Dorothee Elmiger Schlafgänger

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Inhaltsangabe zu „Schlafgänger“ von Dorothee Elmiger

Irgendwo tief im europäischen Wald begegnen sie sich. Grenzgänger, Schmugglerinnen, Flüchtlinge, Arbeiterinnen, Asylbewerber, Kontrolleure, Künstlerinnen, Instrumentalistinnen, Schauspieler, Journalisten, Stipendiaten, Logistiker, Studentinnen, Geister. Sie kommen von überall. Sie alle sind Stellvertreter unserer Zeit, und sie führen ein Gespräch. Über Herkunft und Gerechtigkeit, über Körper und Staat, Import und Export, Heimat und Migration, über Glück, Musik und den Tod. Dorothee Elmiger hat einen Roman geschrieben, der die brisanten Fragen unserer Gegenwart ausleuchtet. Und sie findet dafür eine Sprache, wie sie zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur noch nicht zu hören war.

Großartiges hochaktuelle politisches Buch mit poetischer Struktur und Sprache. Empfehlung!

— FranzHelle
FranzHelle

Flüchtlinge sind Menschen&Grenzen eine willkürliche Erfindung. Für die banale Erkenntnis baut Elmiger einen anstrengend umständlichen Roman.

— franzzi
franzzi

Inspirierender essayistischer Roman über Grenzüberschreitung, Identitätsverlust , Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen; anspruchsvoll

— Liseron
Liseron

Blutlos-intellektuelle Assoziationsübung auf den Zeitgeist.

— alasca
alasca

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    Schlafgänger
    franzzi

    franzzi

    06. July 2015 um 09:38

    Es sollte um Flüchtlinge gehen, versprach der Klappentext. Um die wichtigsten Fragen unserer Zeit. Ich war gespannt.  Und ja, klar, es ging um Flüchtlinge, es ging um Grenzen, um das Irgendwosein, um das Irgendwohingehören, um die Willkür der Zuordnung, um das Problem, dass Menschen mit unterschiedlicher Staatszugehörigkeit ganz unterschiedlich Grenzen passieren. Dass sie nur für die einen ein Problem darstellen. Aber letztlich skizziert der Roman diese Beobachtungen nur schemenhaft in kurzen Erzählungsbruchstücken. Eine Gruppe trifft sich in der Schweiz, sie redet in verschiedenen Zeitebenen. Manche, wie die Übersetzerin und die Schriftstellerin, können reisen wie sie wollen, hier sein und dort und überall. Andere, wie die Bolls, können das nicht, wenn man zwischen den Zeilen liest. Dazu unterbrechen Schnipsel aus Zeitungen, Radio, Fernsehen die kurzen Erinnerungen und Beobachtungen. Das ist nicht nur anstrengend, es ist am Ende auch irgendwie banal. Um jedem unmissverständlich klar zu machen, dass Grenzen eben nur Konstrukte und Menschen im Inneren wirklich, wirklich, wirklich gleich sind, obwohl uns suggeriert wird, dass nur ökonomisch "nützliche" Flüchtlinge gut sind, baut Dorothee Elmiger einen äußerst umständlichen und ermüdenden Roman. Das muss nicht sein, denn es zündet weder das sprachliche noch das inhaltliche. Es hätte philosophisch werden können, analytisch, klug. Aber es verheddert sich in seiner schnipseligen Collagen-Technik. Schade.

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  • Blutlose Fingerübung zum Zeitgeist

    Schlafgänger
    alasca

    alasca

    Blutlose Assoziationsübung auf den Zeitgeist "Schlafgänger" nannte man früher (und vielleicht auch neuerdings wieder) Menschen, meist Arbeitsmigranten, deren Mittel für kein eigenes Domizil, sondern gerade dazu ausreichten, ein Bett für ein paar Stunden zu mieten. Der Titel ist Programm, denn Dorothee Elmigers zweiter Roman hat unter anderem die Ortlosigkeit des modernen Menschen inmitten der fortschreitenden Globalisierung zum Thema. Die Bezeichnung „Roman" ist allerdings irreführend und wohl nur der besseren Vermarktbarkeit geschuldet, denn es gibt weder Figuren noch eine Handlung im konventionellen Sinn. Der Text ist vielmehr eine Aneinanderreihung von Gesprächssequenzen, eine Art permanenter Dialog mit wechselnden Teilnehmern, oder eher ein serieller Monolog. Eine Miniatur nach der anderen, teils sprachlich exquisit, jede davon eine Variation des Themas, wobei sich vieles mit geringer Varianz wiederholt. Sieben Figuren gibt es im Roman; sie treten auf, treten ab, manche kommen erst später hinzu; auf andere Figuren, die selbst nicht auftreten, wird verschiedenerseits referenziert. Wer versucht, im Text oder den Figuren Kohärenz zu entdecken, muss bald aufgeben (die Mind Map, mit der ich es versucht habe, war nutzlos). Nur eine Figur, der Logistiker, der sinnigerweise in einer Spedition arbeitet, macht so etwas wie eine Entwicklung durch; er wird durch die ständige Grenzüberschreitung und Entgrenzung, die er beobachtet und erleidet, zunehmend psychisch instabil und sagt irgendwann in der Mitte des Textes: "...in letzter Minute trank ich ein Glas Wasser, sonst wäre ich um ein Haar, ja, wahnsinnig geworden." Wahnsinnig wäre die Leserin auch fast geworden - na gut, ich übertreibe;-). Aber mich verließ recht schnell die Lust, mich auf den Text einzulassen und nach Bedeutung zu schürfen. Emotionales Lesen funktioniert bei diesem Roman nicht; bei mir entstanden dabei Gereiztheit, Ungeduld und Lese-Unlust. Geht man jedoch sehr kognitiv an das Büchlein heran, bietet es Stoff zur Analyse satt. Das fraglos derzeit hochrelevante Thema der Grenze (Putin zeigt es uns in der Ukraine) wird auf allen denkbaren Ebenen durchbuchstabiert. Da ist (die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) die Ländergrenze, die Sprachgrenze, die Grenze zwischen Beruf und Privatleben, zwischen Fiktion und Realität, Kunst und Leben, Schlaf und Wachsein, Land und Meer, Person und Umgebung, Leben und Tod, Regierung und Bevölkerung und Verlust oder Verletzung von Körper-Grenze oder Ich-Grenze. Und da wir in einer Zeit der globalen Kommunikation leben, in der alles synchron geschieht - Google Earth, Live-Chats, Skypen, SMSen, Internet per Smartphone - ist auch die Grenze zwischen Zeit und Raum durchlässig geworden. Wir sind überall gleichzeitig und nirgends richtig präsent, was zu innerer Entwurzelung führt: "Sie habe eine Zeitlang keinen sicheren Ort außerhalb des Schlafs gekannt", sagt A. L. Erika über sich; dem Logistiker hat die Autorin selbst das genommen, denn er ist seit Wochen schlaflos. Insofern ist es nur logisch, dass das Thema der örtlichen Beliebigkeit sich auch auf den Text selbst erstreckt. Es gibt keine Reihenfolge; im Grunde ist es egal, an welcher Stelle man in den Text einsteigt, zumal es ohnehin schwierig ist, sich zu erinnern, was man gelesen hat und was nicht (ich war dazu nur mühsam imstande). Wir erfahren nicht, wo der Raum zu verorten wäre, in dem die Protagonisten sich treffen. Wir wissen, der Logistiker wohnt unweit der (Schweizer) Grenze und kann von seinem Fenster aus den Grenzübergang beobachten. Wir wissen, A. L. Erika war in Kalifornien, ein anderer einmal in Lissabon, der Logistiker bot einer Übersetzerin irgendwann Asyl, aber wo? Das Romangeschehen bleibt ortlos. Wollte man ein Fazit aus Elmigers "Schlafgänger" ziehen, wäre es wohl dieses: "Wir sind alle hier nicht heimisch." Diese geballte Ladung Postmoderne (denn experimentell ist der Roman nicht; Virginia Woolf hat die Form bereits vorweg genommen - Die Wellen) finde ich des Guten zu viel für den kurzen Text. Immerhin könnte man ihn als virtuose Assoziationsübung zum Zeitgeist lesen. Je nach Blickwinkel müsste ich dem Roman dann einen (hochgradig unlesbar) oder fünf (hochintellektuell) Stern(e) geben. Zu keinem der Extreme konnte ich mich entschließen. Empfehlen kann ich den "Roman" allerdings auch nicht. *** Diese Rezension profitierte von der Buchbesprechung im wieder einmal sehr inspirierenden Literaturkreis des Bonner Literaturhauses, allen voran liseron, Litkreis-Genossin und Freundin auf LB und im wahren Leben.

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    • 3
  • Ein Text der ganz anderen Art, sperrig, anspruchsvoll, nachdenklich, bereichernd!

    Schlafgänger
    Jetztkochtsie

    Jetztkochtsie

    29. March 2014 um 17:08

    Puuuh, ich bin ja eigentlich Schnellleser, 100 Seiten pro Stunde, kein Problem. Dieses kleine 140 Seiten Werk habe ich dennoch seit Tagen in Bearbeitung, was keineswegs heißt, daß es nicht gut wäre, es ist nur einfach so anspruchsvoll, daß ich immer wieder den Faden verliere und zu meiner gewohnten Lesestunde, abends vor dem Einschlafen im Bett fast schon nicht mehr aufnahmefähig genug bin, um dem literarisch verarbeiteten Gespräch zu folgen. In der Kurzbeschreibung steht: "Und sie findet dafür eine Sprache, wie sie zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur noch nicht zu hören war." und das trifft es sehr genau. Dieser Roman ist nämlich eigentlich irgendwie keiner, es sind Fragmente, Überlegungen, Gesprächsfetzen, zusammengewürfelt, gemixt und nicht immer auf Anhieb verständlich, zumindest für mich nicht. Dabei ist die Sprache eigentlich gar nicht so schwer, es ist lediglich ein Problem, den Faden nicht zu verlieren oder ihn überhaupt zu erkennen. Allerdings habe ich das eben beim Lesen als Herausforderung empfunden und den ungewohnten Umgang mit Sprache durchaus genossen. Mir ist am Ende des Buches nicht wirklich klar, was die Autorin mir sagen wollte, dafür bietet der Text zu viel Freiheit für Interpretation, zu viel Platz, um ihn mit eigenen Gedanken zu füllen. Fakt ist jedoch das Buch hat mich angesprochen, die Autorin hat es geschafft meinen Blickwinkel auf bestimmte Gegebenheiten zu erhöhen. Allerdings hatte ich zwei kleine Problemchen mit dem Buch, erstens mag ich es überhaupt nicht, wenn mitten im Fließtext die Schrifttype wechselt, was hier zwar immer eine durchaus ersichtliche Bedeutung hatte, was mich aber einfach jedes Mal aus dem Lesekonzept bringt. Zweitens waren in den Text immer wieder englische und französische Fragmente eingestreut, mein Englisch war dafür durchaus ausreichend, meine Mutter, die das Buch nach mir gelesen hat, hatte mit den Sätzen ihre Probleme. Das Französisch hat mich, die ich gerade mal Urlaubsfranzösisch spreche und ein Glas Wein und Käse bestellen kann, absolut überfordert. In den Google übersetzer eingegeben erhielt ich auch kein verständliches Ergebnis und die Übersetzung meiner Mutter, die immerhin zweisprachig in Belgien aufgewachsen ist, stellte mich auch nicht wirklich zufrieden. Hier würde ich mir wünschen, daß es eine Fußnote oder Übersetzung gegeben hätte, die mir beim Verständnis geholfen hätte, wenn es auch zum Text paßte, diese Verständigungsprobleme zwischen Autor und Leser einzubauen und irgendwie auch das reizvoll war, fand ich es doch hauptsächlich störend. Dieses Buch ist also kein wirklicher Roman, eher ein kleines literarisches Werk, das sicherlich niemandem Freude bereitet, der eine leicht verständliche unterhaltende Geschichte lesen möchte, wer aber durchaus experimentiell liest, sich auf Texte, die nicht der Norm entsprechen auch mal einlassen kann und wer gerne Lücken mit seinen eigenen Überlegungen füllt, für den ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Ideen, Gedanken und Überlegungen. Ich habe die Lektüre genossen.

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