wir sie kennen, hin zu einem menschenverachtenden Totalitarismus. Absolute Pflichtlektüre!

Cover des Buches Die Außerirdischen (ISBN: 9783518469354)
wandablues avatar

Rezension zu "Die Außerirdischen" von Doron Rabinovici

Homo homini lupus!
wandabluevor 4 Jahren

Es war mir eigentlich von vorne herein klar, dass ich bei Doron Rabinovici nicht die „normale“ Dystopie antreffe. Dafür ist er ein zu guter Schriftsteller. Sorry, Dystopieschreibler, ich lese Dystopien echt gern, aber sie gehören nun einmal selten zur gehobenen Literatur. Mit Ausnahme von Margaret Atwoods Werken natürlich. Verneigung vor der großen, geistreichen Dame Atwood. 

Was ich erwartet habe, wenn nicht die „normale“ Dystopie, weiß ich nicht, ich habe es vergessen von der ersten Zeile an, denn Doron Rabinovici holt seine Leser vom ersten Satz an ab („Sie kamen über Nacht“) und mit in seine Geschichte. Das ist spannend! Spannend, sage ich euch! „Sie kamen über Nacht“ ist jetzt nicht besonders geistreich, nicht wahr, aber man ist sofort drin. Das Nägelkauen wird man auch eine geraume Zeit lang nicht los. 

 Beklemmend ist es, was der Autor uns schildert. Was die Ankunft der Außerirdischen mit der Menschheit macht. Dabei sind die Informationen über die Außerirdischen spärlich, man weiß nicht einmal, wo sie gelandet sind, obwohl vom Kanzerlamt die Rede ist und ich deshalb denke, dass die Außerirdischen bei Angie Tee trinken und üben, die Raute zu falten.

Scherz beiseite. Doron Rabinovici spitzt Lage und Atmosphäre mehr und mehr zu bis man da landet, wo man nie mehr zu landen glaubte. Und wo das ist, das darf ich euch nicht sagen, weil ich sonst den Clou des Buches verrate. 

Nur so viel, wo man landet, wenn die Menschheit losgelassen wird und die Panik regiert und noch so manches andere, darüber müsste man wirklich diskutieren! 

Ist es zwangsläufig? Sind wir wirklich so? Sind wir immer wieder so?

 

Fazit: Homo homini lupus. Dieses Wort und seine darin enthaltene Wahrheit hat uns der Autor auch in Dystopieform deutlich vor Augen gemalt. Ich hätte einen anderen Schluß vorgezogen, ganz ehrlich, aber berechtigt diese persönliche Vorliebe zu einem Punkt Abzug? Hm, ich tus einfach mal. Schade, dass ich nicht mit euch darüber disktuieren kann! 

 So oder so: ich spreche eine Leseempfehlung aus. Und die gibt es von mir nicht allzu oft! 

 

Kategorie: Gute Unterhaltung: 5 Punkte.
Belletristik: 3 Punkte. 

 Verlag: Suhrkamp, 2017

 

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Doron Rabinovici wurde am 02. Dezember 1961 in Tel Aviv (Israel) geboren.

Doron Rabinovici im Netz:

Community-Statistik

in 127 Bibliotheken

auf 29 Merkzettel

von 1 Leser*innen aktuell gelesen

von 1 Leser*innen gefolgt

Listen mit dem Autor

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks