Eberhard Nembach Gypsy Blues

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Inhaltsangabe zu „Gypsy Blues“ von Eberhard Nembach

Wo kommen all die Organe her, die in den Kliniken verpflanzt werden? Ein deutscher Journalist stößt auf dem Balkan auf eine Spur und sieht sich einer brutalen Organisation gegenüber, die mit dem Handel von Zwangsorganspenden beträchtliche Profite erzielt. Ein gefährliches Road Movie beginnt, das einen Mann und zwei Frauen auf eine gefährliche Reise durch Rumänien, Moldawien und den Kosovo führt. Mitten hinein in eine Schreckensvision ohne Hoffnung.

Ein rasanter Roadtrip quer durch den Balkan mit einem interessanten Aufhängerthema. Aber im Laufe der Story mehren sich die Ungereimtheiten.

— Gulan

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    Gypsy Blues

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    Während er hinter Marija auf allen Vieren aus dem Karton wieder herauskroch, hörte er vor sich einen spitzen Schrei. Ein größerer Junge mit schmutzigen Händen hatte sich vor dem kleinen Mädchen aufgebaut und zog ihr farbloses Kleidchen nach oben. Markus drängelte sich an den beiden vorbei und sah jetzt ihren blassen und knochigen Mädchenkörper. Wortlos starrte Markus auf das Kind, dessen Kleid der Junge immer noch am Saum festhielt, Marijas helles Schimpfen und Schluchzen ignorierend. […] „Look!“, Ionel zeigte auf eine Stelle oberhalb der Hüfte, die spitz aus dem Mädchenkörper hervorstach. Eine feuerrote Narbe, lang und gerade, verlief senkrecht an ihrer Seite. (S.57) Journalist Markus Kampmann reist nach Belgrad, um dort über die Ermordung des Ministerpräsidenten Zoran Djindjic zu berichten. Dort erfährt er von einer Organmafia, die Romakinder als Organlager missbrauchen und sogar lebenswichtige Organe entnehmen. Zusammen mit der dänischen NGO-Mitarbeiterin Greta begibt er sich auf die Spur. Schnell wird klar, dass von den Sicherheitsbehörden keine Unterstützung zu erwarten ist. Stattdessen erhalten sie unerwartete Hilfe von konkurrierenden verbrecherischen Organisationen. Auf ihrer ersten Station in Rumänien begegnen sie dem kleinen Roma-Jungen Ionel. Kurz darauf verschwindet er spurlos und es beginnt eine fieberhafte Suche nach ihm durch Südosteuropa. Autor Eberhard Nembach ist hauptberuflich beim Hessischen Rundfunk tätig und war vorher Hörfunkkorrespondent für Südosteuropa. Er kennt also die Gegenden, von denen er schreibt und das macht das Buch durchaus interessant. Die Tour über den Balkan führt Markus Kampmann in informelle Roma-Siedlungen in Bukarest, in siebenbürgische Kleinstädte und moldawische Weinkeller. Manchmal hat man allerdings auch den Eindruck, dass alle Probleme Südosteuropas wenigstens einmal kurz vorkommen müssen. Das Tempo ist rasant, die Kapitel kurz und der Ton dem Thema angemessen rau und hart. Man kann allerdings nur hoffen, dass Nembach die journalistischen Aspekte dieses Buches maßlos überzeichnet. Denn wie Kampmann seinen Job interpretiert, ist teilweise haarsträubend. Ständig versucht er verschiedenen Redakteuren, weiteres Budget aus dem Kreuz zu leiern und liefert ohne Vorbereitung (aber scheinbar zufriedenstellend) irgendwelche Beiträge ab. Leider bleiben für mich die Figuren über das ganze Buch blass und oberflächlich. Selbst bei der Hauptfigur Markus Kampmann, dem latent ungeduldigen Journalisten, bleibt über weite Strecken unklar, warum er das alles macht. Will er einen journalistischen Coup, will er die Kinder, insbesondere den Jungen Ionel, retten oder will er solange wie möglich im Ausland bleiben, um seiner schwangeren Frau aus dem Weg zu gehen? Zudem wird die anfangs vielversprechende Geschichte am Ende ziemlich konfus und die Zufälle und Ungereimtheiten nehmen zu. Das Buch endet in einem Karl-May-reifen Showdown in den Bergen des Kosovo. Quasi alle Figuren tauchen nochmal auf und man fragt sich schon irgendwie: Wie sind die da jetzt alle hingekommen? Ein rasanter und spannender Roadtrip quer durch den Balkan mit einem interessanten Aufhängerthema. Leider blieben die Figuren ziemlich blass und irgendwann waren manche Wendungen aus meiner Sicht auch nicht mehr logisch. Hier hätte man mehr herausholen können.

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