Driss Chraibi Die Zivilisation, Mutter!

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Inhaltsangabe zu „Die Zivilisation, Mutter!“ von Driss Chraibi

Der zärtlich und augenzwinkernd geschilderte Weg dieser marokkanischen Mutter führt aus einer vorindustriellen Welt mitten in die Turbulenzen dieses Jahrhunderts. Mit dreizehn Jahren hat man sie verheiratet, seither führt sie, trotz funkensprühender Lebenskraft, ein eingeschlossenes Dasein hinter den Mauern ihres Hauses. Ihr magisches Denken bemächtigt sich der neuen Dinge, die in ihren Lebenskreis eindringen: Im Radio sieht sie Zauberei am Werk, trägt Gefechte aus gegen Bügeleisen, Kochherd, Telefon und andere Segnungen der Zivilisation. Und dann der große Einschnitt: Nach zwanzig Jahren begibt sie sich zum erstenmal wieder auf die Straße. Zuerst zaghaft, dann immer selbstbewusster erobert sie sich die bis dahin unbekannte Welt, den Markt, die Natur, die Politik. Mit ihrer archaischen Wahrhaftigkeit stellt sie, die Lernende, ihre Umwelt auf die Probe. Ohne es zu wollen, wird sie eine Symbolgestalt, sammelt sich eine Bewegung marokkanischer Frauen um sie.

Leichtfüßige Liebeserklärung an eine Mutter, die die Welt entdeckt.

— Lesemanie

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    Die Zivilisation, Mutter!

    Lesemanie

    07. December 2014 um 10:50

    Die marokkanische Mutter, um die es in diesem Roman geht, ist mit dreizehn verheiratet worden und hat seitdem das Haus ihres Mannes nicht mehr verlassen. Nahrungsmittel und was sonst für den Alltag benötigt wird, lässt der Mann – ein erfolgreicher Geschäftsmann – liefern. Wenn die Söhne aus der Schule kommen, besteht die Mutter darauf, dass sie ihr westliche Kleidung ausziehen und gegen traditionelle Gewänder eintauschen. Die stellt sie selbst her – ohne modernes Werkzeug, sondern mithilfe von vier Zimmermannsnägeln die sie mit einem Schuh in die Wand schlägt: „Vier Nägel in der Wand und ihre Finger, das war ihr Webstuhl.“ Das Leben der Mutter geht ihre Bahnen und es könnte und würde wohl immer so weitergehen, doch dann ziehen Veränderungen in das Haus ein. Alles beginnt mit Monsieur Ktö, dem Magier: „Meine Mutter war überzeugt, dass es sich um ein lebendes Wesen aus Fleisch und Knochen handelte, um eine Art Gelehrten und Wahrsager in einem, der viel gereist war, viel gelernt hatte und sich, wie Diogenes, in einem Kasten vor den Gräueln der Welt verbarg.“ Tatsächlich handelt es sich nicht um ein Wesen aus Fleisch und Blut, sondern um ein Radio, das die Welt und den zweiten Weltkrieg ins Haus trägt. Die Mutter ist nicht wegzubewegen von diesem Kasten und sie lässt sich begierig von ihrem Monsieur Ktö die Welt erklären. Und während ihre ersten Schritte aus dem Haus noch indirekt und mit Hilfe des neu installierten Telefons gemacht werden, wagt sie sich schlussendlich mit Hilfe der Söhne auch persönlich hinaus – bereit, die Welt zu verändern. Als dieses Buch 1972 veröffentlicht wurde, lebte Chraïbi bereits seit mehr als 20 Jahren in Frankreich: 1926 in El Jadida in Marokko geboren, nahm er 1945 auf Wunsch des wohlhabenden Vaters ein Studium in Frankreich auf. 1952 hatte er sich bewusst dazu entschieden, nicht mehr nach Marokko zurückzukehren. Und doch hat er mit Die Zivilisation, Mutter! ein Buch geschaffen, das den Eindruck erweckt, der Erzähler hätte erst vor kurzer Zeit seine Sachen gepackt und das elterliche Haus verlassen, so detailliert und warmherzig mutet die Erzählung an. Mit leichter Wehmut erklärt er: „Wir sahen sie auf die Welt kommen. Sie entdeckte die harte Wirklichkeit, passte sie ihrer Natur an, trennte die Spreu vom Weizen, verwarf ein wenig vom einen, ein wenig vom anderen, je nachdem wie viel aufnehmen konnte…“ Während der eine der beiden Söhne zum Studium nach Frankreich aufbricht, bleibt der andere zu Hause zurück, und sein Brief an den Bruder in der Ferne, in dem er ihm die tollsten Geschichten von der Mutter erzählt, bildet den zweiten Teil des Buches. Beide Teile zusammen ergeben eine Geschichte, die zu schön ist um wahr zu sein, doch das macht sie zu einem leichtfüßigen Lesevergnügen, das einem warm ums Herz werden lässt. 

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