Eckhart Nickel

 3.5 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Hysteria, Gebrauchsanweisung für Portugal und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Eckhart Nickel

Der moderne Mensch und die Vorherbestimmung: Der deutsche Autor und Journalist Eckhart Nickel wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Kunstgeschichte und Germanistik Studium in Heidelberg und New York, promovierte er über Thomas Bernhard. Viele Jahre lang arbeitete er als Buchhändler und Journalist, beispielsweise für die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine. Im Jahre 1999 ist er Mitglied des Popliterarischen Quintetts „Tristesse Royale“ gewesen. Mit seinem Erzählband "Was ich davon halte", fasste er einen Fuß in der Welt der Literatur. In den Jahren von 2004 bis 2006 war er Chefredakteur des Literaturmagazins DER FREUND und leitete diesen auch in Kathmandu mit Christian Kracht. Für seinen Roman "Hysteria" erhielt er bei dem Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2017 den Kelag-Preis. Er schaffte es außerdem auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2018.

Alle Bücher von Eckhart Nickel

Hysteria

Hysteria

 (19)
Erschienen am 04.09.2018
Gebrauchsanweisung für Portugal

Gebrauchsanweisung für Portugal

 (8)
Erschienen am 01.04.2003
Hysteria: Roman

Hysteria: Roman

 (1)
Erschienen am 04.09.2018
Vom Schönen

Vom Schönen

 (0)
Erschienen am 02.05.2019
Flaneur

Flaneur

 (0)

Neue Rezensionen zu Eckhart Nickel

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

Eine Erzählung im Gewand eines unausgegorenen Romans
GAIAvor 6 Tagen

Auf das Lesen dieses Buches habe ich mich nach Beiträgen in DIE ZEIT, bei Kulturzeit und der Besprechung im Lesenswert Quartett unglaublich gefreut. Das Buch konnte diesen Erwartungen jedoch nicht ganz gerecht werden. Noch beim Kauf und Betrachten bzw. Befühlen des Covers war ich hin und weg. Eine großartige Gestaltung. In die ersten Seiten kam ich aber dann doch schwer rein. Erst mit den Rückblenden bekam ich ein Gefühl für den Roman. Es werden sehr viele tolle Ideen, wie eine Diktatur des Natürlichen aussehen könnte und wie es dazu hat kommen können, angeschnitten, jedoch selten komplett ausgearbeitet. Anregung der Phantasie schön und gut, aber ein bisschen mehr Background dazu, welche Überlegungen den Autoren zu seinen Ansätzen gebracht haben, hätte gut getan. Das Buch ist spannend und man ahnt, dass es nicht gut ausgehen kann. Ich wurde dann aber vom Ende eher enttäuscht. Mir wirkt das gesamte Buch, als wäre es gern eine kurze Erzählung, wurde dann doch zu lang aufgrund der vielen Ideen, aber dann doch wieder für einen Roman eben nicht ausgefeilt genug. Hier muss ich Denis Scheck Recht geben: zwei- bis dreihundert Seiten mehr hätten dem Roman wirklich gut getan.

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

Ein spezielles Buch.
Buchraettinvor 23 Tagen

Ich lese gern mal die Werke von Kafka. Gern anspruchsvolle Romane, auch die, die mal eine etwas andere Geschichte erzählen, ihren Lesern fordern und mit ihren Büchern ungewöhnliche Wege bereiten.
Die ersten Seiten hier in diesem Buch weckten bei mir die Vorfreude, dass mich genau so etwas hier erwartetet. Das Ungewöhnliche, Überraschende, mal eine ganz andere Sicht auf eine Geschichte.
Die Beobachtungen der Figur, seine Eindrücke, das Ausdrücken dieser in Worten, das hat mir anfangs sehr gut gefallen. Auch die Empfindungen der Figur, im weiteren Verlauf des Buches, des Verlorenseins in diesen Gängen des Institutes, das Alptraumhafte, das fand ich sehr gut dargestellt. Aber leider zieht sich das nicht durch das Buch.
Es hängen sich anhand von Kleinigkeiten plötzlich Dinge an. Ein Auslöser scheint eine Person, eine Erinnerung zu sein und die Geschichte schweift ab und wird nun doch manchmal sehr lang über etwas ganz anderes weitererzählt und kommt dann wieder zurück zu der Hauptfigur. Es kam mir vor, als habe der Autor eine Idee gehabt und diese sich dann einfach weiterentwickeln lassen und leider kam es mir dabei manchmal zu oft zu viel von der eigentlichen Geschichte ab.

Das fand ich leider dann doch sehr anstrengend zu lesen und auch der Versuch den Gedankengängen zu folgen führte bei mir dazu, dass ich das Buch auch mal tagelang zur Seite legen musste un dann wieder zugreifen zu können.
Nun gab es durch aus wieder Szenen, die ich sehr gelungen fand, wie auch die Szenen rund um die Buchhandlung, aber dann gab es eine Art Vorlesung, die mir zu wirr erschien und einfach alles wieder auf den Kopf stellte.
Das ist so ein Buch, das denke ich entweder begeistert oder nicht gefällt. Für mich war das Lesen ein Auf und Ab. Manchmal war es skurril, gut, fantastisch, detailliert und fesselnd ungewöhnlich. Dann wieder langezogen, verwirrend, anstrengend und auch frustrierend zu lesen.
Es ist dem Autor auf jeden Fall gelungen, die Gefühlswelt des Lesers zu wecken mit diesem Buch.
Sehr gelungen fand ich das Cover und auch das kleine farblich passende Lesebändchen.
Das Buch hat etwas mit dieser ungewöhnlichen Beobachtungsgabe der Figur. Die fast skurrilen Szenen, die Assoziationen daraus, das hat mir immer wieder gefallen, aber leider war es eine Art Berg- und Talfahrt, denn dann gab es andere Szenen, die nicht fesseln konnte und einfach zu skurril erschienen.
Ein spezielles Buch.

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Rezension zu "Hysteria" von Eckhart Nickel

Natürlichkeit ad absurdum geführt
MikkaGvor 2 Monaten

Skurill, bizarr, schräg… Diese Wörter tauchen in vielen Rezensionen zu diesem Titel auf, und tatsächlich sind die Dinge in »Hysteria« alles, nur nicht normal oder natürlich. Künstlich dagegen ist hier vieles: Nahrung, Unterhaltung, Liebe.

Der hypersenible, leicht neurotische Protagonist stolpert mitten hinein in eine außergewöhnliche Dystopie, die sich Lewis Carroll, E.T.A. Hoffman und Franz Kafka bei einer gemeinsamen Tasse Tee hätten ausdenken können. Das ist hochphilosophisch bis grauenhaft – und dabei durchaus unterhaltsam.

Und alles beginnt mit merkwürdigen Himbeeren.

„Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.“

Manchmal beschleicht einen das ungute Gefühl, dass die Geschehnisse in diesem Roman gar nicht so weit hergeholt sind. Vielleicht sind wir schon auf einem Weg, der mit Analogkäse, Ersatzschinken und aus Holz gewonnenen Aromaststoffen im Erdbeerjoghurt begann und mit den merkwürdigen Himbeeren in »Hysteria« endet…?

Hoffentlich nicht – aber zum Nachdenken kann es einen dennoch anregen.

Der Terror kommt ausgerechnet aus Richtung der »Zurück zur Natur«-Ideologen in Form der machthabenden »Naturpartei«.
Nachhaltigkeit und ökologische Achtsamkeit, das sind Ideen, die zunächst nach einem gesunden, wertvollen Gegenpol zu der eben erwähnten Künstlichkeit der Gesellschaft klingen, hier aber ins Absurde überspitzt werden.

Ich schreibe diese Rezension bei einer Tasse Kaffee, und damit hätte ich in der Welt des Buches bereits gegen das Gesetz verstoßen. Ach, sogar mit dem Frühstücksbrötchen befinde ich mich quasi schon im kriminellen Untergrund:

“Nahrung darf sich der Mensch nur noch aus Resten zusammensuchen, die Pflanzen abgestoßen haben und keine Verbindung mehr zu ihrem Organismus besitzen: Fallobst, von den Knospen gelöste Blüten, Gemüse, das lose auf Feldern liegt, Streugut, lose Blätter.”

Aus »natürlich« wird dabei »natürlich künstlich« – das eine lässt sich kaum noch vom anderen unterscheiden. Hier werden Grenzen überschritten, die Dystopie bewegt sich in die Gefilde des Schauerromans – nicht nur die Himbeeren entpuppen sich als Gewächse ungeahnten Schreckens. (Achtung: ein gewisser Ekelfaktor bleibt nicht aus!)

»Orthorektisch« nennt literaturkritik.de das Buch, und das ist sehr treffend. Als »Orthorexia nervosa« wird eine Essstörung bezeichnet, bei der der Betroffene sich dermaßen obsessiv mit der Qualität der Lebensmittel, die er zu sich nimmt, beschäftigt, dass es zu massiven psychischen oder physischen Beeinträchtigungen führt.

Der Schreibstil ist oft ähnlich überdreht und surreal wie die Handlung, schwankt zwischen sprachlicher Dekadenz und glasklarer Prägnanz. Gerade deswegen erreichen Handlung und Schreibstil jedoch eine sehr wirkungsvolle Symbiose. Nur die Dialoge sind für meinen Geschmack oft zu gekünstelt – aber auch das ist ja irgendwie passend für ein Buch, in der die Grenzen zwischen Kunst und Natur verschwimmen.

Für mich ist das größte Manko das Ende, bei dem sich manche Dinge dann doch zu glatt und wohlgefällig auflösen – dennoch ist »Hysteria« im Ganzen in meinen Augen ein sehr lohnendes Buch.

Auf zu einem olfaktorischen Trip in der Aromabar.

FAZIT

»Hysteria« ist eine quietschbunte und dabei doch dystopische Satire, eine Geschichte voller unerwarteter, oft absurder Wendungen. Was sich unter der ästhetischen Hochglanzverpackung versteckt ist abgründig: eine Verschwörung, bei der der falsche Bio-Wahn grauenhafte Formen annimmt.

Der Roman spart nicht mit Gesellschaftskritik, und vieles ist bei aller überspitzter Satire nicht weit entfernt von unserer Lebenswirklichkeit.

Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
https://wordpress.mikkaliest.de/2018/11/28/deutscher-buchpreis-2018-longlist-eckhart-nickel-hysteria/

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