Der namenlose Erzähler freundet sich mit dem kunstsinnigen neuen Klassenkameraden Carl an und heckt mit ihm, nachdem die Lehrerin im Kunstunterricht die einzige talentierte Schülerin, Kirsten, durch einen gedankenlosen Kommentar gekränkt hat, einen Racheplan aus. Kirsten soll sich in Carls heimlichem Refugium versteckt halten, während ein Gemälde, das Kirsten als ertrinkende Ophelia zeigt, der Lehrerin einen Schrecken einjagen soll. Als Kirsten aber aus dem vereinbarten Versteck verschwindet, müssen die beiden Abiturienten tatsächlich nach ihr suchen, und es kommt zu einem Showdown im Museum.
Die ganze, irgendwie aus der Zeit gefallene Geschichte dreht sich um Kunst und Künstlichkeit und sicher ist sie auch sehr kunstvoll konstruiert. Immerhin war der Roman 2022 für den deutschen Buchpreis nominiert. Mir haben aber das viele Dozieren und die manierierte Sprache die Lektüre verleidet, ich konnte mit dem Buch nichts anfangen.
Eckhart Nickel
Lebenslauf
Alle Bücher von Eckhart Nickel
Spitzweg
Hysteria
Ferien für immer
Gebrauchsanweisung für Portugal
Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal
Punk
Von unterwegs
Neue Rezensionen zu Eckhart Nickel
Diese Bemerkungen der Kunstlehrerin zum Selbstporträt ihrer Schülerin Kirsten sorgt dafür, dass das Mädchen aus dem Klassenraum flieht. Es ist der Beginn der Handlung gleichzeitig einer Idee, die der Ich-Erzähler und sein neuer Mitschüler Carl aushecken, um der Lehrerin ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen.
Dieser Roman ist weniger die Geschichte dieser Idee und ihrer Umsetzung, die an sich schon ganz putzig ist, es ist vielmehr ein Gesamtkunstwerk. Vor allem die Sprache hat es mir angetan, sie ist herrlich und man kann sie nicht treffender beschreiben, als der Ich-Erzähler, der uns seinen Namen nie verrät, seinen neuen Freund Carl beschreibt: "Er war wirklich jemand, der im vorteilhaftesten Sinn aus der Zeit gefallen war und sich in fast allem völlig von der unheldenhaften Gegenwart abhob, die er, so war ich mir sicher, genauso verachtet wie ich." (S. 158) Dieser gekonnte Mix aus Archaismen und moderner Sprache, einer gelegentlich für mich etwas märchenhaft anmutenden, jedoch liebevoll - buchstäblich - in die Kunstwelt hineininszenierten Handlung, hat mich total gefangengenommen. Es gibt mehrer Bildbeschreibungen, die Carl höchst kompetent vorträgt und die absolute Lust machen, sich mit Spitzweg eingehender zu beschäftigen. "Denn das konnte Carl wie keiner sonst: diesen Ton treffen, der ein Kunstwerk immer erst einmal gegen seine vermeintlichen Gegner, die Betrachter, zu verteidigen versucht, als stünde es vor Gericht. Aber dann die Bildbeschreibung wie ein Plädoyer verlautbaren, das eine angewidert dreinblickende Bank von Geschmacksgeschworenen von der zweifelsfreien Unschuld des grundlos angeklagten Mandanten zu überzeugen vermag." (S. 244)
Ein Roman, der mir wirklich Spaß gemacht hat und den ich gerne weiterempfehle an alle, die Freude an Sprache haben. Wer sich dann noch für Kunst interessiert, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.
„PUNK“ – Man muss diese Musik mögen, so ist es auch mit dem gleichnamigen verrückten Roman von Eckhart Nickel. Ich habe den Autor im Kölner Literaturhaus lesen und über seinen Roman sprechen gehöret und jede Menge Hintergründe erfahren, weshalb ich mich gerne auf die witzigen Figuren und kuriosen Wortwechsel eingelassen habe.
Der Roman ist eine Art Dystopie in der es um eine Klangmauer geht, die als „weißer Lärm“ bezeichnet wird und das öffentliche Leben durcheinanderbringt. Musik ist verboten und ständig tauchen diese sonderbaren Störgeräusche auf. Der Staat möchte, dass die Menschen sanft und achtsam sind, aber es regt sich Widerstand. Die Geschichte beginnt mit den Alltagsbeschreibungen der Zwillingsschwestern Kirsten und Karen. Dann zieht Karen in eine WG mit den sehr intellektuellen Brüdern Esra und Lambert. In der WG proben die drei den Widerstand und gründen eine verrückte Band, die sich gegen Gleichförmigkeit wendet und mit Pop- und Punkmusik experimentiert und unkonventionell witzig ihren Weg findet.
Es ist ein sehr kunstvoller Roman in dem verschiedene Erzählstränge ineinander verlaufen. Auch die Sprache bringt einiges durcheinander und fordert den Leser/In heraus: Jugendsprache, Satire, Musikjargon, …
Mir hat der Roman gefallen.
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