Durs Grünbein Die Jahre im Zoo

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Inhaltsangabe zu „Die Jahre im Zoo“ von Durs Grünbein

Ein Erinnerungsbogen aus Prosa, Poemen und Photographien, vom Jahrhundertwechsel 1900 bis zur Wende 1989 In einem Buch voller Geschichten, Verse und seltener Photographien zeigt sich Durs Grünbein von der autobiographischen Seite. Doch greift er weiter zurück, dorthin, wo das 20. Jahrhundert in frühen Konturen sichtbar wird. Von Hellerau, der Gartenstadt am Rande Dresdens, strahlt damals ein Lebensreformprogramm weit über die Grenzen eines Vororts hinaus: Sie wird Station für Kafka, Rilke, Benn und viele andere. Für Grünbein wird sie zum Ausgangspunkt, zu einer Stätte von prägender Kraft für den eigenen Lebensweg. Von hier aus geht es weiter hinein in das Jahrhundert: Die Schicksale der Vorfahren väter- und mütterlicherseits, doch nicht weniger das ihm überlieferte Trauma der Zerstörung Dresdens sind schon Erzählungen, die tief in den Kreis seiner eigenen Erfahrungen eindringen. Über das atmosphärisch dichte Erlebnis der heimatlichen Brachen und der russischen Besatzung öffnet sich dann aber, in dieser äußersten Ecke des östlichen Deutschlands, ein konkreter Raum des Erinnerns: Und so entsteht das Bild seiner Kindheit – am Rand der Geschichte in den langen Sommern des Kalten Krieges. Freundschaften und frühes Leid, schulische Erfahrungen und erste Lektüren, Lieblingsspielzeuge, (Berufs-)Träume, Phantasien und Phantasmen entfalten sich in einem farbenreichen Kaleidoskop aus autobiographischer Prosa, Poemen, Reflexionen und, nicht zuletzt, vielen Funden aus der reichen Bildersammlung des Dichters.

Eigentlich nicht uninteressant, hat mich aber leider nicht wirklich gepackt.

— Godelewa
Godelewa

Große Literatur! Der Lyriker Durs Grünbein erzählt...

— MarinaB
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    Die Jahre im Zoo
    MarinaB

    MarinaB

    16. January 2016 um 10:57

    Es war für mich eine ganz große Lektüre! Da verteilt sich die Sprache des Dichters in biografischen Erinnerungen und zeigt eine besondere, eigene Ansicht auf seine Heimatstadt Dresden. Es ist ein sehr persönliches Buch und es weist auf ganz andere Seiten des Lyrikers Grünbein hin, die in seinen Gedichten nicht unbedingt durchscheinen. Biografie könnte man es nennen, es geht um Kindheits- und Jugenderlebnisse, im Untertitel heißt es Kaleidoskop. Das passt insofern auch, als das Buch tatsächlich Bilder enthält, alte Aufnahmen, die ich im Grunde gar nicht für wichtig halte. Ich empfinde es als ein Buch der Erinnerungen, dass ganz eigene Bilder erzeugt, durch die Erzählweise. Die dazwischen eingefügten lyrischen Sequenzen passen hervorragend dazu. Wie die Elbe durch Dresden, mäandert Grünbein durch Erlebtes. Er gleitet von Gedanken zu Gedanken, geht dabei keineswegs chronologisch vor, dennoch wirkt die Erzählung nie sprunghaft, sondern wie ein ruhiger Fluß. So erzählt er uns zu Beginn beispielsweise von Spaziergängen des kleinen Kindes mit dem Großvater durch Cotta, dem ersten Zuhause, zum Ostragehege. “Mir ist das Bild vom großen Gehege in der Abenddämmerung jedenfalls nie aus dem Kopf gegangen. Ich sah darin den Fingerzeig auf ein in Unfreiheit begonnenes Leben und eine Bevölkerung, die man umzäunt hatte, eingefriedet wie eine besondere Sorte Zuchtvieh, friedliche Kühe, mit denen die staatlichen Heger und Hirten noch einiges vorhatten.” Grünbein, Jahrgang 1962, ist in Hellerau aufgewachsen, einem Teil Dresdens, der auch Gartenstadt genannt wurde und die nach den Ideen einer Reformbewegung  entstanden war, die Arbeit, Bildung, Kunst und Kultur verbinden wollte. So entstand damals eine Möbelwerkstätte und das jetzige Festspielhaus Hellerau, wo beispielsweise auch die bekannte Tänzerin Pallucca wirkte. Bis sich ab 1933 alles änderte… So wie Grünbein von Hellerau erzählt, erscheint es einem als friedlicher Stadtteil, beinahe dörflich im Grünen (hinter dem allerdings auch eine große Müllkippe schwelt). Während die Eltern arbeiten gehen und Haus und Garten hegen, beginnt das recht träumerische Kind seine Umwelt zu entdecken, mit den wenigen Freunden, aber auch oft einzelgängerisch. “Es waren Menschen, die sich wie Schnecken zurückgezogen hatten in ihre Privatsphäre, Menschen, abgeschnitten von aller Weltöffentlichkeit, amputiert, vollständig losgelöst von der eigenen Vergangenheit. Die wenigsten hatten noch eine Vorstellung davon, was sich hier einmal ereignet hatte, was hier erträumt, geplant, gegen den Widerstand vieler erstritten worden war.” Grünbein erzählt in feinster Sprache von seinem unerfüllbaren Wunsch zur See zu fahren, von Jungsabenteuern, vom verbotenen Karl-May-Lesen, vom ersten Kuss, von Fahrradtouren bis ins Tschechische, von Bahnhöfen, von der Suche nach Kafkas Grab in Prag als Jugendlicher, vom verehrten Lyriker Gottfried Benn, der zuzeiten kurz in Hellerau lebte, so wie auch Kafka, kurz vor der Auflösung der Verlobung mit Felice Hellerau einen Besuch abstattete. Er driftet durch die unterschiedlichen Epochen, zeigt die jeweiligen geschichtlichen Gegebenheiten auf. So ergibt sich ein spannender Blick auf Dresden(vor allem auch, wenn man bereits Uwe Tellkamps “Der Turm” oder Peter Richters “89/90” oder Thomas Rosenlöchers “Die verkauften Pflastersteine” kennt). Und zu guter letzt berichtet Grünbein von der Initiation zum Schreiben. Ob den Grundstein der Großvater in Gotha legte, der Kreuzworträtselhersteller, der das Sprachgefühl und die Lust auf Worte weckte? Das Schreiben, das Türen im Kopf öffnet und Weite schafft, die es im Zoo hinter Gitterstäben sonst nicht gibt… “Poetologisch betrachtet, war dies der erste Schritt in jenes ungeheure Neuland der Imagination, in dem der Dichter, diese ewig fluchtbereite, überall deplazierte Person noch am ehesten heimisch wird.”

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