Dr. Thomas Bock

 4,2 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Umgang mit psychotischen Patienten, Lichtjahre und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Dr. Thomas Bock

Cover des Buches Umgang mit psychotischen Patienten (ISBN: 9783884145074)

Umgang mit psychotischen Patienten

 (6)
Erschienen am 08.06.2010
Cover des Buches Stimmenreich (ISBN: 9783867390132)

Stimmenreich

 (3)
Erschienen am 01.06.2007
Cover des Buches Lichtjahre (ISBN: 9783884144800)

Lichtjahre

 (3)
Erschienen am 01.09.2009
Cover des Buches Bipolare Störungen (ISBN: 9783884143926)

Bipolare Störungen

 (0)
Erschienen am 19.09.2005

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Cover des Buches Umgang mit psychotischen Patienten (ISBN: 9783884145074)sabatayn76s avatar

Rezension zu "Umgang mit psychotischen Patienten" von Dr. Thomas Bock

'Der psychotische Mensch wirkt, als sei er in einer eigenen anderen Welt.'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Schon vor langer Zeit habe ich entdeckt, dass ich lieber und vermutlich auch besser mit psychoseerfahrenen Menschen arbeite als mit anderen Patientinnen und Patienten. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass Menschen in Psychosen vor allem mit sich selbst beschäftigt und in sich selbst verunsichert sind. [...] Es berührt mich in eigenen ungefähren Ahnungen, Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten. Und es lässt mich in der Rolle als Gegenüber auf eine gewisse Weise ‚in Ruhe‘. Ich werde nicht sofort in vordergründige Beziehungsscharmützel verwickelt, muss mich nicht automatisch gegen Manipulationen wehren, egal, ob die vom Patienten oder von mir selbst ausgehen. So verrückt es klingen mag: Ich habe mehr Zeit und kann gelassener bei mir selbst bleiben. Der psychotische Mensch wirkt, als sei er in einer eigenen anderen Welt. Und ich kann in Ruhe versuchen, Brücken zu bauen, um ihn in seiner Welt zu besuchen, um unsere Welten wieder zu verbinden und unsere Wahrnehmungen wieder anzunähern.‘ (Seite 7)

Thomas Bock erzählt in ‚Umgang mit psychotischen Patienten‘ von seiner eigenen Faszination für Psychosentherapie, von Besonderheiten im Denken, Fühlen und Handeln bei Psychosen, von Entstehung und Aufrechterhaltung von Psychosen, von Kontakt und Gesprächsführung sowie von Psychosentherapie. Zudem setzt er sich mit Fragen wie dem Umgang mit Wahnerleben, Negativsymptomatik, depressiven Denkmustern und manischem Erleben auseinander und verdeutlicht seine Ausführungen an Fallbeispielen.

Ich habe schon einige Bücher von Bock gelesen, und meine erste ‚Begegnung‘ mit ihm im Film ‚Nicht alles schlucken/Umgang mit Psychopharmaka‘ hat mich nachhaltig geprägt und neugierig auf alles gemacht, was er zum Thema Psychiatrie und vor allem zu Psychosen veröffentlicht.

Bock ist mittlerweile mein Vorbild für meine Arbeit als Psychotherapeutin und vor allem in Bezug auf die Arbeit mit Menschen mit Psychosen/Schizophrenie, denn Bocks Menschlichkeit, sein ehrliches Interesse am Menschen und sein tiefgehendes Verständnis von Menschen mit Psychosen ist beeindruckend, hilft bei der Entstigmatisierung und ist somit wichtig, hoffnungsvoll und lehrreich. Auch die ‚Basiswissen‘-Reihe des Psychiatrie Verlages kenne ich mittlerweile gut, so dass mir klar war, dass ich auch Bocks Beitrag zur Reihe lesen möchte und werde.

Bereits von der ersten Zeile an spürt man Bocks Respekt gegenüber Betroffenen. Seine Bücher zu lesen macht mich dadurch regelrecht glücklich, weil Bock vorlebt, wie mit Menschen mit Psychose umgegangen werden sollte, muss und kann.

‚Umgang mit psychotischen Patienten‘ liest sich - wie Bocks Bücher im Allgemeinen - etwas ungewöhnlich: sowohl inhaltlich, weil der Autor dem Mainstream der Psychosebehandlung ein Gegenstück bietet, als auch sprachlich, weil er bisweilen eine etwas andere Terminologie verwendet, sich sehr gewählt und oft geradezu philosophisch ausdrückt. Dadurch gerät der Lesefluss manchmal ins Stocken, und Bocks Ausführungen wirken ein wenig umständlich oder zu ausufernd. Inhaltlich kann ‚Umgang mit psychotischen Patienten‘ jedoch auf ganzer Linie überzeugen, so wie ich das stets bei Bocks Büchern empfinde.

‚Sicherlich ist die Begegnung mit psychoseerfahrenen Menschen nicht immer leicht, manchmal auch dramatisch, vor allem aber reizvoll. So wie bei der Bewältigung eigener Psychosen die subjektive Einstellung eine wesentliche Rolle spielt, so kommt es auch bei der therapeutischen Arbeit vor allem auf unsere innere Haltung an. Unsere Offenheit und Ehrlichkeit, unser Interesse und unsere Akzeptanz vermitteln sich durch die Poren und bestimmen die therapeutische Beziehung mit. Über die Spannweite menschlicher Beziehungen lässt sich viel von Psychoseerfahrenen lernen.‘ (Seite 10)

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Cover des Buches Stimmenreich (ISBN: 9783867390132)sabatayn76s avatar

Rezension zu "Stimmenreich" von Dr. Thomas Bock

‚Menschen, mit denen man nicht spricht, lernt man auch nicht kennen [...].'
sabatayn76vor 2 Jahren

‚Menschen, mit denen man nicht spricht, lernt man auch nicht kennen, nimmt sie nicht als Menschen wahr. Darum konnten Psychiater in kommunalen und kirchlichen Anstalten uns zumuten, was sie selbst nicht ertragen hätten: die trostlose, menschenunwürdige, bloße Verwahrung ohne eine Beschäftigung; die von Psychiatern gegen uns beantragten und rigoros durchgeführten Zwangssterilisationen und ihre lebenslangen Folgen ohne eine menschliche Rehabilitierung; das Töten durch Vergasen, Abspritzen oder Zu-Tode-Hungern von über 200 000 als ‚lebensunwert‘ verurteilten Patientinnen und Patienten. [...] Die heute wieder erstarkende biologisch-genetisch orientierte Psychiatrie kann nur unsere Angst erregen, denn sie war eine entscheidende Voraussetzung dieser Verbrechen. Wer die Patientenerfahrung seelisch verursachter Psychosen nicht gelten lässt, wird sie nur medikamentös bekämpfen.‘ (Seite 85f)

Seit ich zum ersten Mal auf Thomas Bock gestoßen bin, wusste ich, dass ich mehr von ihm und über seine Anschauungen über Menschen mit Psychosen, über Psychopharmaka und über die therapeutische Beziehung zu Personen mit psychischen Problemen lesen und erfahren möchte. Seitdem habe ich mich näher mit seinen Büchern beschäftigt, und auch ‚Stimmenreich‘ vermittelt viel Wissen über den Umgang mit Menschen mit Psychosen und bietet so wertvolle Impulse für den persönlichen und den professionellen Umgang mit ihnen.

In ‚Stimmenreich‘ erzählen Psychoseerfahrene von ihrer Psychose und gewähren so tiefe Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, aber auch (was ich für besonders wertvoll halte), wie sie die psychiatrische Behandlung empfunden haben, wie ihnen dadurch zum Teil etwas Bedeutsames genommen wurde, was ihnen dadurch fehlt, wie sie in und außerhalb ihrer Psychose ihre Umwelt interpretiert haben.

Neben den Aussagen der Psychoseerfahrenen finden sich im Buch (ganz im Sinne der von Bock ins Leben gerufenen trialogischen Psychoseseminare) auch Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen von Angehörigen sowie von Professionellen.

Angesprochen werden Themen wie Gefühlsverflachung, Wahn, mangelnde Krankheitseinsicht, die oft einseitige und alleinige Behandlung mit Psychopharmaka, Kommunikation, Partnerschaft, Schuld, Angst, Gewalt, sexueller Missbrauch, Zwangsbehandlung und EX-IN.

Im Buch finden sich unter anderem Fragen zu bestimmten Themen und nachfolgend Antworten der drei Gruppen (Erfahrene, Angehörige, Professionelle), längere Texte, die sich detaillierter mit verschiedenen Themen auseinandersetzen, Fallgeschichten sowie zum Teil recht hitzige Diskussionen zwischen den drei Gruppen.

Dadurch, dass in ‚Stimmenreich‘ zahlreiche Themen angerissen werden, vermitteln die Autoren (und alle anderen Beteiligten) die verschiedenen Spielarten und die Heterogenität von Psychosen, die jeder Betroffene anders erlebt, anders interpretiert und anders in sein Leben integriert. All dies ist nicht nur sehr bewegend, sondern auch lehrreich, zumal man hier von Facetten und Nuancen liest, die man in keinem der gängigen Psychiatrie-Lehrbücher findet, sondern die einen Blick über den Tellerrand ermöglichen. ‚Stimmenreich‘ bietet dadurch tiefe Einblicke in die Psychopathologie von Psychosen, bildet aber auch das emotionale Erleben in einer Psychose ab, zeigt Beziehungsdynamiken und das erschwerte (aber keineswegs unmögliche) Miteinanderleben.

‚Beim ersten Mal geht man noch freiwillig in die Psychiatrie, aber dann passiert da nichts anderes als Medikation. Beim nächsten Mal will man schon nicht mehr, und das wird dann als mangelnde Krankheitseinsicht gesehen. Und es passiert erst recht nichts anderes mehr als die Verordnung von Psychopharmaka.‘ (Seite 91)

‚Leider gibt es zu wenige Therapeuten, die Psychosen therapieren.‘ (Seite 172)

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Cover des Buches Im Strom der Ideen (ISBN: 9783884141571)supersusis avatar

Rezension zu "Im Strom der Ideen" von Dr. Thomas Bock

Erlebniswelt von Psychoseerkrankten
supersusivor 3 Jahren

Thomas Bock, Psychiater in Hamburg hat viele Bücher veröffentlicht, wo er die Patienten selbst zu Wort kommen lässt, erklärt und vermittelt und uns so Einsicht in die Erlebniswelt eines Psychotikers gewährt. Dies ist eines davon. Auch hier zeigt sich wieder, wie einfühlsam und wohlwollend er diesen Menschen gegenüber steht und wie interessant die veränderten Wahrnehmungen und die Wahrnehmungsverarbeitung sind, auch wenn es für die Betroffenen oft beängstigend ist. Ein lesenswertes Buch für alle, die dies Thema interessiert.

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