Dr. Nachtstrom , Rona Walter Horror-Legionen

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Inhaltsangabe zu „Horror-Legionen“ von Dr. Nachtstrom

25 deutschsprachige Autoren schreiben Horror. Unzensiert, ohne Vorgabe. Vereint in diesem dicken Buch voller grausamer und verstörender Geschichten: Arthur Gordon Wolf, Melchior v. Wahnstein, Carmen Weinand, Constantin Dupien, Daniela Herbst, Des Romero, Guido Ahner, John Aysa, Karin Reddemann, Kristina Lohfeldt, Marc Gore, Meryjaine Webster, Michael Sonntag, Moe Teratos, Rona Walter, Sean Beckz, Sönke Hansen, Stefanie Maucher, Thomas Backus, Tim Svart, Tony Lucifer, Torsten Scheib, Vincent Voss, Werner Skibar, Xander Morus

HORROR LEGIONEN [...] verpasst dem Genre fraglos eine gehörige Frischzellenkur ...

— Elmar Huber
Elmar Huber

Eine Anthologie mit erstaunlich vielen Highlights - die Qualität der deutschen Horror-Autoren muss nicht mehr angezweifelt werden.

— Moryahh
Moryahh

Absoluter Horror und nichts für empfindliche Gemüter.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Horror-Legionen – Der Almanach deutscher Horror- und Mystery-Autoren

    Horror-Legionen
    Elmar Huber

    Elmar Huber

    22. June 2015 um 13:42

    „Hast du jetzt, was du brauchst?“, fragt Lilly, als ich meine Werkzeuge auf dem Küchentisch ausbreite. Ich überfliege alles. Ein Skalpell aus dem Modellbaugeschäft, ein Beil, ein Elektroschocker und natürlich Angelhaken und Schnur. „Alles da“, bestätige ich.“ (Moe Teratos: Die Rache) Arthur Gordon Wolf: Das Engels-Fresko Die vier angehenden Models Trinidade, Chevy, Britta und Geraldine werden von einem Fremden angesprochen, der ihnen anbietet, beim neuen Projekt des weltberühmten und exzentrischen Fotografen Petrus de Bruijn mitzuwirken. Gelockt von dem mehr als großzügigen Scheck befinden sie sich nur 24 Stunden später in der prunkvollen Villa des Künstlers, der mit den vier Schönheiten sein Engels-Fresko fertig stellen will. Melchior von Wahnstein: Illumination In der winzigen Kammer befindet sich außer ihm nur noch ein Podest mit einem Totenkopf. Der Initiationsritus zum Großmeister verfehlt seine Wirkung nicht. Eine Nacht muss er hier verbringen. eine Nacht voller Erinnerungen, Hoffnungen und Begierden. Carmen Wienand: Rage Schon beim Aufstehen ist Mae total genervt bei der Aussicht auf einen weiteren Tag im Callcenter. Das Etwas, das in ihrer Wohnung lauert macht sich das zunutze, nistet sich in ihrem Körper ein und ermutigt sie, ihren Gefühlen endlich freien Lauf zu lassen. Constantin Dupien: Meteoritenfeuer Nachdem er die Explosion sieht, die von einem Meteoriteneinschlag auf seinem Militärstützpunkt ausgelöst wurde, macht sich der abgewrackte Colonel Jack Brown sofort auf den Weg zur Einschlagstelle. Am Stützpunkt angekommen erwartet ihn eine böse Überraschung. Daniela Herbst: Letzter Gedanke München Als im Münchner Stadtteil Pasing ein Umspannwerk kollabiert ist das der Anfang vom Ende. Zuerst zeigt sich über dem Stromknoten eine Lebensform aus elektrischer Energie, dann beginnen sich die Toten von München aus ihren Gräbern zu erheben. Des Romero: Katharsis Doktor Bannister weiß selbst nicht, warum er an diesem Nachmittag noch einmal zusammen mit seiner Tochter seinen Arbeitsplatz, die Leichenhalle des Krankenhauses, zurückkehrt. Er hat den Drang seiner Tochter zu zeigen wo und was er arbeitet. Dort angekommen machen seine gewalttätigen Alpträume der letzten Zeit plötzlich einen Sinn. Werner Skibar (Charlie Blood): Bittere Früchte Der bittere Kampf gegen das Erfrieren führt den Obdachlosen zum Wiener Naschmarkt. Trotz der frühen Morgenstunden wird einer der Stände bereits mit fremdartigen Früchten beschickt, von denen der Sandler eine mitgehen lässt. Doch der Genuss der Frucht bekommt ihm schlecht. Guido Ahner: Nyxie Zombie Trotz ihres gerade abgeschlossenen Entzugs, beginnt Nyxie nicht nur wieder zu trinken, sie entwickelt auch immer merkwürdigere Fantasien. Dann bittet der Arzt, der sie damals auf der Notaufnahme behandelt hat, sie auch noch um ein Date. John Aysa (Alexander Ater): Das Haus der untergehenden Sonne Die Einladung seines Onkels zum 30. Geburtstag führt Walt und seine Freunde zu einer abgelegenen und ungewöhnlich eingerichteten Waldhütte. Plötzlich ergreifen Dämonen Besitz von den Freunden. Karin Reddemann: Die Schwarzen hinter dem Vorhang Stuffi, Memo, Lona und Ruth verbringen ihr Leben im Alexander-Haus. Bis Ruth eines Tages von den Schwarzen hinter dem Vorhang geholt wird. Kristina Lohfeldt: Der letzte Märchenprinz Ungeduldig erwartet sie die Ankunft ihres letzten Verehrers in ihrer hochgelegten Kammer in dem ansonsten verlassenen Turm. Mit seiner Hilfe wird es ihr endlich möglich sein, ihr Gefängnis zu verlassen. Marc Gore: The Chick and the Wolfman Nach einem Banküberfall geraten das Gaunerpärchen Clive und Betsy an einen schmierigen Motelbesitzer, eine Bande brutaler Rocker und einen Polizisten der Amtsmissbrauch betreibt. Gut für Betsy, dass ihr Lover ein Werwolf ist, der seine Kräfte auch ohne den Vollmond entfesseln kann. Marc Hartkamp: Blacklight Mit seiner Erfindung, einen Schwarzlicht, mit negativer Wellenlänge, gelingt es Dr. Gerber, einen Blick in die jenseitige Welt zu werfen. Doch die Wesen hinter dieser Grenze können ihn ebenfalls sehen. Meryjaine Webster: Der Selbstversuch Der Keller des abgelegenen Ferienhauses wurde zu einem “Hobbykeller” für spezielle Ansprüche ausgebaut. Perfekt, um sexuelle Fantasien auszuleben oder um die Opfer der Loge darzubringen. Michael Sonntag: Die Rotkäppchenfalle Was wäre, wenn Rotkäppchens Geschichte vom Wolf, der ihre Großmutter gefressen hat, nur eine List war, um den Jäger in das abgelegene Haus zu locken. Michael Sonntag: Stadt ohne Sheriff Daniel, Rick und Bruce Layton versprechen sich leichtes Spiel in der “Stadt ohne Sheriff” und tatsächlich läuft ihr Falschspiel und auch der Bankraub wie am Schnürchen. doch hier gibt es vielleicht keinen Gesetzeshüter, doch dafür etwas anderes. Moe Teratos: Die Rache Endlich entdeckt Gina die beiden Schweine auf Facebook, die damals ihr Freundin Andra und sie selbst vergewaltigt und zum Sterben in den See geworfen haben. Nun kann sie Rache nehmen. Rona Walter: Error Mit einer Auswahl vielversprechender Baumarktwerkzeuge erhält ein Konzernchef seine Lektion über den bevorstehenden Kollaps des Systems, den absoluten gesellschaftlichen Error der unweigerliche eintritt, wenn immer mehr menschliche Arbeitsplätze zugunsten lohnfreier Automaten wegfallen. Sean Beckz: Der Tätowierer Der strahlend schöne Samstagmorgen ist wie geschaffen, um es sich gutgehen zu lassen, den Luxus zu genießen, den das privilegierte Leben bietet und seine Fertigkeiten als Tatookünstler zu verbessern. So begibt sich der Tätowierer in den Keller zu seinem Modell. Sönke Hansen: House of the rising sun Der Überfall auf das Einkaufszentrum HOTRS, den Vincent und drei seiner Kumpels geplant haben läuft gründlich schief. Plötzlich stehen sie einer Horde weiblicher: wenn auch gut gebauter: Dämonen und einer riesigen Teufelsgestalt gegenüber. Stefanie Maucher: Haut Als er erwacht ist er in der Dunkelheit festgeschnallt. seine Haut wird in dieser Situation sein wichtigstes Sinnesorgan. Und mit ihr spürt er die behandschuhte Hand, die ihn dazu bringen will zu bereuen. Thomas Backus: Frischfleisch Brutus und seine Gang freuen sich über den knackigen Neuzugang in ihrem Zellentrakt. Frischfleisch für ihre Prügel. doch Wut und schmerz wecken das Tier in dem Neuen. Und das Tier will ohne Pause gefickt werden. Danach muss es fressen. Tim Svart: Musik der Finsternis Der neue Mieter wird Zeuge eines sonderbaren nächtlichen Violinspiels, für das offenbar eine weitere Hausbewohnerin, Viola, verantwortlich ist. Die Neugier keimt in ihm, er passt sie ab, spricht sie an und erliegt ihren weiblichen Reizen. Doch die seltsame Musik die er gehört hat, will sie vor ihm nicht spielen. Und der Blick aus dem Giebelfenster ihres Zimmers, den er beim Liebespiel erhaschen kann, zeigt eine ganz und gar fremde Welt. Tony Lucifer (Dr. Nachtstrom): Ave Anus Früh am winterlichen Morgen macht sich der kleine Peter auf den Weg durch den Schnee, um seine Pflicht als Ministrant zu erfüllen. doch ahnt er nicht, was ihn an diesem Morgen in der Dorfkirche erwartet. Torsten Scheib: Illusion Was ist nur los heute? Zuerst dieser schlurfende Penner, der ihm vor den Wagen torkelt, dass sprechen Frau und Tochter nicht mehr mit ihm als er ihnen die perfekt gelungen Katze serviert. Manchmal hat er das Gefühl,, der letzte Mensch auf der Welt zu sein. Vincent Voss: Folge der Stimme aus dem Anus Praeter Der Pfleger Sören staunt nicht schlecht, als Fr. Brüggemans künstlicher Darmausgang mit ihm zu sprechen beginnt. Im Tausch gegen Nahrung: Fleisch: würde er ihn in fremdes und geheimes Wissen einweihen. Xander Morus: Das Wrack der Zombies Die Weltenbummler Daniel, Jill, Steve und Manou haben einen Hinweis erhalten, dass auf einem der Wracks auf dem Schiffsfriedhof von Nouadkibou, West-Afrika, noch eine erhebliche Menge Geld versteckt sein soll. Gedacht um die afrikanischen Beamten zu bestechen und dann vergessen. Doch auf dem Wrack warten noch andere Überraschungen auf die Globetrotter. “Du solltest dir einschlägige Filme ansehen, dann wüsstest du, dass wir uns in einem Klischee befinden.” “Was? Wovon redest du?” “Ein einsames Haus im Wald. Ein Friedhof. Keine Verbindung zur Außenwelt. eine Clique von Leuten, die Party machen will. Unbekannte Bücher mit lateinischen Texten. Spaß, Sex, Lesen, Beschwörung des Bösen. Einer nach dem anderen stirbt.” (John Aysa: Das Haus der untergehenden Sonne) MEINUNG Nachdem das Anthologiengeschäft einige Jahre wohl doch eher stiefmütterlich angegangen wurde und nur Michael Schmidt mit seinem ZWIELICHT-Magazin eine ernstzunehmende Reihe an originellen phantastischen Geschichtensammlungen abgeliefert hat, kommt nun ausgerechnet der Österreicher Walter Brantner alias Dr. Nachstrom als selbst ernannter Phantastik-Revoluzzer daher, rotzt bei dem jungen Amrûn-Verlag eine Anthologie mit nicht weniger als 26 AutorInnen und über 500 Seiten raus und bezeichnet das Ding auch gleich noch als „Almanach deutscher Horror- und Mystery-Autoren“ als hielte man hier ein Who-is-Who der deutschen Phantastik in Händen. Dabei holte sich der Doc für dieses Machwerk eine erkleckliche Anzahl der immer noch kritische beäugten Horror-Selfpublisher ins Boot und stellt diese jungen wilden Schmierfinken (wie Sean Beckz, Tim Svart, Marc Gore, Moe Teratos, Xander Morus) gleichwertig neben bekannte und verdiente Namen (wie Arthur Gordon Wolf, Torsten Scheib, Thomas Backus, Vincent Voss). Ironiemodus wieder aus und mal Hand auf Herz: Klappern gehört doch zum Handwerk und wer würde denn ein Buch kaufen, auf dem steht „Mittelprächtige Geschichten einiger leidlich bekannter AutorInnen“? Von der Tatsache, dass diese Diskussion tatsächlich so ähnlich stattgefunden hat, sollte man sich im Vorfeld jedoch nicht beeindrucken lassen sondern lieber davon, dass es durchaus Hand und Fuß hat, was der gute Doc so anpackt, siehe z.B. das VISIONARIUM-Magazin inkl. seiner Ableger (https://visionariumjournal.wordpress.com/). Und immerhin haben auch die altgedienten und bekannten AutorInnen einmal so angefangen. Und legt man weiterhin die Tatsache zugrunde, dass es in der Natur einer Anthologie liegt, dass nicht jede Geschichte für jeden Leser gleich gut zündet, hat man mit den HORROR-LEGIONEN insgesamt ein beachtenswertes Storypaket in der Hand. Natürlich sind nicht alle Beiträge ein Ausbund an Originalität: tatsächlich fühlt man sich hier sogar sehr oft an bekannte Stoffe erinnert, die nur oberflächlich variiert wurden (EVIL DEAD, RAPUNZEL, FROM DUSK TILL DAWN, Lovecrafts AUS DEM JENSEITS und DIE MUSIK DES ERICH ZANN). Außerdem ist eine starke Konzentration von Folter- und Zombieszenarien zu erkennen, die teils auch unglücklich hintereinander platziert wurden. Dass es jedoch auch hier positive Überraschungen gibt beweisen z.B. Moe Teratos mit DIE RACHE und Torsten Scheib, der mit seiner Geschichte ILLUSION den 3. Platz der Kategorie „Beste Kurzgeschichte“ beim VINCENT PREIS 2013 belegte. Weitere Preisträger sind Arthur Gordon Wolfs DAS ENGELS FRESKO (Platz 2, „Beste Kurzgeschichte 2013“ und Tim Svarts Lovecraft-Hommage MUSIK DER FINSTERNIS (Platz 5, „Beste Kurzgeschichte 2012“), die hier erstmalig als Printversion erscheint. Die Sammlung selbst konnte außerdem Platz 4 der Kategorie „Beste Anthologie 2013“ für sich verbuchen. Für diejenigen, die auch die anderen Aktivitäten von Dr. Nachtstrom verfolgen, bieten die HORROR-LEGIONEN mit Melchior von Wahnsteins ILLUMINIATION und Werner Skibars BITTERE FRÜCHTE kleine Tie-Ins zum PANTHERION-Universum. OMEN- und MORBUS-Leser werden den einen oder anderen Hinweis entdecken. Wie bei jeder Geschichtensammlung wird jeder Leser hier seine ganz persönlichen High- und Lowlights finden. Die Kunst ist jedoch, diese so auszuwählen und anzuordnen, dass auch die schwächeren Beiträge von den Glanzpunkten getragen werden und die Sammlung insgesamt einen positiven Eindruck hinterlässt. Das gelingt hier fraglos, auch wenn man m.E. einige Beiträge besser an anderer Stelle einsortiert hätte. Besonderes Augenmerk verdienen auch die fiktiven (?) Biografien der AutorInnen, die von Bloggerin, Autorin und Szenekennerin Carmen Weinand verfasst wurden. Jedem/r ihrer KollegInnen schreibt sie eine mythische Abstammung auf den Leib die keinen Zweifel daran lässt warum die- oder derjenige denn heute Horrorgeschichten schreibt. Das Covermotiv wurde von Sean Beckz erstellt und fällt eher durch sein Ungleichgewicht der Proportionen ins Auge, entbehrt jedoch nach einer Zeit der Gewöhnung nicht einer gewissen bedrohlichen Aura. Trotzdem hat Hr. Beckz bei seinen eigenen Büchern schon weit bessere Arbeit abgeliefert (z.B. bei VERFAULT 2). Am Rande können die HORROR-LEGIONEN inzwischen auch als inoffizieller Startschuss für eine neue Welle an deutschen Phantastikanthologiereihen gesehen werden. Der schon erwähnte Herausgeber Michael Schmidt hat es mit ZWIELICHT vorgemacht, das gerade in die fünfte Runde gegangen ist, von Constantin Dupiens MÄNGELEXEMPLAREn ist Band 3 angekündigt und auch die HORROR-LEGIONEN selbst gingen unter der Herausgeberschaft von Christian Sidjani zum Jahresende 2014 in die zweite Runde. FAZIT HORROR LEGIONEN ist vielleicht nicht der auf dem Cover versprochene „Horror-Almanach“, verpasst dem Genre jedoch fraglos eine gehörige Frischzellenkur, da hier auch die jüngste Generation deutscher Horror-Schreiber hier ein Forum findet.

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  • Schocker garantiert

    Horror-Legionen
    inflagrantibooks

    inflagrantibooks

    22. August 2013 um 11:56

    Cover: Das Cover passt zum Inhalt des Buches. Es zeigt einige Möglichkeiten auf, wo das Grauen, der Horror oder auch der Wahnsinn auf den Menschen warten kann. Düster und dunkel passt es sich den Schauplätzen einzelner Geschichten an und macht durchaus neugierig auf mehr. Meinung: Zu allererst: Vielen Dank an Jürgen Eglseer für das Rezensions-Exemplar. Ich liebe gute Horrorgeschichten. Ob es das subtile, schleichende Grauen ist oder der gute alte klassische Horror ist mir vollkommen egal. Nun ja, wenn Zombies darin vorkommen, ist es mir am liebsten, aber sicherlich kein muss. Als ich mein Rezensions-Exemplar bekam, wusste ich nicht, was mich zwischen den einzelnen Seiten für Horror und Grauen erwartet. Natürlich hatte ich meine Erwartungen und ja, ich wollte geschockt werden. In diesem Werk findet man 27 Geschichten, die von Inhalt, Horror-Faktor, Idee und Umsetzung nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Kreativität der einzelnen Autoren sei hier besonders erwähnt, denn mitunter hat mich wohl mehr geschockt, auf was für gruselige Gedanken Autoren kommen können, als der Inhalt der Geschichten. Von kaltblütigen Psychopaten über mystische, hungrige Wesen bis hin zur klassischen Gruselhausgeschichte ist alles vertreten und jeder, der diese Anthologie in den Händen hält, wird seinen bevorzugten Horror finden können. Es muss aber erwähnt werden, dass zartbesaitete Leser die Finger davon lassen sollten. Einige Geschichten haben es wirklich in sich und manche sind sehr blutlastig. Wenn man das Gesamtkonzept betrachtet hat man gute, solide Horrorgeschichten die nichts missen lassen. Stilistisch merkt man den Autoren ihr Können an, darüber muss auch gar nicht diskutiert werden, Fehler sind mir nur ein paar ins Auge gesprungen. Die Mehrheit der vertretenen Autoren schafft es ohne Probleme den Leser in ihre Geschichte zu ziehen und eine Gänsehaut zu erzeugen, die noch lange anhält. Ich würde außerdem nicht empfehlen, diese Anthologie abends zu lesen, kurz bevor man ins Bett geht, denn dann sind düstere Horror-Schattenbilder vorprogrammiert. Gerade bei Horrorgeschichten kommt es auf das richtige Maß an Informationen an, damit der Leser sich sein eigenes Grauen erschaffen kann. Zu viele Beschreibungen können höchstens Ekel hervorrufen, machen aber dem Grauen schnell ein Ende. Ich finde, genau das haben die meisten der Autoren wunderbar hinbekommen. Sie ließen mir als Leser genug Freiraum, um die mir gegeben Informationen so zu verarbeiten, wie mein Kopfkino es für richtig hielt. Nun ist es aber so, das die Geschmäcker verschieden sind und nicht jedem alles gefällt. So ging es mir auch. Nachfolgend werde ich zu einigen Geschichten noch ein paar Worte sagen. Nicht zu allen, das würde den Rahmen sprengen. Davor muss ich aber noch etwas erwähnen. Ich habe noch nie so einzigartige und einfallsreiche Autorenvorstellungen gelesen. An manchen Stellen waren sie sogar gruseliger als die Geschichte selbst. An dieser Stelle also ein großes Lob an Carmen Weinand, für ihre schockierenden Kurzbiografien vor den Geschichten. Nun aber zu den Kurzgeschichten: 3.Carmen Weinand „Rage“ Die Idee und die Umsetzung dieser Geschichte sind klasse. Wer kennt solche Momente, Tage, Wochen nicht, in denen man von allem und jedem genervt ist und nur noch seine Ruhe will. Dass dieses Gefühl keinen natürlichen Ursprung hat und am Ende solche Ausmaße annimmt, gleicht wirklich einer Horrorvorstellung und ließ mich als Leser am Ende doch erst einmal Schlucken. Die kleinen Info-Päckchen zu dem „Es“ sind sehr gut platziert. Sie verraten nicht zu viel und lassen meiner Fantasie vollkommen freie Bahn. Die Geschichte beginnt als leichter Wind und steigert sich dann in einen Tornado aus Horror und Blut. Die „ruhige“ Schreibweise macht das alles noch viel schlimmer. Hier hat man eine wirklich horrormäßige Geschichte, deren Ende der Blutstropfen auf dem Gruselfaktor ist. 5.Daniela Herbst „Letzter Gedanke München“ Als Zombie-Fan schlechthin kann ich zu dieser Geschichte wohl keine neutrale Meinung verfassen. Die aufbauende Spannung, gepaart mit der momentanen Unwissenheit des Protagonisten gipfelt in einer Verzweiflungstat, die dem Horror mehr Ausmaß gibt, als es die herumlaufenden Toten alleine gekonnt hätten. Es sind eher die Gedanken, die Gefühlswelt die einem dem Atem stocken lassen. 6.Des Romero „Katharsis“ Während des Lesens habe ich gedanklich dem Protagonisten immer wieder zugerufen: „Nein! Geh da nicht rein!“ Es war wie in diesen klassischen Horrorhaus-Filmen, wo das junge, hübsche Mädchen die dunkle Treppe hochgeht, anstatt raus zu rennen und man als Zuschauer nur die Augen verdrehen kann. Aber nicht bei dieser Geschichte. Denn das Ende ist so überraschend und der Autor hat wirklich gekonnt darauf hingearbeitet. Kleine Informationsbrocken halten die Spannung aufrecht. Hinter jeder Ecke vermutet man den Horror, der aber ganz anders in Erscheinung tritt, als ich vermutet hatte. Und meine Vermutungen waren wirklich breit gefächert. Im Nachhinein gesehen waren es gerade die klassischen Horrormittel, gepaart mit ein bisschen Mystik, die dieser Geschichte ihren Gruselfaktor gaben. 8.Guido Ahner „Nyxie Zombie” Und wieder wird meine objektive Meinung auf die Probe gestellt. Während dem lesen sind mir zwei Tippfehler ins Auge gesprungen. Allerdings bin ich bereit, dieses Auge zuzudrücken, denn die Geschichte hat es wirklich in sich. Ich habe schon eine ganze Menge Zombie-Geschichten gelesen, aber dieser Ansatz des „Weshalb“ und die Darstellung finde ich erfrischend neu. Worin aber zeitgleich auch der Horror liegt. Denkende Zombies, die „normal“ unter der Bevölkerung leben, die Zombie-Mutation aber dennoch durch den Biss verbreiten. Wenn das keine Horrorvorstellung ist, dann weiß ich auch nicht. Das rationale, kühle Denken der zombiefizierten Protagonistin, der kranke Wahnsinn des Arztes und die typische Blindheit der Menschen gegenüber großen Problemen, das ist der Stoff aus dem der Horror gekrochen kommt und sich in dieser Geschichte einnistet. Am Anfang hatte ich zwar etwas Probleme, mich in die Geschichte einzufinden, aber der flüssige Schreibstil, der ohne überflüssige Phrasen auskommt, hat dem schnell entgegengewirkt. („Unter dem Bordstein der Würde krauchend und wimmernd.“ Wenn ich einen einzelnen Satz auf die erste Stufe des Treppchens stellen müsste, wäre es dieser!) 9.Alexander Ater (John Aysa) „Das Haus der untergehenden Sonne”  Diese Geschichte ist so klischeebehaftet, dass es schon wieder gut ist. Und da das mit Sicherheit gewollt ist, ist es sogar noch besser. Ich kann mit guten Gewissen sagen, dass diese Geschichte der Horrorklassiker schlechthin ist. Wem obszöne Aussprache nichts ausmacht und widerliche Bilder im Kopfkino auch nicht stören, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein wirklich bildhafter Schreibstil trifft auf Horrorfilm-Flair, das ganze gepaart mit einem Ende, bei dem der Leser lieber auf seine Fantasie verzichten sollte. Wäre diese Geschichte ein Film, würde sie wohl zu jedem Horrorfilm-Abend als Erstes auf der Liste stehen, und als Letztes um Punkt Mitternacht geschaut werden … nicht das diese Geschichte noch extra Gruseleffekte nötig hätte. 11.Kristina Lohfeldt „Der letzte Märchenprinz“ Horror trifft Märchen! Ein märchenhafter Schreibstil lässt den Leser in Bildern versinken. Sofort findet man sich in der Geschichte wieder und betrachtet das Geschehen direkt neben der Protagonistin stehend. Der Horror kommt durch zweideutig gewählte Szenen schleichend an, die Autorin verwirrt gekonnt den Leser und am Ende keucht man vor Entsetzen auf. Ein Ende, das überrascht und ein Schreibstil, der mitreißt. Fantastisch! 13.Marc Hartkamp „Blacklight“ In der Kürze liegt die Würze, oder wie in diesem Fall der Horror. Ich hatte Albträume nach dem Lesen und beäuge meine Taschenlampe auch jetzt noch mit Misstrauen. Klasse geschrieben. Mit wenigen, gut gewählten Worten erzeugt der Autor ein Gruselgefühl in der Brust des Lesers, man spürt fremde Blicke im Nacken und die Gänsehaut will nicht weichen. Davon können sich andere noch eine Scheibe abschneiden! 20.Sönke Hansen „House Of The Rising Sun“ Wer kein Blut „sehen“ kann, sollte vom lesen dieser Geschichte absehen, denn der Autor hat damit nicht gespart. Hier wird auf ein langes Vorspiel verzichtet und nach einer kurzen Charakteren-Einführung kommt die Geschichte gleich zum Punkt, um sich dann ausführlich und sehr detailgetreu ihrem Höhepunkt zu widmen. Der nackte Horror in seiner blutigsten Form, mit allem, was im Inneren des Körpers zu finden ist. Klasse! 25.Torsten Scheib „Illusionen“ Für mich war das die beste Geschichte der ganzen Anthologie. Schreibstil, Idee und Umsetzung haben mich von Anfang an überzeugt. Bis fast zum Schluss habe ich gerätselt, was in dieser Welt passiert ist. Der Autor nahm mich als Leser mit auf eine Reise in den menschlichen Wahnsinn und lässt Informationen nur über die Gedankenwelt des Protagonisten einfließen. Dieses aber so gezielt, dass man als Leser gar nicht mitbekommt, wie einem die Information ins Kopfkino gesetzt wird. Fantastischer Spannungsbogen, der bis zum Ende hin straff gespannt ist. Es war mir eine Freude, diese Geschichte lesen zu dürfen! Allein diese Geschichte würde von mir 5/5 Punkten bekommen. Das waren die Geschichten, die mir besonders gut gefallen haben. Alle die, die ich nicht erwähnt habe, sind ebenfalls gut geschrieben. Solide Horrorgeschichten mit Grusel, ob subtil oder offensichtlich. Und nur weil sie mich nicht „geschockt“ haben, heißt das nicht, dass andere Leser von ihnen nicht geschockt sind. Vielleicht habe ich für einige Geschichten doch schon zu viele Zombie-Romane gelesen, um mich mich vom Horror beeindrucken zu lassen. Nun will ich aber auch noch zu den Geschichten etwas schreiben, die mir nicht zugesagt haben: 2.Melchior v. Wahnstein „Illumination“ Das man Horror als solchen verschieden interpretieren kann ist mir klar. Allerdings habe ich hier den Horror, den Grusel oder was auch immer vergeblich gesucht und auch nach ein paar Tagen von „drüber nachdenken“, hat er sich mir nicht offenbart. Es ist ein grauenvoller Gedanke, dass man für irgendetwas sich selbst aufgeben muss. Die Magie in der Geschichte kann da durchaus als Metapher für alles andere gewertet werden, bei dem man einen Teil von sich Opfern muss. Aber dennoch … Horrormäßig geschockt hat mich hier eigentlich nur mein Kopfkino, als es Bilder zu den Taten des Protagonisten ausgespuckt hat. 4.Constantin Dupien „Meteoritenfeuer“ Weder Inhalt noch Umsetzung konnten mich gänzlich überzeugen und auch der Schreibstil war eher eigen. Der auf einen Stützpunkt abgeschobene, alternde Soldat macht anfänglich noch neugierig und man fragt sich, wie einem der Horror hier wohl serviert wird. Auch wenn mittendrin die Neugierde eher in Skepsis gewichen ist, schiebt man es als Leser eher auf den aufkommenden Wahnsinn des Soldaten und liest gespannt weiter. Das Ende … nun ja … ist ebenfalls eigen. Ich mag unerwartete Wendungen oder offene Enden mit Interpretationsmöglichkeiten und der Überraschungseffekt ist auch ein gern gesehener Gast, aber dieses Ende lässt mich doch meine aufrechterhaltene Neugierde vollends verlieren. Ich weiß nicht ob in Ermangelung eines alternativen Endes auf ein solch müdes Klischee gegriffen wurde oder ob mir nur der schwarze Humor entgangen ist, der sich vielleicht noch zwischen den Zeilen versteckt. 10.Karin Reddemann „Die Schwarzen hinter dem Vorhang“ Das ist die seltsamste Geschichte in dieser Sammlung. Ich blieb verwirrt zurück und wusste auch nach dem dritten Lesen nicht, was die Autorin mir als Leser sagen wollte. Mir ist nicht klar, um was sich der Kontext dreht oder wo der Kernpunkt der Aussage steckt. Wenn es denn eine gibt, denn auch diese habe ich nicht gefunden. Für aufklärende Informationen bin ich offen. Fazit: Abschließend lässt sich nicht viel mehr sagen, ohne in Wiederholungen zu verfallen. Ich kann diese Sammlung von Horrorgeschichten jedem empfehlen, der für die verschiedenen Sub-Genres des Horror offen ist und sich auch an literweise Blut nicht stört. Mordende Psychopathen, wütende Werwölfe oder sexhungrige Dämonen, ein wahrer Fan des Horror kommt mit Sicherheit auf seine Kosten. Aber ich wiederhole noch einmal meine Warnung: Lest die Geschichten nicht abends, ihr könnt nicht wissen, was alles durch euer Fenster in das Zimmer geschwebt kommt. Und einmal horrorinfiziert kommt man nicht wieder davon los. Da ich keine halben Punkte vergeben darf *böser Blick zu Jack* gibt es an dieser Stelle von mir 5/5 In Flagranti-Marken. Tilly J.

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  • Mystery und Horror vom Feinsten

    Horror-Legionen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. July 2013 um 18:07

    Sicher gibt es noch viele Leser, die skeptisch gegenüber den Werken deutscher Mystery- und Horrorautoren sind, gerade wenn diese nur wenig oder noch kaum bekannt sind. Genau diesen Skeptikern rate ich, diese Anthologie zu lesen und sich von den vielfältigen Facetten dieser beiden Genres überzeugen zu lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass niemand "seinen" Lieblings-Grusel bzw.-Horror vermissen wird. Gerade die ersten Stories überzeugten mich und ich war von deren guter Qualität zugegebenermaßen etwas überrascht. Aber wie es bei einer Anthologie so ist, nicht jede Geschichte mit jedem Thema muss dem Leser zwangsläufig gefallen und so ging es mir bei einigen Geschichten natürlich auch. Erstaunlich fand ich jedoch, dass der überwiegende Teil der Autoren ausnehmend gute Stories schreibt und mir nur wenige Fehler aufgefallen sind. Erwähnen möchte ich auf jeden Fall noch die sehr fantasievollen Autorenvorstellungen von Carmen Weinand, die jeden Autor kurz in einer eigens für ihn geschriebenen kleinen Geschichte vorstellt. Das hat mir sehr gut gefallen. Wer offen ist für alle Arten von Mystery- und Horror, sei es nun Werwolfgeschichte, Magie oder reiner Splatter, der sollte auf jeden Fall zugreifen. Für empfindliche Gemüter ist diese Anthologie allerdings in gar keinem Fall zu empfehlen. Einige Stories haben es wirklich in sich.

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