Fürstinnen

von Eduard Keyserling 
4,5 Sterne bei2 Bewertungen
Fürstinnen
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Inhaltsangabe zu "Fürstinnen"

Sie sind engelsgleiche Wesen, anmutig, graziös, sanft – Fürstinnen wissen, was sich schickt, und reifen in trägem Pathos ihrer exklusiven Bestimmung entgegen: der standesgemäßen Heirat. Wehe, ein adeliges Fräulein meint, dagegen aufbegehren zu müssen. Marie von Neustatt-Birkenstein ist so ein betrüblicher Fall. Sie ist nicht willens, wie ihre Schwestern Roxane und Eleonore den Prinz auf dem weißen Pferd erwarten. Ihre fixe Idee ist es vielmehr, «sich zu entwickeln». Mit zauberhafter Melancholie malt Eduard von Keyserling einmal mehr nuancenreiche Porträts einer dem Untergang geweihten Aristokratie, die sich gegen die Gebote der neuen Zeit mit moralischer Erstarrung wappnen.
«Fürstinnen ist wieder einer dieser so hinreißenden kleinen Romane, in denen Keyserling seine untergegangene Welt beschreibt: er beschreibt ihren Untergang, ihre große Schönheit, und er beschreibt sie eben im Tone und im Besitz jener Sensibilität, die mit ihr verlorengehen wird.» Rolf Vollmann

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783717524366
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Manesse
Erscheinungsdatum:17.04.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    BettinaR87s avatar
    BettinaR87vor einem Jahr
    Über die Existenzberechtigung des Adels

    Drei Prinzessinnen wachsen abseits des sozialen Durcheinanders der Großstadt heran – 2 davon folgen dem von der Gesellschaft vorgegebenen Weg. Nur Marie ist eine kleine Grüblerin, die mit ihrem Prinzessinnendasein hadert und damit für eine neue Generation steht.

    Die Fürstin von Neustatt-Birkenstein hat sich nach dem Tode ihres Ehemannes mit den drei Töchtern auf das Landgut Gutheiden zurückgezogen. Um ihre Finanzen steht es nicht gerade gut, doch mit der Hilfe des Majors von Bützow und Graf von Streith kommt sie immer wieder über die Runden. Von Streith ist ein Kavalier der ersten Stunde in der letzten des Adels – er wartet sehnsüchtigst darauf, dass die Fürstin ihre nächste große Lebensaufgabe (die drei Töchter zu verheiraten) abhaken und sich dann final ihm zuwenden kann. Beide sind nicht mehr die jüngsten, umso mehr überrascht von Streith seine gedankliche Fokussierung auf Britta, eine junge Frau aus eher schlechtem Hause, mit dem offiziell nicht verkehrt wird. Sind es wirklich Gefühle, die er für sie hegt oder ist sie schlichtweg die personifizierte Jugend, von der er sich etwas mehr Lebensenergie erhofft? Britta selbst ist ihrerseits genauso überrascht, als plötzlich ein Antrag kommt und sie in die Position einer Gräfin erheben soll. Damit wäre sie plötzlich im sozial annähernd gleichen Himmel wie die drei Prinzessinnen, die Töchter der Fürstin. Davon haben zwei sich ins Ausland verheiratet, nur Marie, die Jüngste, bleibt wegen ihres kränklichen Lebens weiter im Elternhaus. Doch sie beginnt, mit Felix von 'nebenan' zu schäkern. Eine Verbindung, die wirklich niemand gut heißen würde – nicht nur aus Standesgründen …

    Die Kritik

    Auch wenn der Roman mit einer bestimmten Figur beginnt, so ist diese nicht die Hauptfigur. Wohl ist sie das Sinnbild der alten Welt der Aristokratie mit all dem Standesdünkel, den gesellschaftlichen Regeln und der sozialen Irrelevanz. Die wird immer deutlicher, je weiter man die Generation in die Moderne folgt: Graf von Streith öffnet sich der Jugend, also dem Wandel immer mehr, bis er glaubt, darin verliebt zu sein. Die Tochter Marie ist auch schon von einem ganz anderen Schlag als ihre Mutter: Sie hat das ewige Getue um ihr Prinzessinnen-Dasein ein wenig satt, ein wenig aber zu viel Angst, um richtig daraus auszubrechen. Stattdessen unternimmt sie kleinere Schritte und fällt auch so unweigerlich auf die Nase, weil sie gar nichts anderes kennt als das Leben im goldenen Käfig. Das große Unterthema des Romans ist also die adelige Welt, die immer mehr in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

    Entsprechend stehen die Menschen und ihr Seelenleben im Vordergrund, es finden sich sehr wenige Beschreibungen der örtlichen Begebenheiten im gesamten Roman. Eine zentrale Hauptperson sucht man vergebens, stattdessen nutzt der Autor ein kluges gewebtes Netz verschiedener Protagonisten, aus deren Sicht der Roman abwechselnd geschildert wird. Dass die Geschichte „Fürstinnen“ das erste Mal 1917 erschienen und damit 100 Jahre alt ist, merkt man dem Buch zunächst nicht an – Keyserling schreibt einfache, klare Sätze, die bemerkenswert unprätentiös sind. Darin zeigt sich, für welches Publikum der Autor geschrieben hat, nämlich nicht den oblesse nobligierten Adelsschichten.

    Insgesamt ist es ein Buch, dass sich nicht durch große, effektvolle Handlungsverläufe hervortut, sondern vielmehr die Mikrokosmen der einzelnen Personen beleuchtet und das sehr gefühl- und taktvoll. Für entspannte und zwischenmenschlich interessierte Leser ein echter Genuss im Handtaschenformat!

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    YukBooks avatar
    YukBookvor einem Jahr
    "Das Leben ist kein Tanzsaal"


    Dass Prinzessinnen nicht zu beneiden sind, wissen wir spätestens seit dem Film „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn. Ähnlich wie Prinzessin Anne geht es Marie, eine der Hauptfiguren dieses Romans. Die Geschichte spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einem baltischen Landsitz. Im Gegensatz zu ihren zwei älteren Schwestern, die sich mit standesgemäßen Fürstenhochzeiten und vorbestimmten Lebenswegen zufriedengeben, spürt Marie immer mehr den Drang, aus den Gemäuern von Schloss Birkenstein auszubrechen. 


    Ein einschneidendes Erlebnis ist ein kleiner Ausflug in den Wald mit ein paar Jungs aus der Nachbarschaft, darunter Felix, der aufmüpfige Sohn des Grafen von Dühnen. Zum ersten Mal schnuppert Marie die Luft der weiten Welt, fühlt sich lebendig, auch ein wenig verliebt, und will nicht länger aus diesem aufregenden Leben voller Versprechungen ausgeschlossen werden. Sie wird süchtig nach neuen Impulsen, nach dem „Süßen, Verbotenen, Wilden des Lebens“. Ihre Freundin Hilda von Üchlitz ermutigt sie dazu, ein „modernes Mädchen“ zu sein und statt Männer von der Ferne anzuschmachten, selbst zu handeln – zum großen Missfallen von Tante Agnes. Diese ist der Auffassung, dass unverheiratete Prinzessinnen zumindest etwas Sinnvolles tun sollten wie eine Näh- oder Kochschule zu gründen.


    Mit ironischem Unterton lädt uns Keyserling in den Kosmos der aristokratischen Gesellschaft ein, die dem Untergang geweiht ist, und verdichtet größere Zusammenhänge in prägnante Sätze. Wenn er über Räume spricht, die zu viel wissen, und über die Trägheit, die von alten Dingen ausgeht, spürt man allzu deutlich, wie groß die Sehnsucht nach Freiheit und Spontanität ist. Die zwanghaften Teestunden am Nachmittag und die langweiligen Abende im Gartensaal, die Marie erdulden muss, stehen im starken Kontrast zu den Ausflügen in die Natur und den aufregenden Theaterbesuchen. Die kritische Milieustudie bereichert der Autor durch üppige Naturbeschreibungen und poetischen Stimmungsbildern. Es ist fast so, als würde man in ein zartes Landschaftsgemälde versinken.

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