Eberhard Straub

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Eine kleine Geschichte Preussens

Eine kleine Geschichte Preussens

 (3)
Erschienen am 03.02.2001
Zur Tyrannei der Werte

Zur Tyrannei der Werte

 (2)
Erschienen am 01.08.2010
Wagner und Verdi

Wagner und Verdi

 (1)
Erschienen am 10.01.2013
Die Furtwänglers

Die Furtwänglers

 (1)
Erschienen am 07.11.2008
Vom Nichtstun

Vom Nichtstun

 (1)
Erschienen am 14.04.2009
Albert Ballin

Albert Ballin

 (0)
Erschienen am 05.02.2001

Neue Rezensionen zu Eberhard Straub

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Wagner und Verdi" von Eberhard Straub

Ein interessante Doppel-Biografie
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Richard Wagner und Giuseppe Verdi in einer Biographie? Ja geht denn das? Darf das sein? Zwei Komponisten, die unterschiedlicher nicht sein können?

Eberhard Straub begibt sich auf Spurensuche und wird fündig. Die beiden Giganten habe mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick erkennbar ist:

Beide sind 1813 geboren, in einer Zeit, die von den Napoleonischen Befreiungskriegen beherrscht wird. Beide erlebten Triumphe und bitterste Niederlagen in Paris. Sowohl Wagner als auch Verdi sind nachträglich zu Volkshelden hoch stilisiert und missbraucht worden. Denn, wenn die beiden – unabhängig voneinander vieles waren, Nationalisten waren sie nicht. Im Gegenteil, sie standen den nationalistischen Bestrebungen Deutschlands und Italiens skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie fühlten sich als Europäer. Wenn die Männer rund um Garibaldi „VERDI“ auf Hausmauern schrieben, so meinten sie nicht den Komponisten (auch wenn sie das der Polizei weismachen wollten) sondern „Vittorio Emmanuele Re D’Italia“ – Victor Emanuel soll König von Italien werden und das Joch der Habsburger abschütteln.

Eberhard Straub gelingt ein interessanter Vergleich zwischen den beiden Welten. Er schildert die Konkurrenz der Musiker. Die Charaktere werden lebendig, der eine bringt lässige Weisen zustande, der andere strenge Dramatik. Die beiden haben einander gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Auch die Revolution von 1848 lässt beide nicht unberührt. Wagner lässt sich, obwohl er mit den Aufständischen liebäugelt, seinen täglichen Luxus wie Seidenunterhosen, vom Bayerischen König finanzieren. Der Biedermann Verdi hat sich schon längst mit seiner Umwelt arrangiert und kennt keine Geldsorgen.

Die wesentlichen Opern werden, geistesgeschichtlich eingeordnet, vorgestellt. Straub favorisiert Wagners „Meistersinger“, die einzige Wagner-Oper in der alle Protagonisten überleben und am Ende einträchtig auf der Festwiese feiern. Bei Verdi ist des Autors Favoritin „Die Macht des Schicksals“, jene Oper, in der alle Menschen schlecht und schwach sind und der Hilfe Gottes bedürfen.

Diese ungewöhnliche Doppelbiografie ist sehr informativ. Aufgefallen ist mir, dass einige Brüche vorkommen. Es scheint, als ob zwei Autoren hier am Werk waren. Teile lesen sich locker und flüssig, beinahe schon anekdotenhaft, andere sind gespickt mit Zahlen, Daten und Fakten mit denen Eberhard Straub den einen oder anderen Leser vergraulen könnte. Nicht jedes kleine Detail, das der Autor kennt, muss den Lesern mitgeteilt werden. Hier wäre ein bisschen weniger wohl mehr gewesen.

"Wagner ist viel italienischer, als die germanische oder altdeutsche Maskerade vermuten lässt, und Verdi viel deutscher, als ihm selbst zuweilen lieb sein konnte." (Marianne Schultz).


Kommentare: 4
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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Zur Tyrannei der Werte" von Eberhard Straub

Werte als Mittel zum Zweck
R_Mantheyvor 3 Jahren

Neben dem Schüren von Angst gehört das Installieren und Benutzen von "Werten" zu den Standardwerkzeugen von Manipulatoren. Während Angst im negativen Sinne gefügig macht, schaffen "Werte" das im positiven Kontext. In Diktaturen stehen oft an erster Stelle die "Liebe" und "Treue" zum jeweiligen gottesgleichen Anführer, gleich gefolgt von "Tapferkeit" und "Heldenmut". In unserer Welt hingegen dominieren "Freiheit", "Toleranz", irgendeine gerade passende Form von "Gerechtigkeit" oder neuerdings wieder "Sicherheit".

Da die entsprechenden Begriffe einen hohen Abstraktionsgrad besitzen, versteht jeder im Konkreten etwas anderes unter ihnen. Umso leichter fällt es deshalb geschickten Manipulatoren diese begriffliche Verschwommenheit für sich zu nutzen. Da sich heute, im Gegensatz zu früher, Nachrichten in Sekundenschnelle verbreiten, dienen akzeptierte Werte erst recht als Ordnungsprinzip im Informationsdurcheinander. Wem es also gelingt, seinen "Wert" an vorderster Front zu installieren, der hat gute Chancen, ihn für seine eigentlichen Absichten unbemerkt nutzen zu können. Wenn beispielsweise alle ein grundlegendes Bedürfnis nach "Sicherheit" haben, dann wird - wie der Autor bemerkt - der Abbau von Freiheitsrechten leichter akzeptiert werden.

Der Autor geht am Ende seines Essays unter anderem auf diesen Aspekt der Werteinstallation recht ausführlich ein. Vielleicht lag es an meiner Erwartungshaltung, dass ich nach dem Lesen dieses Werkes etwas enttäuscht war. Das Buch ist nicht leicht lesbar. Neben einer manchmal unnötig komplizierten Ausdrucksweise verwirrt auch die gelegentlich diffuse Gedankenführung des Autors. Während er die Geschichte der Werte-Installation im Kapitalismus im historischen Kontext diskutiert und sich dabei immer wieder auf zahlreiche bekannte und weniger bekannte Intellektuelle und Künstler beruft, springt er oft ansatzlos von einem Gedanken zum nächsten. Dennoch enthält das Buch eine Menge kluger Ausführungen, die es in der Summe lesenswert machen.

Allerdings bringt Straub nach meiner Auffassung leider auch etwas prinzipiell durcheinander: Neben dem Missbrauch von Werten zur Manipulation beklagt er wie einst Karl Marx (den er übrigens gerne zitiert) die "Ökonomisierung" des Lebens und die Allmacht "des Marktes". Jeder und alles hätte einen "Marktwert", der ständig gesteigert werden müsse. Doch Manipulation mit Hilfe von "Werten" ist etwas völlig anderes als die Zuteilung eines Marktwertes. Märkte sind ein nicht zu verhinderndes Produkt der zunehmenden gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Wer also Marktwerte abschaffen möchte, muss Märkte verhindern, muss Arbeitsteilung rückgängig machen und landet irgendwann wieder auf dem ökonomischen Niveau der Steinzeit.

Merkwürdigerweise wird die angebliche Ökonomisierung unseres Lebens fast immer von Menschen beklagt, die sich nicht einem unmittelbaren Produktionsprozess von materiellen Gütern unterordnen müssen, sondern viel ungezwungener leben können. Vielleicht hat das einen einfachen Grund: Werte, an die ein Mensch glaubt oder die für ihn von grundlegender Bedeutung sind, dienen auch als Filter und verzerren entsprechend die eigene Wahrnehmung. So ist auch der Autor davon überzeugt, dass der Mensch erzogen werde müsse, um sich vom Tier zu unterscheiden, dass er Bildung benötige und sich der allseitigen Durchdringung seines Lebens durch billigen Konsum von Waren und primitiver Zerstreuung entziehen sollte. Und hier schließt sich der Kreis auf paradoxer Weise. Denn das, was der Autor unterschwellig fordert, ist natürlich auch eine Art der Manipulation, verbunden mit intellektueller Selbsterhöhung. Merkwürdigerweise hat sie in der Geschichte noch nie wirklich funktioniert. Vielleicht einfach deswegen, weil das zugrunde gelegte Menschenbild mit der Wirklichkeit wenig gemein hat.

Fazit.
Ein interessantes, aber leider nicht leicht lesbares Buch, das sich mit dem Missbrauch von künstlich installierten Werten zum Zwecke der geistigen Manipulation auseinandersetzt und diese Entwicklung im historischen Kontext und aus intellektueller Sicht beleuchtet. Darüber hinaus beklagt der Autor die zunehmende Ökonomisierung unseres Lebens und die Allmacht "des Marktes".

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M

Rezension zu "Zur Tyrannei der Werte" von Eberhard Straub

Rezension zu "Zur Tyrannei der Werte" von Eberhard Straub
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Bedrohen Werte die Menschenrechte?

Nicht erst seit der umfassenden Finanzkrise, die eine ebenso umfassende Krise althergebrachter Werte sozialer Verantwortung offengelegt hat, ist die Frage nach den verbindlichen und geltenden „Werten“ im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion.

Sei es in der Frage nach dem Verbleib des ehemals „ehrbaren Kaufmanns“, für den ein Geschäft dann ein gutes Geschäft war, wenn es verlässlich beiden Geschäftspartnern zum Vorteil gereichte, sei es in der Auseinandersetzung mit der Dynamik und patriarchalischen Struktur einiger Teile des Islam, sei es in Fragen der Integration fremder Kulturen.

Dabei entsteht der Eindruck, dass Werte zu allen Zeiten, seit Menschen denkende Wesen sind, von hohem Interesse sind. Ein erster Irrtum, folgt man Eberhard Straub in seiner Argumentation. Nicht nur in dieser Hinsicht legt der Autor in seinem essayistischen Buch querlaufende Gedanken zur aktuellen Wertediskussion vor, in denen er gar nicht so sehr einzelne Werte einer Betrachtung unterzieht (dies dient zumeist nur als praktische Verdeutlichung seiner Gedanken), sondern die Grundlagen einer Wertediskussion überhaupt in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt und hier zu erstaunlichen, sicher nicht alltäglichen, Schlüssen vordringt.

Das Werte erst seit dem Ende des 18. Jh. Im Blickpunkt einer Diskussion moderner Prägung stehen, ist die erste ungewohnte Erkenntnis. Die enge Verbindung zum „vollendeten Kapitalismus“ ist die zweite Erkenntnis und die Legitimität einer Einigung über Werte im Rahmen der Ökonomie letztlich alleine ist die dritte, unbewohnte Herangehensweise. Herangehensweisen, die übrigens durchaus fundiert und mit Akribie im Rahmen einer Diskussion der Wertephilosophie begründet wird und im Ergebnis aufzeigt, dass Werte im sozialen System nicht ehern festgesetzte Regeln darstellen, sondern ebenso einer Dynamik unterstehen wie alle anderen Bereiche menschlichen Miteinanders ebenfalls. Verlassen die Werte den Bereich der Ökonomie, verlieren sie ihre zusammenbindende Kraft und werden viel eher zu Interessen einzelner nutzbar gemacht.

Die logische Konsequenz Straubs ist, dass eine Wertediskussion somit zwar ein berechtigter Teil der ökonomischen Spielregeln und Verhältnisse darstellen, eine allgemein Wertdiskussion allerdings nichts anderes darstellt, als eine Tyrannei der Freiheit der Menschen gegenüber und in solcher Form auch all zu oft in bigotter Form ausgenutzt wird, um Formen der Kontrolle über Gruppen herzustellen.

Straub setzt durchaus diskussionswürdige Ansätze mittels dieses Buches in den Raum und klärt einiges an dem oft nur verwaschen benutzten Begriff der Werte. Seine Gegenthese, statt der allgemein verbindlichen Werte die althergebrachten Kategorien der Würde des Menschen und der Freiheit des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, bietet tatsächlich einen hohen Spannungsraum in der aktuellen Diskussion 8obwohl diese Haltung nur altes, liberales Gedankengut darstellt). Die Frage beispielsweise eines Nacktscanners an Flughäfen ist eben ganz anders zu beantworten, wenn man Sie aus Sicherheitsaspekten und damit dem Wert der Sicherheit her betrachtet, aus Kontrollmöglichen heraus bewertet (beides käme zu einem positiven Ergebnis) oder die Frage der unantastbaren Würde des Einzelnen und seiner persönlichen Freiheit her bewertet (dann wäre diese Kontrollmethode unzulässig).

Es gelingt Straub durchaus, den Finger in eine oft eher hintergründige Wunde zu legen. Im durchaus bereits im Alltagsleben vorhandenen Nachweis, dass gerade jene, die am lautesten Werte fordern und versuchen, diese allgemeinverbindlich zu setzen eben auch jene sind, die für sich selber ständig Ausnahmeregeln erfinden oder still und heimlich das Gegenteil im praktischen Leben tun, wird zumindest die Gefahr überdeutlich formuliert, wie Werte zum Nutzen weniger Mächtiger das Sozialwesen ob einer reinen Kontrolle her beeinflussen können.

Eberhard Straub ist ein sorgfältig argumentiertes, kluges Buch gelungen, dass zumindest die grundlegende Diskussion der Wertefrage auf andere Beine zu stellen vermag, selbst wenn man mit seinen konkreten Schlüssen nicht einverstanden wäre. Durch die Betonung der Begriffe Würde und Freiheit setzt er zugleich ein sehr konkretes Gegengewicht in die schwammige Auslegung des Begriffes „Wert“, dass zu erstaunlichen Bewertungen führen kann.
Dennoch muss betont werden, dass auch „Würde“ und „Freiheit“ zunächst nichts andres darstellen, als behauptete Werte und nicht, wie es manchmal im Buch erscheinen mag, eherne Naturgesetze. Auch der Begriff der Würde und die Postulierung von der Freiheit des einzelnen sind geschichtlich gewachsene, Wertkategorien. An diesen Punkten verfällt die ansonsten logisch aufgebaute Argumentationskette dann wiederum in klassisch liberale Behauptungen hinein.
Allerdings im wesentlich konkreter diskutierbaren Sinne und mit größerer, allgemein verbindlicher Wirkung, als andere Wertbehauptungen der Geschichte. Und wesentlich weniger zu Kontrollzwecken oder zur Eingliederung einzelner in Regelsysteme nutzbar.

Absolut lesenswert und, dankenswerter Weise, in Sprache und Stil auch verständlich dargebracht.

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