Edgar Hilsenrath

 4,1 Sterne bei 225 Bewertungen
Autorenbild von Edgar Hilsenrath (©Foto: Spongefeld)

Lebenslauf von Edgar Hilsenrath

Edgar Hilsenrath wurde 1926 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, wuchs in Halle auf. Vor der Reichsprogromnacht floh seine Familie mit ihm nach Rumänien. Von 1944 bis 47 lebte er in Palästina, danach floh er nach Lyon und emigrierte in den 50er Jahren nach New York, wo er sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug und seinen ersten Roman "Nacht" verfasste. Seit 1975 lebt Hilsenrath in Berlin. Seine Romane mit Themen um den Holocaust wurden weltweite Erfolge.

Alle Bücher von Edgar Hilsenrath

Cover des Buches Das Märchen vom letzten Gedanken (ISBN: 9783943334364)

Das Märchen vom letzten Gedanken

 (11)
Erschienen am 01.03.2015
Cover des Buches Nacht (ISBN: 9783943334517)

Nacht

 (10)
Erschienen am 15.03.2016
Cover des Buches Fuck America (ISBN: 9783943334029)

Fuck America

 (10)
Erschienen am 02.04.2012
Cover des Buches Jossel Wassermanns Heimkehr (ISBN: 9783423133685)

Jossel Wassermanns Heimkehr

 (5)
Erschienen am 01.09.2005
Cover des Buches Berlin ... Endstation (ISBN: 9783423137836)

Berlin ... Endstation

 (4)
Erschienen am 01.07.2009
Cover des Buches Sie trommelten mit den Fäusten den Takt (ISBN: 9783423140935)

Sie trommelten mit den Fäusten den Takt

 (1)
Erschienen am 20.03.2012
Cover des Buches Der Nazi & der Friseur (ISBN: 9783943334524)

Der Nazi & der Friseur

 (0)
Erschienen am 01.02.2020
Cover des Buches Der Nazi und der Friseur (ISBN: 9783898309325)

Der Nazi und der Friseur

 (7)
Erschienen am 02.03.2005

Neue Rezensionen zu Edgar Hilsenrath

Cover des Buches Der Nazi & der Friseur (ISBN: 9783423134415)
MonaMours avatar

Rezension zu "Der Nazi & der Friseur" von Edgar Hilsenrath

Das ungewöhnlichste Buch über den Holocaust, das ich kenne
MonaMourvor 5 Monaten

Es handelt sich um einen Roman über den SS-Mann und Massenmörder Max Schulz (phänotypisch dem "typischen Juden" gleichend), der in die Rolle seines Opfers Itzig Finkelstein (welcher wie ein "reinrassiger Arier aussieht") schlüpft und ein angesehener Bürger und Friseursalonbesitzer in Tel Aviv wird.

Tief schwarze, bitterböse Persiflage. 

Das Buch ist deftig in seiner Sprache und dabei poetisch zugleich. Ein sehr ungewöhnlicher Plot, der den/die Leser/-in bis an seine Grenzen, wenn nicht sogar darüber hinaus, bringt.

Mir ist nicht verständlich, dass dieses Buch nicht mehr Aufmerksamkeit erfahren hat. 

Und ja: der Roman von Hilsenrath polarisiert und führt sicherlich bei mancher/manchem Leser/-in zu massiver Ablehnung. Als Holocaust-Überlebender ist ihm mit diesem Buch ein kleines Meisterwerk gelungen. 



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Cover des Buches Berlin ... Endstation (ISBN: 9783423137836)
gauchos avatar

Rezension zu "Berlin ... Endstation" von Edgar Hilsenrath

Edgar Hilsenrath – "Berlin ... Endstation"
gauchovor 5 Jahren

Wer hier einen waschechten Berlin-Roman erwartet, wird einerseits enttäuscht, andererseits mit der ganzen Welt überrascht.

 

Es ist 1975. Der erfolglose jüdische Schriftsteller Joseph Leschinsky hat nach mehr als drei Jahrzehnten im Exil "die Schnauze voll" von den USA. Als Überlebender des Holocaust will er ins Land seiner Verfolger zurückkehren. Leschinsky, den alle nur Lesche nennen, hat Sehnsucht nach seiner Geliebten, der deutschen Sprache: "Ich muss sie hören, immer und überall."

 

Desillusioniert vom großen amerikanischen Traum, den Lesche ohnehin nie geträumt hat, glaubt er nur noch an sich selbst: "Als Schriftsteller mache ich überhaupt keine Kompromisse, und ich habe auch in keinem meiner Bücher irgendwelche Zugeständnisse an Dritte gemacht, weder aus finanziellen, ideologischen noch politischen Gründen." Er landet in West-Berlin und blüht schon schnell auf. Seine Romane, die von amerikanischen Verlagen abgelehnt wurden, finden hier ihr Publikum. In Literaturkneipen wie dem "Zwiebelfisch" lernt Lesche Künstler, Verleger, Literaten und Frauen kennen.

 

Von allen Seiten unterstützt, wird er jedoch beständig von seiner traumatischen Vergangenheit eingeholt. Da ist die Flucht vor den Nazis nach Polen, die Vergewaltigung des Jungen von einer alten Bäuerin und das ewige Verstecken vor dem Feind.

 

In Berlin findet Lesche aber auch endlich den so ersehnten Kontakt zu Frauen, der ihm in den USA verweigert wurde wegen seiner Mittellosigkeit. Lesche treibt es bunt, schwängert direkt eine Minderjährige und vergnügt sich gleichzeitig mit deren Mutter. Und irgendwann findet er wie beiläufig etwas Wunderbares: "Ein Leben lang waren Frauen nur Sexobjekte für ihn. Anahid war die erste, für die er etwas empfand." Die junge Armenierin lernt er auf seiner Recherchereise für sein Armenien-Epos kennen und lieben.

 

Der Leser folgt Lesche um die ganze Welt, unter anderem nach London, San Francisco und Halle. Er recherchiert, er schreibt, er trifft die unterschiedlichsten Leute und sein geplanter Rachemord an einem ehemaligen Nazi-Mitschüler löst sich in Vergebung auf. Doch nun sind ihm junge Neonazis auf den Versen. Sie schicken dem Literaten, der mit dem Thema Holocaust satirisch in seinen Texten umgeht, Drohbriefe und malen Hakenkreuze an seine Tür. Er will sich nicht mehr verstecken und wird am Ende doch noch umgebracht. Anahid stellt trauernd fest: "Schließlich haben die Enkel der alten Nazis vollbracht, was den alten Nazis nie gelungen ist."

 

"Berlin ... Endstation" ist ein flott geschriebener Roman, der mit Witz und kurzen Sätzen ein trauriges Schicksal und Glück suchendes Leben umreißt, das stellvertretend für viele steht. Eine zotige Liebeserklärung an die deutsche Sprache. Mal anstößig, oft charmant und sehr bilderreich geschildert.

 

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Cover des Buches Der Nazi & der Friseur (ISBN: 9783423134415)
dominonas avatar

Rezension zu "Der Nazi & der Friseur" von Edgar Hilsenrath

Anderer Blickwinkel
dominonavor 5 Jahren

Ja, es ist Satire und nein, ich kenne nichts in der Art. Von der SS zum Judentum - hin und wieder zurück und die Reise ist grausam verrückt. Mit guter Schreibe wird es sogar glaubhaft. Wer die Wohlgesinnten gelesen hat, wird von diesem Buch nicht so sehr überrascht sein, denke ich, aber dennoch ist es ein mutiges und gutes Buch.

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Zusätzliche Informationen

Edgar Hilsenrath wurde am 01. April 1926 in Leizig (Deutschland) geboren.

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