Eduardo Belgrano Rawson Die Predigt von La Victoria

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Inhaltsangabe zu „Die Predigt von La Victoria“ von Eduardo Belgrano Rawson

Einer der bedeutendsten südamerikanischen Gegenwartsautoren

In seinem neuen Roman erzählt der Argentinier Eduardo Belgrano Rawson eine wahre Geschichte, die einerseits alltäglich, andererseits in ihren Folgen ungeheuerlich ist: Claudia und Nelson, Schüler in dem Provinzstädtchen San Luis, sind ein Liebespaar, dann verschwindet Claudia eines Tages spurlos. Ein anonymer Zeuge behauptet, Nelson habe das Mädchen umgebracht. Der Junge wird verhaftet, gefoltert, gesteht, kommt ins Gefängnis, ist nach Jahren zerrüttet und krank. Da, neun Jahre später, wird Claudia von ihrer Mutter gefunden, sie war einfach nur mit einem Lastwagenfahrer abgehauen, ist längst verheiratet und hat Kinder. Nelson wird freigelassen, Claudia bittet um Verzeihung. Aber wie kann man nun damit leben? Was soll man tun? Und wie war das alles überhaupt möglich?
Wie in seinem großen Kuba-Roman "Rosas Stimme" erzählt Belgrano Rawson vielstimmig und panoramatisch, nicht der Plot steht im Mittelpunkt des spannenden, bewegenden und sogar komischen Romans, sondern die Frage nach dem Warum, nach den Beweggründen und Abgründen der Beteiligten. Die Richter, die Luis aufgrund eines unter Folter erpressten Geständnisses verurteilten, sind die gleichen, die schon der berüchtigten argentinischen Militärdiktatur dienten. Und so zeichnet Belgrano Rawson in diesem dichten und faszinierenden Roman mit den Porträts der Täter und der Beschreibung der Mechanismen von Polizei und Staatsgewalt ein tief gehendes Bild der argentinischen Gesellschaft und liefert zugleich einen berührenden und melancholischen Heimatroman.

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  • Rezension zu "Die Predigt von La Victoria" von Eduardo Belgrano Rawson

    Die Predigt von La Victoria

    Ayla25

    16. February 2012 um 08:23

    Nelson Madaf lernt ein Mädchen kennen. Ihr Name ist Claudia. Am Tag darauf ist sie verschwunden, Nelson wird verhaftet, gefoltert, ins Gefängnis gesteckt und steckt sich dort mit Aids an. Jahre später erscheint Claudia wieder-putzmunter, sie war nur abgehauen. Das Buch erzählt diese und ähnliche Geschichten aus dem Heimatland des Autors-Argentinien. Die Zusammenfassung des Buches verspricht einen spannenden Thriller. Die erwartete Spannung setzt jedoch nicht ein. Das Buch vereint Einzelteile, die zum Schluss ein Ganzes ergeben. Viele Namen bringen viel Verwirrung, sodass man nach 40 Seiten den kompletten Faden verloren hat. Was jedoch berührt: Die Geschichten sind wahr-was einem unglaublich erscheint, da sie voller Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten stecken. Fazit: Ein Buch das im Nachhinein zum Nachdenken anregt.

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  • Rezension zu "Die Predigt von La Victoria" von Eduardo Belgrano Rawson

    Die Predigt von La Victoria

    Ailis

    06. October 2010 um 16:10

    Eduardo Belgrano Rawson nennt sein Buch einen Roman aus dem wirklichen Leben. Was er erzählt, ist also größtenteils wahr und nicht erfunden, aber eben nicht alles - das können allerdings nur jene unterscheiden, die dabei gewesen sind. Das schließt wohl 99% der Leser von Anfang aus, was in meinen Augen ein zweifelhafter Start in diesen Roman ist, der auf mich so vollkommen unstrukturiert wirkte. Selbst, wenn man sich ganz fest vornimmt, sich auf diese Geschichte einzulassen, auf die Ungerechtigkeiten, die sie schildert, ist es schwer, wirklich Durchblick zu gewinnen. Belgrano Rawson scheint ein großer Freund von Zeitsprüngen zu sein, 30 Jahre überwindet er im Flug, sowohl nach vorne als auch zurück, mit kleinen Zwischenstopps in der Mitte. Dabei wirft er mit Vornamen, Familiennamen, Spitznamen und Berufsbezeichnungen nur so um sich, dass es mir oft nicht gelungen ist, die Figuren den einzelnen Geschichten zuzuordnen, die er zu erzählen hat. Ich war als Leser ständig auf der verzweifelten Suche nach Zusammenhängen. Den Rahmen des Romans bilden zwei Geschichten: die des jungen Nelson, der für einen Mord gefoltert und hinter Gitter gebracht wird, der nie stattgefunden hat, und die Pedros, der als erwachsener Mann erfährt, dass er als Baby geraubt wurde und seine Eltern nicht seine Eltern sind. Das Schicksal der beiden jungen Männer fasst Belgrano Rawson am Beginn der beiden großen Abschnitte bereits in wenigen Worten zusammen. Es folgt dann jeweils eine verwirrende Nacherzählung des ganzen Geschehens, in der der Autor auf Nelsons und Pedros Erlebnisse eingeht, dabei aber so sprunghaft zwischen unzähligen weiteren Geschichtchen und Anekdoten wechselt, dass man am Ende eigentlich nur noch festhalten kann: Argentiniens politische und geselleschaftliche Verhältnisse waren chaotisch und verwirrend und sind es wohl nach wie vor. Inhaltlich hat der Roman mich mitgenommen, schildert er doch die Willkür der Justiz, der Polizei und des Militärs: um zu hören, was man hören wollte, wurde der Beschuldigte einfach nur lange genug gefoltert, sowohl seelisch als auch körperlich, bis er gestand, was er womöglich gar nicht getan hatte. Belgrano Rawson erzählt wortgewandt von solchen Aufräumaktionen der führenden Mächte, aber leider zu wirr und unstrukturiert. "Die Predigt von La Victoria" ist für mich der klassische Fall eines überfüllten Romans - manchmal ist weniger eben doch mehr!

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