Edney Silvestre

 4.1 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Der stumme Zeuge, Der letzte Tag der Unschuld und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Edney Silvestre

Der stumme Zeuge

Der stumme Zeuge

 (8)
Erschienen am 18.09.2017
Der letzte Tag der Unschuld

Der letzte Tag der Unschuld

 (6)
Erschienen am 20.04.2015
If I Close My Eyes Now

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 (0)
Erschienen am 09.05.2013

Neue Rezensionen zu Edney Silvestre

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Rezension zu "Der letzte Tag der Unschuld" von Edney Silvestre

Brasilianische Freundschaften, die auch einen Mord aushalten
Buecherspiegelvor einem Jahr

„Der letzte Tag der Unschuld“, so lautet der Titel des Kriminalromans von Edney Silvestre. Es ist mein erster Krimi, der in Brasilien spielt, mein erster brasilianischer Autor. Ich muss sagen, er hat mich restlos überzeugt.

Die Geschichte zweier Jungs, die nach der Schule an „ihrem“ See eine furchtbar zugerichtete junge Frau auffinden, deren Tod noch nicht so lange her sein kann, beendet mit einem Schlag ihre Kindheit. Eduardo ist der feingliedrige, feingeistige, Paulo der wilde, ungestüme. Beide ergänzen einander, helfen, wo es geht. Es ist der Tag, an dem ein Juri Gagarin die Welt von oben sieht, als sie die Leiche finden. Die Polizei glaubt ihnen nicht, dass sie sie nur gefunden haben, sie sollen gefälligst gestehen. Doch kurz darauf gesteht bereits der Ehemann, ein sehr viel älterer Herr, von dem die Jungs glauben, dass er es unmöglich gewesen sein kann. Er ist zu alt, zu schmal, zu klein, um diese Tat begangen zu haben. Und so versuchen sie herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Als sie ins Haus des Ehemanns eindringen, einem Zahnarzt, müssen sie feststellen, dass sie nicht die einzigen sind, die das Rätsel lösen wollen. Ubiratan, der Alte, ist ebenfalls an dieser Geschichte interessiert. Gemeinsam versuchen sie nun dahinterzukommen, warum die junge Frau sterben musste. Die verschiedene Namen benutzte, im Waisenhaus aufwuchs, einen viel älteren Mann heiratete und als Nutte im Ort bekannt war. Auf dem Weg zur Wahrheit werden sie oft ausgebremst, den Machthabern ist es nicht recht, dass sie nun zu Dritt herumschnüffeln. Das hält sie nicht ab, im Gegenteil.

Der Autor versteht es meisterlich, seine Dialoge zwischen den Protagonisten so zu gestalten, dass man versucht ist zu sagen, nun hört euch doch mal gegenseitig zu! Wie im wahren Leben, wird ständig aneinander vorbei geredet, hoffnungslos kommt es einem vor, wenn Paulo und Eduardo dem Alten dringend etwas erklären wollen, er aber bereits einen Schritt weiter ist. Doch Ubiratan hört sehr gut zu, zieht seine Schlüsse und will die Jungs nur schützen, damit sie nicht unter die sprichwörtlichen Räder der Intriganten kommen.

Die Freundschaft zwischen den ungleichen Jungs kann das alles nicht erschüttern, auch nicht die Schläge des brutalen Vaters von Paulo, oder die überaus ängstlich agierende Mutter von Eduardo. Silvestre beschreibt diese für beide Seiten fruchtbare und prägende Freundschaft mit der gegenseitigen Unterstützung; es gefällt Eduardo seinem Freund schwierige Worte zu erklären, die dieser sich immer auf einem Zettel notiert.

Je näher Ubiratan der Lösung kommt, lässt der Autor aber auch seinen Protagonisten sich selbst erkennen. Der Alte erschrickt vor sich, vor seinen eigenen Taten, zu was er selbst fähig war. Er war nicht nur ein Folteropfer, sondern hat Dinge getan beziehungsweise zugelassen, die er nun in einem ganz anderen Licht sieht. Dieses erkennen kommt Schritt für Schritt, auch deshalb hält er die schützende Hand über die Jungs.

Was nun die Geschichte über die junge Frau angeht, so will ich hier nicht zu viel verraten. Es ist eine spannende Story, mit geschichtlichen Hintergründen aus Brasilien bestückt. Das Einzige was ich bedaure, sind die nicht übersetzten Liedtexte, die immer wieder auftauchen. Ihr Sinn wird zwar erläutert, doch hätte ich gerne den gesamten Inhalt verstanden. Davon abgesehen kann ich das Buch sehr empfehlen.

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melli_2897s avatar

Rezension zu "Der stumme Zeuge" von Edney Silvestre

Erfüllte nicht ganz die Erwartungen
melli_2897vor 2 Jahren

Ich lese normalerweise nur sehr selten Krimis und habe aufgrund des Klappentextes von "Der stumme Zeuge" sozusagen eine kleine Ausnahme gemacht. Man merkt sehr schnell, dass es sich um keinen klassischen Krimi handelt, indem vor allem die Ermittlung im Vordergrund steht.


Während die Polizei eine scheinbar irrelevante Rolle einnimmt, fokussiert die Erzählung zum einen das Leben des erfolgreichen Werbeagenten Olavo Bettencourt und seine Machenschaften - insbesondere seine Frau und ihre Zerrissenheit zwischen Reichtum und persönlicher Würde treten hier in den Vordergrund. Zum anderen erhält der Leser Einblicke in die Gedanken verschiedener Personen, die durch die Entführung des Kindes in irgendeiner Form beeinflusst werden.


Obwohl ich ein großer Fan von Perspektivenwechseln bin, fand ich es etwas unglücklich, dass diese nicht deutlich gekennzeichnet sind, sondern nur durch Absätze. Das führt zu einer etwas chaotischen Erzählweise, wozu auch die vielen Namen und Side-Stories beitragen (oftmals weiß man nicht, was nun für den Plot relevant ist).


Dennoch liest sich das Buch sehr schnell durch und bleibt spannend. Ich fand es etwas schade, dass der Hauptplot fast nur eine beiläufige Nebenstory war. Dementsprechend konnte mich das Ende nicht so wirklich zufriedenstellen, weil das erwartete "Finale" ausblieb. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch zwar nicht ganz meinen Erwartungen entsprach, aber trotzdem interessant und spannend war.

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charlottesbuecherwelts avatar

Rezension zu "Der stumme Zeuge" von Edney Silvestre

der stumme Zeuge
charlottesbuecherweltvor 2 Jahren

Meine Meinung:


Ganz zu Anfang muss ich sagen, dass dieses Buch beim ersten Moment sehr neugierig gemacht hat. Anders als bei vielen Krimis die ich schon gelesen habe, klang es auch nach einer wirklichen Hintergrundstory, die die Handlung und Protagonisten immer begleiten, weshalb ich mich letztendlich auch dafür entschieden habe.
Das Reinkommen war allerdings sehr schwierig für mich. Was vor allem daran lag, dass das Buch in vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben ist und dann auch noch in Zeitunterschieden, die wild variieren und mal vor der Verschleppung sind und mal danach. Doch spätestens als Silvestre die meisten Charaktere vorgestellt hat, ist mir das Lesen auch leichter gefallen und ich bin in eine wirklich interessante Geschichte reingerutscht.

Der große Handlungsstrang ist die Entführung des Sohnes von Olavo Bettencourt, der ein hohes Tier in der Politik und allgemein in allen Medien ist. Er hält sich für Gott höchstpersönlich und vor allem seine Frau Mara darf ihm bei seinen Geschäften nicht im Weg stehen! Man bekommt Einblicke in die verschiedenen Lebensabschnitte der Menschen, die mit der Entführung etwas zu tun haben. Auch der Fahrer, Major, ist sehr oft mit Kapiteln versorgt und der Leser erfährt etwas von seinem Hintergrund. Dann wird Olavo und Maras Sohn vermeintlich entführt und die Entführer, die aus den verschiedensten Lateinamerikanischen Ländern zusammengestellt(!) wurden, fordert eine hohe Summe an Lösegeld. Doch ist es gar nicht Olavinho, sondern der taubstumme Sohn der Haushälterin.    
Die Story, die wie schon gesagt, wird von vielen verschiedenen Protagonisten erzählt, darunter der Vater des vermeintlich entführten Sohn, Olavo. Und seine Frau, Mara. Mir gefällt wie realitätsnah alles geschildert wird und es klingt, wie nach wahren Begebenheiten. Und es handelt sich wirklich nicht um einen normalen Kriminalroman, weshalb ich die Genreeinteilung vielleicht ein wenig unpassend finde. Meine absolute Lieblingsperson, oder eher gesagt Personen, sind die Entführer, Ach, die sind echt klasse. Hintergrundlastig allemal, vor allem in politischen Sinne! Aber wie die miteinander umgehen, ist teilweise echt grandios zu lesen und macht echt Spaß!
Die Personen sind bei 224 Seiten echt tiefgründig und gut gelungen. Für mich war es ganz anders, weil sich Silvestre mit seiner Meinung zur damaligen (das Buch spielt 1989) Politik nicht hinterm Berg hält und genau das wünsche ich mir als Leser öfter. Olavo ist für mich ehrlich gesagt ein sexistisches Arschloch, der immer nur seinen eigenen Profit und Vorteile in der Situation sieht. Er ist für die Story immer handlungsführend. Seine Frau Mara hat sich für mich komplett gewandelt. Am Anfang fand ich sie sehr unsympathisch. Verwöhnt und das übliche Blondchen (sie ist wahrhaftig blond) das nur an die Kohle des reichen Typen ran will. Und genau das ist auch die Absicht von Silvestre gewesen! Denn Maras Person wird erst nach der Entführung des Jungen klar und gegen Ende bringt sie echte Muttergefühle auf, auch wenn sie ironischerweise für den falschen Jungen sind.

Das Ende ist dann irgendwie, ja, nicht so doll. Ohne jetzt irgendwas zu spoilern, kann ich sagen, dass ich einfach nur enttäuscht bin! Nach der wirklichen Spannung, geht das echt gar nicht!

Zu Silvestre Schreibstil kann ich nicht oft genug erwähnen, wie wahr er sich an der Realität hält. Er ist selber in den sogenannten Favelas aufgewachsen und bringt das auch gekonnt ein (ironischerweise schaue ich gerade Olympia Rio).


Fazit:


Ein gut gelungenes Buch, mit guten Handlungssträngen. Tiefgründigen Protagonisten, die sehr an das wahre Leben in Brasilien anknüpfen. Leider kommt man nicht einfach in das Buch rein und es dauert eine Weile bis man sich in der Story wiederfindet. Empfehlen würde ich es Lesern, die auf einen starken Hintergrund mit politischen Themen stehen und ganze Schmiererei interessiert!

Note: 2

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