Dr. Tobias Klatt

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Am Ende des Tunnels

Am Ende des Tunnels

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Erschienen am 01.05.2014

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Rezension zu "Am Ende des Tunnels: Der Roman zum Steglitz-Coup" von Dr. Tobias Klatt

Bittersüße Gangsterkomödie...
pardenvor 4 Jahren

BITTERSÜSSE GANGSTERKOMÖDIE...

Frank ist Flaschensammler. Bis zu dem Tag, als er den amerikanischen Draufgänger Ben und den iranischstämmigen Moralisten Mozdeh trifft. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die gesellschaftlichen Zwänge hinter sich zu lassen, planen sie einen Tunneleinbruch auf eine Bank in Berlin Steglitz. Der erste Spatenstich ist einfach, doch dann gerät der Coup außer Kontrolle: Von einem verbrechenserfahrenen Obdachlosen angeleitet und einem polnischen Mafiaboss gejagt, müssen sie ihr Vorhaben auch noch vor der eigenen Überzeugung und der schönen Tochter des Filialleiters rechtfertigen. Und wie schafft man es eigentlich, einen knapp vierzig Meter langen Tunnel präzise zu einem Tresor zu führen...?


Mein Interesse an dem Buch war geweckt, als ich las, dass dieses Buch auf einem wahrhaftigen Tunnel-Bankraub beruht, der sich in den Jahren 2012 und 2013 in Berlin-Steglitz ereignete. Ein 40 Meter langer Bankraub-Tunnel blieb unerklärlicherweise über ein Jahr lang völlig unentdeckt. 10 Millionen Euro Beute sind bis heute verschollen, von den Tätern fehlt jede Spur.
Wie würde ein fiktiver Roman über dieses Verbrechen wohl aussehen?

Tobias Klatt wählt keine Helden, die sich zu dem Bankraub entschließen. Ganz im Gegenteil. Gestrandete, Verlierer, Randfiguren der Gesellschaft sind es, die hier im Zentrum des Geschehens stehen. Erzählt wird aus der Perspektive von Frank, gescheitert als Selbständiger im Gewürzhandel, nun Flaschen sammelnd, um einen kleinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er trifft am Hauptbahnhof in Berlin zufällig auf Ben, einen volltrunkenen Amerikaner mit Weltschmerz. Später stößt noch Mozdeh hinzu, ein von Skinheads überfallener Iraner, den Frank nach dem Überfall verarztet.
Ohne dass Frank wirklich weiß wie ihm geschieht, wird aus einer Unterhaltung über die Ungerechtigkeit der Welt plötzlich etwas anderes...


Weil wir nichts haben. Kein Geld, keine Freiheit, keine Perspektive.


Freiheit scheint den Dreien das höchste aller Güter, wobei jeder der drei etwas anderes darunter versteht.  Einig ist man sich jedoch darüber, dass man in jedem Fall Geld benötigt, um die Pläne von der Freiheit zu verwirklichen. Und schnell kommt man auch darauf, dass das Geld wohl am wahrscheinlichsten in einer Bank zu finden ist.
Ben, am ehesten ein Mann der schnellen Entschlüsse, weiß auch gleich, welche Bank dafür in Frage kommt. Die Frage nach dem 'wie' bereitet noch kurz Kopfzerbrechen, bis die wahnwitzige Idee eines Tunnels auftaucht. Als die drei die Ortschaft erkunden wird klar, dass der Tunnel tatsächlich kein Hirngespinst bleiben muss, und so begeben sich die Freiheitsstrebenden an die Umsetzung ihrer Pläne. Drei Hobbystrategen und später noch ein irrer Obdachloser - kann das nicht nur im Chaos enden? Frank hat da so seine Zweifel.

Einfacher wird das ganze auch nicht, als plötzlich Skrupel auftauchen, weil eine hübsche Bankangestellte ins Spiel kommt, oder als sie es unerwartet mit Subjekten der polnischen Mafia zu tun bekommen. Selbst in den eigenen Reihen bleibt es kompliziert, denn immer wieder ist es Mozdeh, der sensible Iraner, den moralische Bedenken plagen...


'Wir können das nicht machen', sagte er leise (...) 'Sie glauben an uns. Sie vertrauen uns. Sie geben uns eine Perspektive. Und wir betrügen die letzten Menschen, die nicht nur an sich, sondern auch an etwas Größeres glauben.'


Die Katastrophen häufen sich, der Druck wird immer größer, ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Aussichtslos?

Sehr gespannt war ich darauf, wie diese Geschichte letztlich ausgehen würde. Immer wieder musste ich lachen oder auch den Kopf schütteln angesichts des plumpen Vorgehens der drei oder auch der Hindernisse, die sich ihnen unerwartet in den Weg stellten. Ganz klar eine Gangsterkomödie mit durchaus sympathischen Antihelden, dabei immer wieder kleine Gedankenanstöße beinhaltend bezüglich Wertvorstellungen, Sinnfragen und moralischen Einwänden. Die Balance zwischen 'komisch' einerseits und 'nachdenklich' andererseits ist für mich gelungen.
Das Ende: durchaus überraschend, besonders die Entscheidung Franks. Letztlich hat er genau sein Fazit aus den Geschehnissen gezogen...

Der Schreibstil ist flüssig, das ganze flott zu lesen und der Spaß steht hier ganz klar im Vordergrund, weniger die Spannung. Zeitweise hatte ich richtige Bilder vor Augen, so anschaulich waren die Szenen beschrieben.
Insgesamt ein durchaus empfehlenswertes Lesevergnügen, aufgrund der geringen Seitenzahl ideal für Zwischendurch.


© Parden






Mehr zum Film: www.zdf.de/aktenzeichen-xy/tunnelraub


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