Dorothy Whipple

 4,8 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Der französische Gast, Someone at a Distance und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Dorothy Whipple

Dorothy Whipple (1893–1966) war eine britische Bestsellerautorin von Romanen, Kurzgeschichten und Kinderbüchern. Während sie sich in den 1930ern größter Beliebtheit erfreute, gerieten ihre Werke nach dem Krieg in Vergessenheit. Die britischen Neuausgaben einiger ihrer Romane in den letzten Jahren trugen in ihrer Heimat wesentlich zu ihrer Wiederentdeckung bei. Der französische Gast (1953) war ihr letzter Roman und ist das erste Buch von ihr, das ins Deutsche übersetzt wurde.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Dorothy Whipple

Cover des Buches Der französische Gast (ISBN: 9783036958422)

Der französische Gast

 (5)
Erschienen am 11.05.2021
Cover des Buches Someone at a Distance (ISBN: 9781906462000)

Someone at a Distance

 (1)
Erschienen am 01.09.2008
Cover des Buches They Were Sisters (ISBN: 9781903155462)

They Were Sisters

 (0)
Erschienen am 22.03.2005
Cover des Buches The Priory (ISBN: 9781903155301)

The Priory

 (0)
Erschienen am 22.03.2003
Cover des Buches Young Anne (ISBN: 9781910263174)

Young Anne

 (0)
Erschienen am 19.04.2018
Cover des Buches High Wages (ISBN: 9781903155752)

High Wages

 (0)
Erschienen am 22.10.2009
Cover des Buches Whipple, D: Because of the Lockwoods (ISBN: 9781910263006)

Whipple, D: Because of the Lockwoods

 (0)
Erschienen am 23.10.2014

Neue Rezensionen zu Dorothy Whipple

Cover des Buches Der französische Gast (ISBN: 9783036958422)Belladonnas avatar

Rezension zu "Der französische Gast" von Dorothy Whipple

Dramatisches Possenspiel mit Unterhaltungswert
Belladonnavor 2 Monaten

Beschreibung

Das Familienglück von Ellen und Avery North ist perfekt. Sie leben in der ländlichen Umgebung von London und haben zwei wunderbare Kinder, Anne besucht ein Mädcheninternat und Hugh leistet seinen Wehrdienst ab. Die Besuche bei ihrer Schwiegermutter in London sind mehr Pflicht als Vergnügen und so wird die junge Französin Louise als Gesellschafterin eingestellt. Die elegante junge Frau erobert das Herz der alten Dame und beginnt auch den erfolgreichen Verleger Avery mit ihrem bestechenden Charme und einer ordentlichen Portion Unverschämtheit zu betören.

Meine Meinung

Ich liebe literarische Wiederentdeckungen und Dorothy Whipple zählt definitiv zu jenen, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man sich Gesellschaftsromanen mit Biss und scharfer Beobachtungsgabe nicht entziehen kann.

Die englische Schriftstellerin veröffentlichte erfolgreich Romane und Kinderbücher, bis sie in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs in Vergessenheit geriet. »Der französische Gast« war ihr letzter Roman und ist nun die erste deutsche Veröffentlichung eines ihrer Werke überhaupt. In ihrer Geschichte über die gefährliche Bedrohung einer langjährigen und glücklichen Ehe zieht sie aus einer trivialen Situation einen unterhaltsamen und mitreißenden Roman, der mich von der ersten Seite an zu fesseln vermochte.

Mit feinsinnigem Gespür zaubert Dorothy Whipple ein Ensemble mitreißender Persönlichkeiten auf ihre Romanbühne, die im Zusammenspiel eine hervorragende Energie verströmen und sich durch geschickte Verquickung der Erzählfäden eine kribbelnde Grundspannung aufbaut. Zwar erzählt Whipple ihre Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive ihrer Protagonisten, dennoch gelingt es ihr mit einer geschickten Betrachtungsweise den Leser mitten ins Geschehen zu ziehen. Schließlich lässt sich die Situation der verheirateten Hausfrau und Mutter nur allzu gut nachvollziehen, deren für die Zeit typisch Stolzen und starrsinnigen Mann sich in die Fänge einer reizenden jungen Dame wiederfindet.

Ellen North ist dabei eine bodenständige Frau in den 40ern, die sich nichts aus Fashion und Geld macht und in ihrer glücklichen Familienblase Erfüllung findet und vielleicht gerade aufgrund dieser sicheren Stellung viel zu naiv im Umgang mit ihrem französischen Gast ist. Ganz im Gegensatz zu Ellen hat Louise aufgrund ihrer niederen gesellschaftlichen Stellung ihre große Liebe verloren und ist aus ihrer Heimat geflohen. Mit ihrem angekratzten Ego will die selbstsüchtige Louise unbedingt das Glück anderer an sich reißen, um ein Stück vom Kuchen der Wohlhabende abzubekommen.

Das gegenwärtige Geschehen steigert sich zusehends zu einem dramatischen Finale während man mit den einzelnen Charakteren mitfiebert. Klar hat Ellen mit ihrer liebenswürdigen Persönlichkeiten die Sympathie auf ihrer Seite, doch Dorothy Whipple ist es mit ihrem einfühlsamen Erzählstil gelungen, dass man sogar mit der affektierten und zerstörerischen Louise und Avery Mitgefühl empfinden kann. Auf jeden Fall darf man bis zuletzt gespannt sein, was Dorothy Whipple für ihre Figuren im Sinn hat!

Fazit

Ein mitreißendes und dramatisches Possenspiel, dass sich auch über 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung unheimlich gut lesen lässt!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 24.07.2021

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Cover des Buches Der französische Gast (ISBN: 9783036958422)KateRapps avatar

Rezension zu "Der französische Gast" von Dorothy Whipple

Amüsante ironische Britischness über den Fehltritt eines englischen Gentlemen
KateRappvor 2 Monaten

Dieses Buch, das erstmals in den Fünfziger Jahren veröffentlicht wurde und jetzt erst auf deutsch erscheint, hat natürlich das zu erwartende nostalgische Flair. 

Wie in einem Film beschreibt es das zu perfekte bürgerliche Leben einer englischen Familie auf dem Land, der Vater Avery pendelt als Verleger nach London, die beiden Kinder Hugh und Anne sind Teenager und die freche Katze und das Pferd runden die Familie ab. Selbstverständlich hat Hausfrau Ellen ein Händchen für Blumen und einen prächtigen englischen Garten.

In diese Idylle bricht Louise ein, eine junge Französin, die vor der Langeweile in ihrem Dorf nach London flieht, um Gesellschafterin von Averys Mutter zu werden.

Es kommt, wie es kommen muss, sie nistet sich wie ein Kuckuck bei der Familie ein und wie hypnotisiert wohnt man dem weiteren Verlauf bei, wie einem Verkehrsunfall in Zeitlupe, den man so bereits vorhersehen, aber nicht stoppen kann.

Natürlich ist der Plot nicht originell, doch die Gestaltung der Figuren ist durchtrieben. Genauer gesagt die Akribie, die die Autorin darauf verwendet hat, die Charaktere so genau durchzustylen, sie beinahe zur Karikatur zu machen. Denn gegensätzlicher könnten sie nicht sein, besonders was das weibliche Personal angeht: Dies wird durch die liebende, treue, praktische und uneitle Ehefrau auf der einen und die unverfroren verführerische, berechnende junge Französin auf der anderen Seite abgesteckt. 

Der herrische Blick, den Louise auf all die anderen Frauengestalten wirft, kam mir manchmal vor wie die Unzufriedenheit der Autorin selbst mit den eingeschränkten Möglichkeiten, die sich Frauen im Leben bieten, welche Rollen man ihnen zuteilt und wie sie sie zu erfüllen haben. Das Glück, auch wenn es noch so sehr beschworen wird, ist nicht von Dauer, die Ehefrauen werden betrogen, die unabhängigen, frivolen jungen Frauen verstoßen. Einzig mit den alten Damen geht Mrs. Whipple sorgsam um, über sie verliert sie kaum ein böses Wort.

Wer sich nicht an den, meiner Meinung nach beabsichtigt klischeehaften Frauenbildern stört und ein eher offenes Ende zu schätzen weiß (eine moderne, überraschende Eigenschaft dieses Romans!), der kann hier eine unbekannte Bestsellerautorin entdecken, deren ironische Britishness überzeugt und amüsiert. Wer die Cazalet-Chroniken mag, wird dieses hier ebenso genießen. Ich hoffe, der Verlag wird noch weitere ihrer Werke veröffentlichen!


Aus dem Englischen von Silvia Morawetz, Kein und Aber 2021

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Cover des Buches Der französische Gast (ISBN: 9783036958422)TochterAlices avatar

Rezension zu "Der französische Gast" von Dorothy Whipple

Ein Haus, ein Kätzchen und ein Pferd
TochterAlicevor 4 Monaten

Das ist zusammengefasst der materielle Verlust, der Ellen und ihren beiden Kindern droht, wenn es zum Äußersten kommt, nämlich zur Scheidung. Abgesehen vom menschlichen! Denn Ehemann und Vater Avery ist auf dem besten Weg, dem (mehr oder weniger ungebetenen) französischen Gast Louise näher zu kommen.

Oder ist es gar schon geschehen? Autorin Dorothee Whipple hat eine hinreißende Gesellschaftsstudie verfasst, die irgendwo zwischen Tragödie und Satire oszilliert. Oder ganz woanders?

Denn lange Zeit war mir nicht klar, worauf die Autorin hinaus will. Vieles schien von Beginn an festzustehen, auch die Kräfte und Mächte schienen klar verteilt.

Lange Zeit nahm ich an, etwas sehr Absehbares zu lesen und man muss auch sehr stark auf die Zwischentöne achten, um zu spüren, dass es nicht so ist.

Dafür, dass sie bereits in den 1950ern geschrieben wurde, ist sie überraschend modern, wie ich finde. Man könnte Richtung des Romans mit dem der Bücher von Vicky Baum vergleichen - nur ist er noch ein wenig spritziger, eleganter! Auch in der deutschen Übersetzung, die - soweit ich es beurteilen kann - bestens gelungen ist.

Wer sich also von einem Roman mit klar positionierten Sympathien - der Figuren, der Autorin, des Lesers - überraschen lassen will (und ich verspreche Ihnen, dass dies der Fall sein wird), sollte hier unverzüglich zugreifen.

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