Dubravka Ugresic Keiner zu Hause

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Inhaltsangabe zu „Keiner zu Hause“ von Dubravka Ugresic

Mit trügerischer Leichtigkeit durchstreift Dubravka Ugresic in ihren neuesten Essays Orte und Kulturen, Zeitgeschichte und Politik, richtet unser Augenmerk auf die universelle Bedeutung scheinbarer Alltagsbanalitäten wie Evian-Wasser und Vogelhäuschen und betrachtet umgekehrt die ganz großen Themen mit nonchalanter Unverfrorenheit durch die allerkleinste Linse - so zum Beispiel, wenn sie die Welt nach 9/11 aus der Perspektive der New Yorker Nagelstudios analysiert. Es entsteht ein ebenso scharfsinniges wie humorvolles Bild der mentalen Koordinaten unserer Zeit - dank der überragenden Qualitäten dieser Autorin: ihres "unbestechlichen Urteils, ihrer polemischen Schärfe, ihres poetischen Flairs, ihres sarkastischen Witzes" (Ilma Rakusa).
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  • Rezension zu "Keiner zu Hause" von Dubravka Ugresic

    Keiner zu Hause
    Hallogen

    Hallogen

    30. December 2009 um 00:25

    Leider wird Ugresic in diesem Werk ihrem Ruf nicht gerecht, verrennt sich in merkwürdige Ansichten wie die, dass die Besonderheit der Europäer sei, dass sie immer ihre ganze Geschichte mit sich rumschleppen (was ist z. B. mit den Kreuzzügen bei den Arabern oder Konfuzius u. ä. bei den Chinesen?). Sie vermischt Exilliteratur mit Literatur von Minderheiten, als wären diese dasselbe, dabei besteht ein Unterschied zwischen Menschen, die in verschiedenen Staaten gelebt haben und solchen, die seit ihrer Geburt in einem Staat leben. Auch wenn sie glaubt, dass nationale Literatur verschwinden wird, liegt sie sicher falsch, denn ein Interesse am eigenen Land wird immer bestehen. Das will man sicher nicht nur aus den Augen Fremder sehen. Ob es sinnvoll ist, Europa die „Rolle eines Schiedsrichters der Moral“ abzusprechen, weil die Deutschen den Völkermord an den Juden begingen, muss man auch anzweifeln, denn damit werden die Verbrechen der faschistischen Staaten ganz Europa aufgebürdet. Schließlich verstehe ich nicht, warum sie der EU vorwirft, dass sie Minderheitenschutz von den Beitrittskandidaten einfordert. Etliches scheint einfach nicht zuende gedacht, was für sie eher untypisch ist. So kritisiert sie etwa, dass die Holländer Tulpen und Mühlen so vergöttern. Schließlich seien Tulpen türkisch und Mühlen überall zu finden. Statt sich über eine solche Übernahme von Kulturelementen zu freuen, eine solche (doch recht hohle) Beanstandung. Ansonsten ein tolles Buch mit (teils witzigen) Beobachtungen etwa zum Laufverhalten von zu kleinen und zu großen Menschen, Konzentrationslagertourismus in Europa, Paul Coelho und kultischer Verehrung von Sammlerstücken u. v. m. sowie einer Liebeserklärung an Amsterdam und einer intertextuellen Auseinandersetzung mit dem Ilf/Petrow-Roman „Das Goldene Kalb“. Im New York nach dem 9/11 war sie ebenso unterwegs (und entdeckte Paradoxien wie einen Muslim der Milosevic für die Bekämpfung der Muslime lobt) wie auf der berüchtigten Goli Otok.

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