Edgardo Cozarinsky Bambi am Broadway

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Inhaltsangabe zu „Bambi am Broadway“ von Edgardo Cozarinsky

Einsichten ins Privatleben von Trickfilm Rehen und - Elefanten, Diktatorengattinnen, schwulen Taxifahrern und Papstmördern. Ein ebenso mondäner wie absurder Lesegenuss!

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  • Rezension zu "Bambi am Broadway" von Edgardo Cozarinsky

    Bambi am Broadway
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    08. June 2009 um 13:45

    Über mörderische Bambis, dezent ermordete Päpste, innovative Gigolos und andere absurde Bagatellen… Edgardo Cozarinsky, 1939 in Buenos Aires als Kind russischer Einwanderer geboren, nach dem Tod Juan Perons ins Exil nach Paris geflüchtet, wo er heute als Filmemacher und Autor lebt, ist ein im deutschsprachigen Raum noch relativ unbekannter Schriftsteller. An der Qualität seiner literarischen Werke kann es nicht liegen, die ist nämlich ausgezeichnet. Der Erzählungsband „Bambi am Broadway“ ist die dritte Veröffentlichung in deutscher Sprache; nach dem Erzählungsband „Die Braut aus Odessa“ und dem Roman „Man nennt mich flatterhaft und was weiß ich“. Aufgeteilt in vier Teile, „Opera buffa“ (dreiteilig), „Sommernächte in den Taxis von Buenos Aires“ (einteilig), „Sottomondo Vaticano“ (dreiteilig) und „Burundanga“ (einteilig), folgt dieser Band einer dramaturgischen Idee, die der einer absurden Opera buffa entfernt verwandt sein könnte. „Opera buffa“ beginnt mit der skurrilen Erzählung „Bambi am Broadway“, eine zuerst hübsche, wenn auch etwas surreale Liebesgeschichte („Nie werde ich vergessen, wie ich Bambi zum ersten Mal sah“) mit Eifersuchtsszenen („Nimm dich in Acht vor Dumbo. Seine Liebenswürdigkeit, dieses Schauspiel von Loyalität und Aufopferung, ist reine Fassade“), die sich jedoch bald als unter dem Mantel der Leidenschaft versteckte mörderische Machtgier entpuppt. „Hommage an unsere Kinderstars“ ist ein verstecktes Wort- und Personenspiel und „Elena Ceausescus letzte Operation“ spielt mit einer absurden „was wäre wenn“ Idee. „Sommernächte in den Taxis von Buenos Aires“ ist ein schwüles, surreales Nachtstück. Die handelnden Akteure in dem vermeintlichen Bekenntnis eines gewissen Dr. Gervasio Montenegro sind schwule Taxifahrer („Wenn er sich mit dem Fahrgast ausreichend angefreundet hat, lässt er seine Jeans herunter, rückt zur Seite, sodass seine weißen Pobacken zwischen den dunklen Vordersitzen aufblitzen, und reicht, ohne anzuhalten, die aubergine nach hinten…“) und Verbrechertypen, absurde Zeugen dieser Nacht- und Momentaufnahmen. „Sottomondo Vaticano“ entwickelt sich von „Caffè, grappa e biscotti“ über „Camomilla e sambuca“ zu „Prosecco e tramezzini“, während zwei Herren eingehend die mörderischen Seiten im Vatikan besprechen. In der abschließenden Erzählung „Burundanga“ schließt sich der mörderisch morbide Kreis in den Gedanken eines mit Giftpflanzen, Rauschgiften und Betäubungsmitteln experimentierenden, „etwas anderen“ Lebenskünstlers („Einsame Witwen, vernachlässigte Ehefrauen, unruhige alte Jungfern: Die Journalisten verfolgten mit wachsender Aufmerksamkeit die vagen, widersprüchlichen und schamhaften Erzählungen der Menschen, die im Mittelpunkt meiner Zuwendungen gestanden hatten…“). In Edgardo Cozarinskys neuem Erzählungsband ist nichts das, was es vorgibt zu sein. Der literarische Spaß Cozarinskys wird Moralisten verstören und Liebhaber einer in bester südamerikanischer Tradition stehender Prosa begeistern. Edgardo Cozarinsky fordert den Leser, seine Hinweise zu suchen und sich zu bemühen, da man das Ganze ohne die Anspielungen zu verstehen leicht als Blödsinn abtun könnte. Er riskiert viel und gewinnt noch mehr, auch wenn sich der Spaß in „Sottomondo Vaticano“ wahrscheinlich beim ersten Lesen nur den Spezialisten und Kennern aller (oder vieler) Vatikanmorde zeigen wird. Mit eine wenig Hilfe des Internets ist diese kleine Hürde jedoch relativ leicht zu schaffen. „Bambi am Broadway“ ist eine köstliche Sammlung von grotesken, absurden, schwarzen und unmoralischen Miniaturen. Leicht und spritzig serviert, trotzdem nie flach oder billig. Unterhaltung im besten Sinne des Wortes.

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