Eckhart Nickel

 3.4 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Hysteria, Gebrauchsanweisung für Portugal und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Eckhart Nickel

Der moderne Mensch und die Vorherbestimmung: Der deutsche Autor und Journalist Eckhart Nickel wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Kunstgeschichte und Germanistik Studium in Heidelberg und New York, promovierte er über Thomas Bernhard. Viele Jahre lang arbeitete er als Buchhändler und Journalist, beispielsweise für die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine. Im Jahre 1999 ist er Mitglied des Popliterarischen Quintetts „Tristesse Royale“ gewesen. Mit seinem Erzählband "Was ich davon halte", fasste er einen Fuß in der Welt der Literatur. In den Jahren von 2004 bis 2006 war er Chefredakteur des Literaturmagazins DER FREUND und leitete diesen auch in Kathmandu mit Christian Kracht. Für seinen Roman "Hysteria" erhielt er bei dem Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2017 den Kelag-Preis. Er schaffte es außerdem auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018.

Alle Bücher von Eckhart Nickel

Cover des Buches Hysteria9783492314619

Hysteria

 (26)
Erscheint am 01.02.2021
Cover des Buches Gebrauchsanweisung für Portugal9783492275200

Gebrauchsanweisung für Portugal

 (8)
Erschienen am 01.04.2003
Cover des Buches Vom Schönen9783492056557

Vom Schönen

 (0)
Erscheint am 03.01.2022
Cover des Buches Flaneur9783925678721

Flaneur

 (0)

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

Auf ganzer Linie enttäuschend
Antigone8vor 10 Monaten

Hysteria wird als "kulinarische Dystopie" bezeichnet und widmet sich einem durchaus präsenten Thema, nämlich dem Umgang mit und der Herstellung unserer Lebensmittel.

Eingeführt wird ein hypersensibler Protagonist, der bei einem Rundgang auf einem Wochenmarkt feststellt, dass die angebotenen Lebensmittel nicht natürlich wirken. Er beschließt daraufhin kurzerhand diesem "Geheimnis" auf den Grund zu gehen und begibt sich auf eine Spurensuche.

Leieder handelt es sich bei diesem Werk, trotz der sehr aktuellen Thematik, auf keinen Fall um einen literarischen Leckerbissen. Die Handlung verliert sich in unzähligen Details, die jedoch keinen Beitrag zur Entfaltung der Geschichte beisteuern. Über weite Strecken wirkt das Buch wirr und verliert immer wieder den Erzählstrang.

Auch die Hauptpersonen werden leider nicht lebendig und bleiben für den Leser nicht fassbar. Die meiseten Figuren wirken wie Statisten, die willkürlich ausgetauscht werden können, da dem Autor eine lebendige Charakterisierung nicht gelingt.

Sprachlich kann ich diesem Roman leider ebenfalls nicht viel abgewinnen. Zu oft wirkt der Schreibstil gekünstelt, ja sogar prätentiös. Die Dialoge erscheinen zu konstruiert und bleiben holzschnittartig. Es entsteht der Eindruck, dass der Autor zu viel auf einmal wollte und sich dadurch in oberlehrerhaften Ausführungen verliert.

Die Grundidee des Buches birgt viele Möglichkeiten um auf ein wirklich wichtiges Thema aufmerksam zu machen. Diese Chancen werden zum Leidwesen des Lesers nicht genutzt.
Eine enttäuschende Lektüre und von meiner Seite keine Leseempfehlung.

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

2,5* Gute Ansätze & viel verschenktes Potenzial: Habe von einer kulinarischen Dystopie mehr erwartet
Lovely_Lilavor 10 Monaten

* Spoilerfreie Rezension! *

~
„Hysteria“ ist ein Buch, das mich insgesamt leider enttäuscht hat, da ich mir von einer kulinarischen Dystopie einfach mehr erwartet habe – mehr Innovation, mehr Tiefe, mehr Spannung, mehr Hintergrundwissen und ein erschreckenderes Zukunftsszenario. Was den Schreibstil betrifft, bin ich zwiegespalten: Einerseits schätze ich Nickels anspruchsvollen, ästhetischen Schreibstil, andererseits erschien er mir manchmal auch etwas angestaubt, altmodisch, zu umständlich, zu gewollt oder sogar prätentiös. Während mir Bergheim mit seinen Ängsten und seiner Hochsensibilität durchaus sympathisch war und gut ausgearbeitet wurde, blieb trotzdem immer eine gewisse Distanz zu ihm. Die anderen Figuren fand ich großteils sehr farblos, ungreifbar und austauschbar. Der Einstieg war noch sehr mysteriös und spannend, doch danach wurde die Geschichte verworren und verlor ihren roten Faden. Sie verlor sich dann streckenweise leider in zahlreichen Rückblenden (die einen aus dem Lesefluss reißen), hölzernen, künstlichen, uninteressanten Dialogen und in langatmigen Beschreibungen von alltäglichen Begebenheiten. Es gibt zwar durchaus einige sehr gelungene Passagen und gute Ansätze, aber insgesamt ist der Inhalt dünn, viel Potenzial wird verschenkt. Zwischendurch fragte ich mich sogar, worauf das Buch überhaupt hinauswill, was seine Botschaft ist. Auch wenn die Spannung leider über weite Teile der Geschichte nicht vorhanden war und sie sich für mich vor allem im Mittelteil sehr gezogen hat, gab es auch etwas, das mir sehr gut gefallen hat: Großartig fand ich die Horror-Elemente und die unheimliche, kafkaeske Grundstimmung der Geschichte. Ständig liegt so eine herrlich ungreifbare Bedrohung über allem. Nie weiß man, ob der Protagonist nur paranoid ist, oder ob er wirklich einer Verschwörung auf der Spur ist. Nach dem gruseligen Ende ließ mich das Buch jedoch leider mit vielen Fragezeichen und eher unbefriedigt zurück - meiner Meinung nach lohnt es sich nicht, sich durchzuquälen – denn das musste ich abschnittsweise leider tun. „Hysteria“ war für den deutschen Buchpreis nominiert, aber ich konnte damit nur wenig anfangen. Darum kann ich es euch leider nicht weiterempfehlen.  ~

Inhalt


Bei diesem Buch handelt es sich um etwas ganz Ungewöhnliches: nämlich um eine "kulinarische Dystopie", in der das Künstliche das Natürliche bereits ersetzt hat. Und die ganze Geschichte beginnt mit ungewöhnlichen Himbeeren. Die fallen Bergheim nämlich beim Einkauf auf, als er sie genauer betrachtet. Sofort beschließt er, dem Rätsel nachzugehen und landet schließlich im Kulinarischen Institut. Eine fieberhafte Suche nach der Wahrheit beginnt…

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Verlag: Piper
Seitenzahl: 240
Erzählweise: Figuraler Erzähler, Präteritum
Perspektive: männliche Perspektive (Bergheim)
Kapitellänge: kurz bis lang
Tiere im Buch: + An sich lautet das Ziel der Gesellschaft im Buch, sich möglichst wenig in die Natur einzumischen. Zusätzlich gibt es an mehreren Tagen der Woche ein Fleischverbot – hier entwickelt sich ohne Frage einiges in die richtige Richtung. Auch handelt es sich bei den „Nutztieren“ teilweise nicht mehr um „echte Tiere“ (mehr kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern). Bergheim fordert jedoch, dass die Jagd verherrlicht und der Mensch dem Tier wieder gleichgesetzt wird. Zudem verletzt sich ein Tier selbst.

Warum dieses Buch?

Dieses Buch war im letzten Jahr für den „Deutschen Buchpreis“ nominiert, was natürlich sofort mein Interesse geweckt hat. Zudem liebe ich Dystopien – und eine kulinarische Dystopie kannte ich bisher noch nicht. Ich erwartete also etwas Erfrischendes, Neuartiges – und wollte deshalb das Buch unbedingt lesen.

Meine Meinung

Einstieg (+)


"Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht." E-Book, Position 31

Die Geschichte beginnt sehr mysteriös und rätselhaft, wodurch sofort meine Neugier geweckt wurde. Dennoch fiel es mir schwer, nach den ersten, interessanten Kapiteln wirklich in die Geschichte zu finden und ganz darin einzutauchen.

Schreibstil (+/-)

Hier bin ich zwiegespalten. Einerseits schätze ich Nickels anspruchsvollen, ästhetischen Schreibstil und mochte den gelegentlichen satirischen Unterton, andererseits erschien er mir auch oft (vor allem bei den Dialogen) etwas angestaubt, altmodisch, zu umständlich oder sogar prätentiös. Das lag daran, dass es der Autor an manchen Stellen meiner Meinung nach mit den langen Schachtelsätzen übertrieben hat. Teilweise gibt es Einschübe an seltsamen Stellen, so dass ich aus dem Lesefluss geraten bin und manche Abschnitte noch einmal lesen musste. Zudem wirkte es manchmal auch ein wenig gewollt, als hätte der Autor unbedingt zeigen wollen, wie anspruchsvoll er schreiben kann – auch wenn das durch die Verwendung von manchem Fachausdruck, der nicht erklärt wurde, zulasten des Verständnisses geht. Die Beschreibungen waren manchmal sehr gut gelungen und anschaulich, an anderen Stellen musste ich mir das Geschriebene bewusst und mit Mühe vorstellen.

Inhalt, Themen, Botschaften & Ende (+/-)


„Bergheim kam der Verdacht, dass sie gar keine wirklichen Wanderer seien, sondern eine als getarnt arbeitende Spezialeinheit der Tierzüchter vom Markt, die auf der Suche nach ihm war, weil er zufällig etwas gesehen hatte, das niemand jemals zu Gesicht bekommen hätte sollen.“ E-Book, Position 221

Insgesamt hat mich „Hysteria“ leider enttäuscht, da ich mir von einer kulinarischen Dystopie einfach mehr erhofft habe – mehr Innovation, mehr Spannung, mehr Hintergrundwissen, mehr Tiefe, mehr Worldbuilding und ein erschreckenderes Zukunftsszenario. Die Geschichte hat sehr spannend und mysteriös begonnen, verliert sich dann aber streckenweise leider in zahlreichen Rückblenden (die einen aus dem Lesefluss reißen), hölzernen, uninteressanten Dialogen und in langatmigen Beschreibungen von alltäglichen Begebenheiten.

Es gibt zwar durchaus einige sehr interessante Informationen, die eingewoben werden, gute Ansätze (Kritik an der Lebensmittelindustrie, an allem Künstlichen) und gelungene Passagen, aber insgesamt ist der Inhalt dünn. Der rote Faden ging leider (wie viele andere RezensentInnen schon geschrieben haben) in der Mitte des Buches ein wenig verloren, die Handlung wirkte oft verworren und undurchsichtig. Zwischendurch fragte ich mich sogar, warum eine Szene nun wichtig war, worauf der Autor überhaupt hinauswill, was seine Botschaft und sein Inhalt sind. Insgesamt blieb mir einfach zu viel offen, es gab viele gute Ansätze, aber bei der Umsetzung wurde leider viel Potential verschenkt. Nach dem gruseligen Ende ließ mich das Buch leider mit vielen Fragezeichen und eher unbefriedigt zurück - meiner Meinung nach lohnt es sich nicht wirklich, sich „durchzuquälen“ – denn das musste ich abschnittsweise leider tun. „Hysteria“ war für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert, aber ich kann damit nur wenig anfangen. Darum kann ich es euch leider nicht weiterempfehlen.

Protagonist (+/-)

Bergheim war mir zwar in gewisser Weise sympathisch, und er erschien mir auch mit seinen zahlreichen Ängste und seiner Hochsensibilität gut ausgearbeitet, dennoch blieb immer eine gewisse Distanz zu ihm. Ich habe keinen Zugang zu ihm gefunden; ich konnte nicht richtig mitfühlen und mitfiebern, sein Schicksal berührte mich nicht.

Figuren (-!)

Die anderen Figuren fand ich hingegen, bis auf Charlotte aus der Vergangenheit, sehr farblos und blass. Man erfährt fast nichts über sie, sie bleiben absolut ungreifbar und austauschbar. Hier konnte mich der Autor leider gar nicht überzeugen.

Spannung & Atmosphäre (+/-)

Auch wenn die Spannung leider über weite Teile der Geschichte nicht vorhanden war und sie sich für mich vor allem im Mittelteil sehr gezogen hat, gab es auch einige Dinge, die mir sehr gut gefallen haben: Großartig fand ich die Horror-Elemente und die unheimliche, kafkaeske Grundstimmung der Geschichte. Ständig liegt so eine herrlich ungreifbare Bedrohung über allem. Nie weiß man, ob der Protagonist nur paranoid ist, oder ob er wirklich einer Verschwörung auf der Spur ist. Überhaupt fand ich die Handlung in der Gegenwart im kulinarischen Institut sehr atmosphärisch, spannend und gelungen. Ich wollte dieses seltsame, kunstvolle, faszinierende und kalte Gebäude erforschen und mehr über seine dunklen Geheimnisse erfahren! Leider wurde mir das verwehrt, weil die Handlung in der Vergangenheit so viel Raum einnimmt.

Feministischer Blickwinkel (+)

Hier ist mir nichts Negatives aufgefallen. Charlotte und auch Kirsten sind starke weibliche Figuren, und da Bergheim sehr sensibel ist, bricht er mit Stereotypen und repräsentiert keine toxische Maskulinität. Den Bechdel-Test besteht das Buch trotzdem nicht, da niemals zwei weibliche Figuren über etwas anderes sprechen als einen Mann.

Mein Fazit

„Hysteria“ ist ein Buch, das mich insgesamt leider enttäuscht hat, da ich mir von einer kulinarischen Dystopie einfach mehr erwartet habe – mehr Innovation, mehr Tiefe, mehr Spannung, mehr Hintergrundwissen und ein erschreckenderes Zukunftsszenario. Was den Schreibstil betrifft, bin ich zwiegespalten: Einerseits schätze ich Nickels anspruchsvollen, ästhetischen Schreibstil, andererseits erschien er mir manchmal auch etwas angestaubt, altmodisch, zu umständlich, zu gewollt oder sogar prätentiös. Während mir Bergheim mit seinen Ängsten und seiner Hochsensibilität durchaus sympathisch war und gut ausgearbeitet wurde, blieb trotzdem immer eine gewisse Distanz zu ihm. Die anderen Figuren fand ich großteils sehr farblos, ungreifbar und austauschbar. Der Einstieg war noch sehr mysteriös und spannend, doch danach wurde die Geschichte verworren und verlor ihren roten Faden. Sie verlor sich dann streckenweise leider in zahlreichen Rückblenden (die einen aus dem Lesefluss reißen), hölzernen, künstlichen, uninteressanten Dialogen und in langatmigen Beschreibungen von alltäglichen Begebenheiten. Es gibt zwar durchaus einige sehr gelungene Passagen und gute Ansätze, aber insgesamt ist der Inhalt dünn, viel Potenzial wird verschenkt. Zwischendurch fragte ich mich sogar, worauf das Buch überhaupt hinauswill, was seine Botschaft ist. Auch wenn die Spannung leider über weite Teile der Geschichte nicht vorhanden war und sie sich für mich vor allem im Mittelteil sehr gezogen hat, gab es auch etwas, das mir sehr gut gefallen hat: Großartig fand ich die Horror-Elemente und die unheimliche, kafkaeske Grundstimmung der Geschichte. Ständig liegt so eine herrlich ungreifbare Bedrohung über allem. Nie weiß man, ob der Protagonist nur paranoid ist, oder ob er wirklich einer Verschwörung auf der Spur ist. Nach dem gruseligen Ende ließ mich das Buch jedoch leider mit vielen Fragezeichen und eher unbefriedigt zurück - meiner Meinung nach lohnt es sich nicht, sich durchzuquälen – denn das musste ich abschnittsweise leider tun. „Hysteria“ war für den deutschen Buchpreis nominiert, aber ich konnte damit nur wenig anfangen. Darum kann ich es euch leider nicht weiterempfehlen.

Bewertung


Idee: 5 Sterne ♥
Inhalt, Themen, Botschaft: 2 Sterne
Umsetzung: 2,5 Sterne
Worldbuilding: 2 Sterne
Einstieg: 5 Sterne
Schreibstil: 3,5 Sterne
Protagonist: 3,5 Sterne
Figuren: 2 Sterne
Spannung: 2 Sterne
Atmosphäre: 5 Sterne ♥
Ende / Auflösung: 2,5 Sterne
Emotionale Involviertheit: 2,5 Sterne
Feministischer Blickwinkel: +/-

Insgesamt:


❀❀,5 Lilien

Dieses Buch bekommt von mir insgesamt zweieinhalb Lilien!

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

Was für eine schräge erschreckende Geschichte!
Xirxevor einem Jahr

In einer vermutlich nicht allzu fernen Zukunft hat in Deutschland (?) eine Form von Gesundheits-/Ökodiktatur Einzug gehalten incl. einer Gesundheitspolizei. Rausch- und Genussmittel wie Alkohol, Nikotin, Koffein, Tein usw. sind verboten, wurden jedoch durch scheinbar gesunde, natürlich Kräuter und Ähnliches ersetzt. Eine Gruppierung stellt die Maximalforderungen auf, nur noch Produkte zu nutzen, die die Natur 'freiwillig' zur Verfügung stellt (beispielsweise Fallobst), sämtliche Eingriffe der Zivilisationen rückgängig zu machen und in letzter Konsequenz, dass die Menschen verschwinden. In diesem Klima entwickelt sich eine Gesellschaft, die als grösstes Ziel eine nachhaltige und natürliche Lebensweise hat. Bergheim, hypersensibel, entdeckt auf einem Biomarkt allerdings Merkwürdiges, die ihn an der Natürlichkeit zweifeln lassen. Er sucht einen der Produzenten auf, der ihn an das mysteriöse Kulinarische Institut verweist, wo er bereits erwartet wird.
Es ist wohl nur ein Tag, an dem wir als Lesende den Protagonisten Bergheim begleiten. Doch die Geschichte nimmt immer wieder abrupte Wendungen, mit denen man (nicht nur) Bergheims Lebensentwicklung folgt. Trotz der stetigen Handlungssprünge entsteht eine immer düster werdende Atmosphäre, in der im Hintergrund etwas Unheimliches zu lauern scheint.
Hysteria ist ein Buch, das man sehr aufmerksam lesen muss, da Traum, Vergangenes und Gegenwart immer wieder ineinander übergehen und man so leicht die Orientierung verlieren kann. Hinzu kommt die Neigung des Autors zu langen Sätzen und seiner Liebe zum Detail, die aber vermutlich das Wissen fast aller Lesenden vergrössern wird. Oder wie viele Menschen kannten zuvor die Eigenschaften des Fadenwurms caenorhabditis elegans? Oder dass Käse aus Eselsmilch der teuerste der Welt ist? Eckhart Nickel bindet immer wieder solche Informationen ein, die derart absurd klingen, dass man sie für Produkte seiner überbordenden Phantasie halten könnte. Doch tatsächlich entsprechen sie den Tatsachen, wie beispielsweise auch der interessante Exkurs über die Papaya.
Bemerkenswert sind ebenso seine exakten, bildhaften Beschreibungen wie beispielsweise gleich zu Beginn das Essen einer Himbeere: "Der kitzelnde Flaum, der sich beim Zerdrücken der Frucht im Mund wie ein Pelz auf die Zunge legte, widerte ihn an. ... Die Härchen, die wild zwischen einzelnen Waben herausragten, schienen sich noch dazu zu bewegen, und über den zellenartigen Fruchtbällen formte sich gräulicher Schimmer, der sie fast staubig aussehen liess, wie ein dünnhäutiger Bovist."
Eine ungewöhnliche, anspruchsvolle und lesenswerte Lektüre mit düsteren Aussichten, die sich leider schon in Reichweite befinden.

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