Eduardo Mendoza Der Walfisch

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Inhaltsangabe zu „Der Walfisch“ von Eduardo Mendoza

Als der Bischof Fulgencio Putucàs 1952 aus Lateinamerika nach Spanien kommt, um in Barcelona an einem eucharistischen Kongress teilzunehmen, wird er von einer Gastfamilie respektvoll aufgenommen. Doch in seinem Heimatland findet ein Militärputsch statt, und Putucàs kann nicht mehr nach Hause - in Barcelona gestrandet, macht er eine kuriose Wandlung durch. Er hilft im Haushalt der Familie und ist bald nicht mehr der ehrwürdige Mann der Kirche, sondern einfach Fulgencio. Dann aber geht er immer öfter auf Sauftour und ist eines Tages verschwunden. Erst Jahre später taucht er wieder auf, und erneut hat er sich komplett verändert. Ein vergnüglicher Roman über die Bilder, die wir uns voneinander machen, und die Überraschungen eines Lebens.

Habe ich an einem Nachmittag im Park im Gras liegend gelesen. Unterhaltsam, witzig, mit Urlaubsfeeling.

— LeBoudoir
LeBoudoir

Mal was anderes. Ausgefallene Geschichte, aber es so kommen kann im Leben. Ein Rätsel bleibt offen.

— Postbote
Postbote

Bandwurmsätze, ein Erzählen ohne Luftholen, hat mich leider nicht berührt oder gefesselt.

— vielleser18
vielleser18

Fesselnd, ungewöhnlich und sehr unterhaltsam - ein toller Roman.

— lesebiene27
lesebiene27

Konnte mich leider nicht wirklich überzeugen und läßt mich mit einem Fragezeichen zurück

— hannelore259
hannelore259

Ich weiss nicht so recht welche Geschichte mir der Autor erzählen wollte.

— ANATAL
ANATAL

ganz anders als erwartet

— Leseratz_8
Leseratz_8

Ein bewundernswerter Schreibstil und eine geistreiche Erzählung.

— missmistersland
missmistersland

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  • Ein eigenartiger Bischof

    Der Walfisch
    Duffy

    Duffy

    17. November 2015 um 10:36

    Barcelona 1952. Zu einem Kirchenkongress kommt Bischof Putucàs aus einem kleinen lateinamerikanischen Land. Er wird, aus Mangel an offiziellen Übernachtungsmöglichkeiten, bei der Familie des Erzählers untergebracht. Ein Putsch in seinem Heimatland verhindert die Rückreise und die Familie beherbergt den Bischof weiterhin, der sich aber nun zu einem ganz normalen Menschen mit normalen menschlichen Fehlern entwickelt. Mendoza begleitet uns in die Welt des Scheins, die Amt und Würde vorgaukeln, beschreibt die Wandlung eines Menschen und macht dies auf eine humorvolle Weise, verknüpft mit einer gewissen unaufdringlichen Weisheit. Herausgekommen ist ein kleiner kompakter Roman, der für manches Schmunzeln sorgt und trotzdem in die Tiefe geht. Gerade in dieser Kürze liegt Mendozas Stärke: Seine flüssige und in sich geschlossene Erzählkunst. Er ist und bleibt einer von Spaniens Größten.

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  • Keine Rückkehr

    Der Walfisch
    Postbote

    Postbote

    1952 kommt ein Bischoff aus Lateinamerkia nach Barcelona zu einem Kirchenkongress. Dort ist er bei einer Gastfamilie untergebracht. Beide Gemeinschaften bemühen sich sehr miteinander klar zu kommen. Bis der Tag der Abreise des Bischoffes da ist und er bitter erfahren muss das er durch einen Millitärputsch in seiner Heimat nicht mehr dort willkommen ist. Er frägt um Erlaubnis bei der Familie wohnen zu bleiben.So geschieht dies. Und er hilft gar im Haushalt mit, geht einkaufen und macht sonstige Botengänge. Gar legt er immer mehr seine Persöhnlichkeit als Bischoff in der Familie ab. Keine Robe mehr, sondern ein Anzug eines verstorbenen Familienmitgliedes, das den Hausherren in einen Lachanfall bringt. Der Bischoff wandelt sich in Fulgencio. Er gibt seine Robe und Schätze bei einem Familienmitglied ab. Der Schmuck landet im Safe. Durch seine Hilfe im Haushalt stellt sich die Frage, brauchet man die Haushaltshilfe noch länger, die auch bezahlt wird. Einiges gerät aus dem gewohnten Trott der Familie. Der Sohn, der diese Geschichte aus seiner Sicht hier im Buch erzählt, hat ein gutes Verhältniss zu Fulgencio. Auch kann er von ihm etwas lernen. Und der Bischoff verschwindet dann auf eine merkwürdige Weise. Keiner weis so recht wo er ist. Das Leben der Familie geht weiter. Und dann taucht er wieder auf und hinterlässt eine sündige Geschichte. Wieder taucht er unter. Das Büchlein ist eine Geschichte von einem Bischoff der durch ein Schicksal nicht mehr in seine Heimat zurück kann. Der Kern der Geschichte ist die Wandlung vom Bischoff zu einem tatsächlichen Fulgencio den ich hier nicht verraten möchte. Sein Bischoffsdasein hat ihn geschützt und der Putsch hat ihn verändert. Ein Rätsel bleibt aber offen. Seine Gastfamilie waren gute Leute, das mir gefallen hat. Nett zu lesen, Geheimnisse bleiben, unterhaltsam alle mal.  

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    • 2
    Faidit

    Faidit

    08. October 2015 um 17:25
  • Ein Bischof kehrt nicht zurück...

    Der Walfisch
    lesebiene27

    lesebiene27

    1952 kommt in Spanien der Bischof Fulgenico an, um am eucharistischen Kongress teilzunehmen. Nach dessen Beendigung kann er leider nicht in sein Heimatland zurückkehren, da dort ein Militärputsch stattgefunden hat und auf seinem Kopf ein Kopfgeld ausgelobt wurde. Also bleibt er ohne weitere Kleidung, Habseligkeiten und Geld in Spanien und hilft im Haushalt der Familie, bei der er wohnen darf, bis es Klarheiten gibt, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive eines Bekannten des Bischoffs geschrieben, der der Sohn der Familie ist, bei der er gewohnt hat. Der Schreibstil ist zwar ungewöhnlich - weil er diese Geschichte erzählt, als würde er sich daran zurück erinnern - aber sehr angenehm, weil es fesselnd ist, die Seiten aber auch nur so dahinfliegen. Dies hat mir beim Lesen viel Freude bereitet, auch wenn allein von den Geschehnissen nicht so viel passiert ist. Mit ca. 120 Seiten ist das Buch relativ dünn, doch der Autor schafft es dennoch auf diesen wenigen Seiten eine wundervolle und umfassende Geschichte zu formen. Hierbei lässt sich bei dem Protagonisten Fulgenico einen Wandel der Persönlichkeit nachvollziehen, was ich sehr interessant fand. Seine Situation konnte ich zwar nur schwer nachempfinden, aber ich kann mir vorstellen, dass der Mann es nicht leicht gehabt haben wird, in einem fremden Land ohne seine Familie und seine Freunde zu sein und nicht zu wissen, wann man zu diesen zurückkehren kann. Die Protagonisten in diesem kleinen Buch waren mir zwar unsympathisch, doch haben sie mir irgendwo auch gefallen, weil sie so beschrieben wurden, dass man auch mit wenigen Worten schon ein klares Bild von ihnen und ihrer Umgebung vor Augen hatte. Die Familie war ein wenig merkwürdig, aber so, wie eine Familie nun mal sein kann: anstrengend und egoistisch, aber dennoch mit einer Art von Gemeinschaftsgefühl gekennzeichnet. Interessant fand ich, dass Fulgenico irgendwie zwar als Familienmitglied behandelt wurde, sich dennoch nicht über die Privilegien erfreuen durfte, die einem solchen Mitglied zugestanden hätte. Doch kam es mir ein wenig unverständlich vor, dass er weder gefragt, sondern über seinen Kopf hinweg über sein Leben und dessen Umstände entschieden wurde, er aber nicht den Eindruck machte, als würde ihm viel daran liegen, seine Meinung vertreten zu dürfen. Gut gefallen hat mir an dem Buch, dass die Situationen und die Figuren sehr menschlich dargestellt wurden. So nehmen die Familienmitglieder gerne einen Menschen bei sich auf, wenn sie wissen, dass derjenige lediglich ein paar Tage bei ihnen sein wird – doch als es heißt, dass er nicht zurückkehren kann, beginnen sie den Mann am liebsten loswerden zu wollen. Die Situation, in der sich Fulgenico befindet, wird tragisch komisch beschrieben, aber die meiste Zeit über hatte ich Mitleid mit dem Mann, das sich im Laufe der Zeit in Unverständnis gewandelt hat. Besonders gut gefallen hat mir aber die einfühlsame und zugleich direkte Darstellung des persönlichen Wandels, den der Bischoff in Spanien durchmacht. Von mir bekommt „Der Walfisch“ 4 von 5 Sternen, da ich mich bis auf einige wenige Momente gut unterhalten gefühlt habe.

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    • 3
  • Hat mich leider nicht überzeugt

    Der Walfisch
    vielleser18

    vielleser18

    27. August 2015 um 06:58

    Barcelona in den 50ern. Anlässlich des eucharistischen Kongresses werden hunderte von Bischöfen und katholischen Besuchern in Barcelona erwartet. Da die Kirche und die Stadt nicht alle unterbringen kann, werden auch Privatunterkünfte gesucht. Daraufhin meldet sich auch Conchita, verheiratet mit einem reichen und angesehen Mann. Conchita ist eine Art Familienoberhaupt und hält ihre Großfamilie zusammen, darunter auch ihre vier Brüder und ihre Familien. Ein Bischof aus einem kleinen "Kuhkaff", wie es ein paar Familienmitglieder respektlos nennen, aus Lateinamerika, aus einem kleinen Staat, wird bei der Familie untergebracht. Doch alle aufwändigen Bemühungen Conchitas sind zwecklos, der Bischof bleibt wortkart, zurückgezogen und nimmt nur an offiziellen Terminen teil. Einzig zur Beichte lässt er sich von Conchita überreden. Doch als eine Revolution die Rückkehr am Ende des Kongresses verhindert, bleibt dem Bischof nichts anderes übrig als zu bleiben. Die Geschichte wird von einem der Neffen Conchitas in der Retroperspektive erzählt, wie eine alte Erinnerung wieder ans Tageslicht geholt. Man kann sich gut vorstellen, dem Erzähler gegenüber zu sitzen und dem Monolog des Ich-Erzählers zuzuhören. Die Geschichte ist auch nicht so lang, nur 124 Seiten, dennoch zieht sie sich, da der Erzähler in endloslangen verschachtelten Bandwurmsätzen die Begebenheiten schildert. Auch die Charaktereigenschaften des Bischhofs sind mir schlicht zu wechselhaft geschildert. "Er sprach sehr langsam, mit leiser und monotoner Stimme, und wiederholte jeden Satz mit leichten Abwandlungen zwei- oder dreimal.." (s.57), "...(er ) kein großer Redner war und sich unklar ausdrückte, dementgegen stellte er seine Forderungen sehr harsch..." (S56) Im Laufe der Geschichte, wird ziemlich abfällig über ihn geurteilt, ("...dass wir ihn nun noch rücksichtsloser unterbrachen und ihm offen ins Gesicht lachten, wenn er etwas Dummes sagte." S62). Einzig der Ich-Erzähler baut anscheinend etwas wie Freundschaft mit ihm auf. Doch die Wege trennen sich und erst nach Jahren taucht der Bischof für einen kurzem Moment wieder auf um dann endgültig in der Versenkung zu verschwinden. Weder der Erzähler - geschweige denn der Leser - erfährt von seiner Zukunft. Manche Sätze des Autors klingen geschliffen, die Moral der Geschichte ist auch zu erkennen, dennoch hat mich dieses Buch weder gepackt noch überzeugt. Schade.

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  • ganz anders als erwartet

    Der Walfisch
    Leseratz_8

    Leseratz_8

    Umschlagtext:"Als der Bischof Fulgencio Putucàs nach Barcelona kommt, um an einem eucharistischen Kongress teilzunehmen, wird er von seiner Gastfamilie respektvoll aufgenommen. Am Tag, an dem er wieder abreisen soll, findet in seinem Heimatland ein Militärputsch statt. Putucàs gilt als unerwünschte Person und kann nicht mehr nach Hause – er ist in Barcelona gestrandet und macht eine kuriose Wandlung durch. Er hilft im Haushalt der Familie, erledigt Einkäufe, macht die Betten, hilft bei den Hausaufgaben. Und bald ist er nicht mehr der ehrwürdige Bischof, sondern einfach Fulgencio, der die abgelegte Kleidung der Familienmitglieder aufträgt. Das ist aber nicht die einzige Wandlung, die der Bischof zur Überraschung der Familie durchläuft." Der vorliegende Text verheißt eine locker leichte Unterhaltung über einen gestrandeten Bischof, der seine kirchlichen Würden ablegt, um eines der einfachen Schafe der Kirche zu werden. Aber so einfach ist es nicht. Die Geschichte wird aus der Sicht des jugendlichen Sohnes der Familie erzählt, der sich zuerst, ob des Brimboriums, das um den Bischof gemacht wird, zu Tode langweilt und ihn am Ende als das erkennt, was er ist, ein einfacher Mensch, ein Gestrandeter, ein Getriebener. Die Geschichte, so kurz sie auch ist, ist mehrbödig. Nicht nur die Schlichtheit des Menschen hinter der Robe, auch die Verlogenheit der "gläubigen" Tante bei der Fulgencio zu Beginn logiert, wird thematisiert. Eine spanische Großfamilie mit ihren schwarzen, grauen und weißen Schafen lernt man im Lauf der Zeit kennen. Erst sind es nur stereotype Gestalten, aber mit der Zeit erkennt man die andere Seite, die liebevoll besorgte oder die egoistisch herablassende. Die Entwicklung Fulgencios verliert sich in der Geschichte. Nur wenig ist wirklich belegbar. Für mich stand eher die Entwicklung des jungen Erzählers im Vordergrund. Diese ist allerdings mindestens genauso interessant. Und dann die Begegnung mit dem Walfisch... wieder eine große Metapher.  Die Handlung des Buches beginnt 1952 und so ist auch der Stil, ein wenig altmodisch, ein wenig umständlich, aber im Nachhinein betrachtet, sehr passend für die Geschichte. Als ich das Buch beendet hatte, habe ich mich gefragt, was war das jetzt. Aber je länger ich nachdenke, um so mehr erschließen sich mir die verschiedenen Facetten der Geschichte. Fazit: Ein interessantes Buch, das nachdenklich macht, über den Sinn und Unsinn von Handlungen oder Gedanken. Anspruchsvoll und bemerkenswert.

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    • 6
  • Der Walfisch

    Der Walfisch
    ANATAL

    ANATAL

    13. July 2015 um 09:00

    Laut Klappentext wirbelt ein lateinamerikanischer Bischof eine Barceloner Familie, die ihn beherbergt, gehörig durcheinander und sein plötzliches Verschwinden gibt Ihnen Rätsel auf. Ich habe mir eine humorvolle Erzählung über diesen Bischof und seinen Aufenthalt bei dieser Familie darunter vorgestellt. Humorvoll war das Buch in Ansätzen schon, auch die Erzählweise war nicht ganz ohne Witz. Aber im Gegensatz zum Klappentext fand ich, dass jener Bischof zu dieser Familie eigentlich keine übermäßig große Beziehung, vielleicht mit Ausnahme des diese Geschichte erzählenden Jungens, eingeht, geschweige denn diese durcheinanderwirbelt. Zudem finde ich, dass dem Geistlichen keiner großartig nachtrauert als er verschwindet. Ich wusste nicht so recht was mir der Autor Eduardo Mendoza eigentlich hier erzählen wollte, die Geschichte des Bischofs oder die der Gastgeberfamilie. Beide tangieren sich zwar durch den Aufenthalt des Bischofs, haben aber ansonsten nicht viel gemein und sind jeweils nicht richtig rund. Ich dachte eigentlich bis zu hin zu den letzten Seiten, jetzt kommt noch was Entscheidendes, eine Wendung, eine Auflösung wer dieser Bischof vielleicht wirklich ist. Tatsächlich kam nichts Aufregendes mehr. Es trudelte einfach so aus und ich war schon etwas enttäuscht.

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  • Leider nicht das was ich erwartet habe

    Der Walfisch
    hannelore259

    hannelore259

    10. July 2015 um 12:32

    Zum Anlass des eucharistischen Kongresses in Barcelona wird Bischof Fulgencio Putucàs in einer betuchteren spanischen Großfamilie aufgenommen. Der "Bischof vom Kuhkaff" wie er im Späteren genannt wird, scheint nur halb so würdevoll zu sein, wie erwartet und wird, nachdem er aus politischen Gründen nicht in sein Land zurückkehren kann, zur Belastung für die sonst so gläubige Gemeinschaft der Gastfamilie. Tante Concita, die die Fäden in der Hand zu halten scheint, quartiert ihn dementsprechend schnell um. Natürlich nicht ohne vorher noch einmal zu betonen aus einer Notlage heraus und von christlicher Barmherzigkeit getrieben zu handeln. Sein neues Asyl findet Fulgenico bei Concitas Bruder und dessen Familie, zu der auch der namenlose Erzähler der Geschichte gehört. Dort angekommen geht eine seltsame Wandlung mit dem Bischof von statten, der immer mehr zeigt, was er wirklich ist, eine gestrandete Seele, ein ganz einfacher Mensch mit vielen Problemen. Ich muß leider sagen, dass ich mit der Geschichte die meiste Zeit nichts anzufangen wußte, sie konnte mich nicht erreichen und es hat mir viel an Tiefe gefehlt. Die Figuren waren mir zu schwach. Ich konnte mich gerade zu Beginn der Handlung nicht in sie hineindenken und das hat mir den Zugang zu dieser vielleicht tiefsinnigen Geschichte unmöglich gemacht. Da konnte auch die intelligente Sprache des Autors das Ruder nicht herumreißen. Einzig im letzten Drittel des Buches konnte mich die Handlung erreichen. Der Erzähler geht mehr in die Tiefe und auch die Metapher mit dem Wal hat mich angesprochen. Nach Abschluss der Lektüre muß aber trotzdem sagen, das dieses Werk meine Erwartungen nicht erfüllen konnte und mich leider gar nicht berührt hat. Schade.

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  • Die Kirche und das Leben

    Der Walfisch
    sursulapitschi

    sursulapitschi

    Als in Barcelona in den 50er Jahren ein christlicher Kongress stattfindet, wird Bischof Fulgencio ehrfürchtig von einer angesehenen einheimischen Familie beherbergt. Tante Conchita führt das Regiment über zahlreiche Onkel und Tanten eines namenlosen Ich-Erzählers, lässt alle zum Empfang des Bischofs antreten und inszeniert ein frommes Familienidyll, das in sich zusammenfällt, als unvorhergesehene Ereignisse eine Abreise des Bischofs unmöglich machen. Wegen eines Militärputsches in seinem Heimatland, kann er auf unbestimmte Zeit nicht zurückkehren, strandet in Barcelona wie ein Wal auf dem Trockenen und muss feststellen, dass ein Bischof im Exil nur noch theoretisch ein Würdenträger ist. Fulgencio erprobt das Leben jenseits der Kirche in vielen Spielarten. Dieses Buch liest sich vergnüglich, erzählt eine bisweilen skurrile Familiengeschichte und führt einem Bigotterie im spanischen Gutbütgertum und auch innerhalb der Kirche vor Augen. Allerdings ist es sehr kurz. Für meinen Geschmack hätte man das Thema sehr viel ausführlicher behandeln können. Fulgencio, um den sich die Handlung eigentlich dreht, bleibt eher im Hintergrund, um dann auf den letzten Seiten eine gehörige Portion „der Moral von der Geschicht“ vom Stapel zu lassen. Auch die Geschichte um die Familie wird schnell im Zeitraffer abgehandelt. Das lässt den Leser etwas unbefriedigt zurück. Man hat das Gefühl, ein nettes Buch gelesen zu haben, das etwas nachdenklich macht, das aber leicht ein eindrucksvolles Buch hätte werden können. Schade.

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    • 2
  • bewundernswert und geistreich

    Der Walfisch
    missmistersland

    missmistersland

    Inhalt: Als der Bischof Fulgencio Putucàs 1952 aus Lateinamerika nach Spanien kommt, um in Barcelona an einem eucharistischen Kongress teilzunehmen, wird er von einer Gastfamilie respektvoll aufgenommen. Doch in seinem Heimatland findet ein Militärputsch statt, und Putucàs kann nicht mehr nach Hause – in Barcelona gestrandet, macht er eine kuriose Wandlung durch. Er hilft im Haushalt der Familie und ist bald nicht mehr der ehrwürdige Mann der Kirche, sondern einfach Fulgencio. Dann aber geht er immer öfter auf Sauftour und ist eines Tages verschwunden. Erst Jahre später taucht er wieder auf, und erneut hat er sich komplett verändert. Ein vergnüglicher Roman über die Bilder, die wir uns voneinander machen, und die Überraschungen eines Lebens.... (Klappentext) Meine Meinung: Bischof Fulgencio wird bei Tante Chonchita einquartiert und damit beginnt das Rad sich zu drehen. Der Ich-Erzähler, ein Junge, berichtet was sich zuträgt als der Bischof in der Familie "eintritt". Der Bischof selbst bleibt zu Beginn unscheinbar.  Schwungvoll und in poetischen Worten erzählt der Ich-Erzähler einen großen Teil seines Lebens. Der Bischof spielt darin eine größere Rolle als es zunächst den Anschein hat. Mit der Erzählung des Jungen tauchen wir ein in eine alteingesessene Familie Barcelonas, zusammen gehalten durch einen eigenwilligen Charakter und bestehend aus interessanten und liebevoll ausgearbeiteten Protagonisten. Eine wundervolle Geschichte über Familie und Akzeptanz. Nicht nur Bischof Putucàs ist ein besonderer Charakter, er verleiht der Erzählung so viel Farbe aber auch Schlichtheit. Die Familienmitglieder sind alle ungewöhnlich auf ihre eigene Art, wie es in so vielen Familien eben ist. Es ist wundervoll von Onkel Victor zu lesen, über Tante Chonchita zu lachen oder mit Vater zu leiden.  Intelligent und charmant werden im Zusammenhang mit Mendozas Schreibstil oft erwähnt - und so ist es auch. Ein Spiel zwischen poetischer Beschwingtheit und einfacher Geradlinigkeit - schön zu lesen und leicht zu mögen. Eine ganze Weile habe ich mich gefragt wann der Walfisch ins Spiel kommen würde. Als er dann "in Erscheinung" tritt war es der perfekte Moment um die Geschichte ausklingen zu lassen. Die letzten Seiten habe ich nur so verschlungen und mit einer ungeahnten Wehmut lies mich das Buch zurück.   Ein schönes Cover das in mir ein wenig das Fernweh weckte, nach der warmen Luft, dem gelblichen Licht und dem abendlichen Treiben Barcelonas. Nicht zu dezent, passend für das Buch. Lieblingssätze: "Und daran stieß er sich nicht: Endlich wurde er so behandelt, wie er es verdiente, endlich durfte er sich als einer von uns fühlen, wie ein verschrobenen, aber liebenswerter Verwander, der gern mitlachte." S. 62 "... wenn ich sie lächeln sah, traten mir Glückstränen in die Augen, wenn sie mit einem anderen sprach, zerfraß mich die Eifersucht, wenn sie wegging, empfand ich unerträglichen körperlichen Schmerz." S. 73 "Niemand kann sich seine Gestalt aussuchen." S. 97 Mein Fazit: Das Buch gehört zu ebenfalls zu den anspruchsvollen Romanen des Jahres 2015 - zurecht. Ein außergewöhnliches Buch das mir noch einige Zeit in den Gedanken herum schwirren wird. Ein bewundernswerter Schreibstil und eine geistreiche Erzählung.

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    • 5
    missmistersland

    missmistersland

    10. April 2015 um 13:21
    Leseratz_8 schreibt Herzchen für Dich und dank Deiner tollen Rezi ist die WuLi wieder länger, grummel ;-))

    Danke dir :) Kenne das Wuli Problem o_O Wir Leser haben es nicht einfach!

  • Die drei Leben eines Heiligen

    Der Walfisch
    Ginevra

    Ginevra

    "Tres vidas de santos" - so lautet der Originaltitel des vorliegenden Buches. Der außergewöhnliche und etwas seltsame Heilige, um den es geht, ist ein lateinamerikanischer Bischof, der im Jahre 1952 anläßlich eines "Eucharistischen Weltkongresses" nach Barcelona kommt. Sein Name ist Fulgencio Putucás aus Quahuicha, später genannt der "Bischof vom Kuhkaff". Er landet auf Umwegen bei der Familie des Erzählers, der damals ein Junge war. Seine bigotte Tante Conchita nimmt den Bischof als Gast auf, damit er sie von ihren Sünden befreit und um ihr Ansehen in der Stadt zu erhöhen. Der Mann aus Lateinamerika ist ein waschechter Indio, ungebildeter, als die Familie es erwartet hatte - aber immerhin wirkt er ziemlich würdevoll, auch wenn er wenig über die Bibel zu wissen scheint. Als in seinem Heimatland plötzlich eine Militärchunta die Regierung übernimmt, ist sein Leben in Gefahr und er kann nicht zurückkehren. Doch Conchitas Mann hat die Nase voll von der Nächstenliebe; der Bischof muss umziehen - zu Conchitas Bruder und dessen Frau, den Eltern des Erzählers. Hier legt der Bischof seine Soutane ab und macht eine merkwürdige Wandlung durch... Edouardo Mendoza, geb. 1943 in Barcelona, studierte zunächst Jura, arbeitete für die UNO und ist seit 1975 einer der bedeutendsten Schriftsteller Spaniens. In seiner Heimat wird er als Erneuerer des historischen Romans gefeiert. Sein wichtigstes Thema sind der Faschismus in Spanien und seine Folgen. Ich fand dieses kurze Büchlein sehr unterhaltsam und interessant. Man erfährt viel über eine leicht verrückte spanische Großfamilie, aber auch über die politischen Umstände, die z.B. den Onkel durch Kriegsinhaftierung und Folter zu einem "Dummkopf" werden liessen. Große historische Ereignisse und Einzelschicksale werden gekonnt miteinander verknüpft, und alles aus der Perspektive eines 13-jährigen Jungen. Das Buch hätte mehr Seiten verdient, das Ende kam mir persönlich etwas hastig vor, einige Fragen bleiben offen, was ich etwas enttäuschend fand. Wer damit leben kann, wird dieses schöne Buch bestimmt lieben! Von mir gibt´s 4 von 5 Sternen für diese Geschichte über gesellschaftliche und persönliche Wandlungen.

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