Edoardo Albinati

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Die katholische Schule

Die katholische Schule

 (1)
Erschienen am 15.10.2018

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Rezension zu "Die katholische Schule" von Edoardo Albinati

Rom in den 70ern des 20. Jahrhunderts.
wandabluevor 5 Tagen

Rom in den 70ern des 20. Jahrhunderts.
Das Verbrechen von Circeo, die brutale Vergewaltigung und der Mord von einer der zwei entführten jungen Frauen in Rom in den 70ern durch (ehemalige) Schüler des katholischen Jungeninternats San Leone Magno, abgekürzt SLM, einer geistlichen Schule, die auch der Autor himself durchlaufen hat, nimmt Albinati zum Anlass, ein Sittengemälde Roms, seiner Stadtviertel, seiner Gewohnheiten, Denkweisen und Gebräuche vorzustellen. Zeitlich liegen wir im wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg, sind zentriert in den 70er Jahren und bilden Ausläufer bis in die Gegenwart.

Der mit mehr als 1200 Seiten umfangreiche Roman ist sowohl eine Art Autobiografie wie auch eine Abrechnung mit der Gesellschaft. Eine Abrechnung mit allem: Familie, Erziehung, Tradition(en), Kirche. Religion. Regeln. Ethik. Erwartungsdruck und männliche Identität. Und gleichzeitig eine Aufarbeitung. Wie es Maike Albath auf „Lesart“ (vom 2.11.2018) schreibt „changiert der Roman zwischen Psychogrammen, Essays, regelrechten Erzählungen und Gegenwartssplittern“.

Da der Autor so viele Seiten zur Verfügung hat, stellt er sehr gemächlich, von einem Thema zum anderen springend, die Umgebung seiner Jugend vor: die Schule, die Lehrer, die Schüler, die Familien und sich selbst. Es gibt nicht sehr viel echte Handlung, vielmehr ist der Roman eine Art Vorwärtsphilosophieren, ein Nachdenken über sich, die Zeit, die Ethik allgemein und im besonderen im Lichte christlicher Betrachtung (keineswegs richtig verstanden), über Verantwortung, Schuld und Geschichte. Ein Nachdenken über Prägung. Der Versuch, etwas zu begreifen. War das Geschehen zwangsläufig? Etwa den Umständen, der Zeit, der Schule, der Ausbildung, der Vereinnahmung durch die Religion, der Unterdrückung von Sexualität geschuldet? Verlustängsten.

Ein raumgreifendes Thema ist die Pubertät und männliche Sexualität sowie die misogyne Haltung der männerdominierten Gesellschaft Italiens sowie des Katholizismus.

Dieses umfassende Sittengemälde aus Autors Sicht verlangt dem Leser viel ab. Er muss sich in die Gedankenwelt des Autors hineinversetzen, ist ihr ausgeliefert und will doch gar nicht alles Private wissen. Überdies ist er womöglich nicht mit jeder Deutung einverstanden. Vielmehr erliest er auch eine Menge Wehleidigkeit und falsche Opferrolle.

Fazit: Edoardo Albinati schrieb ein ausuferndes, objektive wie subjektive Elemente enthaltendes, Sittengemälde Italiens um ein brutales Verbrechen herum. Gleichzeitig dient der Roman der Aufarbeitung und dem Erklärungsversuch männlicher brutaler Sexualität. Dennoch bleibt das Geschehen unmenschlich und unfassbar. Vor allem wäre es vermessen, eine überreligiöse Erziehung für alles verantwortlich zu machen, wiewohl sie durchaus eine (untergeordnete) Rolle gespielt haben mag.

Kategorie: Philosophischer Roman. Anspruchsvoll.
Berlinverlag, 2018.


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