Edney Silvestre Der stumme Zeuge

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Inhaltsangabe zu „Der stumme Zeuge“ von Edney Silvestre

Wo Geld alles ist, zählt das Leben eines Kindes nichts ... São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

Hauptplot leider nur beiläufige Nebenstory. Trotzdem interessant!

— melli_2897
melli_2897

Gelungene Gesellschaftsstudie eines armen, korrupten Brasilien. Aus dem Plot hätte man aber deutlich mehr machen können.

— Gulan
Gulan

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    Der stumme Zeuge
    melli_2897

    melli_2897

    05. November 2016 um 21:10

    Ich lese normalerweise nur sehr selten Krimis und habe aufgrund des Klappentextes von "Der stumme Zeuge" sozusagen eine kleine Ausnahme gemacht. Man merkt sehr schnell, dass es sich um keinen klassischen Krimi handelt, indem vor allem die Ermittlung im Vordergrund steht. Während die Polizei eine scheinbar irrelevante Rolle einnimmt, fokussiert die Erzählung zum einen das Leben des erfolgreichen Werbeagenten Olavo Bettencourt und seine Machenschaften - insbesondere seine Frau und ihre Zerrissenheit zwischen Reichtum und persönlicher Würde treten hier in den Vordergrund. Zum anderen erhält der Leser Einblicke in die Gedanken verschiedener Personen, die durch die Entführung des Kindes in irgendeiner Form beeinflusst werden. Obwohl ich ein großer Fan von Perspektivenwechseln bin, fand ich es etwas unglücklich, dass diese nicht deutlich gekennzeichnet sind, sondern nur durch Absätze. Das führt zu einer etwas chaotischen Erzählweise, wozu auch die vielen Namen und Side-Stories beitragen (oftmals weiß man nicht, was nun für den Plot relevant ist). Dennoch liest sich das Buch sehr schnell durch und bleibt spannend. Ich fand es etwas schade, dass der Hauptplot fast nur eine beiläufige Nebenstory war. Dementsprechend konnte mich das Ende nicht so wirklich zufriedenstellen, weil das erwartete "Finale" ausblieb. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch zwar nicht ganz meinen Erwartungen entsprach, aber trotzdem interessant und spannend war.

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  • der stumme Zeuge

    Der stumme Zeuge
    charlottesbuecherwelt

    charlottesbuecherwelt

    12. September 2016 um 20:28

    Meine Meinung: Ganz zu Anfang muss ich sagen, dass dieses Buch beim ersten Moment sehr neugierig gemacht hat. Anders als bei vielen Krimis die ich schon gelesen habe, klang es auch nach einer wirklichen Hintergrundstory, die die Handlung und Protagonisten immer begleiten, weshalb ich mich letztendlich auch dafür entschieden habe. Das Reinkommen war allerdings sehr schwierig für mich. Was vor allem daran lag, dass das Buch in vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben ist und dann auch noch in Zeitunterschieden, die wild variieren und mal vor der Verschleppung sind und mal danach. Doch spätestens als Silvestre die meisten Charaktere vorgestellt hat, ist mir das Lesen auch leichter gefallen und ich bin in eine wirklich interessante Geschichte reingerutscht. Der große Handlungsstrang ist die Entführung des Sohnes von Olavo Bettencourt, der ein hohes Tier in der Politik und allgemein in allen Medien ist. Er hält sich für Gott höchstpersönlich und vor allem seine Frau Mara darf ihm bei seinen Geschäften nicht im Weg stehen! Man bekommt Einblicke in die verschiedenen Lebensabschnitte der Menschen, die mit der Entführung etwas zu tun haben. Auch der Fahrer, Major, ist sehr oft mit Kapiteln versorgt und der Leser erfährt etwas von seinem Hintergrund. Dann wird Olavo und Maras Sohn vermeintlich entführt und die Entführer, die aus den verschiedensten Lateinamerikanischen Ländern zusammengestellt(!) wurden, fordert eine hohe Summe an Lösegeld. Doch ist es gar nicht Olavinho, sondern der taubstumme Sohn der Haushälterin.     Die Story, die wie schon gesagt, wird von vielen verschiedenen Protagonisten erzählt, darunter der Vater des vermeintlich entführten Sohn, Olavo. Und seine Frau, Mara. Mir gefällt wie realitätsnah alles geschildert wird und es klingt, wie nach wahren Begebenheiten. Und es handelt sich wirklich nicht um einen normalen Kriminalroman, weshalb ich die Genreeinteilung vielleicht ein wenig unpassend finde. Meine absolute Lieblingsperson, oder eher gesagt Personen, sind die Entführer, Ach, die sind echt klasse. Hintergrundlastig allemal, vor allem in politischen Sinne! Aber wie die miteinander umgehen, ist teilweise echt grandios zu lesen und macht echt Spaß! Die Personen sind bei 224 Seiten echt tiefgründig und gut gelungen. Für mich war es ganz anders, weil sich Silvestre mit seiner Meinung zur damaligen (das Buch spielt 1989) Politik nicht hinterm Berg hält und genau das wünsche ich mir als Leser öfter. Olavo ist für mich ehrlich gesagt ein sexistisches Arschloch, der immer nur seinen eigenen Profit und Vorteile in der Situation sieht. Er ist für die Story immer handlungsführend. Seine Frau Mara hat sich für mich komplett gewandelt. Am Anfang fand ich sie sehr unsympathisch. Verwöhnt und das übliche Blondchen (sie ist wahrhaftig blond) das nur an die Kohle des reichen Typen ran will. Und genau das ist auch die Absicht von Silvestre gewesen! Denn Maras Person wird erst nach der Entführung des Jungen klar und gegen Ende bringt sie echte Muttergefühle auf, auch wenn sie ironischerweise für den falschen Jungen sind. Das Ende ist dann irgendwie, ja, nicht so doll. Ohne jetzt irgendwas zu spoilern, kann ich sagen, dass ich einfach nur enttäuscht bin! Nach der wirklichen Spannung, geht das echt gar nicht! Zu Silvestre Schreibstil kann ich nicht oft genug erwähnen, wie wahr er sich an der Realität hält. Er ist selber in den sogenannten Favelas aufgewachsen und bringt das auch gekonnt ein (ironischerweise schaue ich gerade Olympia Rio). Fazit: Ein gut gelungenes Buch, mit guten Handlungssträngen. Tiefgründigen Protagonisten, die sehr an das wahre Leben in Brasilien anknüpfen. Leider kommt man nicht einfach in das Buch rein und es dauert eine Weile bis man sich in der Story wiederfindet. Empfehlen würde ich es Lesern, die auf einen starken Hintergrund mit politischen Themen stehen und ganze Schmiererei interessiert! Note: 2

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  • Ein brasilianisches Sittenbild.

    Der stumme Zeuge
    Gulan

    Gulan

    06. September 2016 um 17:39

    "Wenn Olavinho in Sicherheit ist, wen haben sie dann...?“ „Den Sohn unseres Hausmeisterpaares. Diesen taubstummen Jungen. Er saß im Wagen. Deshalb haben sie ihn wohl für unseren Sohn gehalten.“ […] Er fühlte sich erfrischt. Bereit für den Kampf. In solchen Augenblicken hatte er die besten Ideen. Und jetzt hatte er eine Idee. Er würde die Schmierenkomödie weiterspielen und sogar noch ausbauen. Er würde den als Entführung getarnten Erpressungsversuch öffentlich machen. Ganz offen über den Überfall und das Verschwinden des Kindes reden. Er würde das Problem bei den Hörnern packen. Eine komplette Kehrtwende vollziehen. Sieh an, sieh an, eine großartige Idee. Es lebe die Macht der Information, seine Macht. (S. 135) São Paulo, 1990: Eine Limousine wird am helllichten Tag mitten auf einer vielbefahrenen Straße aufgehalten, der Fahrer erschossen und das Kind auf dem Rücksitz entführt. Die Entführer wollen damit Olavo Bettencourt erpressen, einen äußerst einflussreichen Medienberater. Doch sie haben, ohne es zu merken, das falsche Kind entführt: Den Sohn des Hausmeisters. Und Bettencourt ist ein eiskalter Profi, der dies sofort zu seinen Gunsten ausnutzt. Autor Edney Silvestre, ein Journalist und Fernsehmoderator, hatte mich im letzten Jahr mit seinem Debütroman „Der letzte Tag der Unschuld“ überzeugt. Nur ist auch sein zweites Buch auf Deutsch erschienen. Spielte sein Erstling im Brasilien des Jahres 1962, so ist auch „Der stumme Zeuge“ nicht in der heutigen Zeit angesiedelt. Wir sind im Jahr 1990, Fernando Collor de Mello ist Staatspräsident und lässt die Hyperinflation bekämpfen, indem er sämtliche Ersparnisse einfrieren lässt. Das Volk darbt und das auch politisch. Zwar ist der Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie vollzogen, doch von Korruption und Gefälligkeiten durchzogene Netzwerke bilden die Machtelite des Landes. Olavo Bettencourt ist Inhaber einer Medien- und Werbeagentur und als Kommunikationsberater bei Brasiliens Machtelite bestens vernetzt. Auf seinen Namen laufen auch diverse Schwarzgeldkonten für hohe Regierungsmitglieder. Er ist ein gieriger Machtmensch, vor allem auch in Bezug auf seine Frau Mara. Diese ist eine ehemalige Schönheitskönigin und Escortdame aus ärmlichen Verhältnissen, die in Bezug auf den Luxus, den ihr Mann ihr bietet, alles erreicht hat. Doch zunehmend verachtet sie ihren Mann und ihr fremdbestimmtes Leben. Zahlreiche weitere Figuren begleitet der Autor durch die relativ kurze Geschichte, die - mit einigen Rückblenden - nur etwa einen knappen Tag erzählt. Darunter sind der Chauffeur und Leibwächter, seine fast erwachsene Tochter Barbara, die Köchin und Mutter des entführten Jungen und die Entführer, eine zusammengewürfelte, unangenehme Ansammlung ehemaliger Geheimpolizisten und Militärangehöriger aus diversen südamerikanischen Diktaturen. Damit wird deutlich, dass sich der Autor sehr um seine Figuren kümmert, Gefühle und Emotionen darstellt, auch Musik spielt eine Rolle im Roman. Dadurch vernachlässigt er für meinen Geschmack aber doch etwas den Plot, der ein wenig dürftig daherkommt. Die Entführung, das Katz-und-Maus-Spiel von Bettencourt, die drohende Korruptionsenthüllung, all das hätte man noch deutlich mehr nutzen können. Hier vergibt der Autor aus meiner Sicht die Chance auf mehr Spannung und Intensität. Überzeugend ist „Der stumme Zeuge“ bei den Figuren und bei der Darstellung der Gesellschaftsverhältnisse von Korruption, Machtmissbrauch, Machismo und Armut. Obwohl die Geschichte im Jahr 1990 spielt, sind angesichts der aktuellen Meldungen aus Brasilien Parallelen zu den heutigen Verhältnissen vorhanden und vom Autor sicherlich beabsichtigt.

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    • 4
  • Kein Kriminalroman

    Der stumme Zeuge
    jaylinn

    jaylinn

    22. August 2016 um 16:36

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com. Allgemeines: Der stumme Zeuge ist im Limesverlag erschienen und hat 224 Seiten. Dieses Buch hat mich interessiert, weil Brasilien durch die Olympischen Spiele zur Zeit auch politisch im Fokus steht. Zudem ist Silvestre von Haus aus Journalist und Fernsehmoderator und somit mit den politischen Verhältnissen in Brasilien bestens vertraut. Inhalt: „São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House) Meine Meinung: Eigentlich fange ich keine Rezensionen mit dem Blick auf das Cover eines Buches an, bei Der stumme Zeuge bietet sich das aber wirklich an, weil es mich sehr anspricht und ich es für ausgesprochen gelungen halte: Farbwahl und optische Gestaltung lassen sofort einen Hinterhof in einem Dorf oder einer Stadt Südamerikas vor meinen Augen entstehen. Die Schattengestalt eines Kindes am Ende einer langen Treppe stehend, baut Spannung auf: Was passiert, wenn die letzte Stufe erreicht ist? Das helle Licht deutet auf etwas Positives hin. Der Titel unterstreicht zudem die Atmosphäre, die die Gestaltung des Covers hervorruft. Ein in sich stimmiges Layout, wie man es selten findet. Die Geschichte selber hat mich leider nicht überzeugen können. Silvestre versucht in seinem schmalen Buch zu erzählen, wie brasilianische Politik, Korruption und Gesellschaft funktionieren. Dafür entwirft er Charaktere passend zu den verschiedenen gesellschaftlichen Stereotypen. Seine Geschichte kommt eher wie ein Film daher: ständig wechselnde Schauplätze, viele Protagonisten, die nur oberflächlich angerissen werden, sehr hohes Tempo, die Handlung betreffend. Hätte er sich mehr Zeit gelassen, die Geschichte und die Hintergrundgeschichten zu seinen Protagonisten zu entwickeln, wäre dieses Buch ein echter Lesegenuss. Denn dann hätte man wirklich einen Einblick in das gesellschaftliche und politische System Brasiliens erhalten. So könnte die Geschichte ebenso gut in Chile, Argentinien, Venezuela, Kolumbien oder einem anderen südamerikanischen Staat spielen. Die Leserführung erfolgt durch die Kapitelüberschriften, die zeitliche Orientierung geben und das Lesen wirklich erleichtern. Man empfindet auch schnell Sympathien oder Antipathien und ist emotional in das Geschehen involviert. Mehr aber auch nicht! Fazit: Das Genre Kriminalroman passt meines Erachtens nicht. Es handelt sich eher um ein Buch, das einen Plot rund um mafiöse Strukturen, Geldwäsche und Korruption entwickelt und die dafür notwendigen Charaktere zur Verfügung stellt. Auch der Titel  passt im Nachhinein nicht, da der stumme Zeuge zwar stumm, aber eigentlich kein Zeuge ist. Ein Buch das man sicherlich lesen kann, das aber für mich keinerlei Nachklang erzeugt.

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  • Edney Silvestre - Der stumme Zeuge

    Der stumme Zeuge
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    18. August 2016 um 17:09

    Brasilien von seiner luxuriösen Seite: Maja lebt in einem gesicherten Haus, unzählige Bedienstete kümmern sich um das Wohlergehen der attraktiven jungen Frau, ihres Sohnes und ihres Mannes, einem der einflussreichsten Männer des Landes. Nicht nur mit seiner Werbeagentur konnte Olavo Bettencourt nach dem Ende der Militärdiktatur Geld machen, vor allem seine Nähe zu ranghohen Politikern und halblegale Geschäfte mit diesen und für sie haben ihn ordentlich am Aufstieg des Landes mitverdienen lassen. Doch hinter der Fassade brodelt es, denn Maja ist es leid für Olavo Vorzeigefrau zu spielen und ihm wann immer er es wünscht zu Diensten zu sein und wer Geld hat in Brasilien, lebt gefährlich. Nicht ohne Grund wurde eine Gruppe von Erpressern auf Olavo aufmerksam und nach kleinen Planänderungen soll nun sein Sohn in ihre Gewalt gebracht werden. Man merkt diesem Roman an, dass er nicht in die typisch europäischen Krimi-Schemata passt. Es fehlen Ermittler in diesem Fall – Polizeiaktivität gibt es zwar, jedoch mehr als bezahlte Dienstleistung, die den Schönen und Reichen gegen ein kleines Handgeld erfüllt wird. Auch sind Umfeld und Szenario gänzlich verschieden von den bekannten Mustern: die extremen Gegensätze Brasiliens zwischen gesicherten Wohnanlagen mit Wachpersonal und ärmlichsten Behausungen, der gelebte Luxus mit Reisen in alle Welt und demgegenüber die großen Träume, die jedoch nie erfüllt und lediglich von Generation zu Generation weitergereicht werden. Ebenfalls ungewohnt ist das Frauenbild, das hier die stark patriarchische Machokultur widerspiegelt: Frauen gibt es in zwei Ausführungen, entweder als attraktives Lustobjekt, das dann gerne vom Wohlstand des Mannes profitieren kann oder als schwerarbeitende Putzfrau respektive Bedienstete, die nie wirkliche Chancen auf einen Aufstieg hat. Starke und mächtige Männer haben das Land und die Wirtschaft im Griff. Aber nicht alle Männer sind vom Erfolg verwöhnt; die Söldner sind immer in Lebensgefahr und auch wer regulär arbeitet und sein Geld legal verdient, hat keinen Anspruch auf ein faires Ende und ein bisschen Glück. Edney Silvestre liefert einen ernüchternden und verstörenden Blick auf die Lage Brasiliens; dies macht ganz deutlich die Stärke des Romans aus. Auch wenn der Roman im Jahr 1990 angesiedelt ist, dürfte sich seither wenig Grundlegendes geändert haben. Der Kriminalfall hatte zwar ein unerwartetes Ende, blieb für mich aber hinter den Erwartungen zurück – insgesamt stellt sich mir die Frage, ob es sich überhaupt um einen Krimi handelt, was jedoch bedingt durch eine andere Krimikultur in Südamerika allgemein und Brasilien im Besonderen begründet sein könnte.

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  • Sprachlich überzeugender Einblick das brasilianische Leben

    Der stumme Zeuge
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. August 2016 um 11:39

    Sprachlich überzeugender Einblick das brasilianische LebenZwar setzt Silvestre die Ereignisse dieses Thrillers (der eher als Milieustudie fast zu bezeichnen wäre) deutlich in die Vergangenheit (ins Jahr 1989), dennoch kann man für dieses Buch sagen, dass es (pünktlich zu den olympischen Spielen in Rio) die Grundstrukturen des Lebens in Brasilien auch für die heutige Zeit deutlich mitabbildet.Indem Silvestre eine verstrickte Aktion im „Kampf gegen die Korruption“ mit der Entführung eines Kindes (auch noch das falschen Kindes) und einem tiefen Einblick in die innere Erlebniswelt der je Beteiligten koppelt, und zudem mittels seiner eleganten, sehr bildreichen und sehr differenzierten Sprache eine plastische, dichte Atmosphäre des Lebens in Brasilien zu zeichnen versteht, ergibt sich für den Leser ein facettenreicher, ebenso intensiver Einblick in das stark auseinanderdriftende Lebensgefüge des Landes.Einerseits die Favelas, die arme Seite, voll von Drogen, Kriminalität, locker sitzenden Waffen und den allgegenwärtigen Träumen vom sozialen Aufstieg. Eine Seite Brasiliens, die Silvestre in der Ehefrau des führenden Werbetreibenden des Landes kongenial darstellt. Maria, genannt „Mara“ ist unzweifelhaft die wichtigste Figur im Roman. Hin- und hergerissen zwischen dem „goldenen Käfig“, den sie überaus zu schätzen weiß (sie hat schon ganz andere Lebensweisen erlebt und sich auf viel direktere Weise verkauft, als bei Olavo, dem Chef der Werbeagentur).Doch ihr Widerwille wird größer. Gegen den Mann, gegen dieses Leben, gegen ihren eigenen Sohn, dem sie, wenn sie ehrlich ist, eher distanziert gegenübersteht. Wobei hier zudem noch deutliche und, im Lauf der Ereignisse, immer klarer werdende Fragen nach dem Sinn eines Lebens „im Shopping Wahn“ ganz grundsätzlicher Natur hinzutreten.Ausgelöst durch eine Entführung. Die ihren Sohn treffen sollte, aber durch eine Verwechslung das taubstumme Kind einer Angestellten nun betrifft- Ein Kind, für das Olavo keine Centime lockermachen würde. Eine Gefahr für dieses so unbedeutend erscheinende Leben, die Maria aber sehr wohl zunehmend als Bürde, als Verantwortung erlebt.Während Olavo lange Zeit mit nichts Anderen beschäftigt ist, als die ermittelnde Polizei möglichst weit von sich und seinen Geschäften fernzuhalten. Denn Werbung macht er zwar auch, vor allem aber wandelt er vielfache „Nebeneinnahmen“ der High Society in legale Anlagen um, kauft über Strohkonten Wohnungen im Ausland und ist auf Du und Du mit Ministern, Politikern und Wirtschaftsgrößen.„Überall in den Werbeagenturen fielen ein paar Peanuts ab und in den Steueroasen häufte sich so ein Vermögen an“. Und wenn das Peanuts sind, ist leicht vorstellbar, was denn jene auf Seite schaffen, die über die Mittel zu verfügen haben.Immer wieder setzt Silvestre diese „Hand-auf“ Mentalität in scharfen Kontrast zur „normalen“ Bevölkerung. Zum „Major“, dem Leibwächter Olavos, der seiner Tochter ersparen möchte, für einen Englisch-Kurs putzen zu müssen, für Irene, die Mutter des entführten Kindes, die nur fleißig mit ihrem Mann genügend Sparen möchte, um in die alte Heimat zurückzukehren.Doch in Sao Paulo, im Moloch der Großstadt, im scharfen Kontrast zwischen reichen Villengegenden, Luxusgeschäften und Bretterbuden als Obdach bleiben Träume für die Meisten auf der Strecke.Das zudem noch der Fall selbst an Spannung zunimmt, dass der Leser mitfiebert, wie das Ergehen des blonden Jungen mit den blauen Augen sich entfalten wird, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und durchaus Sympathie für die Entführer entstehen wird, all das gibt dem Roman noch die abschließende Würze.Eine sehr empfehlenswerte, sprachlich und inhaltlich ausgefeilte und mitnehmende Lektüre.

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  • Nicht der spannendeste Krimi, aber sehr interessant

    Der stumme Zeuge
    tootsy3000

    tootsy3000

    12. August 2016 um 14:46

    Endney Silvestres Kriminalroman ist nicht wie herkömmliche Krimis. Das macht ihn aber zu etwas Besonderem. Es gibt keinen Ermittler, der das Verbrechen aufdecken will. Die Stimmung in dem Buch ist ganz eigen, durch die Perspektivwechsel und auch durch die Gedankengänge der einzelnen Personen. Als Leser bekommt man so ein gutes Gefühl für die Charaktere – nicht immer in positiven Sinne. Die Handlung spielt in Brasilien Anfang der 90er Jahre. Das Land ist geprägt von Korruption. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer armer. Erspartes war Wertlos, denn den Menschen wurde der Zugang zu ihrem Geld verboten. Olavo Bettencourt verdankt seinen Reichtum dem Umgang mit hochrangigen Politikern. Gefallen werden eingelöst. Eine Hand wäscht die andere.  Eine Gruppe von Verbrechern sieht in Bettencourt die Chance ans große Geld zu kommen. Da sie an den Medienmogul selber nicht heran kommen, fällt ihr Fokus auf dessen Sohn. Doch etwas geht schief, die Entführer schnappen sich das falsche Kind. Der kleine taubstumme blonde Junge, der Sohn des Haushälterehepaars. Als die Entführer ihren Irrtum merken ist es zu spät. Bettencourt hat seine  Kontakte genutzt. Die Polizei ermittelt in eine andere Richtung, Lösegeld wird keines fließen …. Der Junge ein Kollateralschaden? Alles läuft auf dieses Szenario hin. Sehr bedrückend und sehr real dargestellt. Wie wenig ein Leben für skrupellose Menschen – sowohl unter den Reichen, wie auch unter den Politikern, der Polizei und den Verbrechern – wert ist. Die Kapitel sind kurz, stellen die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Milieus, in denen sich die Handlung abspielt, aber gut dar. Die Machenschaften der Oberschicht machen wütend, die Hilflosigkeit der Unterschicht ist bedrückend und traurig. Mein Fazit: Vielleicht nicht der spannendste Krimi, aber doch einer der interessantesten. Auch wenn er recht kurz ist, konnte ich mich nicht so schnell von der Handlung losreißen. Sie beschäftigte mich noch längere Zeit. Diese Machenschaften der Höhergestellten. Ihr skrupelloser Umgang mit allem, besonders mit jenen, die ihnen – auf welche Art auch immer – im Weg stehen. Sehr real und eindringlich.

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