.. nicht nur als Suchtprophylaxe, dazu möchte dieses kleine Buch anregen. Phantasievolles Entdecken der Welt um einen herum, ohne Schablonen und zu einengende Vorgaben, am besten in der freien Natur, das stärkt Kinder in ihrer Entwicklung. Träume leben lernen, die nichts mit Phantasiespielen, TV oder sonstigen Scheinwelten zu tun haben. Freiräume dafür zu schaffen ist ein Anliegen dieses Buches. Wenn Kinder Toben dürfen, Matschen, auf Bäume klettern, Abenteuer erleben (real und nicht vorgefertigt), dann ist, so die Hypothese des Buches, die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass sie im weiteren Lebenslauf Süchten verfallen. Eckhard Schiffer führt dementsprechende Fallbeispiele aus seiner Praxis für psychosomatische Medizin an. Das Buch wurde bereits Anfang der 90iger Jahre verfasst, liegt aber nun in einer vollständig überarbeiteten Auflage vor.
Meiner Meinung nach, wird im Buch der Fokus vor allem auf einen bestimmten Aspekt gerichtet, aber für eine umfassende Erziehung von Kindern sind noch weitere Faktoren wichtig und zu beachten. Außerdem ist unsere Lebenswelt prinzipiell eine gänzlich andere geworden, als Mark Twain vor über 100 Jahren beschrieben hat. Somit ist das angeführte Idealbild ein eher diskussionswürdiges. Heutzutage würde man die trotz widriger Umstände recht gute Entwicklung von Huckleberry wahrscheinlich unter dem Begriff ‚Resilienz’ einsortieren. Doch ich möchte die Hauptthese von Schiffer nicht als Randphänomen abtun; ich denke, dass auch die Entwicklung eines gewissen Eigensinns bei Kindern ihre Berechtigung hat.
ABER: Ich halte darüber hinaus ebenso Grenzen und Regeln als Leitplanken für Kinder von tiefgehender Bedeutung. Nur in einem guten Rahmen ist eine entsprechende Entfaltung der Fantasie etc. möglich. Einerseits zum Wohle des Kindes, andererseits zum Wohle unseres Zusammenlebens. Was wäre z.B., wenn es nur noch Huckleberrys geben würde? Die bestehende Gesellschaft könnte nicht weiter funktionieren, oder? Es gibt immer Nischenwege, die möglich sind, weil sie in einer Nische gedeihen. Zu empfehlen wäre diesbezüglich auch die Lektüre von André Stern (Und ich war nie in der Schule).
So haben z. B. etliche Kinder von offenen Kita-Gruppen große Schwierigkeiten im sich anschließenden staatlichen Schulsystem einen guten Platz zu finden, da dort die Rahmenbedingungen gänzlich andere sind. (Natürlich bis das Schulsystem von Grund auf reformbedürftig, bis es aber soweit umgesetzt ist, haben wir damit zu leben.)
Ein weiterer prinzipieller Aspekt für mich ist, dass die Aufsässigkeit in der von fast allen Kindern durchlaufenen Trotzphase als normaler Entwicklungsschritt überwunden werden muss. Nichts ist schlimmer für die Umwelt und sich selber, als ein 10 jähriger, der noch darin festhängt. Kinder, die in dieser Phase stecken bleiben, sind zwar aufsässig, aber in einer tendenziell destruktiven Ausprägung.
Schiffer äußert sich etwas abwertend über Winterhoff und Co. („Warum unsere Kinder Tyrannen werden“). Ich finde, auch diese Blickrichtung hat ihre Berechtigung. Ebenso wie die dieses Buches. Es sind eben unterschiedliche Schwerpunkte, die fokussiert werden.







