E. L. Doctorow In Andrews Kopf

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Inhaltsangabe zu „In Andrews Kopf“ von E. L. Doctorow

'Es gibt keine Fiktion oder Nicht-Fiktion – es gibt nur das Erzählen.' E.L. Doctorow In seinem neuen Roman nimmt uns E.L. Doctorow, einer der ganz Großen der zeitgenössischen amerikanischen Literatur, mit auf eine Reise in das Bewusstsein eines Mannes, dessen Leben nicht immer geradlinig verlief und dem die Trennschärfe zwischen Fakten und Fiktion abhandengekommen zu sein scheint. Andrew erzählt die Geschichte seines Lebens, eines Lebens voller dramatischer Umstände und Tragödien. Er erzählt von seinen Töchtern; die erste starb durch seine Schuld, die zweite musste er weggeben. Er erzählt von seinen Ehefrauen; von der ersten ist er getrennt, die zweite starb, weil sie am 11. September 2001 joggen ging. Und er erzählt von seinem Traum als Kognitionswissenschaftler: einem Computer, in dem das Bewusstsein sämtlicher Menschen, die je gelebt haben, reproduziert und gespeichert wäre. Und während Andrew erzählt, müssen wir Leser uns fragen, was genau wir denn eigentlich wissen über Wahrheit und Erinnerung, Gehirn und Verstand, über uns und die anderen. Gibt es so etwas wie Schicksal, oder ist am Ende doch alles selbst verschuldet? Andrew jedenfalls ist sich sicher: 'Heutzutage kann ich niemandem trauen, am wenigsten mir selbst.' Stilistisch meisterhaft, mit sprachlicher Finesse, aber auch mit viel Humor und psychologischem Gespür lotet E.L. Doctorow die Grenze zwischen Geschichte und Geschichten aus, spiegelt sie an historischen Ereignissen und zeigt uns, welch tiefgehende Wahrheit im Erzählen zu finden ist.

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  • Kann das Gehirn zwischen Fiktion und Realität unterscheiden?

    In Andrews Kopf
    Insider2199

    Insider2199

    09. November 2015 um 23:56

    Kann das Gehirn zwischen Fiktion und Realität unterscheiden? Die ist der letzte Roman des 1931 in New York geborenen Autors, der zu den wichtigsten zeitgenössischen Schriftstellern der USA gezählt wird und v.a. durch seinen Roman „Ragtime“ (1975) bekannt wurde. Er verstarb im Juli 2015. Zum Inhalt: Andrew, ein Kognitionswissenschaftler, sitzt beim Therapeuten und erzählt von seinem ungewöhnlichen Leben, in dem er gleich zwei Kinder auf tragische Weise verlor: Eines starb durch seine Schuld, das Andere musste er weggeben. Vieles klingt verworren, manches unglaubwürdig und wieder anderes visionär, so z.B. sein Traum von einem Computer, in dem das Bewusstsein sämtlicher Menschen, die je gelebt haben, reproduziert und gespeichert wäre. Doch wie viel von dem, was sich in Andrews Kopf befindet, sind Erinnerungen an reale Ereignisse und was ist reine Fiktion? Kann ein Gehirn überhaupt den Unterschied erkennen? Meine Meinung: Andrew ist ein sehr schizophrener Charakter, in dem Maße, dass er sich mit dem Erlebten nicht wirklich identifizieren kann und von sich berichtet, als handle es sich um eine andere Person – im Roman wird dies sehr schön durch ein Abwechseln von Ich- und Personaler Perspektive ausgedrückt. Schnell wird dem Leser klar, dass es sich um einen „unzuverlässigen Erzähler“ handelt, der auch noch dazu neigt, sich selbst etwas vorzumachen: "Die Wahrheit sieht nämlich so aus, ich zucke einfach die Schultern und mache ungerührt weiter. So freundlich ich bin, so wohlmeinend und hilfsbereit ich zu sein versuche, letzten Endes habe ich keine Gefühle, im Guten wie im Bösen. Im innersten Wesen bleibe ich, egal was passiert, kalt, nicht für Reue, Trauer oder Glück empfänglich, obwohl ich das ganz gut vortäuschen kann, so gut sogar, dass ich fast selbst daran glaube." Sprachlich ist der Roman auf einem anspruchsvollen Niveau, aber dennoch verständlich genug, sodass auch jemand, der sich nicht wissenschaftlich mit dem Gehirn beschäftigt, gut folgen kann. Handwerklich gibt es nichts zu meckern, höchstens evtl. dass eine Dramaturgie gänzlich fehlt; andererseits ist jene bei dieser Art von Romanen auch nicht unbedingt ein Muss. Im letzten Drittel unternimmt der Autor dann noch einen Ausflug in eine Polit-Satire, denn wie sich herausstellt, wird Andrew zum Präsidentenberater (George W. Bush wird zwar nicht beim Namen genannt, aber der Bezug ist durch 9/11 glasklar) – ein wie ich finde ganz witziger Abschluss, der mich über ein paar zähe Abschnitte im Mittelteil hinweg tröstete. Fazit: Ein schnell zu lesender – Doctorows nicht nur letzter, sondern auch kürzester – Roman, der eigentlich keine Geschichte erzählt, sondern reale (oder eher fiktive?) Ereignisse eines „Kopfmenschen“ aneinanderreiht, manchmal sogar auf eine sehr unterhaltende Art und Weise, am Schluss sogar witzig – sprachlich jedoch keineswegs enttäuschend. Doch die Prämisse erschließt sich mir leider nicht ganz! Daher auch „nur“ 3,5 Sterne. Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt!

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