Edmund Crispin

 3.8 Sterne bei 52 Bewertungen
Autor von Der wandernde Spielzeugladen, Mord vor der Premiere und weiteren Büchern.

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Der wandernde Spielzeugladen

Der wandernde Spielzeugladen

 (14)
Erschienen am 01.01.2003
Mord vor der Premiere

Mord vor der Premiere

 (9)
Erschienen am 01.01.1999
Der Mond bricht durch die Wolken

Der Mond bricht durch die Wolken

 (3)
Erschienen am 01.01.1988
... vorm Tor der Leichenwagen

... vorm Tor der Leichenwagen

 (0)
Erschienen am 01.01.1958

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Rezension zu "Mord vor der Premiere" von Edmund Crispin

Ein taufrischer Klassiker
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Oxford, ausgerechnet Oxford ... Just in der Provinz, in die schon die Anreise extrem mühsam ausfällt, wird der bekannte Regisseur Robert Warner sein neues Stück uraufführen. Im von Bombenangriffen geplagten London ist man anno 1940 vorsichtig geworden und mag nicht mehr jede Produktion annehmen. Zu den Anreisenden gehört Yseut Haskell, eine schöne, aber intrigante Schauspielerin. Für die kleine Bühne betrachtet sie sich hochnäsig als zu gut, konnte es aber mangels Alternativen nicht ausschlagen, im Stück ihres ehemaligen Geliebten trotz allem eine Rolle anzunehmen. Yseuts total nette Schwester Helen und der eigentliche Kassenmagnet Rachel West sind um Längen besser. Yseut wird der Truppe -wie gehabt- das Leben schwer machen. So sehr, dass es einem irgendwann reicht und sie erschossen im College aufgefunden wird.

Verdächtige gibt es bei so einem Todefall dann also genug; wäre da nicht das clevere Arrangement, das von der Polizei als Selbstmord interpretiert wird. Gervase Fen, Professor für Englische Sprache und Literatur, war nur wenige Minuten nach dem Vorfall am Tatort und findet die Arbeit der Polizei eher dürftig. Fast augenblicklich hat er einen Verdacht und beginnt, gegen die offizielle Sicht der Polizei zu ermitteln. Dabei könnte es so einfach sein; nachdem Sir Richard alle Varianten des Ablaufs als unmöglich ausgeschlossen hat, fasst der ermittelnde Inspektor zusammen: " 'Der einzige Schluss, der sich ziehen lässt ist, [...] ist der, dass es gar nicht passiert ist.' Er erinnerte sich plötzlich an seine Schulzeit und fügte hinzu: 'Quia absurdum est.' "

Von Crispin muss man eigentlich nur ein Buch lesen und der Mann hat einen am Haken. Ein britischer Krimi at its best mit allen Zutaten, die den Klassiker ausmachen: Ein perfektes Rätsel, freche Dialoge, spöttische Seitenhiebe. Und ein nettes Sortiment an Verdächtigen, verführerisch gut überzeichnet ein jeder, sodass man den Mord mal der liebreizenden Helen mangels Alibi andichten mag, mal dem schwer verliebten Jüngling aus verschmähter Liebe. Gervase Fen posaunt immer wieder heraus, dass eigentlich nur einer als Täter in Frage kommt und foppt seinen Freund und Journalisten Nigel Blake am laufenden Band damit, dass dieser die so einfache Lösung nicht erkennen kann.

Fens guter Freund ist Sir Richard Freeman, Chief Constable von Oxford. Ein herrliches literarisches Gespann: "Sir Richards größtes Interesse lag in der englischen Literatur und Fens bei der Arbeit der Polizei. Sie konnten stundenlang zusammensitzen und phantastische Theorien über die Arbeit des anderen ausarbeiten, wobei sie einen feinen Spott für die Kompetenz des Gegenübers entwickelten." So, wie Fen die Arbeit der Polizei zerpflückt und bereits den einen oder anderen Mord erfolgreich aufklären konnte, so intensiv befasst sich Sir Richard mit Fens Fachbuch über "Mindere Satiriker des XVIII. Jahrhunderts" und spart Fen gegenüber keineswegs mit Kritik. Nicht zuletzt hat sich Sir Richard unter die Autoren begeben und selbst drei Werke zu literarischen Themen veröffentlicht.

Überhaupt steckt das Buch voller Querverweise, die den eigentlichen Beruf des Autoren deutlich durchblicken lassen (darunter Studium der modernen Sprachen, Organist und Krimi-Kritiker). Die Bücher, die in den Händen der Protagonisten auftauchen, sind samt und sonders real und Robert Warners Theaterstück lässt sich auf einen Schlagabtausch von Voltaire mit einer Briefe schreibenden Bewunderin zurückführen. Wer sich nicht direkt zum zweiten Band von Gervase Fen begibt, wird möglicherweise von Titeln abgelenkt wie "Keine Orchideen für Miss Blandish" von James Hadley Chase (über das der Spiegel 1947 schrieb, es sei eines jener Bücher, wie sie in jeder Generation nur einmal oder zweimal geschrieben würden, eine Sensation auf dem Büchermarkt.).

Möchte mann Klappentext-Bingo spielen, könnte man es viellleicht damit probieren: "Wer Charlotte Macleod schätzt, wird Edmund Crispin lieben."

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R

Rezension zu "Der wandernde Spielzeugladen" von Edmund Crispin

Rezension zu "Der wandernde Spielzeugladen" von Edmund Crispin
R-E-Rvor 6 Jahren

Der Dichter Richard Cadogan findet die Leiche einer älteren Dame. Der, lebensmüde Lyriker befindet sich auf Reisen in Oxford und entdeckt die Tote in einem verlassenen Spielzeugladen, in den er auf der Suche nach einer Schlafgelegenheit des Nachts einfach eingestiegen ist. Als am kommenden Morgen sowohl die Leiche als auch der Laden verschwunden sind und die Polizei ihn für einen Geisteskranken hält, schaltet der verzweifelte Mann seinen ehemaligen Kommilitonen Gervase Fen ein. Zusammen gehen die beiden auf die Suche nach der verschwundenen Leiche und deren Geheimnis.

Als Fan englischer Kriminalliteratur bin ich immer auf der Suche nach Autoren, die ich noch nicht kenne. In diesem Zusammenhang bin ich in dem Bildband “England und die Detektive” von Luise Berg-Ehlers auf Edmund Crispin gestoßen, einen britischen Chorleiter und Organisten aus dem vergangenen Jahrhundert. Neben seiner Tätigkeit als Komponist schrieb er auch Kriminalromane. Seine Serie um den Oxforder Literaturprofessor Gervase Fen zählt zu den Klassikern des Genres.

Sprachlich wirkt der Roman heute antiquiert. “Der wandernde Spielzeugladen” erschien erstmalig 1946 und spielt im Jahr 1938. Inhalt und Sprache versprühen aber einen heute noch wirksamen nostalgischen Charme und eine geradezu rührende Unschuld. Wenn, beispielsweise ein junger Mann mit “melancholischem Blick” die Frauen reihenweise mit Pralinen betört. Generell kann man auch anhand der verwendeten Adjektive herausfinden, welche Gesinnung eine Figur hat. Im guten sind diese freundlich, bescheiden, rotwangig, groß und glattrasiert oder wie im Falle der weiblichen Heldin wohlproportioniert, gelenkig, mit einem in natürlichem Gold schimmernden Haar und großen, ehrlichen, blauen Augen. Schurken dagegen sind kraftlos, hager, haben die Zähne eines Nagetiers, rot unterlaufene Augen oder eine flache Stirn. Man weiß sofort mit wem man es zu tun hat.

Die literarischen Anspielungen dagegen sind wesentlich anspruchsvoller und heben die ohnehin eher skurrile Verbrecherjagd auf eine vergeistigte Ebene mit humorvollem Hintergrund. Da erörtert der Polizeipräsident kurz einmal die Sinnfrage von Shakespeares “Maß für Maß” und für die zu Hilfsdiensten abkommandierten Studenten muss T. S. Eliot als Erkennungssymbol herhalten. Die Limericks des großen Nonsens Dichters Edward Lear dienen schließlich als Schlüssel zur Lösung des Falles der, ein wenig Dramatik am Ende, auf einem außer Kontrolle geratenen Karussell endet.

Luise Berg-Ehlers schreibt in ihrem oben genannten Buch folgendermaßen: “Gervase Fen nimmt sich und seine Tätigkeit als Detektiv ziemlich ernst - sofern er sich nicht gerade über beides lustig macht; Edmund Crispin, der Autor, nimmt hingegen weder Fen noch dessen Ermittlungen und schon gar nicht das Genre “Detektivroman” ernst. Ihm kommt es weniger darauf an, Spannung zu erzeugen, vielmehr möchte er dem Leser Spaß beim Aufspüren von Bösewichtern bereiten.”

Dieser Beurteilung stimme ich zu. Allerdings hatte ich beim vorliegenden Fall nicht wirklich Spaß beim Lesen, denn das völlige Fehlen der Spannung gleichen die literarischen Finnessen nun einmal nicht aus. Dann lieber, wenn man in der guten alten Krimiliteratur bleiben möchte, einen Lord Peter Wimsey Roman von Dorothy Sayers. Da findet man literarischen Anspruch, Humor und Spannung.

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Rezension zu "Liebe stirbt zuerst" von Edmund Crispin

Rezension zu "Liebe stirbt zuerst" von Edmund Crispin
Duffyvor 7 Jahren

Ein Internat oder eine Universität sind in der englischen Kriminalliteratur beliebte Schauplätze. So spielt auch Crispins Roman vor dem Hintergrund einer Schulfeier eines Internats. Das Verschwinden einer Schülerin, der Mord an zwei Lehrern, sowie ein weiterer an einer scheinbar unbeteiligten alten Dame hängen zusammen und weisen darauf hin, dass ein verschollenes Manuskript von Shakespeare die Ursache für das Ableben dieser Menschen sein könnte. Auch diesmal ermittelt der Oxford-Professor Gervase Fen, der auf der Feier eigentlich nur ein paar Preise vergeben sollte.
Man kann Crispin natürlich ein wenig mit Agatha Christie vergleichen, denn sein Ermittler ist als solcher von hoher Brillianz beim Schlussfolgern. Wenn auch Crispin mehr Wert auf Handlung und Interaktion legt. Zudem sind seine Fälle zwar logisch, aber sehr verschlungen und teilweise kompliziert konstruiert. So kann es manchmal zu Längen kommen und der Spannungsbogen bleibt auf einem Level. Trotzdem fundiertes Krimihandwerk.

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Edmund Crispin wurde am 02. Oktober 1921 in Chesham Bois (Großbritannien) geboren.

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