E. M. Delafield

 3.3 Sterne bei 19 Bewertungen

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Tagebuch einer Lady auf dem Lande

Tagebuch einer Lady auf dem Lande

 (19)
Erschienen am 19.11.2012
The Diary of a Provincial Lady

The Diary of a Provincial Lady

 (0)
Erschienen am 01.05.2014

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Rezension zu "Tagebuch einer Lady auf dem Lande" von E. M. Delafield

Idyllisches Landleben trifft auf spitzfindige Lady
Wortverzaubertevor 10 Monaten

Inhalt

Es sind die goldenen 1930-Jahre in England. Eine Lady in der Grafschaft Devon muss mit vielen Dingen kämpfen. Es scheint nämlich so, als habe sich die ganze Welt gegen sie verschworen. Der Haushalt ist ein Chaos. Die Köchin droht täglich mit ihrer Kündigung; und ihre bezaubernden Kinder Vicky und Robin haben den speziellen Drang immer dort Unheil zu stiften, wo es überhaupt nicht angebracht ist. Tja, und ihr Göttergatte ist ihr dabei keine wirkliche Hilfe. Ihr einziger Freund - in solchen Situationen - ist ihr Tagebuch...


Meine Eindrücke

Von der ersten Seite an konnte ich mir kein Lächeln verkneifen. Die skurrilen Alltagsgeschehnisse lassen einen kaum aus dem Schmunzeln herauskommen. Es ist ironisch und witzig zugleich. Ich war fasziniert, was eine Lady auf dem Lande so alles aus der Fassung bringen lässt. Besonders herzzerreißend sind die Anekdoten über die furchtbare Lady B., die immer perfekt zu sein scheint und ihre Eitelkeiten stets mit sich herumträgt. Einfach nur herrlich komisch. :) 

Fazit

E. M. Delafield ist es gelungen, eine charmante und komödiantische Geschichte zu schreiben. Als Leser wird man gleich auf der ersten Seite in die Geschehnisse rund um die Familie der Lady hineingezogen. Die Autorin schafft es, dem Leser ein gutes Bild von der Zeit der 1930-Jahre auf dem englischen Lande vor Augen zu führen. Alles scheint dort unnötig wichtig zu sein und jeder der Bewohner dieses Biotops kann sich den Veranstaltungen nicht entziehen. Aber am Ende zählt nur, was einer selbst für wichtig erachtet. 

Die Geschichte ist eine echte Perle unter den vielen Komödien in Buchformat. Hier kommt jeder auf seine Kosten, der den trockenen englischen Humor liebt. Ich gebe am Ende dem Buch 4/5 Sterne.

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Tagebuch einer Lady auf dem Lande" von E. M. Delafield

Amüsant, aber...
Giselle74vor 10 Monaten

Ich gestehe, ich habe eine relativ ungefilterte Vorliebe für alles Britische und tappe dabei auch gern in jede Klischeefalle, die meinen Weg kreuzt. Tee, Scones, Kamin, Jagdhunde, geblümte Tassen, Gartenbau - herrlich!

Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass das "Tagebuch einer Lady auf dem Lande" bei erster Sichtung sofort und augenblicklich erworben werden musste. Dieses Cover! Eine überaus elegante und erkennbar britische Lady betrachtet liebevollen Blickes eine Hyazinthe - mehr braucht es nicht, um mich zu überzeugen. Klappentexte, Buchvorstellungen, alles überbewertet. Mehr Ladies mit Hyazinthen oder Schneeglöckchen, meinetwegen auch Möhren, auf den Umschlägen und ich würde im Büchermeer versinken...

Nun gehöre ich aber zu den seltsamen Menschen, die die erworbenen Bücher auch lesen. Müsste man ja gar nicht. Man könnte ja auch Cover sammeln, so wie andere Briefmarken. Das wäre in diesem Falle allerdings doch schade, denn lesenswert ist das Tagebuch allemal.

Das 1930 erstmals veröffentlichte Buch enthält die gesammelten Texte einer wöchentlichen Zeitungskolumne und ist daher aufgeteilt in mehr oder weniger zusammenhängende Abschnitte. Das ist gut zu wissen, denn das Wort "Roman" ist in diesem Falle tatsächlich eher irreführend. Die Tagebuchform macht aber alle eventuellen Zeitsprünge plausibel, die ursprüngliche Verwendung erklärt, warum vieles nur kurz angerissen und nicht weiter verfolgt wird. Berichtet wird über die Erlebnisse einer verheirateten Frau mit zwei Kindern, die mit Mann, Köchin und Kindermädchen in einem kleinen Dorf in Devon wohnt. Es geht um Geldprobleme, ungebetene Gäste, Dorffeste und dergleichen mehr. Das Ganze ist vergnüglich und frisch formuliert, besonders die kleinen Spitzen der französischen Gouvernante haben mir Freude bereitet.

Doch so ganz allmählich verging meine Freude. Man merkt nämlich auch deutlich, wie eingesperrt diese Lady ist durch die Konventionen ihrer Zeit. Die Kinder lieben und gerne um sich haben - das zeigt man besser nicht öffentlich, denn Disziplin und Benehmen sind es , was man von Kindern und Eltern erwartet; der Ehemann möchte ein auf seine Bedürfnisse ausgerichtetes Hauswesen, die seiner Frau sind da eher uninteressant - wie unliebsam, wenn eine Erkrankung ihrerseits alles durcheinander bringt; die Dorfgemeinschaft bestimmt über das Leben ihrer Mitglieder, ein Wohltätigkeitsbasar scheint sich an den nächsten zu reihen und immer ist tatkräftige Unterstützung vonnöten, eine Widerrede nutzlos, und der örtliche Adel sorgt mit Sonderwünschen für noch mehr Chaos. Zeitgleich müssen finanzielle Mißstände, aufsässiges Personal und andere Katastrophen bewältigt werden, so dass die Dame eigentlich immer vor der totalen Erschöpfung steht, das aber auf gar keinen Fall und niemals sich anmerken lassen darf, denn neben der ganzen zu bewältigenden Arbeit wird erwartet, dass sie adrett, gepflegt, hilfsbereit und immer liebenswürdig durch den Tag schwebt. Eigentlich unfassbar, aber wahrscheinlich trotz Überspitzung gar nicht so weit entfernt vom Alltag vieler Frauen Anfang des letzten Jahrhunderts.

Und nach der Lektüre habe ich mich gefragt, warum wir Frauen eigentlich auch heute noch viele unserer Rechte nicht wahrnehmen und uns reduzieren lassen auf Aussehen und Figur. Immerhin gibt es nun keine Ehemänner mehr, die uns vorschreiben dürfen, ob wir Freunde besuchen oder nicht, was für Bücher wir lesen und ob es Schinken zum Frühstück gibt oder Porridge. Nutzen wir also die Möglichkeiten, die wir haben und seien wir froh, dass Zeiten wie im Buch beschrieben, hoffentlich nicht wiederkehren!

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littleowls avatar

Rezension zu "Tagebuch einer Lady auf dem Lande" von E. M. Delafield

Rezension zu "Tagebuch einer Lady auf dem Lande"
littleowlvor 4 Jahren

Ein englisches Dorf in den 1930er Jahren: Hier versucht eine Lady, die Hürden des Alltags zu meistern. Ihre Erlebnisse vertraut sie ihrem engsten Freund an: Ihrem Tagebuch. Und es gibt eine Menge zu berichten. Das Personal steht ständig kurz vor der Kündigung und das Geld ist knapp, was die Lady aber geheim halten muss. Besonders vor ihrer Erzfeindin Lady B, die ihr immer eine Nasenspitze voraus ist. Und zu allem Überfluss muss sie  auf langweiligen Teegesellschaften und Dinnerpartys mit Leuten, die sie nicht mag, über Bücher sprechen, die sie nicht gelesen hat, und Ausstellungen, die sie nicht besucht hat. Das Landleben ist eben nicht halb so romantisch, wie man denkt.

Dieser Roman wurde bereits in den 1930er Jahren veröffentlicht, aber wie die Aufmachung ist auch die Übersetzung sehr modern. Der Text ist leicht und flüssig zu lesen und klingt überhaupt nicht altmodisch. Die Lady schreibt mit viel subtilem Witz und Ironie, was ihr Tagebuch zu einer amüsanten Lektüre macht. Außerdem vermittelt der knappe, stichpunktartige Stil authentisches Tagebuch-Gefühl.
Insgesamt ist die Lady eine äußerst sympathische Erzählerin. Obwohl sie in einer völlig anderen Situation ist, konnte ich mich gut mir ihr identifizieren. Das Tolle an dieser Erzählweise ist, dass die Lady ihrem Tagebuch auch die gemeinen Gedanken anvertraut, die jeder von uns manchmal hat, aber nicht auszusprechen wagt.
Gut gefallen hat mir der interessante und aufschlussreiche Blick in den Alltag zur damaligen Zeit. Anstatt der perfekten Landleben-Fassade, die man sonst zu sehen bekommt, zeigt dieser Roman alltägliche Sorgen und Nöte sowie Sitten und Moralvorstellungen. Ich hatte mir die 30er Jahre viel moderner vorgestellt, doch gerade auf dem Land sind die Menschen noch sehr in einem gesellschaftlichen Kodex eingezwängt. Gleichzeitig deutet sich aber auch immer wieder an, dass sie im Grunde von der eigenen Versnobtheit genervt sind. Die Anspielungen auf zeitgenössische Kultur fand ich teilweise interessant, z.B. die Erwähnung der Zeitschrift "Time and Tide", für die anscheinend Leser Artikel verfassen, aber manchmal auch ein bisschen störend.
Das Problem mit der Beschreibung des Alltags ist aber, dass es eben genau das ist: Alltag. Der Roman hat im Grunde nicht wirklich eine Handlung, es gibt keinen Spannungsbogen oder überhaupt Spannung. Egal, wie faszinierend die Schilderungen zu Beginn sind, auf die Dauer wird es dann doch langweilig. Viele Ereignisse, z.B. Besuche bei Freundinnen, Gäste zum Tee oder Dinnerpartys, wiederholen sich außerdem zu oft und ähneln einander zu sehr. Unterschwellig wartet man die ganze Zeit auf den Beginn der eigentlichen Handlung. Die kommt jedoch nicht, stattdessen bricht der Roman aprupt und ohne wirklichen Abschluss ab.

Interessant, aber insgesamt leider nur "ganz nett".

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