Eduard Mörike Maler Nolten

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Inhaltsangabe zu „Maler Nolten“ von Eduard Mörike

Der Dichter Eduard Mörike (1804-1875) veröffentlichte seine umfangreiche spätromantische "Novelle in zwei Teilen" mit dem Bühnenstück "Der letzte König von Orplid" als phantasmagorischem Zwischenspiel im Jahr 1832. Eine zweite, realistischere Fassung, an der Mörike ab 1853 arbeitete, blieb unvollendet. Erzählt wird die Geschichte des Malers Nolten und seiner großen Liebe Agnes, die jedoch durch das Zigeunermädchen Elisabeth hintertrieben und schließlich zerstört wird. Im Bann ihres düsteren Schicksals bleiben die Figuren trotz aller Versuche der Nachtseite des Lebens verhaftet und können sich von ihrer fortschreitenden Todessehnsucht nicht befreien. Mörikes Buch fand ein geteiltes Echo: Nietzsche etwa lehnte es entschieden ab, Hermann Hesse nannte es hingegen ein "Wunderbuch". (Quelle:'Flexibler Einband/01.10.2014')

Viel Leerlauf und dann wieder erstaunlich modern, zeigt wie sich Personen voneinander und von der Welt entfremden, schöne Gedichte drin

— sKnaerzle

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    Maler Nolten

    sKnaerzle

    20. February 2015 um 00:02

    Ein Idyll mit wenig Handlung, voller romantischer Versatzstücke - ein Fürstenhof, Künstler, eine Neujahrsfeier auf einem Turm, ein Schattentheater, ein Ausflug ins Grüne, ein Jägerhaus und dann kippt die Handlung, es wird duster, aber es bleibt romantisch, wenn auch jetzt mit Tod, Zigeunerfluch und Wahnsinn. Also ein eher belangloser Roman, dem nur die eingestreuten Gedichte das nötige Rückgrat geben? Teilweise schon, und das macht die Lektüre nicht gerade zu einem reinen Vergnügen. Aber das wichtigste Thema des Romans ist es, wie die Welt zur Fremde wird. Das zeigt sich in vielen Einzelheiten - wenn etwa die Hauptperson, der Maler Nolten, eingeführt wird, dann werden erst seine Bilder gezeigt, die ein Fremder aufgrund der Skizzen, die sein Kamerdiener gestohlen hat, von einem anderen Maler gemalt wurden, gezeigt. (Das ist so sinnlos und verwirrend wie es klingt.) Wenn zwei Freunde sich begegnen, muss erst eine dritte Person erraten lassen, wer jetzt im Nebenzimmer sitzt, oder ein Besuch klappt erst beim zweiten Anlauf, weil die Person nicht Zuhause ist. Das ist auch im Aufbau des Romans so. Die Handlung geht von einem Glück zum nächsten, Nolten winken die Liebe und die große Karriere, und immer wieder muss der Erzähler eine Vorgeschichte nachtragen, die gerade dieses Glück unmöglich macht. Das macht die Lektüre nicht einfach, aber man hat das Gefühl, als könnten die Figuren jederzeit in einen Abgrund stürzen. Fremdheit in der Welt ist auch ein Teil der Handlung. Agnes, die schöne Förstertochter, glaubt, ihr Verlobter liebt sie nicht mehr, obwohl er ihr die schönsten Liebesbriefe schreibt. Und sie hat recht, denn Nolten hat sich von ihr abgewendet. Aber ein Freund will den Bruch verhindern und schreibt ihr in Noltens verstelltet Handschrift weiter. Und aus dieser scheinbar guten Tat wächst das Verhängnis. In die Handlung sind neben Gedichten (am schönsten der Peregrina-Zyklus) auch immerwieder kleine Geschichten, Sagen und Legenden eingestreut, die die Gefühle der Personen spiegeln, aber manchmal auch etwas nerven. Am Ende schwelgt Mörike geradezu in Schilderungen von Tod und Verzweiflung und der Seelenerhebung, die sich daraus gewinnen lässt. Ich schiebe das mal auf den Protestantismus, aber für moderne Leser wirkt es eher künstlich und fast schon blasphemisch. Fazit: das Gegenteil eines Pageturners, aber mehr Wahrheit über die modernen Menschen als man dem alten Mörike zutrauen würde

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