Eduardo Rabasa

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Der schwarze Gürtel

Der schwarze Gürtel

 (3)
Erschienen am 14.02.2018

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Rezension zu "Der schwarze Gürtel" von Eduardo Rabasa

Ein gerechtes Ende
aus-erlesenvor 6 Monaten

Was ein Ehrgeizling! Fernando Retencio will unbedingt nach oben. Er will den schwarzen Gürtel. Nein, keine sportlichen Meriten. Bei Soluciones, wo er als Problemlöser arbeitet, gilt der schwarze Gürtel als ultimative Huldigung der erbrachten Leistungen. Dann hat man es geschafft.
Und Fernando ist ganz gut in seinem Job. Zumindest besser als die ganzen Pérez, die tagein tagaus am Schreibtisch ihren Fließbandjob verrichten. Ein ausgeklügeltes Punktesystem, das nur der Chef zu entziffern im Stande ist, zeigt im Firmengebäude für alle sichtbar an, wer es drauf hat und wer nicht. 
Fernando ist also Problemlöser. Was das genau ist, ändert sich von Auftrag zu Auftrag. Mal kommt ein Boxpromoter, dessen Star auf einmal Gewissensbiss bekommt, und nicht mehr draufhauen will. Dann muss Fernando sich was einfallen lassen. Er redet mit dem Boxer, bietet ihm die Möglichkeit zu seinen Wurzeln zurückzukehren, indem er ihm einen Boxring aufbauen lässt. Fernando sieht all diese nervenaufreibenden Jobs nur als Wegmarken seines Aufstieges. Er will den schwarzen Gürtel, raus aus der Tretmühle und nicht ewig dort festhängen, wo andere ihr Leben lang nicht von der Stelle kommen. 
So wie Dromundo. Ein Kollege. Fernando sieht ihn aber mehr als persönlichen Sklaven, der er nach seinen Vorstellungen „formen darf“. Nach Oben buckeln, dafür nach Unten umso heftiger treten. Dromundo lässt alles mit sich machen. Noch tiefer kann er nicht sinken. Er wohnt ja schon da, wo er arbeitet. Frau und Kinder inklusive. Letzte spielen jeden Tag saubermachen im Foyer.
Señor Sonrisa ist der allgegenwärtige Herrscher von Soluciones. In regelmäßigen Abständen verkündet er mit plärrender Lautsprecherstimme seine kryptischen Befehle. Wer nicht spurt, fliegt … und wird nie den ominösen schwarzen Gürtel sein eigen nennen können. Witzig für die anderen, besonders aber für Fernando, ist die Abschiedszeremonie, wenn ein Angestellter entlassen wird: Eine Cheerleader-Gruppe singt zum Abschied ein Ständchen und geleitet den Delinquenten dann zur Tür hinaus. Für Fernando ist das immer ein Triumph. Denn dann gibt es eine Hürde weniger auf dem Weg zum schwarzen Gürtel. Bis eines Tages die dauerlächelnden Mädels an seinem Schreibtisch stehen…
Eduardo Rabasa zeichnet ein düsteres Bild der mexikanischen Arbeitswelt. So surreal, dass man kaum an sich halten kann, und immer wieder schmunzeln muss. Er schickt seinen Helden Fernando durch ein Minenfeld der Emotionen. Seine Frau scheint ein Verhältnis zu haben und genießt es sichtlich ihren Gatten leiden zu sehen. Nur um ihn kurze Zeit später wieder zu umgarnen. Und wiederum später ihm seine Tolpatschigkeit und Eiferucht aufs Brot zu schmieren. Ohne die Tabletten von Dr. Lao könnte Fernando nicht überleben. Oder würde er besser leben ohne die weißen Dinger? Schwarzhumorig, was sonst, führt Eduardo Rabasa den Leser am Ring durch die Arena der Halbwahrheiten auf dem übertriebenen Grün der Eitelkeiten.

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Rezension zu "Der schwarze Gürtel" von Eduardo Rabasa

Rezension: Der schwarze Gürtel
killmonotonyvor 8 Monaten

Bei den Frühjahrsnovitäten des Antje Kunstmann Verlags ist mir Eduardo Rabasas „Der schwarze Gürtel“ mit seinem schlichten Cover direkt ins Auge gesprungen. Zugegeben, neben den schicken Ausgaben der „Southern Reach“-Trilogie sah es fast schon etwas langweilig aus, doch der Klappentext klang nach Spaß! Und zwar geht es um Fernando Retencio, der durch sein besonders energisches Streben „nach oben“ auszeichnet. Retencio ist schon fast zwanghaft auf das Erklimmen der Karriereleiter fixiert und wünscht sich nichts sehnlicher, als den schwarzen Gürtel endlich verliehen zu bekommen. Ob es diesen überhaupt gibt oder ob es sich hierbei nur um ein Gerücht aus der Chefetage handelt, um die Pérez, die Mitarbeiter, auf Trab zu halten, ist Retencio dabei ziemlich egal. Die Anzeigetafel, die die aktuellen Ränge der Mitarbeiter anzeigt, ist seine Bibel, sobald ihm etwas gelingt oder auch schief läuft, muss er sich seiner Position im Ranking vergewissern. Dass so ein Charakter ziemlich anstrengend sein kann, merkt auch seine Frau, die von seiner krankhaften Eifersucht die Nase voll hat. Retencio treibt es auf die Spitze, indem er einige wichtige Fälle richtig versemmelt und nicht einmal der Hausmeister von Soluciones ihm aus der Patsche helfen kann. Zu diesem hat Retencio nämlich ein besonderes Verhältnis: Der gute Dromundo wird sklavenähnlich und ohne großes Murren von dem machtgeilen Fernando für alle Belange ausgenutzt, ob es nun die Beschaffung von Informationen über den Fremdgeh-Status seiner Frau sind oder Dromundo aber auf allen Vieren Kleingeld aufsammeln soll, während Retencio ihm dabei mit einem Besen den Hintern versohlt, die Absurditäten Retencios nehmen kein Ende.

In der Eingangshalle stellte er sich so hin, dass er die Anzeigetafel in ihrer ganzen Größe bewundern konnte. Er war wie hypnotisiert vom Tanz der Zahlen, von den endlosen Berechnungen, die anzeigten, wo jeder Einzelne im Moment stand.

Fernando Retencio wuchs mit einem Alkoholiker als Vater auf und wurde schon früh Zeuge, wie der Verfall eines Menschen aussieht. Schon früh wurde ihm eingebläut, wie wichtig es ist, gutes Geld zu verdienen und stets ein Dienstmädchen im Haus zu haben. Diese Lehren hat Retencio mit in sein späteres Berufsleben gebracht, wo er bei Soluciones nach… nun ja, Lösungen für anderer Leute Probleme sucht, so abwegig sie auch sein mögen: Einem Schriftsteller soll er helfen, einen Bestseller zu schreiben, einem zum Buddhismus gewechselten Boxer soll er wieder in den Ring verhelfen, ein von Nonnen festgehaltenes und missbrauchtes Mädchen soll er aus dem Kloster befreien. Die Aufgaben Retencios sind stets abwechslungsreich, und mit Hausmeister Dromundo und dessen Kopfgeschwüren auf der Glatze an seiner Seite bemüht er sich immer um eine möglichst gelungene Lösung, die ihm den schwarzen Gürtel näher bringen soll. Das Thema Ausbeutung ist ein Kernthema vom „schwarzen Gürtel“: Retencios Frau, auch ehemalige Kundin von Soluciones, arbeitet derweil mit Armen und Obdachlosen — doch nicht in dem Kontext, wie man zunächst annimmt. Rabasas Ideenreichtum sind auch hier kene Grenzen gesetzt: Die Menschen in ihrem Programm werden genötigt, Kunst zu erzeugen, ob sie nun Bilder malen oder Gedichte schreiben, die zu Höchstpreisen an reiche Schnösel verkauft werden. Eine finanzielle Entlohnung erhalten die Armen nicht, lediglich „wertvolle Erfahrungen“.


Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/eduardo-rabasa-der-schwarze-guertel

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