Edvard Hoem Die Geschichte von Mutter und Vater

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Inhaltsangabe zu „Die Geschichte von Mutter und Vater“ von Edvard Hoem

Fünfzig Jahre hat der norwegische Schriftsteller Edvard Hoem die Geschichte seiner Eltern mit sich herumgetragen. Sie beginnt für ihn, als er sechs ist und eine einfache und gleichzeitig schwere Frage an die Mutter richtet: "Mama, liebst du den Papa?" Daß er mit seiner Frage an ein Familiengeheimnis rührt, ahnt er nicht. Sie antwortet: "Ich hatte Vater nicht lieb, als ich mit ihm zusammenkam. Aber ich habe ihn liebgewonnen, weil er beständig war, beständig und treu. Und das ist genauso wichtig wie die Liebe."
Wie waren die Eltern, bevor sie Eltern wurden? Edvard Hoem erzählt die bewegende Geschichte seiner Eltern, eines jungen Wanderpredigers, der in den Tälern Norwegens Gottes Wort verkündet, und einer jungen Frau, der die Beziehung zu einem deutschen Soldaten mit einer Schwangerschaft großes Unglück beschert.

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  • Rezension zu "Die Geschichte von Mutter und Vater" von Edvard Hoem

    Die Geschichte von Mutter und Vater

    Gilfaen

    21. February 2011 um 17:15

    „Menschen tragen Geheimnisse in sich, plötzlich tauchen Erinnerungen und Gedanken auf, dann tritt das Heute in den Hintergrund.“[ 1 ] Edvard Hoem hat die Geschichte seiner Eltern recherchiert, konstruiert, verfremdet. Er berichtet von einem bäuerlichen familiären Umfeld, beide Elternteile haben keine Möglichkeit ihre Emotionen, ihre Ängste, vor allem ihre Trauer und Einsamkeit auszudrücken, zu thematisieren. Vieles bleibt unausgesprochen, vieles wird nur durch Mimik und Gestik gegenüber dem Partner ausgedrückt, vieles bleibt verborgen. Hoem, dem die Schweigsamkeit seiner Eltern und vor allem die Aussage seiner Mutter, auf die Frage, ob sie ihren Mann liebe, antwortet: „Ich hatte den Vater nicht lieb, als ich mit ihm zusammenkam, aber ich habe ihn liebgewonnen, weil er beständig war, beständig und treu, und das ist genauso wichtig wie Liebe.“[2] macht ihn misstrauisch, weckt das Interesse an der eigenen Familiengeschichte, an der „Geschichte von Mutter und Vater“. Dabei präsentiert er sich mehr als Suchender denn als Wissender, mehr als Journalist denn als Schriftsteller. Er untersucht private Aufzeichnungen, Sammellisten von Orten, an denen der Vater, ein Wanderprediger, Andachten hielt; er las private Aufzeichnungen und Krankenakten, führte Interviews, arbeitete Daten, sogar Schlagzeilen historischer Tageszeitungen von Norwegens Vergangenheit innerhalb des zweiten Weltkrieges ein. Die Suche nach der eigenen Identität in der Familie wird zu einer Suche nach der Identität Norwegens im 2.Weltkrieg, nach der Identität seiner Mutter, ein „Deutschenflittchen“, nach der seines Vaters, fast sein gesamtes Leben lang zu schwach sich gegenüber den elterlichen Anweisungen, die ihn an Haus und Hof binden, zu widersetzen. Er versucht mit der Perspektive des objektiven Beobachters Familienverhältnisse aufzudröseln, Verständnis für Handlungen seiner Großeltern, seiner Eltern zu finden, nicht zu verurteilen, nicht zu dramatisieren. Ihm ist die Distanz zwischen Geschildertem, Berichtetem und dem Konstrukt seiner schriftstellerischen Freiheit wichtig: „Die meisten Begebenheiten dieses Buches sind authentisch, aber sie sind mit der Stimme des Schriftstellers erzählt, so, wie er es vor sich sieht, nach dem, was er gesehen und geträumt hat.“[ 3 ] Für mich bleibt er viel zu sehr Suchender, Unwissender. Eine literarische Verdichtung von gesammelten Fakten findet praktisch nicht statt. Die Figuren leben nicht für sich und die Geschichte, es bleiben Persönlichkeiten aus dem Leben des Autors, viel zu sehr Erinnerungsgestalten seiner eigenen Vergangenheit. Er scheitert an dem Projekt seinen Eltern eine Romanexistenz zu geben, Figuren zu werden, die nach für den Leser verständlichen emotionalen, moralischen, logischen Massstäben agieren bzw. reagieren und somit ein Produkt ihrer eigenen Vorstellungen und Ideen werden, zu Handlungsträgern, die ihre eigene Identität begründen, ihren eigenen Lebensweg erst bestimmen müssen. Sie werden nicht zu den literarischen Eltern des Ich-Erzählers, sondern sie bleiben die Eltern des Autors Edvard Hoem. Der „Roman“ erweist sich als unpathetisch, unsentimental. Das bäuerliche Leben wird als einfaches, aber hartes Arbeitsleben, im Wechsel der Jahreszeiten, dargestellt, nicht im Fontane’schen[4] Stil verklärt, sondern eher durch die konservativ, stark religiös geprägte Lebensart der Gemeinschaft, bestimmt. Edvard Hoem nährt sich dieser Gemeinschaft, vorurteilsfrei, deckt aber dennoch doppelmoralische Züge dieser Gemeinschaftsform auf. Dabei arbeitet eher pointiert, präzise und fokussiert die Geschichte seiner Eltern als Teil einer solchen Lebensgemeinschaft auf, zeichnet ihre Rollen nach, charakterisiert sie dabei beide als Außenseiter, als identitätslose junge Menschen auf der Suche nach ihrer Bestimmung im Leben, die beide auf ihre Art und Weise an den gesellschaftlichen, aber persönlichen Grenzen, Problemen und Emotionen scheitern. Das Scheitern beider Figuren wirkt nicht gekünstelt, gestelzt oder theatralisch überdramatisiert, die Sprache hat mehr berichtendem, mehr nüchternen Charakter. Da beide Protagonisten keine Sprache für ihre Gefühle und Leidenschaften haben, und sich dabei auch keiner abstrakt natürlichen Beschreibung[5] bedienen, wird die Ebene der Gefühle zumeist über Bibelzitate ausgedrückt, z.B. hat Edvard Hoems Vater, Knut, keine Worte dafür seiner Frau für ihren Fleiß, ihre positive Arbeitshaltung, die ihm das Leben erleichtert, in irgendeiner Form Dankbarkeit zu zollen. Er formuliert diesen Dank in Form eines Zitats aus dem Buch der Sprichwörter[6]: „Eine tüchtige Frau ist mehr Wert als Perlen.“[7] Das Buch bietet kaum Spannung, ist doch das Familiengeheimnis bald offen gelegt. Es bietet auch keine Unterhaltung, wirkt es mehr als journalistischen denn als schriftstellerisches Zeugnis. Und doch bereue ich keine Sekunde die Lektüre dieses Buches genossen zu haben. Die Suche nach der eigenen Identität, nach der Identität innerhalb der Familie als kleinste gesellschaftliche Größe, der Suche nach der Identität beider Eltern, findet in Edvard Hoems Roman „Die Geschichte von Mutter und Vater“ eine würdige Darstellung. Die Stärke des Romans ist es keine festen Vorstellungen, keine Meinungen, keine Perspektiven, vom Autor vorgegeben, vorzufinden. Der Versuch eines hohen Grades an Objektivität und Authentizität erleichtert den Zugang zu den Figuren, werden doch ihre Handlungen und Ideen in ein gesellschaftliches System des ländlichen Norwegens innerhalb des 2.Weltkrieges eingeordnet. Aber es gelingt dem Autor nicht die Geschichte zu verdichten, viele Passagen wirken langatmig, vieles wird zu detailliert erklärt, ohne dass einen Fortschritt für die Geschichte bringen würde. Viel zu unsentimental, viel zu wenig Identifikationspotential ermöglicht der Autor dem Leser mit seinen Figuren, so dass mehr ein historisches Dokument entsteht, an Stelle eines literarischen Zeugnisses ~*~ [1] Edvard Hoem: Die Geschichte von Mutter und Vater; Suhrkamp Taschenbuch-Verlag, 1.Auflage 2009, S. 77 [2] ebenda, S.7/8 [3] ebenda, S.220 [4] Botho von Rienäcker ist ein von Fontanes Gestalten, die ein erhöhtes Interesse am einfachen Leben hat („Jeder Stand hat seine Ehre. Waschfrau auch.“) , das bäuerliche Leben dabei geradezu verklärt. Dabei rebelliert er passiv gegen das feste Standesdünkel, gegen die Vorstellungen einer ’standesgemäßen Ehe’, bleibt aber dennoch bei seinem adligen Leben, um den bisherigen Lebensstandard halten zu können („Ich bitte Sie, Wedell, [Botho von] Rienäcker steht vor einer viel schärferen: Er hat 9000 jährlich und gibt 12000 aus, und das ist immer die schärfste aller Ecken, jedenfalls schärfer als die Heiratsecke. [Käthe zu] heiraten ist für Rienäcker keine Gefahr, sondern die Rettung.“) - vgl. Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen [5] Conxa hat aufgrund des einfachen Lebens, aufgrund der fehlenden Bildung für ihre Emotionen, ihre Gedanken keine Sprache entwickelt und nutzt so abstrakte, natürliche, aus ihrem Lebensumfeld stammende Vergleiche (“Ich fühle mich wie ein Stein im Geröll. Wenn irgend jemand oder irgend etwas mich anstößt, werde ich mit den anderen fallen und herunterrollen; wenn mir aber niemand einen Stoß versetzt, werde ich einfach hier bleiben, ohne mich zu rühren, einen Tag um den anderen…”) - vgl. Maria Barbal: Wie ein Stein im Geröll [6] Nach Luthers Bibelübersetzung lautet das Sprichwort allerdings: „Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.“ (Spr 31,10-12,25-30) – Quelle: Bibeltexte für Hochzeitstexte [7] Edvard Hoem: Die Geschichte von Mutter und Vater; Suhrkamp Taschenbuch-Verlag, 1.Auflage 2009, S. 212 ~*~ Im übrigen gibt es bereits eine Fortsetzung “Heimatland. Kindheit”, die sich mit der Entwicklung Edvards auseinandersetzt, vor allem mit einer Identitätsentwicklung, mit seiner Entscheidung auseinandersetzt zwischen dem väterlichen Erbe als Wanderprediger zu arbeiten, den Bauernhof zu übernehmern oder Abitur zu machen, zu studieren und eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen.

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  • Rezension zu "Die Geschichte von Mutter und Vater" von Edvard Hoem

    Die Geschichte von Mutter und Vater

    MoMo

    17. October 2009 um 21:46

    Diese Biographie kann ich nur empfehlen. Der Autor erzählt die Geschichte seiner Eltern, die in Norwegen zur Zeit des 2. Weltkrieges sich als ehepaar gefunden haben, ohne das es die grosse Liebe war. Die Mutter des Autors kommt aus sehr ärmlichen Verhältnissen, hat in jungen Jahren die grosse Liebe bei einem deutschen Soldaten gefunden und wurde von diesem schwanger. Nach Kriegsende wird sie als Soldatenflittchen angefeindet und ihre Familie hat es sehr schwer. Der Vater des Autors soll den elterlichen Hof übernehmen und ist sich dieser Sache nicht sicher, er fühlt sich als Laienprediger der christlichen Kirche berufen. Die Erzählung ist mit einfachen schnörkelosen Worten geschrieben. Mir war vorher nicht bewusst wie arm es in derländlichen Gegend war, man erfährt also nicht nur etwas über die Geschichte der Eltern, sondern auch über die Zeit, die Kriegsjahre und wie wichtig der Glaube in früheren Jahren war.

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