Das Jahr 1834 stellte in vieler Hinsicht einen Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands dar. Dazu gehörte auch das Verlassen von Deutschland durch Bürger aller Herkunft. Adelige wurden enteignet und arme Menschen litten unter Hungersnot und hatten keine Rechte. Massenweise wanderten die Menschen aus – hauptsächlich in die Vereinigten Staaten. Davon handelt die Geschichte „Ein neues Vaterland“ von Natalie Bright und Manuela Schneider. Wir lesen vom Schicksal der adeligen Familie Romberg, die wie viele Adelige vom König Friedrich Wilhelm III. enteignet und entrecht wurde. Ihre Geschichte steht beispielhaft für hunderte – sogar tausende - ähnlicher Schicksale. Die handelnden Personen leiden sehr unter dem Abschied von ihren Familien – sie reisen ins Ungewisse, hoffend, dass sie ein besseres Leben in Freiheit erwartet. Karoline heiratet einen Freund ihres Bruders, Liebe ist hier nicht das Motiv sondern einfach die Hoffnung auf ein besseres gemeinsames Leben. Karolines Schwester Emma ist bereits ausgewandert und lebt nun in Mexiko. Dorthin wollen auch Karoline und Rudolf. Aber nicht nur ihre Geschichte erfahren wir sondern auch die der Familie Dankert. Sie sind bürgerliche. Die Geschichten der verschiedenen Familien und Charaktere entfaltet sich. Beeindruckend an diesem Roman ist die genaue Recherche über die Verhältnisse in der neuen „Heimat“. Bevor sie diese erreichen, steht ihnen eine lange schwierige Reise bevor – nicht in einer Luxuskabine sondern unter Deck zusammen gepfercht mit vielen anderen hoffnungsfrohen Menschen. Es ist spannend zu lesen, wie die handelnden Personen sich an das Unabänderliche anpassen – an die Unbequemlichkeiten, den Gestank, das wenig schmackhafte Essen. Sie alle haben das eine Ziel: in ihren Entscheidungen frei zu sein und nicht der Willkür einer Obrigkeit ausgeliefert zu sein. Abgesehen von den Charakteren erfahren wir sehr viel Interessantes über die damaligen Vorgänge in den Südstaaten Amerikas, hier Texas und darin die Rolle Mexikos. Auch die Begegnung mit indigenen Völkern wird nicht ausgelassen. Dieser Roman ist für alle, die sich schon immer für die Geschichte Amerikas und die der deutschen Auswanderer interessiert haben. Aber auch Leser, die gern spannende Literatur lesen, die einen über Stunden gefangen nehmen kann, weil sie so interessante Geschehnisse vermittelt, die so noch nirgends erzählt wurden. Die Erzählweise ist hochspannend und lebendig, man sieht das Geschehen vor sich und staunt, was Menschen auf sich nehmen, um sich vor Zwängen und Ausgeliefertsein zu retten.
Flucht vor Willkür









