Edward Carey

 3,9 Sterne bei 18 Bewertungen

Alle Bücher von Edward Carey

Cover des Buches Heap House (ISBN: 9781471401596)

Heap House

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Erschienen am 07.08.2014
Cover des Buches Das verlorene Observatorium (ISBN: 9783935890113)

Das verlorene Observatorium

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Erschienen am 01.09.2002
Cover des Buches Observatory Mansions (ISBN: 0375709231)

Observatory Mansions

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Erschienen am 01.01.2002
Cover des Buches Foulsham (ISBN: 9781471401633)

Foulsham

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Erschienen am 02.07.2015
Cover des Buches Little (English Edition) (ISBN: 9781910709405)

Little (English Edition)

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Erschienen am 02.10.2018
Cover des Buches ALVA AND IRVA (ISBN: 9780330396059)

ALVA AND IRVA

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Erschienen am 05.03.2004

Neue Rezensionen zu Edward Carey

Cover des Buches Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud (ISBN: 9783406739484)Gwenvhyvars avatar

Rezension zu "Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud" von Edward Carey

Das Leben und Leiden der Anna Maria Tussaud
Gwenvhyvarvor einem Jahr

Anna Maria Grosholtz kommt in einem kleinen Dorf im Elsass zur Welt, einige Jahre vor der Französischen Revolution. Nach dem frühen Verlust ihres Vaters zieht es ihre Mutter nach Bern, wo ihnen beiden gute Arbeit bei einem gewissen Doktor Curtius versprochen wird. Nach einer Reihe unglücklicher Ereignisse ist die kleine Marie nun vollkommen auf den merkwürdigen Curtius angewiesen, welcher ihr nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung immer mehr zur Bezugsperson wird und sie bereits in jungen Jahren an die Kunst der wächsernen Darstellung des Menschen und seiner Anatomie heranführt.


"Köpfe", stammelte Curtius Mercier an, der für ihn übersetzte. "Meine Profession ist die Herstellung von Köpfen!"


Hier beginnt eine lange Reise, geprägt von Missgunst, Leidenschaft, Liebe und dem Kennenlernen vieler interessanter Menschen, unter anderem von beachtlicher historischer Bedeutung. Demnach treten neben Jean-Jaques Rousseau - welcher vor allem in den Jahren zur heranwachsenden jungen Dame einen positiven Einfluss auf sie ausübt - auch Ludwig XVI. von Frankreich sowie über Umwege auch Napoleon Bonaparte in das Leben der Marie Grosholtz ein. Dabei wird sie ständig begleitet von Wachs, Gips und mehr oder weniger ihrer Profession zugeneigten Menschen, deren Köpfe sie für die Öffentlichkeit in Wachs und Farbe zu fassen vermag.

Bereits beim Lesen des ersten Kapitels wird deutlich, dass sich dieses Buch sowohl in Bezug auf den durch oftmals morbiden Humor beeinflussten Schreibstil als auch der vorkommenden Charaktere, welche manches Mal sonderbarer nicht sein können, von gewöhnlichen Romanen hervorhebt.

Die Handlung ist von Anfang an in eine von Trauer und fortwährenden Hoffnungsschimmern geprägte Atmosphäre gehüllt, da die junge Marie schon früh mit dem Tod in Verbindung kommt und sich von nun an immer wieder von Neuem beweisen, erniedrigen und durch eine Welt voller Anfeindungen und wenig Anerkennung kämpfen muss. Dabei hält sie sich mit Träumen von Erfolg, dem Festhalten an ihrer Leidenschaft - dem Modellieren aus Wachs - und dem Wunsch nach bedingungsloser Liebe über Wasser. Dennoch gelingt es Edward Carey mit einer gewissen Prise extrovierten Humors, dem Leser ebenso viel Durchhaltevermögen und Optimismus entgegenzubringen wie sie der Protagonistin zueigen sind, dass die Geschichte keinesfalls in Trauer versinkt. Durch eine Verstrickung mit vielerlei kleinen und großen freudigen Ereignissen, gelingt eine abwechslungsreiche Erzählweise mit diversen Wendepunkten, welche stets auf Neue das Interesse des Lesers wecken und Lust auf die weitere Handlung machen.

Zugegeben, es kann anfangs eine Weile dauern, bis man sich an dieses Buch gewöhnt. Hat man dann jedoch in die Welt der Marie und das Bern, Frankreich und London des 18. Jahrhunderts gefunden, möchte man Petite nicht mehr beiseite legen und sie durch die schönen und schlechten Tage ihres Lebens begleiten.

Ich kann es jedem empfehlen, der sich nach einer abwechslungsreichen, ungewöhnlichen und nie langweilig werdenden Lektüre sehnt!

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Dieses Buch habe ich gründlich unterschätzt, vielleicht weil es einen so niedlichen Eindruck macht, dabei ist es alles andere als das. Im 18.Jhd. ist gar nichts niedlich am unteren Rand der Gesellschaft.

 Hier wird die bemerkenswerte Geschichte eines Dienstmädchens erzählt, das es schaffte, sich aus ärmsten Verhältnissen hochzuarbeiten, das trotz ihres Standes und ihres Geschlechtes durch Talent, Fleiß und Zähigkeit weltberühmt wurde. Das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud kenn jeder, dass ihr Leben hart und ein einziges Abenteuer war, ahnt niemand.


Natürlich haben wir hier eine Romanbiographie, bei der sicherlich einiges dazuerfunden wurde, trotzdem musste ich mehrfach Wikipedia befragen, weil ich wissen wollte, ob ihr Leben wirklich so verrückt gewesen sein kann oder ob der Autor vielleicht ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist.


 Sie erzählt höchstselbst, Marie Grosholtz, und breitet ihr ganzes Leben aus von der Kindheit bis ins hohe Alter und kommt dabei vom Elsass über Bern nach Paris und London, aber ein Spaziergang war das nicht.

Sie zeichnet gerne und hat überall den Text ergänzende Bleistiftzeichnungen eingefügt. Und weder in Wort noch im Bild beschönigt sie etwas, zeigt die Dinge, wie sie sind, auch wenn sie bisweilen makabre Züge haben. Man braucht schon eine sehr spezielle Gleichmut, um mitten in der französischen Revolution frisch geköpfte Schädel in Wachs zu gießen.

Marie war eine Dienerin, eine Zeichnerin, eine Künstlerin, Gespielin einer Prinzessin, eine Gefangene und ein Freigeist. Ihre Geschichte ist wechselvoll, unterhaltsam, wunderbar erzählt und hat einen sehr eigenen leicht morbiden Charme.

Und neben Maries persönlicher Geschichte bekommt man noch die französische Revolution höchst anschaulich vorgeführt mit all ihren Abgründen. Großartig!


Eine dicke Empfehlung für dieses wunderbare Buch, ganz eigen, sehr speziell, ein Erlebnis.



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Cover des Buches Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud (ISBN: 9783406739484)RenaMs avatar

Rezension zu "Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud" von Edward Carey

Edward Carey: Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud
RenaMvor 2 Jahren

Ich stecke immer in den kleinen Ecken und Nischen dieser Welt. Ich dränge mich niemandem mit großem Gepolter auf. Ich suche mir eine Lücke und richte mich dort ein. (Seite 313)

Anna Maria Grosholtz wird 1761 im Elsass geboren und zieht im Alter von sieben Jahren mit ihrer Mutter nach Bern. Bei Dr. Curtius soll ihre Mutter als Haushaltshilfe arbeiten, doch sie stirbt und Marie nimmt ihre Stelle ein. Im Laufe der Zeit übernimmt sie immer mehr die Aufgaben einer Assistentin von Dr. Curtius, der für das Spital Wachsmodelle der menschlichen Organe und Körperteile herstellt.

Zwei Jahre später müssen sie Bern verlassen und gehen nach Paris. Dort mieten sie sich bei der Witwe Picot ein. Marie oder Petite, wie sie wegen ihrer geringen Körpergröße gerufen wird, arbeitet auch im Haushalt der Witwe und ihres Sohnes als Dienstmädchen, wird permanent von der Witwe schikaniert und drangsaliert. Sie muss in einem dunklen Verschlag wohnen und darf nicht mehr das sein, was sie sich am meisten wünscht: die Assistentin von Dr. Curtius. Der hat immer mehr zu tun, da sehr viele Pariser ihre Köpfe in Wachs nachgeformt haben möchten.

Sie treffen die skurrilsten und absonderlichsten Menschen in diesem Paris der vorrevolutionären Jahre. Curtius und Marie formen Wachsköpfe von Adligen und Gaunern, von Philosophen und Mördern, von Lebenden und von Toten.

Eines Tages besucht auch Elisabeth, die Schwester Ludwigs des XVI., das Figurenkabinett, ist von Maries Arbeit begeistert und erbittet sich ihre Dienste. So zieht Marie nach Versailles und wird Elisabeths „Mensch, Herz und Milz“. Sie lebt die nächsten 10 Jahre in einem Schrank in den Fluren des Schlosses und wird eine enge Vertraute der Prinzessin.

Wie ein running gag, bei dem einem allerdings das Lachen schmerzhaft im Hals stecken bleibt, wiederholt Petite ihre Forderung nach Lohn. All die Jahre, ob im Dienst von Curtius und der Witwe Picot oder als „Körper“ der Prinzessin Elisabeth, erhält sie keinerlei Bezahlung. Auch die Entlohnung für ihre Dienste in Versailles wird an Curtius und die Witwe ausgezahlt.

Nachdem Marie unerlaubt die königliche Familie in Wachs nachgebildet hat und das entdeckt wird, schickt man sie in Schimpf und Schande zurück. Das Wachskabinett hat sich in dieser Zeit sehr vergrößert und ist in Paris eine Attraktion geworden. Doch alles wird sich ändern. Es ist das Jahr 1789.


Edward Carey hat nach eigenen Aussagen 15 Jahre recherchiert und geschrieben. Dazu hat er das Buch mit bezaubernden Zeichnungen illustriert. Im Nachwort erläutert er die mühsamen Recherchen aufgrund des wenigen Wissens über das Leben der Madame Tussaud. Daher sind sicher viele Episoden im Roman eher Fiktion als Biographie. Das tut der Wirkung des Buches aber keinerlei Abbruch.


Petite ist ein praller, lebendiger, faszinierender Roman mit einer mutigen, naiv-weisen, gutherzigen und genau beobachtenden Heldin. Beim Anfertigen der Gussformen für ihre Wachsköpfe sieht Marie viel mehr als nur das Äußere der Menschen. Sie versteht mehr vom Leben als Curtius, sie durchschaut die Schranzen am Hof von Versailles und sie leidet mit den Armen in den Gossen von Paris. Anna Maria Grosholtz, die spätere Madame Tussaud, erzählt in diesem Buch ihr abenteuerliches Leben mit morbider Präzision, lakonischem Humor und ohne Larmoyanz.


Ein Leseerlebnis, das in Erinnerung bleiben wird.


Edward Carey: Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud

Aus dem Englischen von Cornelius Hartz

C.H.Beck, August 2019

Gebundene Ausgabe, 490 Seiten

24,00 €

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