Edita Morris Die Blumen von Hiroshima.

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Inhaltsangabe zu „Die Blumen von Hiroshima.“ von Edita Morris

Ein berührendes Buch. Viel erfährt man hier, was man noch nirgendwo erfahren hat.

— sydneysider47
sydneysider47

Ein besonderer Roman und sehr "fortschrittlich" für damalige Zeiten. Lesenswert!

— Vicky209
Vicky209

Brillantes Buch, dass den Umgang mit den Opfern nach Hiroshima gut darstellt und einen Einblick in die japanische Mentalität gewährt!

— Stefan92
Stefan92
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  • Die Überlebenden von Hiroshima

    Die Blumen von Hiroshima.
    sydneysider47

    sydneysider47

    21. December 2016 um 10:36

    Im Landkreis Heilbronn gibt es mehrere öffentliche Bücherschränke. Man kann dort Bücher herausnehmen, wenn man sie lesen will - man kann aber auch eigene Bücher, die man nicht mehr braucht, dort hineinstellen, damit andere sie entnehmen und lesen können. Ich finde, dass solche Bücherschränke eine gute Idee sind. In einem dieser Bücherschränke fand ich das Buch Die Blumen von Hiroshima der schwedisch-amerikanischen Schriftstellerin Edita Morris Ich habe das Buch gelesen. Wie ich es fand, zeigt der folgende Bericht. Kurze Informationen zu diesem Buch Erscheinungsdatum in Deutschland: Februar 1961 Verlag: Süddeutscher Verlag Seitenzahl: 212 Seiten Eine ISBN-Nummer hat das Buch nicht. Mir liegt eine Sonderausgabe des "Bertelsmann-Leserings" vor - das war der Vorgängerbuchclub des heutigen "Club Bertelsmann". (Quelle: Amazon.de und folgender Link zu einer Spiegel-Ausgabe von 1961: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43159690.html) Über Edita Morris Edita Morris - geboren 1902, gestorben 1988 - war eine schwedisch-amerikanische Schriftstellerin. Außerdem war sie politisch aktiv. Sie wuchs mit ihren drei Schwestern in Stockholm auf. Noch während ihrer Kindheit verließ ihr Vater die Familie und wanderte nach Großbritannien aus. 1925 heiratete sie den amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Victor Morris. Das Paar war oft unterwegs und hatte mehrere Wohnsitze. Während des Zweiten Weltkriegs lebten sie in den USA. Edita und ihr Mann setzten sich vorwiegend gegen Atomwaffen ein und waren mit vielen Vorgehensweisen der US-Politik während des "Kalten Krieges" nicht einverstanden und versuchten, dagegen vorzugehen. Edita begann ihre Karriere als Schriftstellerin zuerst mit Kurzgeschichten, die in diversen Zeitungen erschienen. 1943 erschien ihr erster Roman, der den englischen Titel "My darling from the Lions" trug. Ihr Roman "Die Blumen von Hiroshima" machte sie weltberühmt. Sie schrieb das Buch, nachdem sie gehört hatte, was ihr Sohn Ivan Morris erlebt hatte. Er war Professor für Japanologie und als Übersetzer für die US-Marine in Hiroshima tätig. Und zwar kurz nachdem die Atombombe dort abgeworfen worden war. Von Edita Morris sind noch weitere Bücher erschienen. "Die Blumen von Hiroshima" ist aber ihr größter Erfolg - ein Buch, das in 39 Sprachen übersetzt wurde. Mit ihrem Mann, der aus wohlhabenden Kreisen kam, gründete Edita Morris in Hiroshima ein "Haus der Ruhe" für Atomkranke. Edita und ihr Mann waren beide Ehrenbürger von Hiroshima. Edita Morris starb 1988 in Frankreich, ihr Mann war bereits 1972 gestorben und ihr Sohn 1976. Nach Editas Tod wurde 1989 eine Hiroshima-Stiftung ins Leben gerufen, die sich um Frieden in Konfliktsituationen bemüht. Sie vergibt alle zwei Jahre den so genannten "Hiroshima-Preis" an Personen, die zum Dialog, zum Verständnis und Frieden in Konfliktregionen beitragen. Einige der Preisträger kann man unter folgendem Link einsehen: http://www.hiroshimafoundation.net/IePressE.asp Die Stiftung trägt den Namen "The Flowers of Hiroshima" - also "Die Blumen von Hiroshima", den Titel von Editas größtem Bucherfolg. (Quelle: Wikipedia.com und http://www.hiroshimafoundation.net/IeIndexE.asp) Die Überlebenden von Hiroshima - oder: die HandlungYuka und Fumio sind ein junges Ehepaar, das 1959 in Hiroshima lebt. Sie lieben sich, sie haben zwei Kinder und ihre Ehe wurde von einer Heiratsvermittlerin arrangiert. Sie sind arm. So freuen sie sich, als sie dem jungen Amerikaner Sam Willoughby ein Zimmer in ihrer kleinen Wohnung vermieten können. Er ist aus geschäftlichen Gründen in Hiroshima. Yuka und Fumio versuchen, dem Amerikaner gegenüber ihre Armut zu verschleiern - und ihm den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Yuka kocht für ihn, und eines Tages wird er auch in die japanische Badezeremonie eingeführt. Als Gast darf er zuerst baden - vor den Männern, Söhnen, Frauen, Töchtern. Sam merkt bald, dass die Stadt immer noch in einer gewissen Schockstarre ist - auch wenn der Atombombenabwurf bereits 14 Jahre zurückliegt. Viele Gebäude wurden neu gebaut und Hiroshima sieht an einigen Plätzen wieder schön aus. Aber auch 14 Jahre nach dem Atombombenabwurf kämpfen viele Bewohner Hiroshimas mit den Folgen. Sie wollen es nach außen hin nicht zeigen, sie sind freundlich und lächeln - aber ihr Leben hat sich zum Negativen verändert. Viele Menschen sind verstümmelt, erbkrank und unfruchtbar geworden. Sie tragen Narben, die sie nicht zeigen, wenn es möglich ist. Viele Bewohner haben nicht nur Verwandte und Freunde verloren, sondern auch ihre Existenz. Es wird erzählt von einer Frau, die einen Blumenladen hatte - er ist weg und nun lebt sie von schlecht bezahlten Tätigkeiten, um über die Runden zu kommen. Andere Menschen haben ihre Arbeit verloren und leben am Existenzminimum. Menschen, die Narben haben, weil sie durch die Atombombe schwer verletzt wurden, werden in vieler Hinsicht ausgegrenzt - behandelt wie Aussätzige. Sie dürfen beispielsweise die öffentlichen Bäder in Japan nicht mehr besuchen. So haben sich viele Japaner in Hiroshima zu Gemeinschaften zusammengeschlossen, die einmal pro Woche bei einem Mitglied der Gemeinschaft baden. Yuka und ihre Schwester Ohatsu haben durch den Atombombenabwurf ihre Eltern verloren. Ihre Mutter sprang in den Fluss Ohta, als ihr Haar schon brannte und ihr Gesicht von Ruß geschwärzt war. Das rettete ihr Leben nicht. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wirft Ohatsu jeden Tag einen Blumenstrauß in den Ohta-Fluss. Viele Menschen leiden an einer "Atomkrankheit" - auch Fumio, der immer wieder stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Er leidet - wie viele andere Einwohner von Hiroshima - an einer "Atomkrankheit", die ihn innerlich zerfrisst. Die Ärzte können die Schmerzen lindern, die Krankheit jedoch nicht aufhalten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Fumio und all die anderen Atomkranken sterben werden. Yuka verzweifelt fast, denn die Kosten für einen Krankenhausaufenthalt sind immens. Der Amerikaner Sam merkt bald, wie arm die Menschen um ihn herum sind. Er versucht zu helfen, wo es ihm möglich ist. So nimmt er einmal Yuka mit in ein Kaufhaus und kauft ihr Haarschmuck - etwas, was sie sich, aus Geldknappheit, nie gekauft hätte. Außerdem will die 17-jährige Ohatsu einen Mann, den sie liebt, heiraten. Allerdings hat sie die Rechnung ohne die Heiratsvermittlerin Nagai gemacht. Sie hatte schon Yuka und Fumio erfolgreich in die Ehe geführt und meint, dadurch auch das Recht zu haben, Ohatsu mit einem alten Mann zu verkuppeln. Denn wegen der Atomkatastrophe könnte es ja sein, dass Ohatsu erbkrank und unfruchtbar ist und deswegen auf dem Heiratsmarkt sehr wenig Chancen hat... Leseprobe Eine vom Verlag genehmigte Leseprobe kann ich im Internet nicht finden. Deswegen gibt es auch keinen Link dazu. SchreibstilDer Roman ist aus der Ich-Perspektive von Yuka im Präsens (Gegenwart) verfasst. Die Autorin wählt eine sehr blumige - also ausschmückende - Sprache. Die Sprache ist einerseits altmodisch, andererseits aber auch schön zu lesen. Yuka spricht nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Vögeln - beispielsweise mit ihrem Haustier: "Oh, Frau Dompfaff". Das erinnert mich an diverse lateinische Texte, die ich in der Schule übersetzen musste. Das klingt altmodisch und merkwürdig für mich, aber bald habe ich mich an diese "Oh-Ausrufe" gewöhnt. Fremdwörter und Fachbegriffe lese ich einige in dem Buch. Hinten gibt es ein Glossar, in dem solche japanischen Wörter ins Deutsche übersetzt sind. Man sollte beispielsweise wissen, dass das Wort "-san" für "Frau" und "Herr" steht. So ist beispielsweise "Sam-san" Herr Sam und "Yuka-san" Frau Yuka. Und "dozo" heißt "bitte". Viele Japaner bezeichnen die Amerikaner oft als "Hero-san" - also Herr Held. Auch Yuka macht das. Offensichtlich war es üblich, dass viele Amerikaner in den 1950er-Jahren die Amerikaner als Helden (das englische Wort dafür ist "hero") sahen und sie auch "Hero-san" nannten. Man merkt am Schreibstil: Yuka ist eine einfache Hausfrau und Mutter, aber ich gewinne beim Lesen den Eindruck, dass sie ein sehr liebenswerter und freundlicher Mensch ist. Sehr berührende Lektüre - oder: meine Leseerfahrung Was mich aber sofort beim Lesen packte, waren die Beschreibungen der Menschen und Situationen. Klar hatte ich schon vom Atombombenabwurf über Hiroshima, der 1945 stattfand, gelesen und im Geschichtsunterricht gehört. Ich war schockiert darüber und fragte mich oft: "Wie kann man so etwas Schreckliches Menschen antun?" Diese Frage wird verstärkt durch die Lektüre dieses Buches. Und - nachdem ich mich jetzt mit der Biographie der Autorin Edita Morris und ihrer Stiftung eingehend befasst habe -, merke ich, dass ich ein ganz wichtiges Buch gelesen habe - ein Buch, das zu einem Klassiker der Weltliteratur werden sollte. Schade, dass dieses Buch nur noch gebraucht erhältlich ist und nicht neu aufgelegt wurde. Ich finde es großartig, welche Wirkung dieses Buch für das Leben der Autorin und für die Menschen in Hiroshima hatte. Das Buch wurde veröffentlicht, es wurde gelesen. In der Konsequenz wuchs der Wunsch, sich in Hiroshima zu engagieren. Das wurde von den Menschen dort äußerst positiv aufgefasst - und sie würdigen es heute noch. Ich lese im Buch "Die Blumen von Hiroshima" über das Leben in dieser Stadt wenige Jahre nach dem Atombombenabwurf, und es erschüttert mich. Sam, Yuka und Fumio sind sympathisch - ihr Schicksal berührt mich. Sie sind höflich und versuchen, nie zu zeigen, wie schlecht es ihnen geht - wie sehr sie noch leiden unter den Folgen des Atombombenabwurfs. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Bei der Lektüre hoffe ich auch, dass Ohatsu den Mann, den sie liebt, heiraten kann - und nicht irgendeinen "alten Knacker", den sie nicht liebt und den ihr eine Heiratsvermittlerin aufschwatzen will. Ich bekomme einiges von Japans Traditionen mit. So ist es beispielsweise üblich, dass sich vor einer geplanten Heirat die Familien von Braut und Bräutigam treffen - und die Braut die Familie des Bräutigams um Erlaubnis bittet, diesen Mann heiraten zu dürfen. Ich habe vor der Lektüre des Buches vieles über Hiroshima nicht gewusst. Beispielsweise, dass viele Einwohner Hiroshimas wie Aussätzige behandelt wurden. Das sind aber auch Tatsachen, über die man in der Schule und anderswo nicht gesprochen hat. Die Autorin hat solche Ereignisse zuerst nur von ihrem Sohn gehört. Menschen, Schicksale und eine Stadt, die Schlimmes erlebt hat - all das bringt mich zum Nachdenken, packt mich beim Lesen und schafft es, dass ich dieses kleine Buch innerhalb weniger Stunden gelesen habe. Ganz zum Schluss gibt es noch ein Nachwort des Publizisten und Zukunftsforschers Robert Jungk. Unter der Überschrift "Das Haus am Fluss" würdigt er "das Haus der Ruhe", das Edita Morris und ihr Mann 1957 in Hiroshima eröffneten. Hier sollen Atomkranke/Strahlenverseuchte aufgenommen werden. Sie tauschen Erinnerungen aus - aber es herrscht auch Fröhlichkeit in dem Haus. Außer dem Ehepaar Morris haben noch einige andere Menschen viel für Hiroshima getan, um den Menschen dort zu helfen. Einige von ihnen werden namentlich genannt. Nicht nur der Inhalt von "Die Blumen von Hiroshima" ist berührend - auch die Ausstattung des Buches ist gelungen. Vor jedem Beginn eines Kapitels sehe ich eine Schwarz-Weiß-Zeichnung und japanische Schriftzeichen - die ich natürlich nicht entziffern kann. Aber schön sehen sie aus... Mein Fazit Interessant, welche literarischen Schätze man in öffentlichen Bücherschränken finden kann! Ohne solch einen Bücherschrank wäre ich auf das Buch "Die Blumen von Hiroshima" von Edita Morris nie aufmerksam geworden - und hätte es mir nie zum Lesen mitgenommen. Es schildert das Leben einiger Überlebender des Atombombenabwurfs von Hiroshima. Sie versuchen, gegenüber einem Amerikaner, der geschäftlich in der Stadt ist, eine Art "heile Welt" vorzuspiegeln, was ihnen nicht immer gelingt. Von mir bekommt dieses berührende und erschütternde Buch fünf Sterne und eine Leseempfehlung. P.S.: In ähnlicher Form habe ich diese Rezension bereits bei Ciao.de veröffentlicht.

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