Edward Brooke-Hitching

 4.1 Sterne bei 11 Bewertungen

Lebenslauf von Edward Brooke-Hitching

Edward Brooke-Hitching ist der Sohn eines Antiquars und arbeitete in einer Eisfabrik, sowie bei verschiedenen Zeitungen und am Theater. Er studierte Filmwissenschaft an der University of Exeter und widmete sich den Dokumentarfilmen. Er schrieb Drehbücher für BBC, ist ein Mitglied der Royal Geographical Society, der British Cartographic Society sowie der International Map Collectors' Society. Inzwischen ist er ein preisgekrönter britischer Dokumentarfilmer und veröffentlichte 2015 sein erstes skurriles Sachbuch "Fox Tossing, Octopus Wrestling and Other Forgotten Sports". Brooke-Hitching lebt in London.

Alle Bücher von Edward Brooke-Hitching

Enzyklopädie der vergessenen Sportarten

Enzyklopädie der vergessenen Sportarten

 (1)
Erschienen am 26.09.2016
Atlas der erfundenen Orte

Atlas der erfundenen Orte

 (8)
Erschienen am 13.10.2017
The Phantom Atlas

The Phantom Atlas

 (0)
Erschienen am 03.11.2016

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Rezension zu "Atlas der erfundenen Orte" von Edward Brooke-Hitching

Herrliches Buch über Karten
Monika_Graslvor 4 Monaten

Hierbei handelt es sich um ein Buch, das eines auf den Punkt bringt: fehlerhafte Seekarten.

Das Buch ist aber nicht nur für Freunde der hohen See geeignet, sondern bietet sich auf für jene an, die mal das fiktive auf der Welt sehen wollen.

Besonders die Karten sind sehr aufwendig gestaltet und bieten einen Blick auf vermeintliche Seeungeheuer, die man vielleicht oder auch doch kennt. Die Texte zu den jeweiligen Karten sind sehr unterhaltsam verfasst und so langweilt das Buch keineswegs.

Auf was man ebenfalls einen Blick werfen sollte ist das Cover, das zwar irgendwie an einen Schulatlas erinnert, dennoch nicht an die Schule und den manchmal vielleicht gefürchteten Geografieunterricht erinnern lässt.

Fazit: Ein hübsches Buch, das alleine mit seinen vielfältigen Karten besticht und zudem mit Mythen aufräumt, die jeder von uns schon mal irgendwann gehört hat.

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Rezension zu "Atlas der erfundenen Orte" von Edward Brooke-Hitching

Nicht nur für Kartenfreaks ein tolles Geschenk!
Bellis-Perennisvor einem Jahr



Atlas der erfundenen Orte/Edward Brooke-Hitching/5 Sterne

Dieser mit historischem Kartenmaterial reich illustrierte Band listet die geografischen Irrtümer auf. Brooke-Hitching entlarvt sie ebenso unterhaltsam wie informativ als Aberglauben, Hirngespinste und Missverständnisse. Wundern darf sich der geneigte Leser über die Zähigkeit und Standhaftigkeit, mit denen einige dieser Irrtümer auch noch in Zeiten von GoogleMaps Bestand haben. Nicht, dass GoogleMaps fehlerfrei wäre, ….

Zur leichteren Übersicht werden Inseln, Königreiche und/oder biblische Landstriche in alphabethischer Reihenfolge dargestellt von „Anian“ bis „Zeno-Karte“.

Was aber hat nun Entdecker und Kartografen aller Jahrhunderte dazu getrieben, nicht existente Inseln und Gebirge in ihre Karten aufzunehmen? Wann und wo hat der Irrglaube seinen Ausgang gefunden?

• Bei jenen Herrschern, die die Herkunft ihrer Bodenschätze verschleiern wollten? Welcher Herrscher gibt schon gerne preis, wo seine (Edel)Metallvorkommen liegen? Eben. (S. 69/ „Die Kassiteriden“)

• Bei jenen, die es nicht aushielten, wenn auf der Karte weiße Flecken blieben und sie daher mit Fabelwesen ausfüllten? (siehe „Carta Marina“ S. 54)

• Bei jenen Entdeckern und Kartografen, die von anderen abschrieben und es mit der Überprüfung der Daten nicht so genau nahmen?

• Bei jenen, die nicht zugeben wollten, gar nicht dort gewesen zu sein?

• Bei jenen, die sich tatsächlich geirrt und Luftspiegelungen für Inseln oder Berge gehalten haben?

Vermutlich wird bei den meisten von allem etwas dabei gewesen sein. 

Sir Gregor McGregor (1786-1745) ist da vielleicht die Ausnahme, weil er bewusst den Leuten im „Fürstentum Poyais“ ein Paradies vorgegaukelt hat, um den potentiellen Siedlern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wie kommt es dazu?

1821 gelten die südamerikanischen Staaten als prestigeträchtige und sichere Geldanlage, bei der Renditen versprochen werden, die in Europa der Nach-Napoleonischen Ära nicht erzielt werden können. So ergibt sich eine Immobilienspekulation, die hunderte verarmte Europäer (vornehmlich Briten) dazu treibt, ihre wenige Habe zu verkaufen und in das „Gelobte Land“ zu reisen. Im „Fürstentum Poyais“ angekommen, entdecken die Auswanderer, welcher Lüge sie aufgesessen sind. Nur 49 von 270 werden wieder nach London zurückkehren, die anderen sterben. Der Hochstapler McGregor versucht seinen Coup nochmals, diesmal in Frankreich und fliegt auf. Er flüchtet nach Venezuela und stirbt - unbehelligt von der Justiz - im Jahr 1845 (S. 190).

Manchmal suchen Forscher und Entdecker vergeblich nach einer, in Seekarten verzeichneten Insel und finden eine andere Landmasse: So passiert 1721 als die Niederländische Westindien-Kompagnie nach „Davies Land“ suchen lässt und die „Osterinsel“ findet. (S. 80)

Nicht nur (See)Karten inspirieren die Menschen, sich auf die Suche nach unbekannten Orten zu begeben. Nein, auch die fixe Idee ein „irdisches Paradies“ (S. 92) zu finden, spornt Gelehrte aller Epochen an, nach diesem zu suchen: Antike Griechen und Römer nach dem „Goldenen Zeitalter“ und die Christen nach dem „Garten Eden“, der in Mesopotamien vermutet wird. Mit dem Erscheinen der mathematisch berechneten Längen- und Breitengrade des ptolemäischen Systems (Grundlage der heutigen Kartografie) werden die bislang gültigen „mappae mundi“ ersetzt. Diese mathematischen Karten machen den, mit allerlei Fantasiegeschöpfen und Glaubensinhalten versehenen Karten, den Garaus. Dafür ist ab der Renaissance wenig Platz, der praktische Inhalt ist wichtiger.

Die Gier nach Gold und anderen (Boden)schätzen, lässt schon früh Wagemutige nach der „goldenen Insel“ suchen. Der Höhepunkt der Eroberungen wird dann im 15. und 16. Jh. in Mittel- und Südamerika nach „El Dorado“ suchen. Kolumbus, Pizzaro, Cortez und Sir Walter Raleigh werden auf der Jagd nach dem Gold nicht nur ihre Schiffe, Männer sondern oft auch ihr eigenes Leben verlieren. Und warum? Weil sie dem Mythos des „Goldenen Mannes“ aufgesessen sind. Einer Tradition der Chibcha-Indianer (heute Kolumbien), die ihren neuen König bei seiner Inthronisation mit feinem Goldstaub bedeckten. (S. 100)

Doch nicht nur die Menschen der frühen Jahrhunderte sind Täuschungen erlegen. Viele sehen das, was sie sehen wollen. Sie sehen Berge oder Inseln, die ihnen von Wolkenbänken vorgegaukelt werden. Sie sehen Ruinen, wo es nur eigenwillige Gesteinsformation gibt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die „Verlorene Stadt in der Kalahari“ (S. 142), eine angebliche Entdeckung des amerikanischen Erfinders William Leonard Hunt. Auf der Suche nach Diamanten in der Kalahari durchquert er diese, und behauptet, eine uralte Zivilisation entdeckt zu haben. Um seinen Worten Gewicht beizumessen, reicht er seinen Reisebericht inklusive Karte bei der Royal Geographical Society in London und der Berliner Gesellschaft für Erdkunde ein. Ganz bescheiden überlässt er die Beurteilung seiner Entdeckung anderen. Nachfolgende Expeditionen finden keine versunkene Hochkultur, sondern nur natürliche Basaltformationen vor. Allein bis 1967 zählt man 26 Versuche, die „verlorene Stadt“ zu finden. Doch das ist noch nicht das Ende der Suche. 2010 und 2016 werden Ultraleichtflugzeuge zur Auffindung eingesetzt.

Die berühmten „Kong-Berge“ in Äquatorialafrika werden 1889 von Luis Gustav Binger regelrecht zertrümmert. Binger, Offizier aus Straßburg, ist einer der ersten die vor Ort gewesen sind. Zu seiner Überraschung findet er weit und breit keine Berge, ja nicht einmal die kleinsten Hügel.

Doch wie kommt ein Gebirge, das angeblich 6.000 km parallel zum 10. Breitengrad laufen soll, in die Landkarte(n)? Der Fehler/Irrtum wird dem englischen Geografen James Renell zugeschrieben, der 1795-97, alleine (!) nur mit einem kleinen Taschensextanen und zwei Schrotflinten im Gepäck, durch Afrika reist. Doch auch Renell übernimmt nur Gerüchte anderer Europäer, die im 16. Jahrhundert über diesen angeblichen Gebirgszug berichten. (S. 146)

Selbst in der Gegenwart werden nicht existierende Oste von den Karten gestrichen: „Sandy-Island“ wurde erst 2012 entfernt, da sich dort, wo lt. Koordinaten die Insel sein sollte, sich nichts als Meer befindet, an dieser Stelle 1.300 Meter tief. (S. 206)

Meine Meinung:

Historische Landkarten sind ein faszinierendes Thema. Der Autor ist als Sammler solcher Karten bekannt.
Minutiös listet er die erfundenen Orte auf und erzählt die Entstehungsgeschichte der Irrtümer. Die eine oder andere wird auch als bewusste Fälschung entlarvt.

„Wenn im 16. und 17. Jh. Seekarten veröffentlicht wurden, enthielten sie oft bewusstfalsche Angaben, weil die Regierungen verhindern wollten, dass feindliche Staaten davon profitierten.“ (Julio Zamora, Präsident der Geografischen Gesellschaft Mexikos/S. 41)

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Wer sich mit Kartografie beschäftigt, kommt an diesem Buch nicht vorbei, obwohl es eine ganze Menge Literatur über historische Karten gibt.

Die deutsche Übersetzung aus dem Englischen ist gut gelungen.
Das Buch besticht durch seine hochwertige Ausfertigung. Zu jedem der erfundenen Orte gibt es eine oder mehrere farbige Karten. Durch das Hineinzoomen mittels Kartenausschnitt in die jeweilige Region, lässt sich auch eine kleine Insel gut verorten.

In rotes Leinen gebunden und mit einem bunten Schutzumschlag, der an Pergament gemahnt, ist das Buch ein wertvolles Geschenk nicht nur für Liebhaber historischer Karten.

Fazit:

Selten hat mich ein Buch über alte Karten so gefesselt, wie dieses Buch. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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Rezension zu "Atlas der erfundenen Orte" von Edward Brooke-Hitching

Ungenaue Kartographie - selten hat sie mehr Spaß gemacht!
fuxlivor einem Jahr

Kalifornien als Insel, versunkene Königreiche und das irdische Paradies – diese und andere gefühlten Fakten haben Kartografen quer durch die Jahrhunderte fein säuberlich in ihren Atlanten festgehalten. Dabei hatten manche dieser Phantome ein erstaunlich langes Leben. Nach einer im 17. Jahrhundert der Phantasie entsprungenen Insel im Golf von Mexiko etwa hat man bis 2009 gesucht. Dann gab man sich geschlagen. Wo nahm der Irrglaube seinen Anfang? Warum wurden geografische Orte aufgezeichnet, die es gar nicht gab? Und was faszinierte die Menschen an all den bizarren Geschichten und Gestalten? Die hier vorgestellten historischen Karten präsentieren neben mancher tatsächlichen Entdeckung von Reisenden und Forschern vor allem Erfindungen und Irrtümer. Zusammen mit spannenden Begleittexten ergeben sie ein amüsantes Buch zum Blättern, Staunen und Wundern.

Schon immer habe ich gerne alte Karten angeschaut, auf denen neben Landmassen auch Seeungeheuer, Siapoden, Drachen und was weiß ich noch eingezeichnet sind. Natürlich kenne ich die Legende von Atlantis und ich weiß auch, dass man vor der Entdeckung Amerikas davon ausging, dass es ein Land geben müsse, dass Europa auf der Kugel sozusagen gegenüber liegen muss, um das Gleichgewicht der Erdkugel zu halten. Ich habe auch schon vom Magnetberg gehört, der angeblich in der Antarktis sein soll oder von einer unterirdischen Welt, die ein Spiegelbild unserer oberirdischen sein soll. Kein Wunder also, dass mich dieses Buch magisch anzog.

Ich wurde nicht enttäuscht. Zahlreiche Länder und Völker, die es nie gegeben hat, werden hier angesprochen. Meist handelt es sich um Inseln, die von Schiffsmannschaften sozusagen im Vorbeifahren gesichtet worden sind, was manchmal tatsächlich schon gereicht hat, um diese Inseln auf Seekarten auftauchen zu lassen. Denn nie hat jemand behauptet, diese Inseln tatsächlich betreten zu haben – und nie hat sich jemand darüber gewundert, dass kein einziger Beobachter neugierig genug war, um mal wirklich auf der Insel zu landen.

Überhaupt ist das der Kern des Buches: ungenaue Kartographie. Manchmal trat da einfach Wunschdenken an die Stelle nüchterner Wissenschaft, die zu einem riesigen Binnenmeer in Australien führte, oder zu einem Phantom-Salzfluss, der vom Pazifik nach Utah führte, um den Großen Salzsee zu erklären. Die Inseln hatten eine erstaunliche Angewohnheit zu erscheinen und zu verschwinden und Afrika war für Generationen von Kartenmachern mit einer Bergkette versehen worden, die es nie gab!
Noch verblüffender ist ja, dass sich so manche Phantom-Insel sogar jetzt – in den Zeiten von Google-Earth – noch in manchen Köpfen hält.
Ein charmantes Detail mitten im Buch ist außerdem ein Kapitel, dass sich mit den Fabelwesen beschäftigt, die auch so oft und gerne auf alten Karten zu finden sind. Von Seeschlangen, -schweinen, -kühen, -einhörnern usw. bis hin zum berühmten Charybdis aus der Odyssee ist so ziemlich alles zu finden. Bei der Vielzahl wundert man sich, dass sich überhaupt noch jemand aufs Meer getraut hat. Man fragt sich aber auch, wie all diese menschenverschlingenden Monster überleben konnten, bevor Schiffe die See befuhren.

Der Autor erklärt sehr gut und amüsant, wie die Missverständnisse um die diversen Inseln etc. entstanden sind. Im Großen und Ganzen ist es sehr unterhaltsam. Allerdings würde ich es nicht in einem Zug durchlesen, denn irgendwann kommt man mit den Inselnamen und den verschiedenen 'Entdeckern' durcheinander. Also immer mal wieder ein Kapitel lesen und sich dabei unbedingt auch die Zeit nehmen, die dazugehörigen, abgebildeten Karten zu studieren.

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