Dunja Hayali

 4.3 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Is was, Dog?, Haymatland und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Haymatland

Erscheint am 30.11.2018 als Hörbuch bei Hörbuch Hamburg.

Haymatland

 (3)
Neu erschienen am 12.10.2018 als Hardcover bei Ullstein Buchverlage.

Alle Bücher von Dunja Hayali

Is was, Dog?

Is was, Dog?

 (33)
Erschienen am 11.04.2014
Haymatland

Haymatland

 (3)
Erschienen am 12.10.2018
Is' was, Dog?

Is' was, Dog?

 (2)
Erschienen am 14.04.2014
Haymatland

Haymatland

 (0)
Erschienen am 30.11.2018

Neue Rezensionen zu Dunja Hayali

Neu
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Rezension zu "Haymatland" von Dunja Hayali

Ein sehr persönliches Buch
monerlvor 14 Tagen

Meine Meinung
Die Autorin hat hier ein sehr persönliches Buch geschrieben. Sie gibt viel von ihrer Familie, von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen preis. In sehr verständlicher, einfacher und gut lesbaren Sprache erzählt Dunja Hayali, wie ihre Eltern sich kennengelernt haben und wie es dazu kam, dass sie letztendlich in Deutschland hängengeblieben sind. Diese Geschichte ähnelt allen anderen “Elterngeschichten” von Kindern mit Migrationshintergrund. Fast alle Eltern wollten ein paar Jahre bleiben, das Studium beenden, etwas Geld verdienen. Berufserfahrung sammeln und dann mit dieser “bunten Tüte” voller materiellen und immateriellen Schätzen nach Hause in die Heimat zurückkehren.

Wie bei so vielen zog sich die Entscheidung über die Rückkehr so lange hin, bis sie sich selbst in Deutschland beheimatet fühlten und deshalb geblieben sind. Hayalis Mutter wollte sogar in Deutschland beerdigt werden.

So kam es, dass die Autorin, in Deutschland geboren, sich als Deutsche fühlt und Deutschland als ihre Heimat benennt. Die Erklärungen und Beschreibungen für den Begriff “Heimat” und das Gefühl, das er auslöst, haben mir sehr gut gefallen. Sie drücken die Liebe, die Freude und das Glück, im Geburtslotto gewonnen zu haben, sehr gut aus.

Dass Menschen ihr Geburtsland verlassen, um in der Fremde, aus welchen Gründen auch immer, eine neue Heimat zu finden, ist wohl so alt wie die Menschheit selber. So nennt Dunja Hayali auch den bekanntesten Verfechter gegen Migration, der nur aufgrund der Auswanderung seiner Vorfahren genau dort ist, wo er jetzt ist:

“Donald Trump. Sein Großvater, Friedrich Trump, wanderte nämlich 1885 aus Kallstadt in der Pfalz in die USA aus. Er war Friseur (bitte fügen Sie hier einen Gedanken Ihrer Wahl ein) und hatte in der Heimat keine wirtschaftliche Perspektive. Im Nordwesten der USA und im kanadischen Yukon-Territorium häufte er mit einfachen Restaurants, die unter anderem Pferdefleisch verkauften, vor allem in den Jahren des Goldrauschs die Grundlage seines Wohlstands an. Davon zehrt sein Enkel noch heute.” (eBook Pos. 157 von 2013)


Leider ist es derzeit so, dass auch die Autorin öffentlich und in den (un)sozialen Medien von vielen Menschen ganz furchtbar unter der Gürtellinie angegangen wird, die ihr das Deutsch-Sein und Deutschland als ihre Heimat absprechen wollen. Und so fragt sie sich nicht zu unrecht:

“Wird es wirklich dazu kommen, dass jemand für mich entscheidet, was ich Heimat nennen darf, egal ob ein Minister oder selbsternannter Abendlandsverteidiger? Entscheiden die, wo ich leben darf? Grölen bald deutlich mehr Menschen als der kleine Haufen am Aschermittwoch 2018 im sächsischen Nentmannsdorf >>Abschieben!<>Kameltreiber<< oder >>Asyltouristen<< diffamieren?” (eBook Pos. 197 von 2013)


Ich folgte Dunja Hayalis Gedanken und Ausführungen sehr gerne. Es ist ein persönlicher Erlebnisbericht zum Thema “Deutsche mit Migrationshintergrund”, dem wachsenden Hass gegen solche Bürger, dem Versagen der Politik sich angemessen mit diesen Themen auseinanderzusetzen und Lösungen zu bieten. Sie nimmt aber auch die Medien und ihre Berufsgruppe unter die Lupe und in die Pflicht.

“Unser Job ist es nun einmal, Konflikte und ihre Auswirkungen schonungslos zu beschreiben und einzuordnen. Aber manchmal verlieren wir dabei das Positive, das Gelungene aus dem Blick.” (eBook Pos 1448 von 2013)


Fazit
Dies ist ein wunderbares Buch, das vor Lebenslust nur so sprüht. Und genauso intensiv benennt die Autorin darin aber auch ihr Missfallen an der derzeitigen Situation, die sie zwingt, sich in bestimmten Situationen und mit bestimmten Menschen unwohl zu fühlen. Sie will diese negative Entwicklung in Deutschland und in vielen Regionen auf der Welt, so nicht einfach hinnehmen. Wir müssen die Augen öffnen und erkennen, dass Deutschland bereits seit langem ein Einwanderungsland ist, nicht erst seit der Flüchtlingswelle von 2015. In Deutschland leben neben Türken auch viele Russen, Polen, Spanier, Franzosen, Griechen, US-Amerikaner und noch viele andere, die Deutschland seit Jahren bunt gemacht haben, mit ihren Sprachen und Kulturen bereichern und wir alle gemeinsam dafür sorgen müssen, dass es uns weiterhin so gut geht wie bisher. Dabei müssen wir von der Politik unterstützt werden, die nun auch anfangen müssen, sich um weitere Themen als die Flüchtlinge zu kümmern und all die “Abgehängten” wieder auffangen. Ich danke der Autorin für dieses besondere Plädoyer für ein WIR und dass wir dabei immer im Dialog bleiben, um voneinander zu lernen. Absolute Leseempfehlung!

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Rezension zu "Haymatland" von Dunja Hayali

Klare Worte
yellowdogvor 21 Tagen

Dunja Hayali, bekannt durch Moma und ihre eigene Talkshow, zuletzt auch Moderation im Sportstudio, schreibt über ein wichtiges Thema in großer Klarheit. Dem Heimatbegriff, die Integration und die Frage, die den Untertitek des Buches ergab: Wie wollen wir zusammenleben?


Hayali bringt es messerscharf auf den Punkt. Sie erläutert auch das Dilemma, in dem die Journalisten stehen.


Doch zunächst erfährt man ein wenig von ihren Wurzeln, wie ihre Eltern, die aus dem Irak stammen, über Wien nach Deutschland kommen.Auch ihren Werdegang schildert sie.

Man erfährt von den krassen Hassbrefen und Beleidgungen sogar Bedrohungen gegen sie. Hayali wird sehr deutlich, ihre Antwort ist die Bereitschaft zum Dialog.

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J

Rezension zu "Haymatland" von Dunja Hayali

Durch und durch Deutsch
jamal_tuschickvor einem Monat

Mitte der 1950er Jahre bleibt ein achtzehnjähriger Iraker auf dem Weg nach Amerika in Wien hängen. Die österreichische Kapitale ist ein Mekka der orientalischen Migration – ein arabischer Schauplatz in Europa. Da trifft Hayali eine aus seiner Heimatstadt Mossul – einer Stadt mit wechselvoller Geschichte und fast mythischem Ursprung als Nachfolgerin der assyrischen Metropole Ninive. Zwei junge Menschen machen Nägel mit Köpfen, während im Irak Köpfe rollen. Wen der Verdacht trifft, Kommunist zu sein, der ist auch in Wien nicht sicher. So kommt es, dass das Paar aus dem Laissez-faire einer studentischen Lebensweise herausgerissen und zur härteren Gangart des Exils genötigt wird. Der Witz anbei: die Hayalis sind gemäßigt-konservative Leute. Mit den Rebellen geraten sie in eine Fluchtbewegung Richtung Deutschland. Integration und Assimilierung sind noch lange kein Thema. Es gibt kaum Gastarbeiter, aber den Ausländer als Studenten kennt man. Man findet private Lösungen zur Untermiete, erst in Mainz, dann in Datteln. Da kommt Dunja Hayali zur Welt.

Mir gefällt, wie die Autorin den Vorlauf ihrer Existenz schildert, das Informelle und Zufällige. Eine hilfreiche Hand kann auf unvorhersehbare Weise Weichen stellen.

Hayali greift gleich in die Gegenwart. Sie wehrt sich gegen Zuschreibungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Sie wird rechts genauso wie links in Schubladen gesteckt und natürlich entgeht sie nicht dem Vorwurf, „linksgrün versifft“zu sein.

Die Migration ist eine kolossale Projektionsfläche für negative Entladungswünsche aus der Mehrheitsgesellschaft. Für Linksradikale ist Heimat eine aufgegebene Kategorie. Für Hayali – „ich bin weder links noch rechts“ - bleibt Heimat als positiver Begriff brauchbar. Das macht sie deutlich in der aktuellen Klemme zwischen Wutbürgern, die Deutschland in eine national befreite Zone verwandeln wollen, mit ihren zunehmend lauter werdenden Haupthähnen auf den Meinungsmisthaufen, und den anderen, denen man nicht radikal genug an Deutschland Kritik übt.

Ich glaube, jeder, der Deutschland aus einer Migrantenperspektive kennengelernt hat, kann sich vor einer Sehnsucht nach mehrheitsgesellschaftlicher Anerkennung nicht schützen. Das gehört zur Anpassung an oft ungnädige Verhältnisse. Das ist übrigens auch ein Grund, weshalb viele erfolgreiche Migranten im konservativen Spektrum ihre Standpunkte finden. Nach den Abenteuern und Scherbengerichten der Einwanderung setzt sich ein Bedürfnis nach geordneten Verhältnissen unter dem Schirm einer Hoffnung auf Beständigkeit durch.

Auf diesem Hoffnungsmarkt treffen sich Eingewanderte mit der Mehrheit. Alle wollen ihren Jägerzaun. Wäre Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren permissiver gewesen, würden von den Dazugekommenen auch deutlich mehr Weihnachten feiern und Weihnachtsbaumüberbietungswettbewerbe veranstalten, analog zum um sich greifenden Helloween Fieber.

Das Sein prägt das Bewusstsein, sagt Marx. Im Verlauf ihrer Heimaterkundungen kehrt Hayali zurück zu ihren biografischen Wurzeln. Da erscheint Heimat „im Idealfall als der Ort, wo man mental auftanken und die Seele baumeln lassen kann“.

Hayali nennt sich „durch und durch Deutsch“, obwohl es seit dem rechtsextrem-rassistischen Vormarsch „einen Bereich in (ihrem) Hinterkopf gibt, der auf Alarm eingestellt ist“.

Das geht mir auch so.

Hayali lässt sich ihre Heimat von keinem madig machen. Ihr Credo lautet:

„Die Evolution echter Toleranz beginnt in unseren Köpfen und Herzen.“

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