In Dorothe Zürchers Roman geht nicht nur die Liebe, sondern auch die Erzählung der spannenden Hintergrundgeschichte durch den Magen. Wunderbar erzählt, fühlt, riecht und schmeckt man Alkmenes, Diethelms und Pares' Erlebnisse förmlich. Das macht das Lesen zu einem wahren Genuss! Über die alltäglichen Vorgänge in der Küche, die orientalischen Zutaten und deren zuweilen ausgegklügelten Besorgungswege, fühlt man sich in dieser doch so fernen Kultur plötzlich heimisch und vertraut. Besonders erfrischend ist die ungewohnte Perspektive: Aus der Sicht einer Köchin blickt man ins Innere des byzantinischen Herrschaftsapparats und erlebt für einmal die Franken als die Barbaren, die grausam, unberechenbar und scheinbar ohne Kultur Adrianopel heimsuchen. Ein für mich wunderbar gelungener Perspektivenwechsel, abgesehen davon, dass ich als Leser den historischen Toggenburgern, Kyburgern und dem Bischof von Basel begegnen darf.
Gemeinsam mit der Protagonistin Alkmene erlebt man den Alltag und die Langeweile im Winterlager eines Heeres sowie die damit einhergehenden Gefahren für die Einheimischen und die Misere für alle Betroffenen. Selbst die Ritter, deren einzige Hoffnung im Erreichen Jerusalems und dem Erlangen von Beute besteht, um den Weg dahin überhaupt zu überstehen, kämpfen um ihr täglich Brot. Alkmene erlebt die Misere beider Seiten und gerät immer wieder zwischen die Fronten. Ein bewegendes Abenteuer hinter den Mauern des mittelalterlichen Adrianopel.



























