Dubravka Ugrešic Die Kultur der Lüge

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Inhaltsangabe zu „Die Kultur der Lüge“ von Dubravka Ugrešic

Die ›Kultur der Lüge‹ entstand als Reaktion auf den Zerfall Jugoslawiens, auf den unseligen Krieg in Kroatien wie in Bosnien. Die Essays sind von äußerster Schärfe, die mit Ironie, Sarkasmus, Satire anprangern – und analysieren –, was in Ex-Jugoslawien geschieht: Aggression gegen den eigenen »Bruder«; künstlich herbeigeführte Amnesie; Rekurs auf nationalfaschistische Ideologien; Propaganda und Zensur; Folklorekitsch als Kultur der Lüge; Schriftsteller und Intellektuelle im Strudel des Nationalismus. Wegen einiger Essays aus diesem Band, die in der westlichen Presse erschienen sind, wurde die Autorin in Kroatien als Landesverräterin und »Hexe« diffamiert. Urgešics Diskurs mäandert zwischen Politik und Alltag, zwischen Öffentlichem und Privatem. Der Grundton ist bitter-sarkastisch. Urgešicsspricht von seelenlosen, manipulierten Jugo-Zombies; ihre eigene Situation schildert sie als die eines »identitätslosen«, nomadisierenden Exilanten. Dubravka Urgešics mahnende Beiträge gehören zu den luzidesten und klügsten dieser Art.
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  • Rezension zu "Die Kultur der Lüge" von Dubravka Ugresic

    Die Kultur der Lüge
    Hallogen

    Hallogen

    29. December 2009 um 23:06

    Ugresic zeigt hier zahlreiche Absurditäten aus der Zeit des Auseinanderbrechens Jugoslawiens, die zugleich aber auch Ausdruck ihres Ringens mit diesen Vorgängen sind. Geboren und aufgewachsen in diesem Land muss sie sich plötzlich mit lauter Veränderungen abfinden, und soll darüber hinaus noch paradoxe Formulierungen („wir greifen diese Stadt an, um die bedrohten Serben zu verteidigen“) hinnehmen. Sie schont niemanden, entwirft bitterböse Bilder und zeigt auf, wie ein Land entsteht und sich selbst konstruiert. Die Suche danach, was die Wahrheit ist, führt sie zu grotesken Begebenheiten, etwa jene von einem Mann, der verletzt aus Sarajevo kam und nun nicht weiß, ob er zugeben darf, dass seine Wunde nur indirekt mit dem Krieg zusammenhängt, denn Muslime werden teilweise nach Bosnien zurückgeschickt. So schlussfolgert sie schon früh: „Das Leid verbirgt unter schwarzem Bahrtuch seine Parodie, die Tragödie schleppt ihre Farce mit sich, das Unglück seinen Zynismus, Brutalität und Mitgefühl gehen Hand in Hand.“ Sie spricht schon damals (1994 veröffentlicht) Tabus an, die später deutsche Autoren wie Handke anprangerten, beschäftigt sich mit dem Mann-Frau-Verhältnis in Zeiten des Krieges, Kollektivparanoia und der Rolle von Literatur, Presse und Musik. Immer wieder großartig an ihren Büchern sind die Bilder, die sie entwirft, etwa wie sie aus dem Volkstanz kolo ein Sinnbild Jugoslawiens (mittels des Vergleichs mit dem Kosmos) macht oder die politische Metapher, dass man auf dem Hauptplatz von Zagreb die Gleise einige Zentimeter nach rechts verlegte. Treffsicher zeigt sie immer wieder Paradoxien, die zumeist grotesk ausfallen (etwa ihre Darstellung der westeuropäischen Hilfe für Bosnien-Herzegowina). Da es sich um einen Essayband handelt, gibt es Überschneidungen mit dem Roman „Museum der bedingungslosen Kapitulation“ –deshalb vier statt fünf Sternen.

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