Dorothee Krings

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Tage aus Glas.

Lebenslauf

Dorothee Krings, 1973 geboren, wuchs in Mönchengladbach in einer Goldschmiedefamilie auf und erlernte selbst das Handwerk. Sie hat Journalistik studiert, arbeitet als Politikredakteurin bei einer Tageszeitung und hat Sach- und Reportagebücher geschrieben. „Tage aus Glas“ ist ihr erster Roman. Sie wohnt mit ihrem Mann in Düsseldorf.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dorothee Krings

Cover des Buches Tage aus Glas (ISBN: 9783365009178)

Tage aus Glas

(7)
Erschienen am 25.03.2025

Neue Rezensionen zu Dorothee Krings

Cover des Buches Tage aus Glas (ISBN: 9783365009178)
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Rezension zu "Tage aus Glas" von Dorothee Krings

Physsie
Eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900

„Tage aus Glas“ spielt im Düsseldorf des Jahres 1901 und erzählt die Geschichte zweier Frauen aus völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Bille ist die Tochter eines Glasmachers und erlebt hautnah, wie der Streik der Arbeiter das Leben ihrer Familie bestimmt. Leonie hingegen wächst als Tochter des Arztes der Glashütte in großbürgerlichen Verhältnissen auf, fühlt sich jedoch von den Erwartungen ihres Umfelds eingeengt.

Besonders eindringlich schildert der Roman die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in der Glasfabrik und auch in der Weberei. Der Streik, der sich von Niedersachsen bis nach Düsseldorf ausbreitet, bildet den historischen Hintergrund der Handlung. Dabei wird deutlich, wie wenig die Arbeiter damals zählten und wie wenig ihr Schicksal die Verantwortlichen interessierte. Die starken sozialen Gegensätze zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum beziehungsweise der „besseren Gesellschaft“ werden sehr deutlich herausgearbeitet.

Der Einstieg in das Buch fiel mir allerdings recht schwer. Ich habe lange gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden, und auch im weiteren Verlauf empfand ich die Handlung teilweise als etwas langatmig. Trotzdem vermittelt der Roman ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse um 1900 und greift wichtige Themen wie soziale Ungleichheit, Selbstbestimmung und persönliche Lebenswege auf.

Insgesamt ein historischer Roman mit interessanten Einblicken in die damalige Zeit, der vor allem durch seine gesellschaftlichen Themen überzeugt, auch wenn er mich persönlich nicht vollständig fesseln konnte.

Cover des Buches Tage aus Glas (ISBN: 9783365009178)
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Rezension zu "Tage aus Glas" von Dorothee Krings

Furbaby_Mom
Glück ist so zerbrechlich wie Glas …

"Die Männer soffen, während die Frauen schufteten, so war das nun mal. Ihr war es mit Jakob so ergangen. Henrike und Bille würde es mit ihren Männern so ergehen. So war der Lauf der Dinge, besser man fand sich ab. […] Das Leben hatte noch jeden zurechtgestutzt. […]"


Im Hinblick auf Dorothee Krings' aktuellen Roman bleiben mir insbesondere folgende Punkte in Erinnerung:


❏ der raue, ungeschönte, gänzlich unverschnörkelte Erzählton, der - gepaart mit authentisch-intensiven Schilderungen der damaligen Lebensumstände und zeitgerechter Wortwahl - dafür sorgt, dass man ein realistisches Bild vor Augen hat,


❏ das unterschwellige Gefühl von Melancholie, Pessimismus, Hoffnungslosigkeit, das wie eine graue Wolke über den Zeilen lag und die inhaltliche Schwere verstärkte (- bereits der Einstieg in die Handlung beginnt mit dem Tod eines kleinen Jungen -); wenn ich ein Wort als Gesamteindruck für die Atmosphäre wählen müsste, wäre es "Trostlosigkeit";


❏ die innere Zerrissenheit der beiden weiblichen Hauptfiguren, die zwischen Pflichtbewusstsein und der Erfüllung ihrer eigenen Wünsche/Träume schwanken.


Leider wurde ich mit den Charakteren bis zum Schluss nicht warm. Zwar hatten sie mein vollstes Mitgefühl, denn das Leben als Frau war im Grunde vorgezeichnet und vor allem geprägt durch Fremdbestimmung - durch die eigene Familie, die gesellschaftlichen Erwartungen, den Ehemann. Dennoch … ich hatte gerade zuvor einen anderen historischen Roman beendet (fast identischer Handlungszeitraum, ebenfalls zwei Frauenschicksale sowie Auswandererthematik), der mir in puncto Figurennähe dermaßen unter die Haut gegangen war, dass mir der Unterschied nun mal sehr auffällig erschien. Nichtsdestotrotz wird beim vorliegenden Werk deutlich, dass ihm eine fundierte Recherche zugrunde liegt.


𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:

Ein eher ruhiges, nachdenkliches Buch. Ich empfehle "Tage aus Glas" insbesondere eingefleischten Fans von historischen Romanen, für die der Fokus einer Geschichte nicht zwingend auf Happy-Sunshine-Vibes und Romantik liegen muss.

Cover des Buches Tage aus Glas (ISBN: 9783365009178)
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Rezension zu "Tage aus Glas" von Dorothee Krings

Bellis-Perennis
Zerbrechliche Träume

Dorothee Krings entführt uns nach Gerresheim, einem kleinen Ort nahe Düsseldorf, das Anfang des 20. Jahrhunderts Zentrum der Glasflaschenproduktion war. Anhand der Geschichte zweier Frauen, Bille, Tochter eines Glasmachers, und Leonie, die Tochter des Fabrikanten, erleben wir ihre Träume von einem besseren Leben, die sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen versuchen. 

Die Männer schuften in den Glashütten und werden ob der Arbeitsbedingungen nicht sehr alt. Der karge Lohn für Schwerstarbeit reicht kaum zum Leben, weshalb ihre Töchter und Frauen in der Weberei arbeiten müssen. Dort sind sie sexuellen Übergriffen und Willkür der Fabriksbesitzer ausgesetzt. Wenn die Glasbläser oder Püster, wie man sie auch nennt, ihre Arbeit, aus welchen Gründen auch immer verlieren, verlieren sie auch ihre Unterkunft, die ihnen von den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden. Mit dieser Drohung, die immer wieder wahr gemacht wird, werden die Arbeiter klein und stumm gehalten bis sich die Wut auf die Fabrikanten in einem Deutschland weiten Generalstreik entlädt. Als die Streikkasse leer ist, müssen die Arbeiter kleinlaut um Wiedereinstellung bitten, was nicht immer gelingt, weil inzwischen Glasbläser aus anderen Teilen Europas angeworben worden sind. 

Daher ist es nicht verwunderlich, dass so mancher an Auswanderung nach Amerika denkt, ohne zu ahnen, dass auch in den USA die Wirklichkeit eine andere ist, als kolportiert wird. 

Meine Meinung: 

Gerresheim ist heute ein Stadtteil von Düsseldorf und die damalige Glasfabrik ist heute eine weltweit agierende Aktiengesellschaft im Medizinproduktebereich. Deshalb ist dieser historische Roman ein Stück Heimatgeschichte, die wahrscheinlich nur jene kennen (und interessiert), die in unmittelbare Nähe leben.  

Mit hat dieser historische Roman sehr gut gefallen, schildert er doch ziemlich schnörkellos und ohne großen Pathos die Lebensbedingungen der Arbeiter und ihrer Familien dieser Zeit.   

Obwohl es der Fabrikantentochter an materiellen Gütern nicht mangelt, sie stets ein gepflegtes Dach über den Kopf hat und sich nicht darüber den Kopf zerbrechen muss, woher sie die nächste Mahlzeit nehmen soll, ist auch ihr Leben in einem gesellschaftlichen Korsett gefangen. Statt malen zu können, wird sie an einen Mann verheiratet (um nicht zu sagen verschachert), der in den Augen des Vaters, den größten Nutzen für die Fabrik bringt.  

Interessant ist, dass das Ende offen bleibt. Alles deutet auf eine Fortsetzung hin, die mir persönlich willkommen ist. 

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne.

 

 

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