Dritero Agolli

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Rezension zu "Zylo oder Die abenteuerliche Reise durch die wundersame Welt von Bürokratien" von Dritero Agolli

Rezension zu "Zylo oder Die abenteuerliche Reise durch die wundersame Welt von Bürokratien" von Dritero Agolli
Aldawenvor 8 Jahren

Klappentext: Demka, ein verhinderter Schriftsteller und moderner Simplicissimus, ist der Chronist des wechselvollen Schicksals des Genossen Zylo in der wundersamen Welt von Bürokratien. Agolli schickt den Leser mit diesen beiden auf eine abenteuerliche literarische Reise voller Verwicklungen, Intrigen und Begegnungen mit urkomischen Charakteren. Dieser temperamentvolle Roman vereint Farce, Frechheit und feinfühlige Ironie zu einer witzigen und subtilen Anklage gegen Machtmißbrauch, Wichtigtuerei und Hochmut und beweist eine Allgemeingültigkeit, die weit über Albanien hinausgeht.

Für die Inhaltsangabe habe ich ausnahmsweise auf den Klappentext zurückgegriffen, weil er mir gute Anknüpfungspunkte bietet. Demka ist tatsächlich ein Charakter, der für den man einerseits Mitleid empfinden kann, weil er in der Bürokratie hoffnungslos am falschen Platz ist, und den man andererseits gerne mal durchschütteln würde, um ihm begreiflich zu machen, daß er sich selbst zum Fußabtreter für die Karrieristen degradiert. Die Intrigenspielchen zur Sicherung der persönlichen Stellung sind ihm fremd, er schreibt tagein, tagaus Berichte, Diskussionsbeiträge, Vorträge usw. für andere, ohne jemals aufzumucken oder einen Auftrag abzulehnen. Da er offensichtlich keine Gefahr für die Karrierepläne der anderen darstellt, sondern ein dummes Arbeitstier ist, wird er von allen gemocht und hat eine zwar untergeordnete, aber dafür sichere Hintergrundrolle. Trotzdem blickt Demka mit Bewunderung auf seine Kollegen, die ihren wechselvollen Weg zwischen befördert und abgeschoben gehen.

In dieser extremen Form „funktioniert“ unsere Bürokratie (hoffentlich) nicht, obwohl ich nicht ausschließen würde, daß Eingeweihte einiges wiedererkennen würden. zwinker Das Postengeschacher, das vorsichtige Taktieren (auch von Menschen aus dem Umfeld, aber nicht dem Inneren der Behörde), um nur ja nichts Falsches zu sagen und sich damit in eine schlechte Position zu bringen, all das ist sehr menschlich, erfährt hier aber eine Überzeichnung – aber vielleicht ist es auch einfach nur die Realität, die manches Mal viel absurder ist als man glaubt. Daher halte ich zumindest den letzten Halbsatz des oben zitierten Klappentextes für wahr: Es ist sicher nicht spezifisch albanisch.

Interessant fand ich das Buch vor allem im Kontrast zu den anderen albanischen Romanen und Erzählungen, die ich bislang gelesen habe. Agollis Roman fehlt völlig das Düstere, Archaische, das ich bei Kadare gefunden habe, allerdings ist es eben auch in der Hauptstadt angesiedelt und nicht in irgendwelchen abgelegenen Bergregionen. Die Dienstreise Zylos und Demkas aufs Land ist dann auch von Alkoholexzessen statt Blutrache geprägt. Und es ist, trotz seines ersten Erscheines schon 1973, auch keine sozialistische Propagandaliteratur – im Gegenteil ist die Geschichte diesbezüglich erfreulich ideologiefrei.

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