E.M. Remarque

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Autor von Im Westen nichts Neues, Im Westen Nichts Neues und weiteren Büchern.

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Schatten im Paradies

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Neu erschienen am 08.11.2018 als Taschenbuch bei Kiepenheuer & Witsch.

Der Himmel kennt keine Günstlinge

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Neu erschienen am 08.11.2018 als Taschenbuch bei Kiepenheuer & Witsch.

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Im Westen nichts Neues

Im Westen nichts Neues

 (130)
Erschienen am 23.01.2014
Im Westen Nichts Neues

Im Westen Nichts Neues

 (19)
Erschienen am 07.11.2013
Die Nacht von Lissabon: Roman

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Erschienen am 09.11.2017
Die Nacht von Lissabon

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Erschienen am 09.11.2017
Der schwarze Obelisk

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Erschienen am 09.05.2018
Zeit zu leben und Zeit zu sterben

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 (2)
Erschienen am 09.05.2018

Neue Rezensionen zu E.M. Remarque

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Rezension zu "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" von E.M. Remarque

Dunkler, intensiver Blick auf unsere schlimmste Zeit
Viv29vor einem Monat

Remarque entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsschriftsteller. Auf unnachahmliche Weise berichtet er in seinen Romanen über das Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist schnörkellos, ohne Pathos und dadurch besonders eindringlich. "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" befasst sich mit der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. 1944 ist der Krieg so gut wie verloren, was die fanatische menschenverachtende Diktatur nicht davon abhält, weiterhin Millionen zu opfern. 

Von allen Büchern Remarques, die ich bisher gelesen habe, inklusive des bereits sehr beklemmenden "Im Westen nichts Neues" ist dies hier das Dunkelste. Remarques zielsicherer trockener Humor, der in den anderen Büchern manchmal eine Atempause vom Geschehen gibt, oder die Inflation in "Der schwarze Obelisk" teilweise fast sarkastisch-heiter darstellt, fehlt hier ganz. Es gibt keine Atempausen vom Schrecken, keinen Ausweg und genau das paßt zu der Zeit, zum Erzählten. Wir begleiten den 23jährigen Ernst Graeber, bereits in jungen Jahren ein Kriegsveteran, der den Feldzug auf Frankreich mitmachte, in Afrika verwundet wurde und nun in der Hölle auf Erden festsitzt: an der Ostfront, die sich gerade im Rückzug befindet. Sehr gut gelingt es Remarque bei den Szenen des Frontlebens zu zeigen, wie vielfältig die Soldaten der Wehrmacht waren. Da ist der überzeugte Nazi, gerade 20, stolz darauf, wie viele Menschen er bei der SS schon brutal ermordet hat, mit gieriger Freude am Töten und einem genau durchdachten arischen Fortpflanzungsprogramm mit der so perfekt arisch-blütigen Verlobten. Es gibt den Kommunisten, der von einem Strafbatallion kam und im Gegensatz zu den anderen kein Blatt vor den Mund nimmt. Zum Ende des Buches eine treffende Bemerkung von Graeber, daß der Kommunismus genau so menschenverachtend ist. "Alles, was ich im Leben einmal möchte, ist denken, was ich will, sagen, was ich will, und tun, was ich will. Aber seit wir Messiasse von rechts und links haben, ist das ein weit größeres Verbrechen als jeder Mord.".
Der Großteil der Soldaten sind aber ganz normale Männer, die einfach nach Hause zu ihren Familien wollen, die hoffe, irgendwie zu überleben, und die immer mehr merken, daß sie für nichts verheizt werden. 

Der dreiwöchige Heimaturlaub, den Graeber dann erhält, bringt ihm auch nicht die erhoffte Atempause und hier merkt man den Unterschied zu "Im Westen nichts Neues". In beiden Fällen können die Soldaten ihren Gedanken zwar nicht entkommen, aber Graeber bemerkt zudem schnell, daß er sich in seiner Heimatstadt immer noch im Feindesland befindet - die Diktatur verfolgt ihre eigenen Bürger, alle haben Angst, denunziert wird rasch. Dazu kommen ständige Bombenangriffe, alle paar Tage wird die Stadt angegriffen, Sicherheit gibt es nirgendwo. "Drohend und hoffnungslos stand die Dunkelheit um ihn herum, und es schien kein Entkommen zu geben." Man spürt diese Ausweglosigkeit auf jeder Seite, in jedem Satz, ganz hervorragend kann Remarque diese Atmosphäre darstellen. Graeber erkennt auch allmählich die Schuld, die fast jeder auf sich geladen hat, die Monumentalität des Bösen, der Grausamkeit, die hier stattfindet. So gerne möchte er anders sein, aber er ist letztlich auch Gefangener des Systems. Der Gedanke an Desertion kommt öfter auf, bei seiner Rückkehr nach dem Urlaub wird er von anderen Soldaten sogar ganz offen gefragt, warum er überhaupt zurückgekommen ist. Graeber weiß aber, daß Desertion nicht erfolgreich wäre, in einem Land eifriger Denunzianten würde er gefunden werden und selbst, wenn er es in die Schweiz schaffen würde, würde die ihn gleich zurückschicken oder ausliefern. Selbstverstümmelung wird ebenfalls schnell entdeckt...auch hier gibt es keinen Ausweg, er muß wieder an die Front, muß für eine Diktatur kämpfen, deren Grausamkeiten ihn erschrecken und anwidern. 

Die Thematik und diese allumfassende Dunkelheit machen das Buch an manchen Stellen schwer zu lesen, weil man ein fast zu gutes Gefühl für die Ausweglosigkeit und die allenthalben vorhandene Grausamkeit bekommt und auch weiß - das ist nicht ausgedacht, das ist tatsächlich so passiert. Das Buch ist ein eindringlicher, schonungsloser Blick in diese Zeit und unbedingt lesenswert.

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Rezension zu "Der schwarze Obelisk" von E.M. Remarque

Ernsthaftigkeit & Witz vereint
millivor einem Monat

Die Handlung beschreibt eine deutsche Kleinstadt im Jahre 1923 – in ihr lebt der Protagonist Ludwig, der wie alle aufrechten Leute in der Inflation und kriselnden Wirtschaft im Nachkriegsdeutschland um sein Überleben fürchten muss. In seinem Beruf als Verkäufer bei der Grabsteinfirma Kroll & Söhne macht er sich gut, nebenbei dichtet er, spielt amateurhaft Orgel und verliebt sich in außergewöhnliche Frauen. So besucht er auch Isabelle, die unter einer gespaltenen/multiplen Persönlichkeit leidet regelmäßig in ihrer Anstalt.


Gerade die Passagen mit den Dialogen mit Isabelle haben es mir wirklich angetan. Die Gespräche sind sehr authentisch, philosophisch und haben mich tief bewegt und zum nachdenken angeregt. Doch auch in allem was drum herum passiert beeindruckt Remarque mit einem messerscharfem Stil der Beobachtungen schildert, ohne eine offensichtliche Wertung durchblitzen zu lassen. Intelligenter Humor und intelligente Gesellschaftskritik liegen hier sehr nahe beieinander. 

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Rezension zu "Der Funke Leben" von E.M. Remarque

die letzten Wochen
MilaWvor 5 Monaten

Sieben Jahren Recherche wendete Remarque für seinen Roman auf. Das Ergebnis ist ein sehr detailliertes Buch über die letzten Wochen in einem deutschen Konzentrationslager, das ausdrücklich nicht dokumentarisch, aber so nah an der Wirklichkeit wie möglich sein will. Im Frühjahr 1945 scheint sich etwas zu verändern. Das "Skelett Nummer 509" ist zu schwach zum Arbeiten und vegetiert mit anderen Arbeitsunfähigen im "kleinen Lager" vor sich hin, wo sie langsam aber sicher verhungern. Als die nahegelegene Stadt bombardiert wird, schöpfen die Insassen des Lagers Hoffnung. Die Befreiung scheint nah und doch unendlich fern. Den Lagerkommandanten Neubauer plagt die Unsicherheit. Die Bombardierung gefährdet seine im Krieg erworbenen Besitztümer. Und obwohl er der Überzeugung ist, sein Lager human geführt zu haben, fürchtet er die Übernahme.
 
Remarque konzentriert die Schrecken der Naziherrschaft auf einen kleinen Zeitraum, der, wie er selbst im Anhang erklärt, den Schrecken nachfühlbarer machen soll, als blosse Zahlen. 
Das Lager bewohnen durch jahrelange Gewalterfahrung abgestumpfte Menschen. Quälend lange passiert nicht viel, nur der immer gleiche Lageralltag zermürbt die Gefangenen. Remarque beobachtet sowohl Opfer, als auch Täter. Die Täter sind dabei meist nicht sadistisch, sondern einfach Mitläufer, die das Leid der Insassen nicht kümmert. 509 ist kein Jude, sondern politischer Gefangener möchte sich aber nicht den Kommunisten anschließen, hat also gewissermaßen eine neutrale Position.
Das ganze liest sich anstrengend. Was ja auch zu erwarten ist. Ich hätte mir etwas weniger Abgestumpftheit gewünscht, so richtig hat es mich nicht gepackt. Andere Romane über dasselbe Thema haben mich irgendwie mehr mitgenommen, ich kann gar nicht sagen warum.
Sehr lohnend jedoch ist der Anhang, in dem es vor allem um die sehr kontroverse Rezeption des Werkes in Deutschland geht und weitere Informationen über den Autor zusammengefasst werden. Für Menschen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus befassen auf jeden Fall ein sehr interessantes, akribisch recherchiertes Buch.

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