E A Richter Fliege

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Inhaltsangabe zu „Fliege“ von E A Richter

Eine winzige Fliege landet an einem späten Sommerabend auf dem Bildschirm des Erzählers. Kein großes Ereignis, doch ein folgenreiches: das Motiv der Fliege aufgreifend, kommt ein Schreibprozess in Gang, ein Zickzackflug zwischen wechselnden Zielen aus Kindheit, Jugend und Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die schon lange toten Eltern, der in der Schreibgegenwart verstorbene Onkel und auch dessen Tochter, die den Bogen zu den ersten erotischen Erfahrungen, einer 'vor Neugier und Scham glühenden Zeit', herstellt. Die insistierende Beschäftigung mit Mutter und Vater erlaubt Blicke über den Familienhintergrund hinaus in die damaligen Orts- und Zeitverhältnisse und auf die Verletzungen durch Religion, Krieg und dörfliche Enge. Damit wird das fragmentarische Porträt einer zweiten Familie kontrastiert: der vom Erzähler ein Jahrzehnt danach selbst gegründeten, deren Hauptfiguren Schwiegervater und Ehefrau sind. Aus diesem Erzählgespinst tritt auch immer wieder eine Gegenwartslinie stark hervor. Sie schließt zum städtischen Alltag kurz, zu den abwechslungsreichen Verwicklungen mit zwei Frauen, nicht nur in Form von Gesprächen über Kunst, Natur und Terrorismus. Vivisektion und Erinnerung durchdringen einander in diesem 'Roman eines Augenblicks' in einer unaufgeregten, aber keineswegs distanzierten Sprache und fächern mit jedem Anflugsversuch die Facetten vergangener und gegenwärtiger Liebe neu auf.

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  • Rezension zu "Fliege" von E A Richter

    Fliege
    audrey

    audrey

    08. May 2011 um 16:49

    Schon auf den ersten 12 Seiten treten Figuren des Romans in dichter Abfolge auf: außer dem Ich-Erzähler die Mutter, der Vater, der Bruder, die Putzfrau, die Begleiterin und Freundin Flora, die Cousine, die Exfrau Karla und natürlich die titelgebende Fliege. Wir sind sofort mittendrin in einem Flechtwerk aus verschiedenen Zeiten und Räumen, in einem Erinnerungsgitter, in dem die einzelnen Teile von der unsichtbaren, aber doch deutlich fühlbaren Hand des Autors, oft hart geschnitten, aneinandergefügt wurden. Bereits am Beginn wird Helmut Schelskys „Soziologie der Sexualität“ erwähnt, wie ein Richtungspfeil, der uns auf den Kosmos der Sexualität des jungen Mannes, und dann weiter des heranwachsenden und später des Ehemanns verweist. Immer wieder folgen wir dem Paar – Adam und Flora - in ihre Zweisamkeiten, die sich in Dialogen wiederfinden, in denen sie sich wie bei einem verbalen Paarungstanz umkreisen. Daneben taucht auch eine andere Frau auf, seine noch immer sehr präsente frühere Freundin Birgit, in oft auch witzigen und genau beobachteten Situationen. Dazu kommen noch mehrere Ärzte und die Cousine - sie alle strukturieren den eher monotonen Tagesablauf in Adams Leben. Auch der gezwungenermaßen wiederkehrende Blick auf die Nachbarsmädchen bestimmt die Gegenwartsschicht. Dazu treten noch Erinnerungen an die Kindheit, an die verklemmte Sexualität der 50er und 60er Jahre, Phantasien über die eigene Zeugung und sehr sinnliche, vom bäuerlichen Alltag geprägte Bilder. Ein Höhepunkt: Die Ehegeschichte mit der schwierigen Anpassung an eine andere Gesellschaftsschicht, die in der Anzeige des Schwiegervaters bei der Staatspolizei mündet, in der Adam angeblichen Kontakte zu Terroristen beschuldigt wird. Berührt haben mich die „Erinnerungskarteikarten“, Tagebuch aufzeichnungen, die ein starkes Gefühl von Hilflosigkeit aufkommen lassen. Was sonst kann man tun, als sich dieser Ungeheuerlichkeiten schriftlich zu vergewissern, scheint sich der Autor gefragt zu haben. Dessen, dass einem das alles auch tatsächlich passiert ist. Auch andere Untaten lassen den Exschwiegervater in einem düsteren Licht erscheinen. Neben den ausführlichen, auch rührenden Erinnerungen an Vater und Mutter gibt es für Adam auch noch die an den Onkel, dessen Flucht und Rettung in den letzten Kriegswochen im April 1945, während er in der Gegenwart schließlich dessen Tod erleben muß. Das alles verdeckt nicht die Tatsache, daß Adam nicht wirklich vom Fleck zu kommen scheint. Nur Flora verführt ihn regelmäßig zu kleinen Ausflügen in die Welt außerhalb der Familie und in die Erinnerungen daran und die Phantasien darüber. Zwischen ihnen geht es immer auch um die Einschätzung von Menschen und den Umgang mit den eigenen Zwängen und Neurosen. Im Zwiegespräch scheinen sich die beiden aber eher darüber zu amüsieren, als darunter zu leiden. Davon blieb mir ein Zitat Floras im Kopf, aus einer Studie, in der es heißt, dass wir uns und unsere Mitmenschen mit völlig unrealistischen Maßstäben messen, da uns in den Medien nur „Zurechtgemachtes, Manipuliertes“ entgegentritt. Das genau ist der Schmerz, der in Adams Welt spürbar wird, der aus den unerfüllbaren Erwartungen und unerfüllten Wünschen resultiert. Trotzdem ein tröstliches Ende: da stehen Adam gleich zwei Frauen zur Seite, um ihm zu helfen, seine Flugangst zu überwinden.

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