Dubravka Ugresic

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Alle Bücher von Dubravka Ugresic

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Dubravka UgresicDas Museum der bedingungslosen Kapitulation
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Das Museum der bedingungslosen Kapitulation
Das Museum der bedingungslosen Kapitulation
 (5)
Erschienen am 14.12.1999
Dubravka UgresicLesen verboten
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Lesen verboten
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 (3)
Erschienen am 13.03.2002
Dubravka UgresicMy American Fictionary
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My American Fictionary
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 (2)
Erschienen am 15.10.1997
Dubravka UgresicKaraokekultur
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Karaokekultur
Karaokekultur
 (1)
Erschienen am 25.02.2012
Dubravka UgresicDas Ministerium der Schmerzen
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Das Ministerium der Schmerzen
Das Ministerium der Schmerzen
 (5)
Erschienen am 01.07.2007
Dubravka UgresicBaba Yaga legt ein Ei
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Baba Yaga legt ein Ei
Baba Yaga legt ein Ei
 (2)
Erschienen am 04.11.2008
Dubravka UgresicKeiner zu Hause
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Keiner zu Hause
Keiner zu Hause
 (2)
Erschienen am 01.03.2007
Dubravka UgresicThe Culture of Lies
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The Culture of Lies
The Culture of Lies
 (1)
Erschienen am 01.11.1998

Neue Rezensionen zu Dubravka Ugresic

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Rezension zu "Das Ministerium der Schmerzen" von Dubravka Ugresic

Leben ohne zu leben
Farbwirbelvor 2 Jahren

Ein irreführender und ebenso treffender Titel ziert das Cover des 2004 erschienenem Romans von Dubravka Ugresic. 'Das Ministerium der Schmerzen' ist ein Werk über die Zerissenheit von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, sich selbst in einer neuen Sprache wiederfinden müssen und Traumata verwinden. Die Protagonistin Tanja Lucić stammt aus Zagreb, studierte dort Literaturwissenschaften und musste aufgrund der Ausschreitungen im vormaligen Jugoslawien das Land verlassen.

Ich weiß nur, dass ich längst abgereist und noch nirgends angekommen war. - S. 16

Auf dem Weg nach Amsterdam streift sie zuerst durch Berlin, trennt sich dort von ihrem Mann und bekommt dann das Angebot, in Amsterdam Serbokroatisch an der Universität zu unterrichten und eine Wohnung gestellt zu bekommen.

Auf dieses Unterfangen lässt sie sich ein und handelt dabei gegen die Prinzipien eines Professors, denn sie entwickelt eine eigene Art des Unterrichtens. Ihr Studierenden sind alle Betroffene des Krieges, jeder hat seine eigene Geschichte und auch seine eigene Sprache. Um die Gruppe zusammenzubringen und auf der Suche nach ihrer Identität packen sie einen Koffer mit Texten über Jugoslawien. Dinge, die sie nicht vergessen wollen, Dinge, die sie vergessen wollen – von Rezepten bis zu Kriegserfahrungen ist alles dabei.

Sobald ich den Unterrichtsraum zum ersten Mal betrat, erkannte ich die Unsrigen. Die Unsirgien liefen mit einer unsichtbaren Ohrfeige im Gesicht herum. Sie hatten den schrägen Blick eines ängstlichen Hasen, eine besondere Anspannung, etwas von einem Tier, das lauert, aus welcher Richtung Gefahr drohen könnte. Die Unsrigen verrieten sich durch eine nervöse Wehmut im Gesicht, durch einen verdüsterten Blick, einen Schatten der Abwesenheit, eine kaum sichtbare innere Geducktheit. - S. 22

Tanja und die Studierenden wachsen zusammen, verbringen viel Zeit in Cafés zusammen und lassen sich in ihre Blase fallen. Dabei wirkt Tanja stets über den Dingen schwebend, so als wäre sie in dem Geschehen nicht wirklich verwurzelt und dadurch nicht ganz dabei.

Ein Wendepunkt der Geschichte birgt die Kritik des Institutsleiters an Tanjas Arbeit, denn diese Kritik kam von einem ihrer Studierenden. Verletzt setzt sie zum Gegenschlag an und sie unterrichtet distanziert und strukturiert die serbokroatische Literatur. Ihr geht es nicht gut damit und auch die Studierenden sind nicht zufrieden damit.

Die Grundstimmung des Romans ist sehr tragend und beklommen. Gerade Tanja, die oft in poetischen Gedanken zum Krieg, zur Identität und zu sich selbst wiederzufinden ist, lässt diesen Eindruck entstehen. Die Sprache ist wunderschön und gleichzeitig, wie als würde man Glas essen, denn was geschrieben wird, ist hart und erschütternd.

Ich hatte zuvor kein großes Wissen über die Zusammenhänge des Zusammenbruchs Jugoslawiens und auch jetzt bin ich durch das Buch nicht im Bilde von historischen Fakten. Das ist aber nicht der Anspruch des Romans. Es geht darum, den Axthieb in der Seele der Geflohenen zu zeigen, dass der Verlust von Heimat und Existenz unvorstellbar ist, auch wenn der Roman eine Annäherung daran gibt.

Dennoch muss ich gestehen, das Buch hatte seine Längen. Das Thema ist mit zarten Fingerspitzen bearbeitet worden, doch zwischenzeitlich ging für mich die Verbindung von Leser und Text verloren. Nichtsdestotrotz war es ein berührendes und wenig pathetisches Buch, das mir einen Einblick in die Thematik gab und zutiefst treffend Menschlichkeit abbildet.

Kommentare: 5
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Rezension zu "Keiner zu Hause" von Dubravka Ugresic

Rezension zu "Keiner zu Hause" von Dubravka Ugresic
Hallogenvor 9 Jahren

Leider wird Ugresic in diesem Werk ihrem Ruf nicht gerecht, verrennt sich in merkwürdige Ansichten wie die, dass die Besonderheit der Europäer sei, dass sie immer ihre ganze Geschichte mit sich rumschleppen (was ist z. B. mit den Kreuzzügen bei den Arabern oder Konfuzius u. ä. bei den Chinesen?). Sie vermischt Exilliteratur mit Literatur von Minderheiten, als wären diese dasselbe, dabei besteht ein Unterschied zwischen Menschen, die in verschiedenen Staaten gelebt haben und solchen, die seit ihrer Geburt in einem Staat leben.


Auch wenn sie glaubt, dass nationale Literatur verschwinden wird, liegt sie sicher falsch, denn ein Interesse am eigenen Land wird immer bestehen. Das will man sicher nicht nur aus den Augen Fremder sehen. Ob es sinnvoll ist, Europa die „Rolle eines Schiedsrichters der Moral“ abzusprechen, weil die Deutschen den Völkermord an den Juden begingen, muss man auch anzweifeln, denn damit werden die Verbrechen der faschistischen Staaten ganz Europa aufgebürdet. Schließlich verstehe ich nicht, warum sie der EU vorwirft, dass sie Minderheitenschutz von den Beitrittskandidaten einfordert. Etliches scheint einfach nicht zuende gedacht, was für sie eher untypisch ist. So kritisiert sie etwa, dass die Holländer Tulpen und Mühlen so vergöttern. Schließlich seien Tulpen türkisch und Mühlen überall zu finden. Statt sich über eine solche Übernahme von Kulturelementen zu freuen, eine solche (doch recht hohle) Beanstandung.


Ansonsten ein tolles Buch mit (teils witzigen) Beobachtungen etwa zum Laufverhalten von zu kleinen und zu großen Menschen, Konzentrationslagertourismus in Europa, Paul Coelho und kultischer Verehrung von Sammlerstücken u. v. m. sowie einer Liebeserklärung an Amsterdam und einer intertextuellen Auseinandersetzung mit dem Ilf/Petrow-Roman „Das Goldene Kalb“. Im New York nach dem 9/11 war sie ebenso unterwegs (und entdeckte Paradoxien wie einen Muslim der Milosevic für die Bekämpfung der Muslime lobt) wie auf der berüchtigten Goli Otok.

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Rezension zu "Das Museum der bedingungslosen Kapitulation" von Dubravka Ugresic

Rezension zu "Das Museum der bedingungslosen Kapitulation" von Dubravka Ugresic
Hallogenvor 9 Jahren

Die Literaturwissenschaftlerin berichtet lauter interessante Details aus der Frühphase des Auseinanderbrechens Jugoslawiens. Vor allem beschäftigt sie sich dabei aber mit der Manipulierung von Erinnerungen (etwa der Falschbeschriftung oder Vernichtung von Fotos) und der Geschichte (z. B. Umdeutung von Persönlichkeiten). Aufhänger des Buches ist ein Besuch in Berlin, so dass diese Außensicht der Kroatin auf die deutsche Hauptstadt und ihren brüchigen Untergrund ebenfalls zu den Stärken zählt. Wie sicher sie die Fragilität Berlins beschreibt, (allein dieses Bild von den gelben Davidsternen, schwarzen Hakenkreuzen und roten Hämmern/Sicheln – brillant) wie ungewohnt sie diese Stadt wahrnimmt, hat mich tief beeindruckt, obwohl ich kaum fünf Mal dort war.

Daneben geht es noch um ihr Verhältnis zur Mutter, russische Kunst oder eine Erscheinung bei einem Zirkel, Erlebnisse in München, Boston, Lissabon, Zagreb und Geschehnisse in Bosnien-Herzegowina. Durch diesen vielgestaltigen Roman kann man so viele Dinge besser verstehen, dass er die Bestnote verdient hat. Humanistisch, poetisch, klug, unbequem, durchkomponiert, melancholisch, grandios.

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