EM Jungmann

 4 Sterne bei 8 Bewertungen

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Das Herz des Abwun

Das Herz des Abwun

 (8)
Erschienen am 01.10.2011

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Rezension zu "Das Herz des Abwun" von EM Jungmann

"Ein Affe, der spricht"
joergmcflyvor 6 Jahren

Nein, hier geht es (noch) nicht um den neuen 'Planet der Affen'; vielmehr ist diese Bezeichnung das, was die Kgenmar in den Menschen sehen. Die Kgenmar sind reptil-humanoide Wesen, die - so behaupten sie es zumindest immer wieder - von ihrer Gottheit, dem Abwûn (Nominativ: das Abwûn, übrigens auch das aramäische 'Vater Unser'), auf die Erde gesandt wurden, um den Planeten und mit ihm die Menschheit, die sich und ihn durch Kriege und Umweltverschmutzung an den Rand des Kollaps gebracht haben, zu retten. 'Das Herz des Abwûn', so der Titel des Debütromans von E.M. Jungmann, der eine weitere Entdeckung der epidu-Community darstellt, ist dabei zunächst die sprichwörtliche Schlangengrube: Mit grausamer Effizienz gehen die Kgenmar ihrer angeblichen Berufung nach, es gibt kaum ein menschliches 'Fehl'-Verhalten, das nicht um irgendeine Ecke zur Todesstrafe führte, und die Menschen werden zwar nicht direkt versklavt, aber buchstäblich 'an der kurzen Leine gehalten' (die Haustiermetapher wird schmerzlicher offenkundig, als die Protagonistin beim Abendessen einen Bissen Brot zugeworfen bekommt und die Fleischreste von einem Knochen nagen darf, die ihr 'Herr' übrig gelassen hat). Der Leser begleitet die junge Ellen aus Dachnat-Kgenmar, die, wie es die Tradition verlangt, mit Einsetzen der Pubertät in die 'Dienste' der Besatzer zu treten hat, auf einer 'Reise' (vgl. Untertitel des Buches), die das Verhältnis zwischen Menschen und Kgenmar auf eine neue Ebene heben soll - unter anderem, indem sie zunächst widerwillig mit deren (zukünftigem) Anführer vermählt wird.
Die Autorin schafft hier erfolgreich eine neue Welt mit einer eigenen Sprache und Religion und fesselt den Leser durchaus mit einem gerüttelten Maß an Innovation, obwohl es natürlich mit jedem erscheinenden Fantasyroman schwieriger wird, nicht irgendwelche Anklänge an andere bekannte Werke zu wecken. So war meine erste Assoziation bei den die Menschen auf ihrem eigenen Planeten zur zweitklassigen Lebensform werden lassenden Kgenmar die Situation, die John Christopher in der bekannten Trilogie um die 'Dreibeinigen Herrscher' beschreibt (die ihrerseits bekanntlich im Design an H.G. Wells' Marsianer-Tripoden aus 'Krieg der Welten' erinnern). Andere Passagen ließen mich an Frank Herberts 'Wüstenplaneten' denken, insbesondere wenn die Autorin - im Glossar immerhin vorbildlich erklärte und in sich schlüssige - religiöse Vorstellungen der Kgenmar einfließen ließ; ich hätte mich zeitweise kaum gewundert, auch noch irgendwo den Begriff 'Kwisatz Haderach' zu lesen'
Womit ich leider eher Schwierigkeiten hatte, war die Behandlung eben jener religiös-mystischen Gründe für die Besatzung der Erde durch die Kgenmar und der daraus resultierenden Philosophie. Der Infotext zum Buch, das tatsächlich als 'mystischer Fantasyroman' und damit keineswegs unter falscher Flagge daherkommt, spricht davon, dass sich die Autorin durch aktuelle Diskussionen und Konflikte unserer Welt habe inspirieren lassen, sodass ich davon ausgehe, dass auch religiöser Fanatismus bzw. das Vorschieben der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt, dessen sich beispielsweise heutige Islamisten bedienen, zu diesen Themen gehört. Aber obwohl die Autorin ihrer Protagonistin eine gewisse kritische Distanz zugesteht, habe ich - trotz aller Rechtfertigungsversuche und Sympathiewerbung - immer wieder auch das Gefühl gehabt, Ellen fiele möglicherweise auf einen kaum hinterfragten Mystizismus herein, lasse sich am Ende auch durch diverse an Gehirnwäsche erinnernde Methoden (neben tatsächlicher Telepathie mit Tendenz zur Gedankenkontrolle ist da auch mehrmals von einem 'reinigenden Gefühl' die Rede, das einen beispielsweise beim Durchschreiten eines - elektronischen? - Eingangstores überkommt) inklusive eines 'bewusstseinserweiternden' Getränks (das natürlich ' auch hier haben wir nur die Aussage des herrschenden Kgenmar - keineswegs Alkohol enthält oder irgendwie derartige Berauschung verursacht...) einlullen. Ich schaffe es leider auf lange Sicht nicht, es als gegeben hinzunehmen, dass Ellen schließlich die große Wahrheit und die Liebe der Gottheit hinter all der Misshandlung, erniedrigender und entwürdigender Behandlung der Menschheit - selbst wenn diese durch ihr Verhalten eine Art Strafe auf sich herabgerufen haben mag - so erkennt und akzeptiert, dass sie mit dem früheren Feind, der ja nur das Beste will, ins Bett steigt, um eine 'Prophezeihung' zu erfüllen' Wenn besagte 'Reise' nicht nur die Protagonistin sondern auch den Leser zur Erkenntnis bringen sollte, dass die mystische Schicksals- und Berufungs-Idee der Kgenmar tatsächlich nicht nur eine Rechtfertigungslüge ist, sondern dass es diese überirdische Macht wirklich gibt, die voll Liebe die Welt in die Richtung lenkt, wohin sie sich gemäß ihres göttlichen Willens zu bewegen hat, hat es bei mir (trotz der eindeutig übernatürlichen Ereignisse vor allem auch gegen Ende der Geschichte) leider nicht richtig funktioniert. Mag sein, dass man mir vorwerfen kann, ich hätte eben das Buch nicht verstanden, aber ich habe es bis zum Schluss nicht geschafft, diesen ekligen Nachgeschmack ganz loszuwerden.
Insgesamt machte das auf epidu PUNKT de verfügbare 'Versucherli', das auch den Ausschlag zur Wahl in die Liste der zu veröffentlichenden Bücher gab, und die inspirierte Lesung eben jener ersten Seiten/Kapitel durch die sympathische Autorin mir das Buch wesentlich schmackhafter, als es die ganze 'Mahlzeit' dann einlösen konnte: 'Die Reise' wurde mir - eben wohl deswegen, weil ich mit erwähnter grundlegender Philosophie einfach nicht klar kam - insgesamt doch zu lang (während der unvermeidliche Endkampf mit 'der Bösen' potterig schnell vorbei ist).
Das Buch wird auf dem Klappentext nicht eindeutig als Jugendbuch beworben, zumindest die 'Vorschauversion' beinhaltete allerdings eine diesbezügliche Bemerkung. Ich schraube daher zur Be-Sternung meinen Anspruch auf 'objektive' Überzeugungskraft des Mystizismus in diesem Buch ein wenig herunter, wobei ich damit nichts über leichter beeinflussbare Jugendliche gesagt haben will' Nachdem die Autorin einerseits sichtlich ihr Handwerk beherrscht, ich aber andererseits mit dem Buch auf lange Sicht nicht ganz glücklich geworden bin, vergebe ich vorsichtige 3 von 5 Sternen.
Übrigens, im Epilog des Romans bin ich dann übrigens doch (wieder) irgendwie auf dem Planeten der Affen gelandet: Der mögliche Fortsetzungsband scheint mir, wie hier angedeutet wird, zumindest eine Gemeinsamkeit mit dem zweiten Teil der klassischen 'Planet der Affen'-Filme zu besitzen - die Mutanten aus der Verbotenen Zone stehen bereit... Ob E.M. Jungmann am Ende auch eine Kobaltbombe zünden wird?
Ich bedanke mich wieder einmal beim epidu-Verlag und bei BloggDeinBuch PUNKT de für die Vermittlung und Zurverfügungstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars.

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Rezension zu "Das Herz des Abwun" von EM Jungmann

Rezension zu "Das Herz des Abwun" von EM Jungmann
Sheerisanvor 7 Jahren

Kurzbeschreibung

Freiheit beginnt mit Verantwortung … Sie hat alles verloren: ihre Heimat und ihre Familie. Ellen aus Dachnat-Kgenmar ist noch ein junges Mädchen, als sie ihr Elternhaus verlassen muss, um fortan bei den gefürchteten Drachenköpfen, den Kgenmar, zu leben. Diese wurden einst von ihrer Gottheit, dem Abwûn, auf die Erde gesandt, um die Menschen zu beherrschen und anzuleiten. Seit vielen Jahrhunderten verbreiten sie nun Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Als Ellen schließlich mit dem Obersten der verhassten Kreaturen den Bund der Ehe eingehen muss, vollzieht sich ein Wandel. Die große Prophezeiung nimmt ihren Lauf. Doch es gibt auch Neider. Wird es gelingen, in Frieden zu vereinen, was seit jeher durch Hass und Misstrauen auf beiden Seiten entzweit ist? Viel Blut wird fließen, doch dies ist erst der Anfang …

Bewertung

„Das Blut ließ sich nicht fortwaschen, so sehr Ellen es auch versuchte. Ihre Hände waren schon wund und vom eiskalten Wasser halb erfroren.“

Elle aus Dachnat-Kgenmar ist 11 als sie Ihr Elternhaus und das Leben mit ihrer Mutter hinter sich lassen muss. Die nächsten 10 Jahre Ihres Lebens lebt sie als Gehilfin bei den beiden Schneider Kgenmar um dort zu arbeiten und das Handwerk zu erlernen. Die beiden behandeln sie gut, und Elle wird eine sehr gute Schneiderin, bis sich Ihr Leben eines Tages schlagartig verändert. Sie wird in den Cubus gebracht, dort wo der oberste der Kgenmar lebt. Bisher kam niemand mehr von dort zurück. Doch anders als hier Ihr Leben zu lassen wird Elle mit dem Sohn des Herschers verheiratet und soll an seiner Seite gemeinsam Herschen. Doch nicht nur Elle selber kann der Verbindung nichts Positives abgewinnen, hat sie doch selber von klein auf gelernt die Kgenmar zu hassen, auch unter den Kgenmar gibt es Gegner und es dauert eine Weile bis Elle sich eingestehen muss, dass sie den Mann an Ihrer Seite liebt, doch es scheint bereits zu spät zu sein.

Gelesen habe ich das Buch im Rahmen der Aktion Blogg dein Buch. Vom Cover her hätte es mich im Buchladen ehrlich gesagt nicht angesprochen, und auch vom Klappentext hätte ich es mir persönlich nicht gekauft, aber ich muss sagen, dass ich doch sehr froh bin das Buch lesen zu dürfen, denn Frau Jungmann hat eine wirklich schöne Geschichte entworfen, die einige Überraschungen und vorallem in meinen Augen sehr tiefe Gefühle zu bieten hat. Dabei geht es im Herz des Abwun weniger um die Welt die die Autorin geschaffen hat, was ihr, auch wenn sie diesen Aspekt nicht ganz auspielt, recht gut gelungen ist, sondern viel mehr um die Gefühle der Protagonisten. Und die Gefühle hat Frau Jungmann in meinen Augen sehr gut dargestellt und beschrieben, so ist mir Jhad Alan der zukünftige Herrscher der Kgenmar sofort ans Herz gewachsen, weil er mit viel Geduld und Einfühlvermögen versucht hat, Elles Vertrauen zu gewinnen.

Sicherlich hat auch dieses Buch seine kleinen Schwächen, so war mir das Ganze gerede um den bedingungslosen Glauben zum Abwun teiweile zu viel des Guten, aber ich denke das lag auch daran, dass ich persönlich mit Glauben nocht viel anfangen kann und es mir aus diesem Grund latent auf die Nerven gegangen ist.

Vom Schreibstil her war das Buch sehr angenehm zu lesen. Die Sätze sind nicht sonderlich lang, und auch die schmückende Beschreibung, die andere Bücher auszeichnet entweder von Orten und Personen ist hier nicht ganz so deutlich, aber das tat dem Lesegenuss in meinen Augen keinen Abbruch. Die Autorin verstand sich sehr gut darauf mit ihrem Stil treffent und nicht all zu ausschweifend dem Leser erzählen zu können was sie sich vorgenommen hatte. Daher wirkt die Story in meinen Augen auch nicht in die Länge gezogen.

„Die Schneider grinsten breit. Davon und von der Störrigkeit des Fadens herausgefordert nahm sie dessen anderes Ende, befreite es von den dunklen Erdkrumen, flüsterte: „Nun geh doch da rein!“ und hielt es vor die Nadel, wie um ihm zu zeigen, was sie von ihm wollte. Das Fadenende stellte sich auf. Es bog sich, als sehe es sich um. Plötzlich stieß es von selbst durch das Nadelöhr. Staunend betrachtete Ellen das kleine Wunder. Dann sah sie zu den Schneidern – und erschrak. Fassungslosigkeit stand in ihren Blicken.“

Fazit

Ich muss sagen, dass ich sehr erstaunt war über das Buch. Sicherlich wird daraus kein Bestseller, aber ich finde Autoren wie Frau Jungmann sollten durch solche Projekte wie Epidu mehr Chancen oder zumindest Aufmerksamkeit erhalten. Mich konnte das Buch bereits schon nach wenigen Seiten beeindrucken. Dies lag vorallem daran, dass ich nicht wusste was mich erwarten würde. Sicherlich hatte das Buch auch ein paar kleine Schwächen, aber das lag mehr an meinem Geschmack und ich möchte dem daher hier nicht so viel Raum geben. Eine sehr schöne Geschichte, die berührt und die zeigt, dass Liebe über alle Grenzen gehen kann, wenn man toleranter ist.

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BlossomBookss avatar

Rezension zu "Das Herz des Abwun" von EM Jungmann

Rezension zu "Das Herz des Abwun" von EM Jungmann
BlossomBooksvor 7 Jahren

Ellen aus Dachnat-Kgenmar hat es schwer getroffen. Aus ihrer Heimat gerissen soll sie mit dem Sohn des Herrschers der Kgenmar verheiratet werden. Noch nie gab es eine Hochzeit zwischen einem Kgenmar und einem Menschen. Warum soll sie auf einmal den Sohn des Golban heiraten, obwohl die Kgenmar die Menschen unterdrücken und hassen. Eine seltsame Prophezeiung nimmt ihren Lauf und Ellen steckt auf einmal in einer noch viel schwierigeren Lage. Denn auf einmal entwickelt sie Gefühle für ihren einst größten Feind…

„Das Herz des Abwûn“ steigt direkt auf der ersten Seite voll ins Geschehen ein. Der Leser hat keine Chance die Welt von Ellen kennenzulernen, sondern wird sofort in ihre Mitte katapultiert. Ich war ziemlich überrascht, wie schnell die Geschichte in Gang kommt. Denn ohne lange Anfangspassagen und Einleitung wird der Leser sofort mit Ellen und den Problemen ihrer Welt konfrontiert. Zu Beginn fiel mir das Lesen etwas schwierig. Tausende Begriffe in der Sprache der Kgenmar (Drachenwesen, die mit den Menschen auf der Erde leben) werden einem entgegen geschleudert. Erst am Ende des Romans hatte ich das Grundvokabular der Kgenmar wirklich auf dem Kasten. Daher ist es sehr hilfreich, dass am Ende des Buches ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen ist.

„Abwûn – Die Gottheit der Kgenmar“
„Kgenmar – Vom Abwûn auf die Erde gesandtes Volk, das die Aufgabe hat, die Menschen zu beherrschen und anzuleiten“

Die Idee des Romans hat mich wirklich begeistert und hat meiner Meinung nach noch großes Potential. E.M. Jungmann hat es geschafft eine neue Spezies zu entwickeln die über eine eigene Sprache, ein einzigartiges Aussehen und besondere Fähigkeiten verfügen. Die Charaktere bleiben trotzdem ein bisschen blass. Gerade die Beziehung zwischen Ellen und Jad Alan ist mir zu vielen Zeitpunkten viel zu unterkühlt. Besonders am Ende hätte ich mir das ein oder andere große Liebesgeständnis gewünscht (Bin eben hoffnungslos romantisch). Auch die drei Rebellen Marc, Ahmed und Gerome sind sehr kurzweilig. Ihre Funktion als Aufrührer, gerade Marc, nimmt zwar viele Seiten in Anspruch, hat aber gegen Ende des Buches eher nur eine geringere Rolle gespielt.

Gut gefallen hat mir die Unvorhersehbarkeit des Geschehens. Bei vielen Büchern weiß man schon zu Beginn, was passieren wird. Bei Jungmanns Werk wird man hineingeschmissen und erlebt mit der Protagonistin zeitgleich die Wendungen und Hindernisse der Geschichte. Ich habe mit Ellen gefiebert und gebangt, gelitten und geschwitzt. Auch ich fand die Kgenmar zu Anfang unsympathisch und grob, doch als Ellens Gefühle sich langsam änderten, begann auch ich die Kgenmar aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Das Ende des Romans ist sehr offen gehalten und lässt natürlich einige Fragen ungeklärt. Auch der Epilog trägt nicht gerade zu einem endgültigen Abschluss des Buches bei. Das bringt mich zu der Frage, ob ein zweiter Teil in Planung ist!? Genaueres konnte ich dazu leider noch nicht in Erfahrung bringen.
Mein Fazit: Ein kurzweiliger Lesespaß mit einer abwechslungsreichen und interessanten Story.

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