Edlef Köppen

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Autor von Heeresbericht, Heeresbericht und weiteren Büchern.

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Heeresbericht

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Neu erschienen am 21.09.2018 als Taschenbuch bei Regenbrecht Verlag UG (haftungsbeschränkt).

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Heeresbericht

Heeresbericht

 (20)
Erschienen am 21.09.2018
Heeresbericht (2. Teil, 7. Kap.)

Heeresbericht (2. Teil, 7. Kap.)

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Erschienen am 29.05.2014
Heeresbericht

Heeresbericht

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Erschienen am 01.03.2012
Der Heeresbericht 14-18 von Edlef Köppen

Der Heeresbericht 14-18 von Edlef Köppen

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Erschienen am 01.02.2014

Neue Rezensionen zu Edlef Köppen

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Rezension zu "Heeresbericht" von Edlef Köppen

Trockener Kriegsbericht
NiWavor 7 Monaten

Erster Weltkrieg. Adolf Reisiger meldet sich als Kriegsfreiwilliger. Anfangs noch begeistert, kommen ihm immer mehr Zweifel, ob der Krieg in Europa tatsächlich sinnvoll ist.

"Heeresbericht" wurde in den 1930er-Jahren veröffentlicht und schildert damit das Kriegsgeschehen um den Ersten Weltkrieg zeitnah und gefühlt aus erster Hand.

Adolf Reisiger war einmal Student und ist jetzt Soldat. Trocken berichtet er vom Erlebten, angefangen von der Grundausbildung bis zum Schützengraben.

Dabei ist Reisiger mit unverschämten Glück gesegnet. Je tiefer er im Kriegsgeschehen steckt, desto unverwundbarer scheint er zu sein. Links und rechts von ihm fallen die Kameraden, werden verwundet und regelrecht verstümmelt, während er selbst mit heiler Haut aus dem Gemetzel tritt. Jedoch empfindet Reisiger es zunehmend als Strafe, verschont zu bleiben. Wäre er nur tot, denn dann ist der Krieg für ihn vorbei.

Als Leser wird man an die Seite Reisigers gestellt und erlebt mit ihm den Krieg aus erster Hand. Angefangen von blutigen Kampfsituationen, langen Märschen, strategischem Planen, langweiligem Verharren, erbärmlichen Frieren, bohrendem Hunger und scherzenden Kameraden - es ist alles dabei!

Meiner Meinung nach bekommt man dadurch einen recht authentischen Eindruck vom Krieg. Es gibt etliche Szenen, in denen Reisiger um einen Kameraden oder Vorgesetzten beraubt wird. Meist tut er das mit einem "So ist der Krieg" oder "C'est la guerre" ab und wendet sich seinen Aufgaben zu. Je länger es dauert, desto mehr nagt dieses Leben an ihm und raubt ihm zusehends den Verstand. Grad, dass er keinen hysterischen Lachanfall bekommt, weil er nur mehr den Kopf seines Vorgesetzten sieht ...

Zwischendrin sind Zeitungsartikel, Rundfunkmeldungen oder Briefe von der Front einmontiert, was dem Gesamtgeschehen Ausdruck verleiht. Weniger gefallen haben mir Lieder, die im Hörbuch gesungen werden. Das ist zwar gut umgesetzt, aber absolut nicht meins.

Ich habe Reisigers Bericht meistens als sehr trocken empfunden, was wohl dem Naturell des Geschehens entspricht. Es ist ja kein Abenteuerroman sondern der Autor war damals selbst dabei und hat an der Figur des Kriegsgefreiten Reisiger seine Erlebnisse verarbeitet.

Besonders gut kommt eine gewisse Fassungslosigkeit zur Geltung, die sich zwischen den Soldaten breit macht. Es wird ihnen nach und nach bewusst, wie unsinnig der Krieg ist, was das zu bedeuten hat und dass es keinem höheren Zweck dienen kann.

Obwohl dieses Werk auf mich sehr authentisch wirkt und durch Zeitdokumente untermalt wird, kommt es meiner Meinung nach an „Im Westen nichts Neues“ nicht ran. Wer sich für den Ersten Weltkrieg interessiert, der sollte zuerst zu Remarques Klassiker greifen, weil er meiner Meinung nach mehr Gefühl für das Geschehen vermitteln kann.

Nichtsdestotrotz ist „Heeresbericht“ ein interessantes Stück Zeitgeschichte, das durch das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg führt und schon allein deshalb empfehlenswert ist. 

Kommentare: 7
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VeraPestels avatar

Rezension zu "Heeresbericht" von Edlef Köppen

Dem Krieg so unglaublich nah
VeraPestelvor 4 Jahren

8 255 534. Damit endet der Roman. Eine unvorstellbare Zahl. Im Roman ausgeschrieben. Das sind die Menschen, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Er zählt auf, wie viele Deutsche unter ihnen waren, wie viele Franzosen, Amerikaner, Engländer usw. Wer hat die Toten gezählt, die Soldaten, die Zivilisten, die Menschen von nebenan, die plötzlich nicht mehr da waren? Mütter und Väter verloren ihre Söhne, Frauen ihre Männer, Kinder ihre Eltern. Und das oftmals freiwillig. Sie gingen freiwillig in den Krieg. Wie Edlef Köppen. Als er zurückkehrte, schrieb er seine Erlebnisse auf. Im Roman heißt er Adolf Reisiger.

Adolf Reisiger zieht in den Krieg. Er hält es für notwendig, seinem Vaterland zu dienen. Wer sich drückt, gilt als Feigling. An die Westfront wird er geschickt, liegt im Schützengraben und fragt sich, wo der Krieg ist, wo der Feind ist. Was bedeutet eigentlich Krieg? Er lernt ihn kennen, als die ersten Kameraden neben ihm sterben, er selbst verwundet und später sogar einmal verschüttet wird. Er erlebt das Grauen und wird nicht von der Vorstellung geheilt, dass Krieg „normal" ist, dass Krieg eine Sache ist, die getan werden muss. Es wird nicht klar, ob Reisiger überhaupt weiß, wie es so weit kommen konnte. Die politischen Verstrickungen sind nicht Gegenstand des Buches, es sind die menschlichen Schicksale. Der Tod wird zum Alltag, die Menschen werden zum Material, das nach Belieben eingesetzt wird. Wie verarbeiten die Soldaten das Erlebte? Es wird nicht so recht klar. Köppen schreibt: „Ein Soldat redet nicht über das, was ihm befohlen ist." Von der Westfront wird Reisiger abkommandiert an die russische Front. Dort bleibt er nicht lange. Waffenstillstand. Für Soldaten gibt es nichts zu tun. Deshalb werden sie zurück nach Frankreich abkommandiert, dort soll etwas los sein. Reisiger schreibt Tagebuch und fragt sich immer öfter, wozu das Morden gut sein soll. Er schreibt zwei Gedichte, die in einer Zeitung veröffentlicht werden und sich kritisch mit dem Krieg auseinandersetzen. Er benutzt deutliche Worte. „..., dass ich den Krieg allmählich für die größte Sauerei halte, die es gibt." Das stößt auf Unmut bei den Vorgesetzten. Er wird strafversetzt und muss Schreibtischarbeiten verrichten, was ihm nicht zusagt. Er hadert mit dem Krieg, möchte aber nicht fern von ihm sein. Dann wird er befördert, soll dadurch von der Sache überzeugt werden, und wird nach Frankreich geschickt, wo die letzte Schlacht für ihn stattfindet, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges. Diese Schlacht erweist sich als besonders zäh, sie kann nicht mehr gewonnen werden.

Edlef Köppen erzählt aus den Schützengräben. Das ist sein Schauplatz, sein Leben für viele Jahre. Man könnte meinen, dass diese Sichtweise auf ca. 300 Seiten (E-Book) irgendwann langweilig wird. Wird sie nicht. Er erzählt detailliert von den Schwierigkeiten im Schützengraben, von der Unsicherheit, der Angst. Seine Erzählkunst lässt uns weiterlesen, Schlachtszenen erleben wir atemlos, seine Worte bringen uns immer dichter heran, seine Figuren leben, sind menschlich und verdammt. Es gibt immer neue Aspekte und Nuancen des Grauens und der Sinnlosigkeit.
Krieg in diesem Sinne ist für uns heute unvorstellbar, im Schützengraben, im Dreck, verlaust und hungrig, stinkend, es war ein Krieg mit einfachen Mitteln. Krieg passiert heute anders und überall, er ist mit den modernen Mitteln manchmal fast lautlos geworden. Die klassischen Schlachtfelder haben sich gewandelt. Gekämpft wird heute nicht nur mit der Waffe in der Hand, Soldaten sitzen am Computer und können Menschen mit Drohnen umbringen, Staaten und Geheimdienste überwachen uns, sammeln unsere Lebensdaten, Kameras hängen an vielen Orten. NSA ist auch Krieg. Das einfache Leben ist eine Illusion geworden. Krieg ist mittlerweile immer. Krieg ist Kampf. Krieg braucht einen Gegner. Und der lauert überall. Wir laufen glücklich und unwissend auf dünnem Eis. Wer weiß, wie oft wir uns am Rande einer Katastrophe befinden? Man sagt es uns nicht. Ruhe und Frieden herrschen niemals. Köppen zeigt uns einen rudimentären Krieg, der noch nicht live geführt wurde. Heute ist Krieg viel perfider und hat weniger Erdgeruch. Der Geruch ist aber unbedingt notwendig, damit wir uns ins Gedächtnis rufen, wovon wir reden, wenn wir über Krieg reden, oder von ihm hören. Im Schützengraben war es etwas übersichtlicher.

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BertieWoosters avatar

Rezension zu "Heeresbericht" von Edlef Köppen

Rezension zu "Heeresbericht" von Edlef Köppen
BertieWoostervor 8 Jahren

Ein Buch das nachdenklich macht. Es erzählt die Geschichte des Kriegsfreiwilligen Adolf Reisiger während des 1. Weltkrieges. Wie viele wollte er ganz euphorisch schnell den Krieg gewinnen. Als junger Mann kommt er vielleicht auch etwas naiv an die Front. Schnell lernt er jedoch die Schrecken des Krieges kennen. Die ersten Toten hält er anfangs noch für schlafende Soldaten. Im Laufe des Krieges nimmt das Grauen jedoch immer mehr zu. Von Trommelfeuer bis zu Gaskrieg bekommt er alles mit. Während neben ihm alle sterben bleibt er wie durch Zufall am Leben. Aber auch dies kann einen psychologisch beeinträchtigen. Wie gelingt es in dieser Hölle zu überleben? Der Mensch wird zur Maschine, der nur dem Befehl gehorcht. Der Mensch nimmt den Tod seiner Kameraden nur noch zur Kenntnis. Aber je länger der Krieg dauert, desto öfter beginnt Reisiger nach dem Sinn des Krieges nachzudenken. Denken ist jedoch bei der Heeresleitung unerwünscht. Genauso wie kritische Briefe in die Heimat.
Den autobiographischen Inhalt unterstützt der Autor durch eine ausdrucksvolle Sprache. Ruhige Passagen, z.B. in der Etappe oder im Lazarett, wechseln mit einer fast stakkatohaften Sprache ab, die der Autor bei den Fronterlebnissen einsetzt, wenn er z.B. um sein Leben rennen muss, um dem feindlichen Feuer zu entgehen. Die Sätze erscheinen wie die Gedanken, die Reisiger in dieser Hölle durch den Kopf jagen. Es werden jedoch auch die Absurditäten des Krieges geschildert, so z.B. als er in einem anscheinend friedlich daliegenden französischen Dorf einkaufen fährt und zwei Straßen weiter alles zerbombt ist.
Den besonderen Reiz machen jedoch die Dokumente auch, die der Autor immer wieder einstreut. Die Presseverlautbarungen der Heeresleitung und die Reden der Politiker zeigen den Gegensatz zu den persönlichen Erlebnissen der Soldaten. Es zeigt mit welcher Menschenverachtung und Zynismus die militärische Führung die Soldaten in sinnlosen Materialschlachten verheizt. Der Mensch selbst wird selbst zum Menschenmaterial. Als 1915 einige einigermaßen vernünftige obere Militärs einsehen, dass der Krieg nur noch mehr Tote fordern wird, aber nicht mehr zu gewinnen ist, werden diese abgelöst und durch die Kriegstreiber Ludendorff und Hindenburg abgelöst.
Auch wenn sich vielleicht die Kriegsführung geändert haben sollte, lehrt dieses Buch, dass man offiziellen Stellungnahmen zum Kriegsverlauf äußerst skeptisch gegenüberstehen sollte. Dies gilt auch für manche Kriegsberichterstattung, die oft genug von den Militärs gesteuert wird.

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Gespräche aus der Community

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Matzbachs avatar

Anlässlich des Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs plane ich, noch einmal den Roman "Heeresbericht" von Edlef Köppen zu lesen. Im Gegensatz zu Remarques "Im Westen nichts Neues" hat Köppen den Krieg aus eigener Erfahrung geschildert.

Gibt es Mitstreiter, die ebenfalls Interesse an der Lektüre haben? Für diesen Fall würde ich eine Leserunde gestalten.

Das Buch ist derzeit in einer gebundenen Ausgabe für 8,99 € erhältlich.

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