Handkantenschlag

von Dorthe Nors 
3,4 Sterne bei16 Bewertungen
Handkantenschlag
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (8):
Antonellas avatar

Tiefgründige Alltagsgeschichten. Nicht für jeden Geschmack geeignet.

Kritisch (4):
Kartoffelschafs avatar

Hält leider nicht, was es verspricht - zu viele zutiefst verstörende Themen wie Tierquälerei - hat mich enttäuscht.

Alle 16 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Handkantenschlag"

Dorthe Nors Kurzgeschichten sind detaillierte Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens im 21. Jahrhundert. Scharfsinnig, von unsentimentaler Härte und raffiniert legt sie das Unheilvolle bloß, das unter dem Gewöhnlichen lauert: Mit wenigen Worten gelingt es der Autorin, eine ganze Welt aufzubauen, um sie dann kurz darauf wieder einstürzen zu lassen. Eine junge Frau liegt nichtsahnend im Bett, während ihr geliebter Gatte im Internet surft besessen von weiblichen Serienkillern. Ein Bürokrat wechselt zum Buddhismus und hält sich für den Auserwählten. Eine Frau betrachtet sich im Spiegel, ihr Körper ist übersät mit blauen Flecken. Doch den Grund für die Gewaltbereitschaft ihres Liebhabers sucht sie bei sich selbst.
Dorthe Nors Kurzgeschichten umfassen den ganzen Kosmos der menschlichen Emotionen, von der Fähigkeit zur Grausamkeit bis hin zum Mitgefühl. In den USA bereits als der neue Star der Short Stories gefeiert, erscheint ihr Erzählband `Kantslag jetzt erstmals auf Deutsch. Die Sammlung poetischer, aber auf eine faszinierende Art dochbeunruhigender und gleichzeitig kurioser Geschichten muss man einfach lieben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783955100704
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:170 Seiten
Verlag:Osburg Verlag
Erscheinungsdatum:02.09.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    Blausterns avatar
    Blausternvor 4 Jahren
    Handkantenschlag

    „Handkantenschlag“ ist ein Buch mit eher ungewöhnlichen15 Kurzerzählungen, die den Leser völlig verwirren, ihn aber gleichzeitig auch zeigen, wie es in unserer Gesellschaft abläuft. Alltagsgeschichten völlig aus dem Leben gegriffen, die dann doch das Grausame in den Figuren zum Vorschein bringen, und am Ende weiß man oft nicht, was die Autorin damit sagen wollte. Man kann sich sein eigenes Bild basteln. Man kann rätseln, aber auch wirklich den Kopf schütteln, was es für Dinge gibt, über die man noch nie nachgedacht hat. So erschrecken einen auch einige Geschichten, andere berühren. Jedenfalls ist jede Geschichte ganz anders, und etliche kann man auch mehrfach lesen, um sie interpretieren zu können. Auffällig ist nur, dass in diesem Buch sehr viele Tiere gequält werden. Aber dies ist kein Ratgeber mit langem Zeigefinger, vielmehr ein Aufzeigen von Tatsachen oder welche, die möglich sind in deutlicher schlichter Sprache.

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    Bücherwurms avatar
    Bücherwurmvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Traumata, Schizophrenie, wahnhafte Störungen ... ein Sammelsurium an Geschichten rund um die menschliche Psyche.
    Einblick in Psychosen

    "Handkantenschlag" ist ein kleines, aber feines Hardcover Büchlein voller Erzählungen,  geschrieben von Dorthe Nors aus Dänemark.Hin und wieder, ab und zu lese ich auch Erzählungen und Kurzgeschichten. So zwischen durch zum Nachdenken.Ich lese oft sehr lange an Geschichtsbänden, weil mich oft die Geschichten nicht so schnell loslassen, wie belastende Nahrung auf der seele liegen und erst verdaut werden müssen.So dachte ich auch hier. Immerhin liest man auf der Buchrückseite, dass ich ein Büchlein "voller sehnsuchtsvoller Geschichten" vor mir hätte, Geschichten, "Die dir etwas mitgeben, dir aber zugleich weh tun wollen".Letzteres hat mich irritiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir eine Geschichte jemals weh getan hätte, wohl aber unverschämte Mitmenschen in Leserunden mit ihren unfairen Kommentaren, aber die Bücher mit ihrem Inhalt? Nein. Das hatte ich noch nie.Weiter steht da, die Geschichten seien "von einer sonderbaren Schönheit", aber auch "brillant verstörend".Ich betrachtete neugierig, aber auch ehrfurchtsvoll das Cover, klappte das Buch auf, gewappnet gegen vermeintliche Angriffe und Schmerzen und begann zu lesen.Es hat einige Geschichten gedauert, bis mir ein Licht aufging, was ich hier las!Nichts was mir etwas gibt oder nimmt, nichts, was mich berührt, sondern ich las Menschenbilder von Personen, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind erkrankt. Psychisch.Die Autorin erwähnt mit keinem Wort, was sie da beschreibt. Ob posttraumatische Belastungsstörung, wahnhafte Störungen, Borderline, Schizophrenie, Depressionen ... mit keiner Silbe geht die Autorin im Text darauf ein.Sie zeigt uns nur ein Ausschnitt, mal größer, mal kleiner aus dem Leben dieser Person. Ohne Bewertung, Beurteilung darf der Leser sich selbst ein Bild machen.Und es passierte folgendes: Hatte ich bisher bei Erzählbänden immer mal eine Pause nötig und war unfähig, mehrere Geschichten hintereinander zu lesen, so hatte ich hier eine unfassbare Freude am Lesen, ein Gespannt-sein auf die nächste Geschichte bevor ich die grade gelesene beendet hatte.Das Buch wurde zur Sucht!Wir sind uns oft nicht wirklich bewusst, dass Nachbarn, Bekannte und Freunde ernsthaft erkrankt sind, wundern uns vielleicht hier und da über deren Charakter oder Verhalten, ohne uns bewusst zu sein, dass eine ernsthafte Erkrankung die Ursache ist.

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    franzzis avatar
    franzzivor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Gute Werbung für das Genre Kurzgeschichte. Präzise beobachtete und erinnerte Blitzlichter in mehr oder weniger alltägliche Leben.
    Von völlig Durchgedrehten und völlig Belanglosen - und allem dazwischen

    "Dann lehnte er sich zurück und erklärte mir, wenn die Welt wirklich so wäre, wie man es manchmal zu wissen glaubt, dann würde er morgens nicht wagen, die Augen zu öffnen."

    Im Trailer zu ihrem Kurzgeschichtenband "Handkantenschlag" sagt Dorthe Nors, sie möchte ihre Leser gern verwirren. Das sei ihr wichtig. Und es gelingt ihr in vielen ihrer Geschichten.

    Nors beschreibt Momentaufnahmen, kurze Geschichten, Erinnerungen. Die Figuren sind sehr unterschiedlich. Da gibt es um einen Sohn, der seinen eigenen Vater für seine Passivität verabscheuen lernt; eine Frau, die die blauen Flecken auf ihrem Körper als selbstverschuldete Gewalterfahrung interpretiert; langjährige Freunde, die einander aus Verbungenheit die Bürde abnehmen, ihre erkrankten Jagdhunde zu erschießen oder einen Bürohocker, der sich plötzlich zu Höherem berufen führt und als erschwindelter Leiter einer Wohltätigkeitsorganisation völlig durchdreht.

    Nors spielt mit den Erwartungen der Leser, setzt Sätze ein, um ihn auf Fährten zu locken, ohne aufzulösen, ob sie es auch so meint. Manche Geschichten changieren von Abschnitt zu Abschnitt von bedrohlich zu belanglos, andere spielen geschickt mit Sprache (etwa die Geschichte aus Big Apple, die von einer großen Tomate erzählt, die zu einer großen Begegnung für zwei kleine Menschen wird - und bei der Einsatz der Adjektive groß und klein als kluge Metapher funktioniert) und wieder andere sind einfach schön erzählt.

    Oft wirkt die Erzählweise nüchtern, distanziert - und doch gelingt es Dorthe Nors, den Leser zu berühren, zu bestürzen oder zum Rätseln zu bringen. Nicht wenige Geschichten habe ich mehrfach gelesen, um mir aus dem Zwischenzeilengewirr ein für mich schlüssiges Bild zu basteln.

    Es geht um die individuelle Perspektive der Erzähler, ihre Umdeutungen, Fehldeutungen, ihre Oberflächlichkeiten, Rollenbilder und Geheimnisse. Die einen lügen andere, um einen Job zu bekommen; die anderen belügen sich selbst, um mit dem Leben zurechtzukommen. Da geht es ums kleine und große Scheitern, und fast immer um Ungesagtes.

    Das Verblüffende ist, wie Nors in die absonderlichsten Lebensgeschichten die alltäglichsten Gefühle und Fehlschläge unterbringt. Wie gut es ihr gelingt, das Versteck- und Maskenspiel, das Schubladen- und Klischeedenken und das absichtliche und tollpatschige Verletzen in unseren engen wie losen Beziehungen nachzuzeichnen und aufzudecken.

    Da werden Tiere gequält und Menschen, da werden innere Verletzungen hinter Fassaden versteckt oder hinter der lästernden Verbrüderung gegen die komische Frau mit dem komischen Hund von gegenüber.

    Belehren will sie den Leser nicht, sagt Nors, und das tut sie auch nicht. Aber der Gesellschaft will sie den Spiegel vorhalten, sagt sie, und das tut sie.

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    le_papillon_curieuxs avatar
    le_papillon_curieuxvor 4 Jahren
    Tiefgehende Kurzgeschichten

    Die Geschichten in „Handkantenschlag“ spiegeln menschliches Verhalten und Empfinden wieder. Es sind Kurzgeschichten mit ihren typischen Merkmalen. So geht es darum Momentaufnahmen im täglichen Leben blitzartig zu beleuchten. Die Protagonisten sind Menschen aus dem alltäglichen Leben. Da gibt es den Beamten, der zum Buddhismus wechselt; zwei Menschen , die durch eine übergroße Tomate zusammenfinden; eine junge Frau, die auf einem Friedhof ihre Vergangenheit aufarbeiten möchte; eine Mutter die nicht ohne ihre Tochter in den Freitod geht…
    Die meisten Geschichten sind sehr grausam und makaber. Ich war oftmals schockiert und entsetzt und kann nur anmerken, dass ich beeindruckt bin, wie es der Autorin Dorthe Nors gelingt so akkurat und präzise ihre Erzählungen aufzubauen. Durch ihren klaren, flüssigen Schreibstil und der Beleuchtung der verschiedensten Charaktere schafft sie es den Leser tief zu berühren und ihn gleichzeitig wütend zu machen. Jede Erzählung hat Tiefgang und es erfordert genaues Lesen. Es ist kein Buch, welches man mal nur so zur Unterhaltung liest. Der Schuss der Kurzgeschichten bleibt meist offen und man wird als Leser gefordert, selbst über das Ende und eine eventuelle Lösung nachzudenken.
    Fazit: Ein Buch mit Tiefgang, das genaues Lesen erfordert. Es bietet eine abwechslungsreiche Reise durch Abgründe des Menschen, aber auch bewegende Erzählungen fehlen nicht. Kurzgeschichtenliebhaber kann ich dies Buch sehr empfehlen.

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    Antonellavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Tiefgründige Alltagsgeschichten. Nicht für jeden Geschmack geeignet.
    Kurze Geschichten, aber keine leichte Unterhaltung

    Dorthe Nors „Handkantenschlag“ umfasst 15 Erzählungen, die längste gerade einmal 16 Seiten lang. Der Klappentext verspricht viel, die zitierten Pressestimmen schließen sich an.  Entsprechend hoch waren meine Erwartungen, als ich die Lektüre dieses Erzählbandes begann.

    In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt die Autorin Alltagsgeschichten, die meist einen eher beunruhigenden Nachklang haben. Die Personen in ihren Geschichten sind ganz normale, einfache Menschen mit einem ebenso durchschnittlichen Leben.

    Da ist der Mann, der spätabends im Internet surft und dabei auf weibliche Mörder stößt. Der Leser hat Teil an seinen Gedanken, bis der Mann den Computer herunterfährt und zu seiner Frau zu Bett geht.

    Oder der Junge, der nach der Trennung seiner Eltern zunächst bei seiner Mutter, dann bei seinem Vater lebt. Er bemüht sich um seinen Vater, doch die Respektlosigkeit eines anderen Jungen entzaubert den Vater in den Augen des Sohnes.

    Die Ehefrau, die erst nach Monaten die Trennung von ihrem Mann anderen und sich selbst gegenüber wirklich zugibt und den Schmerz zulässt.

     

    Gemeinsam sind allen Geschichten die bildhaften Beschreibungen, auch die schonungslose Konfrontation mit grausamen Verhaltensweisen der Protagonisten. Da werden auf einem Bauernhof schwache Entenküken getötet, aus Sadismus Kaninchen vor den Augen von Kindern umgebracht oder emotionsfrei  die Erschießung alter und kranker Jagdhunde erörtert.  All dies stimmig eingebettet in alltägliche Geschichten und in völlig neutralem Ton erzählt.

    Genau das macht für mich die Stärke dieses Buches aus.  Dorthe Nors beschönigt nicht, sie beschreibt  alltägliche Begebenheiten, wie sie sind oder sein könnten. Ihre Geschichten lassen Interpretationen zu, sie haben kein wirkliches Ende.

    Nicht jede Erzählung hat mir gefallen, aber mindestens fünf davon haben mich nachhaltig beeindruckt. Mit einigen konnte ich zugegebenermaßen nichts anfangen. Aber etwas anderes würde ich von einem Erzählband auch nicht erwarten.

    Da ich das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe, konnte ich meine Vorlieben und Interpretationen mit anderen Lesern vergleichen. Bei diesem Buch gibt es eindeutig eine große Streuung. Die grausamen Tierszenen fanden mehrere Leser unerträglich, andere wiederum realistisch.

    Ich kann dieses Buch deshalb nur eingeschränkt weiterempfehlen.

    Die Geschichten sind keine leichte Unterhaltung für zwischendurch, erbaulich sind sie auch nicht, aber wer darauf keinen Wert legt, sollte fündig werden. Von mir deshalb 4 von 5 Sternen.

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    Frau_Hemingways avatar
    Frau_Hemingwayvor 4 Jahren
    Buntes Sammelsurium des Menschlichem

    Ich hatte ein wenig Hoffnung, dass Frau Nors mir das Lesen von Kurzgeschichten beibringt. Bisher habe ich mit Kurzgeschichten nämlich nicht allzu viel anfangen können. Aber ich werde wohl nicht müde werden, neue Chancen zu vergeben. Keinesfalls könnte ich sagen, dass Handkantenschlag mich enttäuscht hat.

    Diese Kurzgeschichtensammlung war für mich durchschnittlich. Es gab richtig gute Perlen, dann aber auch wieder ziemlich abstruse Geschichten. Bunt gemischt eben. Leider konnte ich mit den abstrusen Kurzgeschichten überhaupt nichts anfangen, ich habe sie nicht wirklich verstanden. Die ganze Zeit habe ich überlegt, was die Autorin sagen möchte. Aber auf einen Sinn bin ich nicht gekommen. Naja. Jeder Intellekt hat seine Grenzen.

    Auf die Nerven ging mir jedoch die Gewalt gegenüber Tieren. Dieses Motiv taucht in wohl 80 % der Geschichten auf, wenn nicht sogar mehr. Was soll das? Was wird da verarbeitet?

    Ich würde niemanden abraten Handkantenschlag zu lesen, schon allein die Geschichte "Der Buddhist" war es für mich wert. Aber Menschen, die ohnehin nicht oft mit Kurzgeschichten warm werden, sollten dieses Buch wohl lieber liegen lassen.

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    PrettyDarks avatar
    PrettyDarkvor 4 Jahren
    Zu viel Abgrund, zu wenig Hoffnung...

    Dorthe Nors Buch beinhaltet 15 Kurzgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
    "Eine junge Frau liegt nichtsahnend im Bett, während ihr geliebter Gatte im Internet surft - besessen von weiblichen Serienkillern. Ein Bürokrat wechselt zum Buddhismus und hält sich für den Auserwählten. Eine Frau betrachtet sich im Spiegel, ihr Körper ist übersät mit blauen Flecken. Doch den Grund für die Gewaltbereitschaft ihres Liebhabers sucht sie bei sich selbst."
    Dem Leser bietet sich ein Potpourri an Momentaufnahmen aus dem Leben – was sie alle eint ist eine gewisse Tragik.

    Über den Schreibstil kann ich nur Gutes sagen, denn das Buch lässt sich einfach lesen und der Einstieg in jede Geschichte fällt wirklich leicht. Auch die Fähigkeit bildlich zu beschreiben möchte ich Frau Nors nicht absprechen, denn dieses Metier beherrscht sie perfekt. Allerdings sind mir einige der Kurzgeschichten einfach zu offen und lassen entsprechend viel Raum für Interpretationen. Das muss per se nichts Schlechtes sein, aber eine grobe Richtung hätte ich mir schon gewünscht, damit die Deutung etwas leichter gefallen wäre. Durch die offenen Enden habe ich die eine oder andere Geschichte mehrmals gelesen um einen besseren Zugang zu finden. Dies hat leider nicht jedes Mal geklappt, so dass ich am Ende mit jeder Menge Fragezeichen zurückblieb und dies als sehr unbefriedigend empfand.

     "In den USA wird die Autorin bereits als der neue Star der short stories gefeiert."
    Etwas großspurig wirken diese Ankündigungen für Handkantenschlag und Dorthe Nors seitens des Verlages schon, denn überzeugen konnte mich das Buch nun wirklich nicht. Ich bezweifle auch, dass man sich damit einen Gefallen tut, denn beim Leser werden dadurch schon gewisse Erwartungen geweckt, die zumindest bei mir nicht erfüllt werden konnten.
    Am besten trifft es da noch die New York Times, die der Autorin sowohl beunruhigende als auch poetische Talente zugute hält und einige Geschichten von sonderbarer Schönheit andere hingegen brillant verstörend nennt. Dies würde ich glatt unterschreiben. :)

    "Eine Sammlung poetischer, aber auf eine faszinierende Art doch beunruhigende und gleichzeitig kuriose Geschichten, die man einfach lieben muss."
    Nun gut, nach der Lektüre der 15 Kurzgeschichten muss ich ausdrücklich betonen, dass ich von mir selbst geschockt wäre, wenn ich diese Kurzgeschichten lieben würde. Dazu sind mir die menschlichen Abgründe dann zu tief, die physischen Qualen doch zu bildlich und realistisch beschrieben, die Gewalt gegenüber Tieren etwas zu präsent und oftmals nicht mal als Stilmittel der Metapher zu verstehen. Faszinierend war einzig die Frage, was eine Autorin dazu treibt sich solche Kurzgeschichten auszudenken.

    Fazit: Nur zwei Geschichten blieben mir langfristig im Gedächtnis, in denen ich tatsächlich Parallelen zur Realität ziehen konnte und sie nicht so weit hergeholt fand, beim Rest wechseln sich Beschreibungen von wirren Persönlichkeiten, Tierquälerei oder anderen Abartigkeiten ab und vermischten sich dadurch zu einem makabren Einheitsbrei, bei dem ich oftmals den Eindruck bekam, dass er einzig dazu geschrieben wurde um zu schocken und gar keine tiefgründige Bedeutung hat.
    Dorthe Nors Kurzgeschichten sollen detaillierte Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens im 21. Jahrhundert sein, leider unterschlägt die gute Frau dabei die schönen Seite. Im Grunde sind die Protagonisten nichts anderes als gescheiterte Persönlichkeiten, die aus Trotz oder Wut über ihr jämmerliches Leben entweder sich selbst oder anderen körperliche und seelische Gewalt antun oder aber von anderen empfangen. Für mich in der Quintessenz leider alles viel zu trostlos und deprimierend. Nach etwa einem Viertel des Buches zeichnete sich bereits das Muster ab, dass man mit keinem Happy End rechnen braucht, dabei gehört dies doch ebenso zum alltäglichen Leben wie all der Wahnsinn, den Frau Nors sonst so beschreibt. Ab und zu mal ein kleiner Lichtblick hätte nicht geschadet und mich weniger bedrückt zurückgelassen. In die allgemeinen Lobeshymnen der internationalen Presse kann ich daher nicht einstimmen und das Buch auch nicht uneingeschränkt empfehlen.

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    frenx1s avatar
    frenx1vor 4 Jahren
    Etwas zu abwegige Kurzgeschichten

    “Und nun hatte sie die Liebe gefunden. Aber das konnte sie ihren Freundinnen nicht erzählen. Unter keinen Umständen konnte sie es mit ihnen teilen, deshalb ging sie in diesem Sommer auf Friedhöfe.”

    Es sind überwiegend schräge Figuren mit schrägen Ansichten, die Dorthe Nors in ihrem Kurzgeschichtenband “Handkantenschlag” versammelt hat. Ob es nun die Frau ist, die auf dem Friedhof spazieren geht, weil sie sich verliebt hat und niemandem davon erzählen will, oder der Mann, der weil er nicht schlafen kann im Internet nach den Beweggründen weiblicher Serienmörder forscht. Und: es sind durchweg sehr fantasiereiche Protagonisten, die uns die dänische Schriftstellerin präsentiert.

    Für meinen Geschmack sind die meisten der insgesamt 15 Geschichten aber zu fantasiegeladen – einer einfachen Deutung entziehen sie sich, ich würde sogar sagen, dass die meisten der Geschichten sich bewusst einer Deutung entziehen wollen. In einzelnen Geschichten kommen aber auch leise Töne zum Vorschein, die getragen sind von genauen Beobachtungen und melancholischen Bildern. In der Erzählung “Beim Friseur gegenüber der Münzwäscherei” ist beispielsweise sehr gut eingefangen, was es heißt, in der Großstadt jemanden flüchtig zu kennen. Die Erzählung “Das Schweben” beschreibt zutiefst einfühlsam, was eine Trennung an Gefühlen mit sich bringt. Eine Sonderstellung nimmt “Die große Tomate” ein, wo es um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte voller grotesker Komik geht – es ist die einzige derartige Geschichte in dem Sammelband. Als Ganzes hat mich der Band nicht überzeugt – mit zu vielen der Geschichten konnte ich nicht wirklich etwas anfangen. Der Wunsch, sich auf eine Parkbank neben einen toten Reiher zu setzen – das ist mir einfach zu abwegig.

    Eine Warnung sei abschließend aber noch ausgesprochen: Wer sehr tierlieb ist, sollte diesen Erzählband nicht zur Hand nehmen. Es kommen darin massenhaft Tiere zu Tode – auf nicht natürlichem Wege. Ein Sinnbild für das gespaltene Verhältnis zwischen Mensch und Natur, das in Dorthe Nors’ Texten immer wieder zum Vorschein kommt.

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    Taluzis avatar
    Taluzivor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Seite 38: „Man muss das Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären zu können.“
    verschiedene Kurzgeschichten

    „Handkantenschlag“ ist Buch mit mehreren Kurzgeschichten, die spannend, verwirrend, brutal oder auch liebevoll sind. Auf jeden Fall ist jede Geschichte anders.

    In „weibliche Mörder“ beschäftigt sich ein Mann mit weiblichen Mördern und klickt von Link zu Link. Anfangs fand ich die Geschichte unheimlich, aber im Verlauf der Geschichte hatte ich das Gefühl sie ist aus dem Leben gegriffen.

    „Beim Friseur gegenüber der Münzwäscherei“ ist eine traurige Geschichte, die von der Einsamkeit einer alten Dame erzählt. Besonders gut hat mir der Spruch auf Seite: 105„Es geht darum, sich selbst zu lieben. Wenn man sich nicht selbst liebt, wer sollte es denn sonst tun?“

    Ein weiterer toller Spruch ist in der Geschichte „der Buddhist“ auf Seite 38: „Man muss das Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären zu können.“ Die Geschichte selber erzählt von einem Mann der immer mehr wollte. Die Geschichte selber fand ich allerdings verwirrend und schwer zu lesen.

    Ich lese ganz gern mal Kurzgeschichten, weil sie sehr abwechslungsreich sind und man schnell mal eine Geschichte zwischen durch lesen kann oder auch zwei. Auch die Reihenfolge der Geschichte ist egal. Man kann das Buch mittendrin auf schlagen und mit lesen beginnen. Der Schreibstil ist flüssig und recht lebendig. Daher war ich in jeder Geschichte schnell drin.

    Viele Geschichten haben ein offenes Ende. Meist sind es nachdenkliche Enden, die viel Spielraum für eigene Interpretationen lassen!

    Von mir bekommt das Buch eine Leseempfehlung!

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    Lesemaus_im_Schafspelzs avatar
    Lesemaus_im_Schafspelzvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Sammlung von 15 Kurzgeschichten, die sicher nicht jeden Geschmack treffen, teils aber auf jeden Fall lesenswert sind.
    Interessant? - ja! Aber meine Erwartungen wurden leider nicht voll erfüllt

    Es handelt sich hier um eine Sammlung von 15 Kurzgeschichten, die als „scharfsinnig“ beschrieben werden und den „ganzen Kosmos der menschlichen Emotionen“ erfassen sollen.

    Auf dieses Buch hatte ich mich daher ganz besonders gefreut, da ich bei Kurzgeschichten immer spannend finde, welche Interpretationsmöglichkeiten sich dem Leser eröffnen, so dass insbesondere die Leseerfahrung und der Austausch in einer Leserunde interessante Blickwinkel aufzeigen konnte.


    Nun, es ist in der Tat ein sehr ausfühlendes Werk, einige der Stories habe ich mehrfach gelesen, um einen Zugang dazu zu bekommen, andere widerstrebten mit absolut, da es leider ständig wiederholt zu Tierquälereien kommt. In manchen Fällen war dies (leider) passend, um die Stimmung oder den Charakter zu unterstreichen, doch für meinen Geschmack insgesamt einfach zu häufig. Dies hat mir insgesamt den Lesegenuss doch stark eingetrübt.
    Die Geschichten haben für mich überwiegend negative Färbung – ich kann mich spontan an keine mit wirklich positivem Ausgang erinnern?!? -, was ich sehr bedauere, wenn vom „ganzen Kosmos der menschlichen Emotionen“ gesprochen wird. Natürlich, sie regen stark zum Nachdenken an, über das eigene Leben, den Tod, Schicksale usw., jedoch wäre es toll gewesen, hier bei einer doch recht großen Auswahl auch mehr Positives lesen zu können.

    Der Schreibstil von Dorthe Nors hingegen ist sehr eingängig und leicht verständlich, die Aufmachung der Hardcover-Ausgabe insgesamt sehr angenehm.
    Hinter dem Cover mit dem vertikal verlaufenden blutroten Streifen könnte man auf dem ersten Blick auch einen Krimi erwarten, vielleicht könnte man hier etwas Passenderes finden?

    Es fällt mir relativ schwer, hier ein abschließendes Urteil zu finden, da es definitiv richtig starke Geschichten gab, aber auch solche, mit denen ich leider gar nichts anfangen konnte.
    Da mir die sich ständig wiederkehrende Tierquälerei jedoch sehr in mein Gedächtnis gebrannt hat, kann ich leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen geben.
    Ob ich das Buch weiterempfehlen kann? – Hm, schwere Frage. Eingeschränkt, würde ich sagen. Einzelne Geschichten auf jeden Fall, die eine oder andere könnte ich mir sogar in einem Deutschkurs an der Schule sehr gut vorstellen. Wer aber hier eine lockere Sammlung erwartet, der wird auf jeden Fall enttäuscht werden. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Liebe Leserinnen und Leser,
    mögt Ihr Kurzgeschichten? Dann haben wir etwas ganz Besonderes für Euch: "Handkantenschlag" von Dorthe Nors. In den USA wird die Autorin bereits als der neue Star der short stories gefeiert und nun erscheint ihre Kurzgeschichtensammlung endlich auch auf Deutsch. Wir laden Euch zu einer Leserunde zu dieser Neuerscheinung ein und verlosen  dafür 15 Buchexemplare. Bewerbt Euch bis zum 01. September bis 18 Uhr!

    Dorthe Nors’ Kurzgeschichten sind detaillierte Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens im 21. Jahrhundert. Scharfsinnig, von unsentimentaler Härte und raffiniert legt sie das Unheilvolle bloß, das unter dem Gewöhnlichen lauert: Mit wenigen Worten gelingt es der Autorin, eine ganze Welt aufzubauen, um sie dann kurz darauf wieder einstürzen zu lassen.

    Eine junge Frau liegt nichtsahnend im Bett, während ihr geliebter Gatte im Internet surft – besessen von weiblichen Serienkillern. Ein Bürokrat wechselt zum Buddhismus und hält sich für den Auserwählten. Eine Frau betrachtet sich im Spiegel, ihr Körper ist übersät mit blauen Flecken. Doch den Grund für die Gewaltbereitschaft ihres Liebhabers sucht sie bei sich selbst.

    Dorthe Nors’ Kurzgeschichten umfassen den ganzen Kosmos der menschlichen Emotionen, von der Fähigkeit zur Grausamkeit bis hin zum Mitgefühl. Die Sammlung poetischer, aber auf eine faszinierende Art doch beunruhigender und gleichzeitig kurioser Geschichten muss man einfach lieben.

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    Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen und eine spannende Leserunde!
    Euer Osburg Verlag
    Blausterns avatar
    Letzter Beitrag von  Blausternvor 4 Jahren
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    Wortweltens avatar
    Hallo ihr Lieben,

    im Rahmen einer interessanten Blogtour könnt ihr auf meinem Blog oder auch hier bis zum 10. September ein Exemplar von Dorthe Nors' Erzählband Handkantenschlag gewinnen. Wer gern vielseitige, subtil erzählte Kurzgeschichten liest, dem wird dieses Buch sicher gefallen.

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