E. O. Wilson

 3.6 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Ameisenroman, Die soziale Eroberung der Erde und weiteren Büchern.

Alle Bücher von E. O. Wilson

Ameisenroman

Ameisenroman

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Erschienen am 01.12.2013
Die soziale Eroberung der Erde

Die soziale Eroberung der Erde

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Erschienen am 12.02.2013
Einführung in die Populationsbiologie

Einführung in die Populationsbiologie

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Erschienen am 01.06.1991
The Creation

The Creation

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Erschienen am 30.09.2007
Anthill

Anthill

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Erschienen am 29.06.2011
Das Ende der biologischen Vielfalt?

Das Ende der biologischen Vielfalt?

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Erschienen am 01.09.1995

Neue Rezensionen zu E. O. Wilson

Neu
M

Rezension zu "Die soziale Eroberung der Erde" von E. O. Wilson

Nur als Gemeinschaft erfolgreich
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Es ist ein neuer Ansatz, den der Biologe E.O. Wilson in diesem Buch als Ergebnis seiner jahrelangen Forschungen vorlegt. Quasi an die Seite der bisherigen „Standard-Annahme“ eines „survival of the fittest“, sprich, einer Evolution des Gen-Pools im Individuum, das über lange Zeiträume sich seiner Umwelt bestmöglich anpasst und allein die eigene „Familie“ als Kerngruppe des Lebens vesteht, setzt Wilson nun seine „Theorie der Gruppenselektion“.

 

Und bei allem Neuland, dass er durchaus ja betritt, ist es eine in sich überzeugende und zudem ebenso überzeugend dargelegte Sichtweise auf die Entwicklung des Menschen in seinen vielfältigen Strömungen von Technik, Kultur, Gesellschaft und Aneignung des Lebensraumes Erde. Als Individuum hätte der Mensch wohl tatsächlich keine Chance gehabt, die vielfachen Gefahren zu bestehen, allein schon erfolgreich genügend Nahrung in widrigen Zeiten zu finden. Die überschaubare, mittlere bis kleinere Gruppe mit ihren schon früh nachweisbaren Arbeitsteilungen mag und kann es so durchaus gewesen sein, die als „Keimzelle des Erfolges“ auch im evolutionären Sinne im Raum steht.

 

Und das ganze, wie Wilson es ausdrückt, vollzieht sich in einer fragilen Balance, von Anfang an bis heute. In der Reibung und Spannung zwischen der Egozentrik des Individuum für sich betrachtet und der ebenso im Menschen angelegten „Fähigkeit zur Gemeinschaft“.

Das gleiche Wesen, dass „über Leichen“ gehen kann, wenn es seinen eigener Vorteil allein im Blick hat und unabdingbar verfolgt, kann sich ebenso „aufopfern für die Gemeinschaft“ (nicht nur für den eigenen Nachwuchs, auch für sogenannten „höhere Ziele“, welche die Gruppe als solche voranbringen könnten). In diesem Spannungsverhältnis sieht Wilson dann alle menschlichen Äußerungen über Sinnfragen, die Kultur, Religion, Musik, Dichtung, Philosophie und vieles mehr angesiedelt. Sei es als Ventil für innere Spannungen aufgrund der Reibung zwischen Egoismus und Gemeinschaftsgefühl, sei es als Selbstvergewisserung oder ein mögliche Wegbeschreibung zwischen diesen evolutionären Polen im Menschen.

 

Diese soziale Ebene beschränkt sich nun, das ist das Neue, keinesfalls nur auf das „eigene Blut“, die eigenen, engsten familiären Strukturen, sondern erstreckt sich grundlegend, von Beginn an (und sehr erfolgreich) auf die soziale Gruppe, die immer mehr war und ist als der enge Verwandtschaftskreis.

 

Ist das der „Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Natur“, wie ihn Wilson als Leitfrage vorgibt? Wilson meint ja.

„Besonders die große bildende Kunst ist Ausdruck vom Unterwegssein eines Menschen, Anspielungen auf Gefühlsregungen, die sich nicht in Worte fassen lassen“.

Ausdruck vor allem der inneren Bipolarität des Menschen.

 

Eine Frage, eine Spannung, eine Reibung, eine Suche nach dem, warum der Mensch ist und wohin er geht, die, so Wilsons tiefe Überzeugung, von „keiner Religion je gelöst werden wird, sondern eben nur in der Biologie eine tragfähige Antwort finden kann. Und Wilsons Antwort ist fundiert, durchaus mit Nachdruck argumentiert, flüssig und verständlich zu lesen und, im Kern, durchaus nicht hochkompliziert, sondern eher einfach und von schlichter Eleganz.

 

Im Gesamten eine überzeugende Darlegung einer „erweiterten“ Evolution, die sich im Kern auf die mittlere, soziale Gruppe beruft und hier den Erwerb von sozialen Fähigkeiten in gleicher Weise bedeutsam begründet, wie die genetische Evolution. Ein hervorragendes Buch.

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Binea_Literatwos avatar

Rezension zu "Ameisenroman" von E. O. Wilson

Rezension zu "Ameisenroman" von E.O. Wilson
Binea_Literatwovor 7 Jahren

Frogman - mein Name.
Ich bin gern allein.
Ich rede nicht gern.
Was über mich geredet wird ist mir egal.
Ich lebe im Wald.
Vor mir haben einige Leute Angst und das ist gut so.

Damals, es kommt mir vor wie gestern, war Raff Cody bei mir - ich habe ihm gedroht nicht noch einmal hier her zu kommen. Er war mit seinem Freund da, diese 15jährigen Jungs, diese Rumtreiber.
Neugier ohne Ende, aber ich habe ihnen Beine gemacht.

Allerdings ist Raff Cody schon ein feiner Kerl, jetzt ist er erwachsen und hat studiert und er setzt sich immer noch für die Natur ein, sehr sogar. Er hat eine Ameisenchronik geschrieben, von dieser ich mehr als angetan bin.

Aber genug der Worte, ich möchte wieder alleine sein und hoffe nur, ich seh den jungen Mann hier draußen bei mir kein zweites Mal.

Frogman.

Ohne Frogman keine Begegnung mit Raff Cody. Ohne Raff Cody keine Ameisenchronik und ohne diese, gäbe es den Ameisenroman nicht.

Uns Literatwos hat er bewegt, besser bekrabbelt, fasziniert, nicht mehr losgelassen.

Weitere Worte über den Ameisenroman gibt es in der Artikelserie auf Literatwo:

http://literatwo.wordpress.com/2011/11/03/ameisen-es-krabbelt-auf-literatwo/

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Mr. Rails avatar

Rezension zu "Ameisenroman" von E. O. Wilson

Rezension zu "Ameisenroman" von E.O. Wilson
Mr. Railvor 7 Jahren

„Seine enge Verbundenheit mit dem Nokobee Tract stellte den moralischen Kompass dar, der ihm sein ganzes bemerkenswertes Leben hindurch die Richtung angeben sollte…“

So lernen wir Raphael „Raff“ Semmes Cody" kennen. Als naturverbundenen Heranwachsenden, dessen Leben im Nokobee County nahe der Kleinstadt Clayville von nichts mehr geprägt wird, als von der einzigartigen Schönheit der Flora und Fauna, die ihn umgibt.

Raff steht allerdings ziemlich alleine da mit seiner romantischen Liebe zur Natur – seine Leidenschaft lässt ihn zum Außenseiter werden. Freunde, Familie und Mitschüler beäugen ihn mehr als skeptisch und halten ihn für einen Sonderling. Mir persönlich ist er schon auf den ersten Seiten des „Ameisenromans“ (im Original: Anthill) mehr als sympathisch. Ich stehle mich an seiner Seite davon, teile sein schlechtes Gewissen, als wir gemeinsam mit seinem Cousin ein Boot „ausleihen“ und folge beiden auf einer langsamen Fahrt, den malerischen Chicobee River entlang.

Raff fühlt anders, nimmt anders wahr und ist hypersensibel für die Umwelt, die seinen Lebensraum darstellt. Mit Menschen kann er weniger gut umgehen, als mit all jenen Lebewesen, die oftmals kaum wahrzunehmen sind. Ich freue mich darauf, mich noch viel weiter mit ihm treiben zu lassen, seinen Erkundungstouren zu folgen und gemeinsam mit ihm Zeuge der Entstehung und des Untergangs von vier Ameisenvölkern zu werden. Seine Ameisenchronik, eigentlich Raffs College-Abschlussarbeit, steht im Zentrum dieses Buches.

Es ist ein besonderer Lesespaß, mit ihm durch die Wildnis Alabamas zu streifen und einfach erleben zu dürfen, wie ein Mensch aufwächst, dem die Natur mehr am Herzen liegt als seine eigene Zukunft. Die scheint zwar vorprogrammiert – mit diesem Hintergrund und dieser Motivation kann der Weg nur in den beruflichen Naturschutz oder in die Wissenschaft führen.

Aber es kommt wohl anders als erwartet. Raff entscheidet sich für ein Jurastudium in Harward – damit war nicht zu rechnen. Die Kreise seines Lebens schließen sich erst dann, als er erfährt, dass ein Immobilienkonzern versucht, sich die Landschaft seiner Jugend auf illegale Weise anzueignen.

Ein besonderer Roman, der vom zweimaligen Pulitzerpreisträger in der Kategorie Sachbuch, E.O. Wilson geschrieben wurde und einen tiefen Einblick in die Nöte unserer Umwelt gewährt. Dabei wechseln die Perspektiven vom ganz Kleinen (den Ameisen) über das etwas Größere (unseren Freund Raff) bis hin zum ganz Großen (dem ökologischen System von Mutter Erde). Es gelingt ihm hierbei, sein großes Fachwissen als einer der führenden Biologen und Ökologen in einen Roman einfließen zu lassen, um auch uns für die großen Themen unserer Zeit zu sensibiblisieren.

Zur Artikelserie über den Ameisenroman auf Literatwo:

http://literatwo.wordpress.com/2011/11/03/ameisen-es-krabbelt-auf-literatwo/

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