Wagner und Verdi

von Eberhard Straub 
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Wagner und Verdi
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Wagner und Verdi - zwei große Europäer, die nachträglich von den Nationalisten vereinnahmt wurden

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Inhaltsangabe zu "Wagner und Verdi"

Arbeit, Nation und Weltbürgertum: Diese Leitideen des 19. Jahrhunderts bestimmten auch das künstlerische Schaffen Wagners und Verdis. Die Schauplätze sind die Stadtgesellschaften des bürgerlichen Zeitalters: Leipzig und Dresden, Mailand, Wien, Bologna, Bayreuth, Venedig und vor allem Paris, die Kunstmetropole, auf die Wagners und Verdis Ambitionen gerichtet sind. Natürlich waren sie Konkurrenten im Kampf um die Gunst des Publikums. Doch erst die Nachgeborenen brachten Deutschtum gegen Italianità in Stellung und konstruierten künstlerische Gegensätze zwischen Harmonie und Melodie oder Tiefsinn und Leichtigkeit. Und auch die Legende, die die beiden Komponisten zu glühenden Nationalisten machte, hat die Nachwelt gestrickt. Eberhard Straub entdeckt dagegen in Wagner und Verdi zwei europäische Patrioten wieder und in ihrer Musik eine wahrhaft europäische Kunst.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608946123
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:10.01.2013

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wagner und Verdi - zwei große Europäer, die nachträglich von den Nationalisten vereinnahmt wurden
    Ein interessante Doppel-Biografie

    Richard Wagner und Giuseppe Verdi in einer Biographie? Ja geht denn das? Darf das sein? Zwei Komponisten, die unterschiedlicher nicht sein können?

    Eberhard Straub begibt sich auf Spurensuche und wird fündig. Die beiden Giganten habe mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick erkennbar ist:

    Beide sind 1813 geboren, in einer Zeit, die von den Napoleonischen Befreiungskriegen beherrscht wird. Beide erlebten Triumphe und bitterste Niederlagen in Paris. Sowohl Wagner als auch Verdi sind nachträglich zu Volkshelden hoch stilisiert und missbraucht worden. Denn, wenn die beiden – unabhängig voneinander vieles waren, Nationalisten waren sie nicht. Im Gegenteil, sie standen den nationalistischen Bestrebungen Deutschlands und Italiens skeptisch bis ablehnend gegenüber. Sie fühlten sich als Europäer. Wenn die Männer rund um Garibaldi „VERDI“ auf Hausmauern schrieben, so meinten sie nicht den Komponisten (auch wenn sie das der Polizei weismachen wollten) sondern „Vittorio Emmanuele Re D’Italia“ – Victor Emanuel soll König von Italien werden und das Joch der Habsburger abschütteln.

    Eberhard Straub gelingt ein interessanter Vergleich zwischen den beiden Welten. Er schildert die Konkurrenz der Musiker. Die Charaktere werden lebendig, der eine bringt lässige Weisen zustande, der andere strenge Dramatik. Die beiden haben einander gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Auch die Revolution von 1848 lässt beide nicht unberührt. Wagner lässt sich, obwohl er mit den Aufständischen liebäugelt, seinen täglichen Luxus wie Seidenunterhosen, vom Bayerischen König finanzieren. Der Biedermann Verdi hat sich schon längst mit seiner Umwelt arrangiert und kennt keine Geldsorgen.

    Die wesentlichen Opern werden, geistesgeschichtlich eingeordnet, vorgestellt. Straub favorisiert Wagners „Meistersinger“, die einzige Wagner-Oper in der alle Protagonisten überleben und am Ende einträchtig auf der Festwiese feiern. Bei Verdi ist des Autors Favoritin „Die Macht des Schicksals“, jene Oper, in der alle Menschen schlecht und schwach sind und der Hilfe Gottes bedürfen.

    Diese ungewöhnliche Doppelbiografie ist sehr informativ. Aufgefallen ist mir, dass einige Brüche vorkommen. Es scheint, als ob zwei Autoren hier am Werk waren. Teile lesen sich locker und flüssig, beinahe schon anekdotenhaft, andere sind gespickt mit Zahlen, Daten und Fakten mit denen Eberhard Straub den einen oder anderen Leser vergraulen könnte. Nicht jedes kleine Detail, das der Autor kennt, muss den Lesern mitgeteilt werden. Hier wäre ein bisschen weniger wohl mehr gewesen.

    "Wagner ist viel italienischer, als die germanische oder altdeutsche Maskerade vermuten lässt, und Verdi viel deutscher, als ihm selbst zuweilen lieb sein konnte." (Marianne Schultz).


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