Douwe Draaisma Das Buch des Vergessens

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Inhaltsangabe zu „Das Buch des Vergessens“ von Douwe Draaisma

Das Vergessen ist besser als sein Ruf Das Standardwerk über den Nutzen und Nachteil des Vergessens für das Leben Warum erinnern wir uns so schlecht an unsere Träume? Was passiert mit verdrängten Erinnerungen – wo bleiben sie? Warum ist die Vorstellung eines absoluten Gedächtnisses für uns so verführerisch, ja faszinierend? Warum gibt es Gedächtnistrainings, aber keine Vergessenstechnik? Mit solchen und vielen anderen Fragen nähert sich der holländische Bestsellerautor Douwe Draaisma in Das Buch des Vergessens umfassend, erhellend und unterhaltsam dem interessantesten Aspekt der Gehirnforschung: dem Vergessen. Unser Gedächtnis, so Draaisma, ist wie ein unfolgsames Kind: Woran wir uns erinnern, und woran nicht – darauf haben wir keinen Einfluss. Kein Wunder, dass es so schwer ist, die dahinterstehenden Mechanismen zu erkennen. Douwe Draaisma lädt seine Leser ein zu einem Streifzug durch Psychologie, Philosophie und Gehirnforschung, die sich seit Jahrhunderten mit dem Vergessen befassen. Er erzählt von Schlaflabors und Traumprotokollen, von Gehirnoperationen und Patientenschicksalen, er beschäftigt sich mit den neusten Techniken der Traumatherapie genauso wie er seinen Blick auf die Pioniere der Gedächtnisforschung richtet. Ein spannendes Buch, das vor allem eins klarmacht: Vergessen ist besser als sein Ruf.

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  • Rezension zu "Das Buch des Vergessens" von Douwe Draaisma

    Das Buch des Vergessens

    HeikeG

    02. March 2013 um 17:24

    Ist Vergessen wirklich nur ein Minuszeichen vor der Erinnerung? . Wissen Sie was Kryptomnesie ist? Seit dem unrühmlichen Abgang unseres ehemaligen Bundesverteidigungsministers mit dem adligen Namenszusatz sollte man sich dieses Substantiv merken, denn die Kette der in der Öffentlichkeit bekanntgewordenen Fälle aberkannter Doktortitel reißt nicht ab. Vielleicht aber verdächtigt man diese Menschen zu Unrecht. Denn eben jenes kryptische, für die meisten unverständliche Wort aus der Psychologie, wörtlich heißt es "vergessene Erinnerung", bezeichnet den Umstand, dass man von einem anderen etwas liest oder hört, anschließend auf genau dieselbe Idee kommt, inzwischen aber vergessen hat, dass sie von einem anderen stammt. . Doch nicht nur um vergessene Erinnerungen geht es in dem Werk des niederländischen Professors für Psychologiegeschichte an der Universität Groningen, sondern sein "Buch des Vergessens" ist ein Streifzug durch unterschiedlichste Bereiche der "verschlossenen Türen unseres Geistes". Wodurch vergessen wir und warum vergessen wir? Sind wir unseren neurologischen und physiologischen Verdrahtungen wehrlos ausgeliefert oder haben wir ab und an doch noch ein Wörtchen mitzureden? Welche Schicksale haben verdrängte Erinnerungen - oder wo halten sie sich auf? Existiert so etwas wie "Verdrängen" überhaupt? Warum haben Porträts und Fotos die Eigenschaft, sich vor die Erinnerung zu schieben? Warum haben wir ein so schlechtes Gedächtnis für Träume? Was läuft schief im Gehirn eines Menschen, der sich keine Gesichter merken kann? Oder warum verfügt jemand mit dem Korsakow-Syndrom zwar noch über einen Teil seines Fachwissens, hat aber vergessen, was er vor fünf Minuten gesagt hat? . Douwe Draaismas Buch ist das Ergebnis seiner Forschungen und Auseinandersetzungen, Erinnern und Vergessen nicht als zwei separat verlaufende Stränge zu betrachten, sondern sie in einen Kontext zu bringen. Auf diesem Weg beschreitet er einen großen Bogen. Er beginnt mit dem Vergessen im autobiografischen Gedächtnis, das man sich ähnlich einer Zimmerflucht vorstellen muss, wo sich erst die Tür, die vor einem liegt, öffnet, wenn die Tür hinter einem geschlossen ist. Der Autor betrachtet anhand einiger zum Teil auch populärer Fallbeispiele, dass gerade pathologische Formen des Vergessens zu unerwarteten Erkenntnissen bei Gedächtnisprozessen führen können und wagt den Versuch, "die langen Wurzeln heutiger Auffassungen über Vergessen aufzuzeigen". Der wichtigste Leitfaden jedoch, der sich durch das gesamte Buch zieht, beinhaltet den Punkt, "dass im Denken über das Vergessen sichtbar wird, was wir von unseren Erinnerungen erhoffen oder befürchten. Erinnerungen", so Draaisma, "haben die beunruhigende Fähigkeit, nachträglich ihre Gestalt zu verändern." . Auch wenn Douwe Draaisma überwiegend Neurologen, Psychiater, Psychologen und andere Vertreter der Wissenschaften des Gedächtnis zu Wort kommen lässt, ist dieses Buch keine schwer verständliche Abhandlung eines hochkomplexen wissenschaftlichen Themas. Charmant und unterhaltsam aufbereitet, gut lesbar und verständlich erklärent, gestaltet sich die Lektüre dieses populärwissenschaftlichen Werkes als Gewinn auch und gerade für den interessierten Laien. Der Niederländer versteht auf nonchalante Art gerade das Niemandsland zwischen Wissenschaft und Introspektion gekonnt zu durchfahren. Denn selbst wenn viele Antworten über das Wie und Warum des Vergessens geliefert wurden, so bleibt letztendlich noch immer ein "prekärer Abstand zwischen unserem theoretischen Wissen über das Gedächtnis und dem, was wir persönlich mit unserem Gedächtnis erleben." Hier hält er es wie der Schweizer Schriftsteller Max Frisch, der zwischen seinem 55. und 60. Lebensjahr ab und zu eine Liste mit bohrenden Fragen in sein Tagebuch aufnahm, sie aber nie beantwortete. Douwe Draaisma hat in seinem Schlusskapitel gleichfalls einige, vielleicht sogar unbequeme Fragen zusammentragen. Nun bleibt es beim Leser dieses wunderbaren Buches, sie ganz für sich persönlich zu beantworten.

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