Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann

von Ece Temelkuran 
4,2 Sterne bei6 Bewertungen
Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann
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Positiv (4):
Favole-Lunas avatar

In der Tat ein Kultroman für Frauen, hoffentlich findet dieses Buch noch viele Leser, ich war tief bewegt!

Kritisch (1):
Aliras avatar

Moderne Scheherazade "mit alles"

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Inhaltsangabe zu "Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann"

On the Road im Arabischen Frühling: Vier Frauen in einem alten weißen Mercedes, unterwegs von Tunis nach Beirut: Amira, Tänzerin und Aktivistin, Maryam, Wissenschaftlerin und fromme Muslima, und die Ich-Erzählerin, eine arbeitslose Journalistin. Und dann ist da noch Madame Lilla, eine geheimnisvolle alte Dame, die die Frauen auf diese Reise ins Ungewisse eingeladen hat. Eine Hymne an die Freundschaft, ein wilder Roadtrip und eine rasante Geschichte über weibliche Selbstbehauptung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455600049
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:08.09.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    Ginevras avatar
    Ginevravor 3 Jahren
    Sich selbst anpusten – und dem Wind überlassen

    Vier Frauen machen sich mit einem klapprigen Auto auf den Weg – quer durch die Länder, durch die der „Arabische Frühling“ seine Spuren gezogen hat. In Tunesien treffen sie zufällig zusammen: Amira, die schöne Tänzerin, die von Vater und Bruder verprügelt und vertrieben wurde. Maryam aus Ägypten, die manchmal wie ein Mann aussieht. Die geheimnisvolle, alte Madame Lilla, die gerne die Richtung angibt. Und eine türkische Journalistin, die aus ihrer Perspektive die Geschehnisse schildert, und die auf der Suche nach den sieben "Göttinnenregeln" ist.

    Ein fantastischer Road Trip beginnt – entgegengesetzt zu den Flüchtlingsströmen, durch Tunesien, Syrien, Ägypten und den Libanon. Die vier Frauen tragen jede ein Geheimnis mit sich herum, das sie in einem der vier Länder lösen möchte. Dabei sehen sie die aktuelle politische Lage in jedem der vier Länder, übernachten in Flüchtlingscamps und lernen weitere Frauenschicksale kennen. Madame Lilla zeigt ihnen ehrwürdige Kulturstätten, altertümliche Schriften, und sie erzählt ihnen jede Menge alte arabische und altgriechische Mythen. All dies gibt ihnen Hinweise auf die Lösungen ihrer Probleme.

    Ece Temelkuran, 1973 in Izmir geboren, ist eine türkischen Autorin und Journalistin, die zuvor Rechtswissenschaften studierte. Aufgrund ihrer kritischen Artikel über die Verfolgung der Kurden durch die türkische Regierung verlor sie ihre Anstellung bei einer Zeitung und schreibt seitdem erfolgreiche Bücher.

    Im ersten Drittel hat mich dieses ungewöhliche Buch total fasziniert: wir begeben uns auf eine Reise voller Geheimnisse und Überraschungen, die zunächst wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht erscheint. Madame Lilla übernimmt dabei die Rolle eines weiblichen Conférenciers, mit Humor und Weisheit, aber auch etwas unheimlich. Wir blicken in die menschlichen Abgründe, insbesondere in die der Männer, die Frauen in ihrer Freiheit einengen, über sie verfügen, sie ins Unglück stürzen. Wir lernen aber auch Frauen kennen, die sich wehren – mit Liebe, Kraft und Fantasie. Besonders Amiras Geschichte hat mich dabei sehr berührt. Das Buch kam mir stellenweise feministisch vor, da es immer wieder die männlich dominierten Regierungsebenen kritisiert. Madame Lilla ist die Anführerin der kleinen Gruppe von Konterrevolutionärinnen – und sie ist streitbar, ohne sich kriegerisch zu duellieren.

    Ab der Hälfte des Buches hatte ich ab und zu das Gefühl, den roten Faden zu verlieren, da die Handlungsstränge immer verwirrender wurden, und sich Mythen und Realität vermischten – genau, wie Madame Lilla es auf den ersten Seiten angekündigt hatte. Da hätte ich mir von der Autorin oder vom Verlag ein paar Erläuterungen gewünscht, die Unkundigen wie mir einige rätselhafte Geschichten erläutern, z.B. die Sure der „Knotenanbläserinnen“, oder der Mythos von Dido und Penelope – oder vom kleinen violetten Käfer…
    Durch Nachgoogeln habe ich mich immer wieder schlau gemacht, wenn möglich, was ich auf Dauer etwas mühselig fand. Der poetische Schreibstil und die liebenswerten Frauenfiguren haben mich immer wieder dafür entlohnt.

    Fazit: ein bilderreiches Panoptikum der arabischen Welt, aufregend und poetisch – und trotz aller politischen Missstände optimistisch. 5 von 5 Sternen!

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    Aliras avatar
    Aliravor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Moderne Scheherazade "mit alles"
    Von wegen Kultubuch

    Drei Frauen fahren in einem alten Mercedes von Tunis nach Beirut. In  zusammenhanglosen Szenen bzw. in einer Handlung, deren Struktur ich nicht erkennen konnte, wird ihre Freundschaft beschrieben.

    Die Technik dieser Erzählung fällt für mich noch am ehesten unter “Moderne Scheherazade mit alles”. Durch die vielen Konstruktionen (u.a. wurde Königin Dido, die Gründerin Karthagos, eingebaut) wurde für mich diese Selbstfindungslektüre aber nicht nur chaotisch, sondern auch anstrengend zu lesen und nicht nachvollziehbar.

    Ich gestehe, dass ich bis zum Schluss auf irgendetwas gehofft habe, muss aber leider feststellen, dass sich meine Ausdauer nicht gelohnt hat.

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    MaikeHerzpotenzials avatar
    MaikeHerzpotenzialvor 4 Jahren
    Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann?

    Mitten im arabischen Frühling treffen in einem Hotel in Tunis drei junge Frauen aufeinander. Amira, die schöne tunesische Tänzerin, die in New York gelebt hat und als politische Aktivistin tätig war. Maryam, die Wissenschaftlerin aus Ägypten und gläubige Muslima, die während der Revolution in ihrem Heimatland mit auf dem Tahrir-Platz war. Und die türkisch-stämmige Ich-Erzählerin, die als Journalistin gearbeitet hat, aber nun ihren Job verloren hat. Alle drei verbindet, dass sie vor irgendetwas in ihrem Leben weglaufen, sei es die Familie oder die politische Situation in ihren Heimatländern. Eines Abends lernen sie die geheimnisvolle alte Dame Madame Lilla kennen, die ihnen ein verlockendes Angebot macht. Sie sollen sie auf eine Reise in den Libanon begleiten, einmal quer durch Tunesien, Libyen und Ägypten. Die drei willigen ein und so brechen die Frauen zu einem abenteuerlichen Road-Trip mit ungewissem Ende auf.

    Vier unterschiedliche Frauen auf der Reise ihres Lebens, so könnte man das Buch auch beschreiben. Alle Frauen tragen dabei ihr eigenes Päckchen und erst nach und nach wird klar, warum sie sich auf diese Reise eingelassen haben. Denn das darf man nicht vergessen: Amira. Maryam und die namenlose Ich-Erzählerin haben sich erst wenige Abende vor Beginn des Trips getroffen, Madame Lilla lernen sie quasi den Abend vorher kennen. Im Endeffekt gehen also vier sich völlig Unbekannte auf eine Reise, die voller Gefahren ist. Und dennoch haftet dem ganzen Unterfangen etwas an, dass ich als "zauberhaft" beschreiben würde. Denn die vier Frauen vertrauen intuitiv aufeinander und halten zusammen und schaffen es so, auch au gefährlichen Situationen zu entkommen. Und so entsteht erst Vertrauen und schließlich Freundschaft.

    Ece Temelkuran gelingt es meisterlich, eine moderne Form des 1001 Nacht-Feelings zu erschaffen. Die Art, wie sie die Geschichte erzählt, ist fließend und sie schafft es - genau wie Sheherazade - die Spannung immer aufrecht zu erhalten und den Leser ganz natürlich zum Weiterlesen zu bewegen. Dennoch war das Buch für mich keines, dass ich einfach zwischendurch lesen konnte. Ich habe es zwischendurch immer wieder aus der Hand gelegt, um über das Gelesene nachzudenken und es für mich verarbeiten zu können. Zum Beispiel, als die drei Frauen in Ägypten bei einer Freundin Madame Lillas die Regeln der Göttinnen lernen. Regeln, die Frauen auf der ganzen Welt beherzigen können und für mich eines der stärksten Argumente, warum dieses Buch bereits jetzt als ein Kultbuch gehandelt wird. Die Autorin hat sehr selbstständige Charaktere geschaffen, die (teilweise lautstark) ihre persönlichen Freiheiten fordern, aber auf sich allein gestellt mit ihnen nicht umzugehen wissen. Erst im Miteinander gelingt es ihnen, zu sich selbst und zu ihrer Unabhängigkeit zu finden.

    Fazit: Ece Temelkurans Roman ist ein Buch über Freundschaft, über das Füreinander da sein und über in gewisser Weise auch über Liebe. Denn es kommt nicht nur darauf an, dass man andere liebt, sondern auch darauf, dass man sich selbst liebt. Damit hebt sie etwas hervor, was Frauen auf der Welt beherzigen können. Denn nur wer sich selbst liebt und mit all seinen guten und schlechten Seiten akzeptiert, kann sein vollen Potenzial entfalten, für die eigenen Ziele kämpfen und für seine Ideale einstehen.

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    sonnjas avatar
    sonnjavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: "Das Kultbuch einer neuen Frauengeneration." Unbedingt lesen!
    Lasst uns gemeinsam tanzen!

    "Das Kultbuch einer neuen Frauengeneration"

    Was soll denn da noch kommen? fragte ich mich als moderne, gebildete, europäischer Frau mittleren Alters und nahm das Buch dann doch ganz spontan mit. Titel, Einbandgestaltung und Klappentext lockten.

    Vier sehr unterschiedliche Frauen begegnen sich zufällig und gehen gemeinsam auf eine Reise von Tunis nach Beirut:

    Maryam, Professorin aus Ägypten; Amira, Tänzerin und Bloggerin aus Tunesien;, die Erzählerin, Journalistin aus der Türkei und Madame Lilla, eine geheimnisvolle alte Dame. Alle nehmen ihre Verletzungen und Ängste mit auf diese Reise, alle hüten ein Geheimnis.

    Ece Temelkuran erzählt eine fantastische Geschichte. Eine Frauengeschichte über Freundschaft, Verstehen und füreinander da sein. Eine politische Geschichte über den arabischen Frühling und die Hoffnung auf Erneuerung. Eine religiöse Geschichte über die Sehnsucht nach Liebe. Eine blumige orientalische Geschichte voller Realismus und Träumen. Die Geschichte erzählt von einer Reise durch Kriegsgebiet und zu sich selber.

    Es hat mich lange kein Buch mehr so begeistert und berührt zurück gelassen. Ich bin sicher, dass es bei jedem Lesen neue Gefühle und Erkenntnisse erweckt. Es erzeugt sehr viel -im Moment so bitter benötigtes - Verständnis für den Islam und die Hoffnungen der Frauen auf eine echte Gleichberechtigung.

    Kommentare: 2
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    DieSchwarzeKathatzes avatar
    DieSchwarzeKathatzevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Zu gewolltes Kunstmärchen, das mehr für Verwirrung sorgt, als dass es fasziniert. Was es rettet ist die außergewöhnliche Sprache.
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    Favole-Lunas avatar
    Favole-Lunavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: In der Tat ein Kultroman für Frauen, hoffentlich findet dieses Buch noch viele Leser, ich war tief bewegt!
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