Eberhard Zangger

 4.3 Sterne bei 6 Bewertungen

Alle Bücher von Eberhard Zangger

Atlantis. Eine Legende wird entziffert

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Erschienen am 01.01.1996
Die Luwier und der Trojanische Krieg

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Erschienen am 13.10.2017
Splügen - Wo sich Wege treffen

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Erschienen am 07.07.2005
Atlantis

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Erschienen am 01.04.1997
Ein neuer Kampf um Troia

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Erschienen am 01.10.1998

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Die Luwier und der Trojanische Krieg" von Eberhard Zangger

"Archäologie ist keine Wissenschaft, sondern Blutrache"
R_Mantheyvor einem Jahr

Diese Aussage stammt, glaubt man dem Autor dieses Buches, von Sir Mortimer Wheeler, dem Direktor des Museum of London und Erforscher der Indus-Kultur. Sie steht auf Seite 210 dieses Buches. Wenig später folgt dann von einem anderen Archäologen: "Ich kenne keinen Beruf, wie es die Archäologie ist. Er ist überlaufen. Auf dem Weg aufwärts zu den wichtigen Posten muss man immer denken, den Nebenmann auf der Leiter hinunterzustoßen." Eberhard Zangger hat es auf diese Weise erwischt, weil er Manfred Korfmann, einem ehemaligen Professor aus Tübingen, in die Quere kam. Zangger besitzt bis heute eine andere Meinung über die einstige städtische Struktur von Troja und wollte sie als Geoarchäologe auch beweisen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil er sich erlaubt hatte Korfmann öffentlich zu kritisieren. Korfmann ruinierte anschließend Zanggers weitere Karriere und vertrieb ihn aus der etablierten Archäologie.

Das sollte man wissen, wenn man zu diesem Buch greift. Auch sein Titel erscheint mir im Nachhinein ein wenig irreführend zu sein, weil es in ihm hauptsächlich um die Geschichte der Erforschung der sogenannten Luwischen Kultur geht, also um das Schicksal und die Leistungen von Menschen, die sich dieser Aufgabe gewidmet hatten, und weniger um den Trojanischen Krieg. Mit ihm beschäftigt sich Zangger erst am Ende seines Textes, nachdem er vorher versucht hatte, den gegenwärtigen Forschungsstand über die Luwier darzulegen. Darüber hinaus enthält das Buch einen Abschnitt "In eigener Sache"“, wo man dann die vergangenen Ereignisse aus Zanggers Sicht dargelegt bekommt. Da man das sehr spät erst im Buch erfährt, aber vorher immer wieder angedeutet bekommt, entsteht gelegentlich bis dahin der Eindruck, dass Zangger sich mit seinem Buch an Insider wendet, was jedoch nicht der Fall ist.

Das Buch liest sich selbst für einen Laien wie mich sehr gut, wenngleich durch den Fokus auf die Geschichte der Forschung und ihrer Personen diese selbst etwas in den Hintergrund gerät. Aus meiner Sicht bestehen bei diesem Buch zwei wesentliche Kritikpunkte, die einem mit der Sache vorher nicht befassten Leser erst spät oder womöglich gar nicht auffallen:

Erstens ist Zangger nicht objektiv, und er kann es auch gar nicht sein, weshalb man ihm einen solchen Vorwurf nicht machen sollte. Schließlich ist er schon allein wegen seines Schicksals Partei in dieser Sache. Deshalb kann man eine objektive Darstellung der Forschungslage zur Geschichte Westanatoliens gegen Ende der Bronzezeit von ihm nicht gänzlich erwarten. Und vermutlich gibt es auch keinen anderen Menschen, der dazu in der Lage wäre, weil Archäologie zu einem großen Teil offenbar Ansichtssache ist: Aus Fundstücken wird auf eine Geschichte geschlossen, die man gar nicht kennen kann, sondern sich (grob gesagt) aus heutiger Sicht und den wenigen gefundenen Texten, Gegenständen oder Bildern erschließt. Der subjektive Anteil an solchen Deutungen ist gewaltig, was mit Sicherheit einen Grund für das gelegentlich psychopathische Verhalten von Archäologen oder deren Vernichtungswillen gegenüber vermeintlichen Konkurrenten liefert. Das Buch ist voll von solchen Fällen.

Zweitens, und das fällt weniger auf, ist wohl die Faktenlage, auf der sich Zangger bewegt, etwas dünn. Einige wesentliche Fundstücke, auf die er sich bezieht, gibt es so nicht mehr. Vielmehr existieren nur noch Abschriften von Texten, die wesentliche Quellen zum Verständnis der Luwier-Kultur sein sollen.

Wenn also zu diesem Buch greift, dann erwartet einen vor allem eine Darstellung der Geschichte der Erforschung einer Kultur, die es am Ende der Bronzezeit in Westanatolien gegeben haben soll und zu der auch Troja gehörte. Im Mittelpunkt stehen dabei die einzelnen Personen, ihre Leistungen und ihr oft wenig erfreuliches Schicksal, wenn sie (wie der Autor) nicht zur etablierten Gilde der Universitätsarchäologen gehörten oder auf dem Weg dahin mit den Mächtigen kollidierten. Daneben spielt natürlich auch das Thema selbst eine Rolle. Es wird leider nicht in derselben Detailliertheit abgehandelt. Im Wesentlichen bleibt die Erkenntnis, dass es in Westanatolien damals offenbar viele kleine Königreiche gab, in den eine Sprache (Luwisch) gesprochen wurde, und die sich (falls nötig) zu Zweckbündnissen zusammenschlossen. Das sind zwar recht vage Vermutungen, aber sie füllen immerhin eine historische Lücke, denn bislang konzentrierte man sich kaum auf Westanatolien, wenn es um das Ende der Bronzezeit geht.

Ein großer Teil der Forschungsarbeiten bestand in der Entschlüsselung der Luwischen Sprache, für die man bisher nur wenige Texte in der damals üblichen Hieroglyphenschrift zur Verfügung hatte. Dass man dann anschließend aus diesen über 3000 Jahre alten Texten auf eine Kultur und deren Geschichte schließen kann (oder besser will), erscheint ebenso faszinierend wie verwegen. Am Ende des Buches findet man dazu einige Bemerkungen, die wohl so nicht gedacht waren, aber dennoch Zweifel an archäologischen Deutungen wecken können. Da steht nämlich in Bezug auf Troja die Bemerkung, dass diese Stadt noch Jahrhunderte nach ihrer Zerstörung eine Art Freilichtmuseum war. Es gibt also bevor Troja unter der Erde verschwand noch eine Geschichte nach der Geschichte, in der möglicherweise erhebliche Veränderungen eintraten. Das erschwert mit Sicherheit die Deutungen von Fundstücken.

Wenn man sich für alte Geschichte (und insbesondere für die Zeit des Trojanischen Krieges und seiner schwerwiegenden Folgen) interessiert, ist dieses Buch ein wahres Fundstück, so lange man sich seinen Hang zum Zweifeln erhalten hat. Darüber hinaus zeigt es am Beispiel der Archäologie, welche persönlichen und oft widerlichen Kämpfe in einer Wissenschaft ausgefochten werden, die sich nach außen als unantastbar gibt. Sicher ist die Archäologie dafür ein drastisches Beispiel. Doch Netzwerke und Seilschaften gibt es eben überall, wo Menschen um Macht und Einfluss kämpfen müssen, weil nur wenige Plätze in der ersten Reihe vorhanden sind.

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