Zwei rechts, zwei links

von Ebba D. Drolshagen 
5,0 Sterne bei5 Bewertungen
Zwei rechts, zwei links
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Inhaltsangabe zu "Zwei rechts, zwei links"

Der Norwegerstern ist das weltweit bekannteste Muster auf Winterpullovern. Aber wie ist er entstanden? 1857 wurde er erfunden, und zwar von einer jungen Norwegerin, die beim Ziegenhüten Handschuhe mit zwei verschiedenfarbigen Fäden zu stricken versuchte. Als sie ihre Handschuhe beim Kirchgang trug, fielen sie auf, und bald war der achtzackige Stern ein Markenzeichen für die ganze Region. Im kalten Norwegen trägt er einen poetischen Namen: Achtblattrose. In vielen solcher Geschichten erzählt Ebba D. Drolshagen vom Stricken: wie und wo es entstand, wie es sich über Jahrhunderte verändert hat, wer strickte und was gestrickt wurde. Sie erzählt von Broterwerb, Zeitvertreib und Guerillastricken, vom Färben und Spinnen, von alten und neuen Techniken, von Strickcafés, Strickgruppen und natürlich auch davon, wie das Internet das Leben der Strickerinnen verändert hat. Sie weiß, wie der Shetlandpullover wirklich entstand, und auch, dass Stricken nicht nur Schals und Mützen, sondern auch die unterschiedlichsten Stimmungen produzieren kann. Die Regale in den Buchhandlungen sind voll von Büchern mit Strickanleitungen. Und es werden immer mehr. Was es bisher nicht gibt, ist ein Buch über das Stricken. Hier ist es. Es erzählt von den Menschen, Frauen wie Männern, die das Handstricken Masche für Masche zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518468142
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:251 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:23.10.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    heinokos avatar
    heinokovor 3 Monaten
    Durch mehr Wissen zu mehr Wertschätzung

    Durch mehr Wissen zu mehr Wertschätzung

     

    Der Untertitel „Geschichten vom Stricken“ führt ein wenig in die Irre. Nein, es sind keine GeschichteN, es ist vielmehr EINE Geschichte, DIE Geschichte des Strickens, diese allerdings  wunderbar leicht und locker und kurzweilig erzählt.  Entsprechend gut lesbar ist dieses Buch, unterhaltsam und humorvoll.

    Mit einem sehr klugen Vorwort von Martina Behm wird man eingestimmt in die Welt des Strickens, der Stricker und Strickerinnen, in das Reich der Wolle vom 12. Jh.  bis heute. „Stricken schafft ungewöhnliche Verbindungen, setzt kreative Kräfte frei und macht auf diese Weise die Welt ein kleines bisschen besser.“ Wie wahr. Und schon wird man zu den Anfängen des Strickens geleitet, und weiter durch die Jahrhunderte hinweg, bis man in der Gegenwart und natürlich beim Internet landet. Wussten Sie, dass 1565 in England ein Gesetz erlassen wurde, nach dem jeder, der älter als 6 Jahre war, an Sonn- und Feiertagen eine Wollmütze zu tragen hatte, gefertigt von englischen Mützenmachern? Dass über viele Jahrzehnte hinweg das Stricken dem Broterwerb diente und selbst 3-und 4-Jährige schon mitstricken mussten? Oder dass Virginia Woolf eine leidenschaftliche Strickerin war? Erst nach dem 2. Weltkrieg mutierte das Stricken zum Hobby, die Modelle entwickelten sich weg vom Nützlichen, Wärmenden hin zum Besonderen mit Chic und Pfiff, zu einem Modemittel, mit dem die Strickerin sich selbst  ausdrücken möchte.

    Dieses Buch ist ein lebendiges Geschichtsbuch, aber auch eine durchaus kritische Sozial- und Klassengeschichte. Und es hat noch sehr viel mehr in sich. Während man von Kapitel zu Kapitel liest, über Färben und Farben, über die schwindelerregende Mustervielfalt, landestypisch, historisch-traditionell, oder über Passform und Wertschätzung, Gesundheit und Designerinnen, spürt man über allem hinweg die große Liebe der Autorin zum Stricken und ihr Wissen darum, dass Stricken nicht nur Mützen und Schals produziert, sondern auch eine reiche Welt der Gefühle.

    Fazit: Ein Buch, das bei jeder passionierten Strickerin ein besonderes Plätzchen finden sollte, weil es sowohl Wissen als auch Wertschätzung vermittelt.


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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor 9 Monaten
    Die Bibel der Strickgeschichte

    Bereits vor einigen Wochen ist Ebba D. Drolshagens Buch „Zwei rechts, zwei links“ im Suhrkamp Verlag erschienen.

    Als ich von den „Geschichten vom Stricken“ hörte, war ich gleich Feuer und Flamme. Ich mag ja zum einen gutgeschriebene Sachbücher sehr gerne und zum anderen ist das Stricken eben ein großer Teil meines Lebens geworden. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht das Strickzeug in den Händen halte, Wolle betaste oder neue Muster bestaune.

    Als Ebba mich dann auch noch anschrieb und fragte, ob ich ihr Buch nicht lesen möchte, war ich hingerissen. So nett und natürlich wollte ich. Begonnen habe ich schon vor einiger Zeit und zwar mit dem wunderschönen Vorwort von Martina Behm, die wir alle von „Strick mich“ kennen. Bei Martina bin ich ja immer wieder etwas zwiegespalten, mal finde ich sie super sympathisch, mal sehr spröde und kühl. Ihr Vorwort hat mich allerdings total begeistert. Sie hat genau das in Worte gefaßt, was ich beim Stricken empfinde und sehr kluge und treffende Sätze formuliert. Mir ging da beim Lesen wirklich das Herzchen auf.

    „Ich bin überzeugt, dass manches besser würde, denn die Beschäftigung mit Nadel und Garn lässt uns einsichtiger, klüger und zuversichtler werden.“ – Martina Behm

    Ich befinde mich gerade in der Situation, mich auf eine besondere Herausforderung vorzubereiten und da kamen ihre Worte zu den Fähigkeiten und Kompetenzen, die einem das Stricken vermittelt sehr recht, sie haben mich beruhigt und lächeln lassen. Herzlichen Dank für diese wunderbaren Worte.

    Aber natürlich besteht das Buch nicht nur aus einem Vorwort von Martina Behm, sondern hat auch aus wunderbarne von Ebba geschriebenen Kapiteln.

    Aber fangen wir vorne an. Das Buch macht mich ja schon optisch ungemein an. Es sticht durch seinen Einband und sein Cover total heraus, fällt ins Auge und zieht automatisch den Blick der Strickerin an. Ich habe es so gern in den Händen gehalten, das Muster befühlt und betastet und mich darüber gefreut, wie gut der Verlag hier meinen Geschmack getroffen hat.

    Im Buch finden sich dann wirklich schöne Illustrationen, Fotos, Zeichnungen und Drucke passend zum Thema, die Bildnachweise finden sich hinten im Buch, was mir sehr gefallen hat.

    Los geht es dann mit den Maschen. Es wird erklärt, was das Stricken ausmacht, wie man einfache rechts links Muster konstruiert, ohne dabei aber eine Anleitung zu sein, lediglich theoretisch, dabei aber so verständlich, dass sogar der Mr., der ja nichts mit der Strickerei am Hut hat, begreifen würde, worum es geht.

    Dann folgt ein geschichtlicher Kontext, wann wurde zuerst gestrickt, wann gewirkt, wie läßt es sich aus historischen Aufzeichnungen erahnen? Dazu hatte ich beim Yarncamp ja einen tollen Vortrag gehört und habe mich gefreut, hier einiges wieder zu finden, bzw. auch schon zu kennen.

    Als nächstes folgt Materialkunde, woraus strickt man heute, woraus früher, was eignet sich zum Stricken und was benötigt man, wenn man anfangen will. Ebba findet überall die Möglichkeit ihre eigene Begeisterung für das Thema zu transportieren, ohne dabei zu kleinteilig zu werden oder den Leser zu langweilen. Es wird genau die richtige Menge Wissen mit genau der richtigen Menge Unterhaltung gemischt, so dass man gerne liest und weiter blättert. Hier wird auch auf Nachhaltigkeit Wert gelegt und ich habe mich gefreut etwas über Schaf & Schäfer (die jetzt leider Schefers Wool heißen), die faire Wolle aus Deutschland vertreiben, zu lesen.

    Das für mich sehr interessante Kapitel zum Thema Farben habe ich nahezu verschlungen, Pflanzenfärbungen werden hier genauso thematisiert, wie Säurefarben und das Handwerk des Färbens genau erläutert.

    Und ich habe immer wieder auch etwas Neues entdeckt, zum Beispiel das pinke Häkelhaus der Künstlerin Olek, das von Frauen verschiedenster Nationen behäkelt wurde, darunter auch Flüchtlingsfrauen.

    Ich habe auch etwas über den Sweater Curse gelernt, einen alten Aberglauben der Strickerinnen, der besagt, dass man seinem Angebeteten vor der Hochzeit keinen Pullover stricken sollte, da die Ehe sonst nicht hält.

    Und natürlich findet sich auch Elizabeth Zimmermann im Buch. Zimmermann hat das Stricken geprägt, wie kaum jemand vor ihr und ihre Muster gibt es heute noch (Jahrzehnte nach ihrem Tod) auf Ravelry, der größten Strickcommunity im Internet, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Ihr Zitat: „Mögen alle Schafe sicher grasen!“ werdet ihr im nächsten Jahr von mir noch häufiger hören….

    Ebba erzählt vom Stricken der armen Leute bis hin zum Stricken in den Salons der Reichen. Sie spricht von der richtigen Passform und der Wertschätzung, die einem Strickstück gebührt. Sie grenzt ab zwischen Hobby und Heimarbeit.

    Sie nennt wunderbare Designerinnen und vorallem hier habe ich mich gefreut, wenn ich die Namen kannte und hatte sofort die zugehörigen Designs vor Augen. Es war traumhaft, wirklich. Auch die verschiedenen Möglichkeiten, wie man durch das Stricken strukturschwächere Länder stärken kann läßt sie nicht außer acht, die vielen gemeinnützigen Initiativen, die das Stricken zu Tage gefördert hat.

    Strickende Männer und strickende Verrückte. Ich selbst sage ja oft, dass ich mehr stricke, um weniger zu reden, um ruhiger zu werden, mich zu entspannen, den Kopf klar zu bekommen. Stricken als Therapie, Stricken als Achtsamkeitstraining. Das Stricken hilft mir, wie nichts anderes mental gesund zu sein und zu bleiben, trotz anspruchsvollem Beruf, auch mal abschalten zu können. Das habe ich so bei keinem anderen Hobby, daher fand ich das Kapitel “ Ich stricke, damit ich keinen umbringe!“ unheimlich wichtig…

    Auch die neue Welle des Strickens, den Hype und Run auf Garne und Nadeln beleuchtet sie mit klugen und sachlichem Worten und natürlich darf auch ein Blick auf das fantastische Ravelry nicht fehlen.

    Natürlich ist das Buch vorallem für Fans der Handarbeit ein Schatz und ein Sammelsurium an Wissen und Ideen, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch der interessierte Laie hier große Freude haben kann, eben weil sie nicht zu kleinteilig, zu spezifisch wird und immer den großen Blickwinkel nicht aus dem Auge verliert. (Am Ende findet sich eine sehr persönliche Nachbemerkung er Autorin, die mich sehr angerührt hat. Außerdem ein Namensregister, weitere Buchtitel, Texte zu den Abbildungen und Bildnachweise.)

    Frau Katze hat wie üblich mitgestrickt und gelesen:

    Dabei schreibt Ebba wirklich toll, ich habe sie gerne gelsen, hatte die Strickerinnen in Norwegen vor Augen, habe die Spinnerinnen gesehen, die Schafe gehört, ich war einfach voll dabei.

    Einen kleinen Kritikpunkt habe ich, an mehreren Stellen werden Bloggerinnen erwähnt, die dieses oder jenes gesagt haben, hier hätte ich mir die namentliche Nennung des Blogs und der Bloggerin gewünscht, die habe ich nämlich im Verzeichnis hinten nicht zuordnen können und das hat mich ein wenig gestört, denn auch hier hätte ich dann gerne mal in dieses Blog reingelesen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.

    Selten hat mich ein Buch so begeistert und beschäftigt, hat mich zum weiter Recherchieren angehalte und mich gleichzeitig so zufrieden gestellt.

    Viele von euch haben bereits bei Instagram gefragt, wie ich das Buch finde, ob ich es empfehlen kann und ich möchte es nicht nur empfehlen, ich möchte es wirklich jedem ganz dringend ans Herz legen, das hier ist die Bibel für jede Strickerin und zwar ganz ohne Anleitungen und Muster, einfach nur, weil es genau unser Thema ist.

    Lesen! Ganz unbedingt! Wirklich.

    Ich werde es in Zukunft auf jeden Fall sehr häufig verschenken.

    Und ich kann jetzt endlich Lesen und Stricken gleichzeitig, zwar nur rechte Maschen, sonst verknotet sich mein Hirn, aber immerhin!

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    goldeneflieges avatar
    goldenefliegevor 8 Monaten
    M
    monika4vor 8 Monaten
    Novellas avatar
    Novellavor 10 Monaten

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