Edgar Feuchtwanger

 4,6 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf von Edgar Feuchtwanger

Edgar Feuchtwanger wurde 1924 in München geboren. Im Jahr 1939, mit 14 Jahren, emigrierte er mit seiner Familie nach England. Dort studierte er Geschichte an der Universität Cambridge und lehrte danach an mehreren Universitäten in England und Deutschland, u.a. in Frankfurt am Main. Edgar Feuchtwanger forschte und publizierte zur Geschichte des viktorianischen Zeitalters ebenso wie zur deutschen Zeitgeschichte. Für seine Verdienste um die deutsch-englischen Beziehungen wurde ihm 2002 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Edgar Feuchtwanger

Cover des Buches Als Hitler unser Nachbar war (ISBN: 9783827500380)

Als Hitler unser Nachbar war

 (7)
Erschienen am 14.04.2014
Cover des Buches Lion Feuchtwanger (ISBN: 9783701732975)

Lion Feuchtwanger

 (1)
Erschienen am 17.06.2014
Cover des Buches Englands deutsches Königshaus. (ISBN: 9783428128983)

Englands deutsches Königshaus.

 (0)
Erschienen am 26.03.2010
Cover des Buches Königin Viktoria und ihre Zeit (ISBN: 9783788101572)

Königin Viktoria und ihre Zeit

 (0)
Erschienen am 11.11.2004

Neue Rezensionen zu Edgar Feuchtwanger

Cover des Buches Lion Feuchtwanger (ISBN: 9783701732975)A

Rezension zu "Lion Feuchtwanger" von Andreas Heusler

Eine ausgezeichnete Biographie
Andreas_Oberendervor 2 Jahren

Unter den deutschsprachigen Schriftstellern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es nicht viele, deren Namen noch heute jenseits von Fachkreisen geläufig sind, deren Werke noch heute ein großes Lesepublikum ansprechen. Zu den Schriftstellern, bei denen dies der Fall ist, gehört unzweifelhaft Lion Feuchtwanger (1884-1958). Er ist heute nur noch als Romanautor bekannt, obgleich er seine frühen Erfolge (bis Mitte der 1920er Jahre) als Dramatiker erzielte. Besonders Feuchtwangers historische Romane sind unverwüstliche und immer wieder neu aufgelegte Klassiker der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Feuchtwanger war einer der kommerziell erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit, erst in Deutschland selbst und später auch in der Emigration. Seine Fähigkeit, ein großes internationales Publikum zu erreichen, hat dazu geführt, dass ihn die Literaturwissenschaft eher stiefmütterlich behandelt hat, gilt doch kommerzieller Erfolg seit jeher als vermeintlich sicherer Beleg für mangelnde künstlerische Qualität. Diese Geringschätzung seitens der Literaturkritik und der Wissenschaft teilt Feuchtwanger mit Stefan Zweig, dessen Leben viele verblüffende Parallelen zu dem Feuchtwangers aufweist (Herkunft aus dem vermögenden jüdischen Bürgertum; Publikumserfolge im deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus; Emigration, um nur die wichtigsten Aspekte zu nennen).

Als Feuchtwanger-Biograph steht man vor keiner leichten Aufgabe, denn der Schriftsteller geizte zeitlebens mit Stellungnahmen zu seiner Biographie und seinen Werken. Dem Münchener Historiker Andreas Heusler ist dennoch eine ausgezeichnete Biographie gelungen, die mit 300 Textseiten vergleichsweise schlank ausfällt. Man könnte über Feuchtwangers langes und ungemein produktives Leben viel dickere Bücher schreiben, aber Heusler konzentriert sich auf das Wesentliche, und er tut dies in einer Weise, dass aus Sicht des Lesers (fast) keine Wünsche offen bleiben. Allenfalls hätte Heusler Feuchtwangers umfangreiches Werk einer abschließenden Gesamtwürdigung unterziehen können. Welcher Platz dem Schriftsteller in der deutschen Literaturgeschichte zukommt, diese - sicher nicht leicht zu beantwortende - Frage lässt Heusler offen. Davon abgesehen bietet er ein farbiges, sehr gut lesbares und von erkennbarer Sympathie gegenüber dem Protagonisten getragenes Lebensbild. Heusler behandelt nicht einfach nur die wichtigsten Stationen aus Feuchtwangers Leben. Er bettet Werdegang und Schaffen des Schriftstellers in die politischen und kulturellen Zeitumstände ein. Das Münchener Kulturleben vor dem Ersten Weltkrieg, das Berliner Großstadtleben der 1920er Jahre, das Emigrantenmilieu in Frankreich und in den USA beschreibt Heusler gleichermaßen kenntnisreich. Er zeichnet ein anschauliches Bild von Feuchtwangers ambivalentem Verhältnis zu seiner jüdischen Herkunft, von seinem Privat- und Eheleben und von seiner gesellschaftlichen Vernetzung in Deutschland und im Exil. Knapp schildert er Entstehung und Inhalt der wichtigsten Werke des Schriftstellers. Er bemüht sich durchweg um kritische Distanz zu den Zeugnissen von Feuchtwangers Witwe Marta, die ab 1958 die Deutungshoheit über die Biographie ihres Mannes beanspruchte und das Feuchtwanger-Bild lange Zeit stark beeinflusste.

Bei aller Sympathie verklärt Heusler Feuchtwanger nicht zur Lichtgestalt. Auch weniger anziehende Persönlichkeitszüge (Gefallsucht; Gier nach sexuellen Eroberungen; Freude an der Zurschaustellung des - hart erarbeiteten - Wohlstandes) und unrühmliche Episoden kommen zur Sprache, etwa das Debakel der Reise in die Sowjetunion (1937), wo sich Feuchtwanger von den Inszenierungen des stalinistischen Regimes blenden und hinters Licht führen ließ. Sein Buch "Moskau 1937", die naive Huldigung an ein politisches System, dessen wahren Charakter Feuchtwanger nicht erkannte, löste international heftige Kritik aus. Es hatte überdies zur Folge, dass der Schriftsteller in den USA, wo er sich 1940 nach der abenteuerlichen Flucht aus Europa niedergelassen hatte, als Kommunist verdächtigt und observiert wurde. Allen, die Feuchtwanger trotz seiner Schwächen und Fehler als humanistisch gesinnten Menschen und Schriftsteller bewundern, der sich von der einschneidenden Zäsur des Exils nicht entmutigen und in seinem Schaffen hemmen ließ, bietet Heusler ein rundherum gelungenes und lesenswertes Lebensbild. Das Buch braucht den Vergleich mit Wilhelm von Sternburgs deutlich umfangreicherer Biographie (zuerst 1984 erschienen, kürzlich neu aufgelegt) nicht zu scheuen. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im Juli 2014 bei Amazon gepostet)

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Cover des Buches Als Hitler unser Nachbar war (ISBN: 9783827500380)Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Als Hitler unser Nachbar war" von Edgar Feuchtwanger

Der Nachbar von gegenüber
Igelmanu66vor 7 Jahren

»Sie sehen auf die andere Straßenseite, wo ein großer schwarzer Wagen angehalten hat. Ein uniformierter Chauffeur geht um das Auto herum und öffnet die Beifahrertür. Ein Mann steigt aus, er beäugt Tante Bobbie, dann den Herzog, und dann sieht er zu mir herauf. Er trägt einen kleinen schwarzen Schnurrbart, den gleichen wie Papa.«

 

München, 1929. Der fünfjährige Edgar Feuchtwanger schaut neugierig durchs Fenster auf den neuen Nachbarn, der genau gegenüber seines Hauses in der Prinzregentenstraße eingezogen ist. Edgar ist zu diesem Zeitpunkt ein glückliches Kind. Sein Vater ist Lektor des angesehenen Verlags Duncker & Humblot, seine Mutter ist Pianistin und sein Onkel Lion einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Finanzielle Sorgen hat die Familie auch nicht und so könnte alles perfekt sein – doch die Feuchtwangers sind Juden. Sie praktizieren ihre Religion zwar nicht, Edgar kann sich an jedem Weihnachtsfest über einen Baum und Geschenke freuen und hat ein katholisches Kindermädchen, aber – wie wir wissen – werden diese Dinge schon bald ohne jeden Belang sein.

 

Edgar ist nicht nur sehr zufrieden mit seinem Leben, sondern auch aufgeweckt und klug. Die Erwachsenen um ihn herum kennen tagein, tagaus nur noch ein Thema. Sie sorgen sich, mal mehr, mal weniger und sie debattieren. Anfangs noch mit einer gewissen Leichtigkeit…

»Ach! Ihr hättet Hitlers Gesicht sehen sollen, als er gesehen hat, wie wir einparkten,… Er hat uns nicht erkannt, sagt Onkel Lion. – Gott sei Dank, mein Schatz, bei dem, was du über ihn in den Zeitungen geschrieben hast, entgegnet Tante Marta.«

»Dorle erzählte sofort, Hitler habe einen falschen Namen an seiner Tür. Aber Papa wusste das schon. … Ja, ja, ich weiß, sagte mein Vater. Es ist der Name seiner Haushälterin. Er hat Angst, dass man ihn belästigen könnte. Er ist eine Memme.«

Irgendwann gibt es nur noch ernste Gespräche, in denen offen die Gefährlichkeit Hitlers diskutiert wird. Muss man sich wirklich Sorgen machen?

»Übrigens sieht er jetzt genauso aus wie die, die er neuerdings auf seine Seite ziehen will, die Kleinbürger, die Angst haben, alles zu verlieren und auf der Straße zu landen. Er sieht aus wie wir alle. Er wohnt im selben Viertel, er trägt den gleichen Anzug und er hat die gleichen musikalischen Vorlieben. Aber der Schein trügt, es ist nur eine Maske. In der Dunkelheit haben seine Leutnants weder etwas an ihren Methoden noch an ihren Zielen geändert.«

 

Der kleine Edgar hört alles, aber was davon versteht er? Zunächst nur eins: An diesem neuen Nachbarn ist irgendetwas, das den Erwachsenen um ihn herum Sorgen bereitet. In diesem Buch teilt er mit uns seine Erinnerungen aus den Jahren 1929 bis 1939. Sicher, Edgar wird älter und wird schon bald begreifen, wovon seine Eltern und Verwandten reden. Aber er geht dann auch zur Schule und dort lässt die Lehrerin ihn Hakenkreuze in sein Schulheft malen. Die Verwirrung des Kindes kann man sich leicht vorstellen. Und natürlich kann man so einem Nachbarn auch einfach mal auf der Straße begegnen…

»Er steht vor uns, unten vor seinem Haus. Wir sind stehen geblieben. Rosie rührt sich nicht mehr. Ich sehe, dass er sich ein bisschen geschnitten hat beim Rasieren, was meinem Vater auch manchmal passiert. Er hat blaue Augen. Das wusste ich nicht. Man sieht es nicht auf den Fotografien. Ich dachte, sie seien ganz schwarz. ... Er hat Haare in der Nase und auch ein paar in den Ohren. Von Nahem sieht er kleiner aus. Kleiner als mein Vater. Kleiner als Rosie. ... Er sieht mich an. Ich sollte den Blick senken. Aber ich kann nicht. Ich starre ihn an. Sollte ich ihn anlächeln? Ich bin immerhin sein Nachbar!«

 

Eine unglaubliche Geschichte ist das! Und doch ist es eine wahre Geschichte. Da lebt ein Junge 10 Jahre lang vis-à-vis mit einem Menschen, der ihn und seinesgleichen töten will. Aber natürlich wissen der Junge und seine Familie dies anfangs nicht, das Grauen und die Erkenntnis werden sich langsam immer mehr in ihr Bewusstsein schleichen. Aus heutiger Sicht, mit dem Wissen um all das, was später geschah, fragt man sich, wieso die Feuchtwangers nicht schon früh das Land verlassen haben. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass der menschliche Verstand sich lange sträubt, bestimmte Dinge auch nur für möglich zu halten.

 

Und so verfolgen wir Edgars Leben in den Folgejahren. Erleben mit, wie er zum Außenseiter in der Schule wird, wie sein ehemals bester Freund sich von ihm abwendet und wie sein geliebtes Kindermädchen von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist. Wir lesen von seinen Ängsten und Sorgen und wir sind dabei, wenn er Stück für Stück begreift, was um ihn herum geschieht und dies mal pragmatisch behandelt, mal leicht sarkastisch kommentiert. Und immer ist da dieser Nachbar, um den seine Gedanken unaufhörlich kreisen, dieser Blick aus dem Fenster…

»Hinter der Absperrung überwachen Soldaten in Habachtstellung die Mercedes-Wagen. Ich erkenne die Wachleute wieder, denn ich sehe sie ja jeden Tag, aber sie bemerken mich nicht, den kleinen unsichtbaren Juden. ... Ich stelle mir Hitlers Leben vor und frage mich, was er zum Frühstück isst. Ich sehe seinen Schatten am Fenster. Er hasst uns. Er hasst mich. Ohne überhaupt zu wissen, dass es mich gibt. … Er weiß nicht, dass ich ihn beobachte, dass ich da bin. Er hat keine Ahnung davon, dass genau ihm gegenüber in zehn Jahren ein Kind herangewachsen ist, das eines Tages Zeugnis ablegen wird.«

 

Fazit: Faszinierende Geschichte, sehr intensiv erzählt. Ich kann jeden, der an Zeitgeschichte interessiert ist, nur einladen, dieses Zeugnis zu lesen.

 

Die Erinnerungen enden im Jahr 1939. Das Nachwort beantwortet die Frage, was aus Edgar, seiner Familie und seinen Freunden geworden ist und befasst sich mit der Entstehungsgeschichte dieses Buchs.

 

»Somit schildert diese Erzählung den Prozess einer Bewusstwerdung – wenn nicht seiner eigenen Identität, so doch jener Identität, die andere ihm zu geben beschlossen hatten, das heißt vielmehr ein anderer – in diesem Fall sein Nachbar von gegenüber: Adolf Hitler.«

Kommentare: 14
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Cover des Buches Als Hitler unser Nachbar war (ISBN: 9783827500380)W

Rezension zu "Als Hitler unser Nachbar war" von Edgar Feuchtwanger

Ein beeindruckendes Lebens- und Kindheitszeugnis
WinfriedStanzickvor 8 Jahren


 

Der später nach dem Krieg unter anderem in Frankfurt Geschichte lehrende Edgar Feuchtwanger war ein Neffe des berühmten Schriftstellers und Emigranten Lion Feuchtwanger.

 

Im Jahr 1939, als er 15 Jahre alt war, emigrierte auch Edgar Feuchtwanger mit seiner Familie nach England und kehrte im Unterschied zu vielen anderen Emigranten später in das demokratisch gewordene Deutschland zurück.

 

Bertil Scali, der in der Vergangenheit schon einen Roman und eine TV-Dokumentation über die Kindheit von Edgar Feuchtwanger im nationalsozialistischen Deutschland geschrieben hat, hat diesen nun in hohem Alter noch einmal ermutigt, seine Geschichte einer zunächst behüteten bildungsbürgerlichen Kindheit in einem jüdischen Elternhaus zu erzählen, in dem sich die intellektuelle Elite der Weimarer Republik die Klinke in die Hand gab. Am Münchner Prinzregentenplatz wird der aufstrebende Hitler zeitweise der Nachbar der Feuchtwangers, was dem Buch den Titel gab, zu dem Scali nun Edgar Feuchtwanger noch einmal ermutigt und überredet hat.

 

Auf eine berührende und eindrucksvolle Weise erzählt Feuchtwanger von einer großbürgerlich - jüdischen Lebenswelt, die mit dem Holocaust für immer verloren gegangen ist. Ein Verlust, den man in Deutschland lange nicht wahrhaben wollte und der den Leser an vielen Stellen traurig stimmt.

 

Zehn Jahre in der Nachbarschaft eines Diktators, vor dem die Familie dann doch fliehen und in der Fremde überleben konnte. Nicht allen, auch nicht allen Verwandten und Bekannten der Familie Feuchtwanger war das möglich. Viele sind ermordet worden oder haben das Leid und Elend der Emigration nicht ertragen.

 

Auch daran erinnert dieses beeindruckende Lebens- und Kindheitszeugnis.

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