Doug Johnstone

 3,9 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor von Wer einmal verschwindet, Smokeheads und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Doug Johnstone

Doug Johnstone ist Journalist, Sänger, Songwriter, Schriftsteller und – wie die wenigsten wissen – promovierter Atomphysiker. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt und arbeitet er in Edinburgh. Mit seinen Büchern hat er sich nicht nur in Großbritannien eine große eingeschworene Fangemeinde erobert, zu der auch bekannte Autoren wie Ian Rankin und Irvine Welsh gehören. Bereits auf Deutsch erschienen sind seine Thriller Smokeheads und Wer einmal verschwindet.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Bruch (ISBN: 9783948392208)

Der Bruch

 (3)
Neu erschienen am 01.03.2021 als Hardcover bei Polar Verlag.

Alle Bücher von Doug Johnstone

Cover des Buches Wer einmal verschwindet (ISBN: 9783442748372)

Wer einmal verschwindet

 (7)
Erschienen am 12.01.2015
Cover des Buches Smokeheads (ISBN: 9783442744053)

Smokeheads

 (6)
Erschienen am 09.07.2012
Cover des Buches Der Bruch (ISBN: 9783948392208)

Der Bruch

 (3)
Erschienen am 01.03.2021
Cover des Buches Hit & Run (ISBN: 9783442749317)

Hit & Run

 (2)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Wer einmal verschwindet (ISBN: 9783641144357)

Wer einmal verschwindet

 (0)
Erschienen am 12.01.2015
Cover des Buches Hit & Run (ISBN: 9783641158200)

Hit & Run

 (0)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Gone Again (ISBN: 9780571296613)

Gone Again

 (1)
Erschienen am 01.08.2013
Cover des Buches Hit and Run (ISBN: 9780571270477)

Hit and Run

 (0)
Erschienen am 31.05.2012

Neue Rezensionen zu Doug Johnstone

Cover des Buches Der Bruch (ISBN: 9783948392208)Gulans avatar

Rezension zu "Der Bruch" von Doug Johnstone

Die Schattenseiten von Edinburgh.
Gulanvor einem Monat

Seitdem ich Bücher nicht nur lese, sondern auch regelmäßig rezensiere (wenngleich auf Amateurniveau), hat sich bei mir die Betrachtungsweise eines Buches schon etwas verschoben. Man taucht teilweise nicht mehr so tief in die Geschichte ein, achtet mehr auf Logikfehler, auf sprachliche Schwächen, auf Klischees und Plattitüden, zieht schon während der Lektüre Vergleich zu ähnlichen Werken. Auch die Protagonisten dienen nicht mehr als Sympathieträger, sondern werden daran beurteilt, ob sie die Geschichte voranbringen und möglichst authentisch angelegt sind. Das heißt nicht, dass die Lektüre keinen Spaß mehr macht, aber man liest etwas „professioneller“. Umso schöner, wenn man dann doch einen Roman erwischt, der einen nicht nur von den äußeren Merkmalen her völlig überzeugt, sondern der einen auch emotional packt. Spontan fällt mir da aus den letzten Jahren Steve Hamiltons „Der Mann aus dem Safe“ ein, einen sensationellen Coming-Of-Age-Heist-Thriller. Und nun habe ich wieder so einen Roman gelesen, und der spielt im ach so pittoresken Edinburgh.

Die Fläche zwischen hier und da war eine einzige große illegale Mülldeponie, ein Wirrwarr von Gummirohren, feuchten Matratzen, ein paar Autotüren, einer zertrümmerten Windschutzscheibe, Bergen von Müllsäcken, prall gefüllt mit weiß Gott was, und zerbrochenen Zaunfragmenten, die irgendwann mal irgendwen von irgendwo hatten fernhalten wollen. Das alles sah er im Licht der Scheinwerfer des Baugeländes. Er sah kurz zum Wauchope House hinüber, dem Zwilling des Hochhauses, auf dem sie sich befanden. Er würde nie verstehen, warum diese beiden letzten Dinosaurier nicht mit dem Rest abgerissen worden waren. Warum sie nicht ganz einfach Niddrie, Craigmillar und Greendykes mit einer Flächenbombardierung überzogen hatten und fertig. (Auszug S.8-9)

Der 17jährige Tyler wohnt mit seiner Mutter und seiner kleinen achtjährigen Schwester Bean in einer Wohnung in einem heruntergekommenen Hochhaus im Problemstadtteil Niddrie. Seine Mutter Angela ist drogen- und alkoholabhängig, nicht mehr imstande, sich um ihre Familie zu kümmern. In der Wohnung nebenan leben Tyler ältere Halbgeschwister Barry und Kelly in einem inzestuösen Verhältnis. Tyler kümmert sich wie ein Erziehungsberechtigter um Bean und versucht ihr einen halbwegs ordentlichen Alltag zu bieten. Vor allem versucht er, sie vom aggressiven und kokainsüchtigen Barry fernzuhalten. Barry zwingt den eher kleingewachsenen Tyler, sich an den regelmäßigen Einbruchstouren zusammen mit ihm und Kelly zu beteiligen. Sie brechen in die Wohnhäuser der wohlhabenderen Gegenden Edinburghs ein und gerade Tyler ist prädestiniert, in gekippte Fenster oder ähnlich enge Durchlässe einzusteigen.

Eines Nachts brechen die drei wieder in großes freistehendes Haus ein und räumen gerade ihre Beute zusammen, als sie von der heimkommenden Besitzerin überrascht werden. Diese entdeckt Tyler auf der Treppe und wird im nächsten Augenblick von Barry brutal von hinten niedergestochen. Sie können fliehen, aber Tyler ist entsetzt von Barrys Brutalität und wählt heimlich den Notdienst. In Nachhinein wird das Ausmaß der Katastrophe erst sichtbar: Das Haus, in dem sie eingebrochen sind, gehört dem lokalen Gangsterboss Deke Holt und die schwer Verletzte ist dessen Ehefrau und Mutter eines Schulkameraden von Tyler. Deke Holt schwört bittere Rache, falls er die Schuldigen erfährt und lange kann dies nicht mehr dauern, denn Barry hat bereits einen Teil der Beute weitervertickt. Zudem hat die Polizei Tyler und seine Geschwister schon länger auf dem Kieker, kann ihnen aber noch nichts nachweisen. Sie übt Druck auf Tyler aus, seinen Bruder zu verraten, droht ihm damit, seine Schwester Bean aus der Familie zu holen. Tyler steht nun von mehreren Seiten unter Druck. Just in diesem Moment lernt er ein gleichaltriges Mädchen kennen. Flick ist eine Internatsschülerin aus reicherem Hause, doch sie ist auch eine Seelenverwandte mit anders gelagerten, aber auch problematischen Familienverhältnissen.

Er sagte nichts. Sie warf ihm immer wieder Seitenblicke zu, während sie den Kreisverkehr passierte und Richtung Osten fuhr.
„Tut mir leid“, sagte sie schließlich. „Das war unangebracht“.
„Schon okay.“
„Sag doch einfach, ich soll die Klappe halten.“
„Halt die Klappe.“
Sie lachte, und ihm gefiel, wie sich das anhörte. (Auszug S.70-71)

Die schottische Kriminalliteratur genießt unter Genrekennern einen exzellenten Ruf. Angefangen über den „Godfather“ William McIlvanny, über natürich Ian Rankin, Val McDermid, Denise Mina, Chris Brookmyre und zahlreiche andere Hochkaräter. Unter den schottischen Autoren ist Doug Johnston auch kein Unbekannter, ein paar seine Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt (zuletzt „Wer einmal verschwindet“ in 2015). Dennoch hatte ich ihn bislang so gar nicht auf dem Schirm. Johnstone hat übrigens eine interessante Vita: Er promovierte in Kernphysik und arbeitete als Radar- und Raketeningenieur. Neben seiner Autorenkarriere ist er auch Journalist und spielt in einer Band aus lauter Krimiautoren („Fun Lovi Crime Writers“). Mit seinem neuesten Werk könnte er sich aber auch in Deutschland einen größeren Namen machen. „Der Bruch“ („Breakers“ im Original) erschien 2019 und war unter anderem auf der Shortlist des wichtigsten schottischen Krimipreises.

Doug Johnstone zeigt dem Leser in diesem Buch die Schattenseiten des schönen Edinburgh. Soziale Brennpunkte, heruntergekommene Wohnungen, dysfunktionale Familien, Armut, Drogen, Kriminalität. All dies kondensiert in Tylers Familie mit Barry als Tyrann, Kelly als dessen willfährige Partnerin und seiner Mutter als Wrack. Tyler alleine muss die ganze Last der Verantwortung schultern. Die Liebe zu seiner kleinen Schwester hält ihn aufrecht. Bei ihr holt er sich die kleinen Erlebnisse, die ihn über den weiteren Tag bringen. Und dennoch ist er oft nah an der Verzweiflung ob dieser Bürde. Johnstone schildert Tylers brutalen Alltag zwischen der Versorgung von Bean, den eigenen (wenigen) Schulstunden, dem Haushalt und der nächtlichen Streifzügen durch Edinburghs Villenviertel mit einer schonungslosen Realität. Dabei zeichnet er den Protagonisten Tyler mit einer tiefen Empathie, der sich der Leser nicht entziehen kann.

„Der Bruch“ ist vieles, ein sozialkritischer Roman, ein Krimi oder besser noch ein spannungsreicher Thriller oder auch ein düsterer Noir, wenngleich mit einigen Funken Hoffnung. Vor allem aber, so spricht es Autorenkollege Mark Billingham auf dem Cover an, „..es geht auch um etwas und spricht wirklich das „Warum“ des Verbrechens an“. Bloggerkollege Philipp Elph urteilte jüngst: „Bereits zu Beginn des Jahres einen Kriminalroman als ein Highlight des Jahres zu bezeichnen, ist eine gewagte Äußerung. Ich sage es trotzdem.“ Und ich mag ihm da nicht widersprechen. Doug Johnstone ist ein großartiger Roman gelungen. Einer dieser, die einen noch emotional richtig mitnehmen – mit authentischen Figuren, einem mitreißenden Plot und einem scharfen Blick für die sozialen Probleme seiner Heimatstadt. „Der Bruch“ ist ein wirklich großer Wurf.

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Cover des Buches Der Bruch (ISBN: 9783948392208)Haverss avatar

Rezension zu "Der Bruch" von Doug Johnstone

Ebenso spannend wie bewegend
Haversvor 4 Monaten

Der Polar Verlag eröffnet sein Programm 2021 gleich mit einem Knaller, Doug Johnstones „Der Bruch“ (in gewohnter Qualität übersetzt von Jürgen Bürger), einem Autor, der regelmäßig auf der Shortlist für den McIlvanney Prize for Scottish Crime Book of the Year vertreten ist, mit diesem Titel 2019. Zurecht, wie man nach dem Lesen dieses Kriminalromans feststellen wird, der gleichzeitig eine beeindruckende und sehr bedrückende Milieustudie ist. Aber vor allem ist es eine Geschichte von Familienbeziehungen und dem Überleben unter schwierigen Verhältnissen.

Tyler lebt mit seiner Familie in Greendyke, sozialer Brennpunkt vor den Toren Edinburghs. Zwei Hochhäuser, umgeben von Brachland voller Schutt und Gerümpel. Ein Drecksloch. Das Neubaugebiet Greenacres in Sichtweite, Wohnprojekt für die Mittelklasse. Nichts für Tylers Familie. Tyler wirkt eigentümlich fehl am Platz, er ist derjenige, dem die Sympathien des Lesers/der Leserin gelten. Die Mutter ständig zugedröhnt von Drogen und Alkohol, unfähig, den Alltag zu bewältigen. Das erledigt Tyler, der sich außerdem voller Hingabe um seine kleine Schwester Bean kümmert. Für sie hat er eine Vision, möchte, dass sie einmal ein besseres Leben hat.

Seine beiden Halbgeschwister, Barry und Kelly, sind Kleinkriminelle, immer auf der Suche nach der guten Gelegenheit für einen Bruch. Tyler muss sie bei ihren Aktivitäten unterstützen, das stellt er nicht infrage. Er ist klein und schmal für sein Alter, hat die perfekte Größe, um sich durch schmale Öffnungen hindurch zu schlängeln. Üblicherweise klappt das, doch dann wählen sie das falsche Objekt aus. Das Haus gehört einem mächtigen Boss von Edinburghs Unterwelt, dessen Frau ihnen in die Quere kommt. Barry geht mit dem Messer auf sie los, verletzt sie schwer und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, aus der es kein Entkommen gibt.

Tyler ist einer dieser Jugendlichen, die durchs Raster fallen, in schwierige Verhältnisse hineingeboren werden, denen sie nicht entkommen können. Die zwar eine Ahnung davon haben, was sein könnte, denen aber letztendlich nicht nur die Kraft sondern auch die Unterstützung dafür fehlt, einen Neuanfang zu wagen.


Johnstone zeigt uns das Leben jenseits der Royal Mile und Edinburgh Castle. Zwingt uns dazu hinzuschauen. Stellenweise fast unerträglich beschönigt er nichts, sondern konfrontiert uns mit dessen knallharter Realität.

Bemerkenswert ist aber vor allem dieses Maß an Empathie, mit der er Tyler und dessen Lebensumstände, dessen Schicksal beschreibt. Sein Dilemma, nach dem missglückten Raubüberfall zu entscheiden, was richtig oder falsch ist. Ob die Loyalität gegenüber der Familie wichtiger ist als das Benennen des Schuldigen, um so größeres Unheil von seiner Familie abzuwenden.

Eine Story, die ebenso spannend wie bewegend ist, eindringlich und voller Emotionen geschrieben. Unbedingt lesen!

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Cover des Buches Smokeheads (ISBN: 9783442744053)chipie2909s avatar

Rezension zu "Smokeheads" von Doug Johnstone

Ein Islay-Trip nicht nach Plan
chipie2909vor 8 Monaten

Als absoluter Schottland- und Whisky-Fan ist dieses Buch für mich ein MUSS, vor allem, nachdem mein Lieblings-Genre auch noch Thriller ist. Nächste Woche steht Islay auf dem Reiseplan, deshalb war dieses Buch der perfekte Einstieg in den Urlaub. Doch um was geht es in diesem Werk eigentlich genau?

Vier Freunde, viel Whisky und ein tolles Wochenende – genau so hat sich Adam seinen Trip mit seinen Freunden Roddy, Ethan und Luke vorgestellt. Und als er erneut auf Molly trifft, die er schon bei seinen vorherigen Besuchen auf der Insel Islay toll fand und sie sein Interesse zu erwidern scheint, ist für ihn alles perfekt. Erstmal! Der Kurztrip auf die schottische Whisky-Insel entpuppt sich nämlich schnell als absoluter Höllentrip, denn die vier Freunde haben nicht mit Joe gerechnet… Mollys Ex-Mann und einer der wenigen Polizisten auf Islay, der extrem durchgeknallt erscheint…

Mein Eindruck vom Buch:

Ich mag kurze und knackige Kapitel und genau so hat Doug Johnstone aufgebaut. Ich mag seinen Schreibstil, der etwas Bizarres an sich hat und durch die Kürze der Abschnitte fällt es wirklich schwer, das Buch auch mal wieder zur Seite zu legen. Es ist rasant verfasst, ein Schock folgt dem Nächsten und Langeweile kommt in diesem Buch mit Sicherheit nicht auf. Natürlich ist es kein literarisches Meisterwerk und manchmal fragt man sich, ob ein paar Begebenheiten nicht ein wenig zu überzogen dargestellt sind, dies tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Figuren wurden unterschiedlich gezeichnet, vor allem die vier Freunde könnten nicht unterschiedlicher sein. Da gibt’s Adam, den etwas untersetzten Hauptinitiator der Tour, Roddy, ein gutaussehender Überflieger, Luke, der ewige Hippie und Ethan, ein Durchschnittstyp wie er im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht. Die Charaktere der Protagonisten sind jedoch leider nur angedeutet und meiner Meinung nach wäre dies noch ausbaufähig gewesen, denn die Ansätze waren vielversprechend. Dennoch geht bestimmt jedem Whisky-Fan beim Lesen das Herz auf, denn es werden einige Wasser des Lebens angesprochen und man kann den Duft förmlich riechen. Auch die karge Landschaft von Islay wird detailliert beschrieben und ich bin sehr gespannt, ob sich dies nächste Woche decken wird.

Fazit:

Dieser Thriller ist für mich kein hochkarätiger Thriller, dennoch absolut kurzweilig, unterhaltsam und absolut lesenswert. Wer Whisky, Schottland und Thriller mag, wird mit diesem Werk definitiv Spaß haben.

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